Jahres-Roundup 2017 – Teil #1

Frankfurt, 23.12.2017

Fred ColeVorweihnachtszeit. Zeit der Kaffeekränzchen, Plätzchen, der Besinnlichkeit und des Rückschauens. Für manche sicher auch der Langeweile, flaut doch die Schlagzahl der zu besuchenden Konzerte merklich ab, vorbei sind die Peaks im Frühjahr und im Herbst. Zeit, das ablaufende Jahr nochmal zu beurteilen, das unterste nach oben zu kehren und sich zu erinnern, was hervorstach und was in Kürze der Vergesslichkeit anheim fallen und durch neue Erlebnisse ersetzt werden wird. Der Jahrgang 2017 war in meinen Augen ein besonders guter, und dementsprechend fällt mein Rückblick etwas länger aus als gewohnt. Nichtsdestotrotz sei jede/r eingeladen, sich ein wenig Zeit zu nehmen, die folgenden Zeilen zu lesen und dabei vielleicht auch den ein oder anderen Tipp für 2018 oder die kommenden Jahre mitzunehmen. Insgesamt 115 Shows habe ich an 65 Abenden gelauscht, und wie immer möchte ich einige der besten (und der schwächsten) Gigs erwähnen, bevor ich dann in einem Countdown auf meine persönlichen Top Ten eingehe.

Bild oben: Fred Cole, aufgenommen am 3. März 2017 im Frankfurter Club Zoom, bearbeitet 12/2017 (Klick zum Vergrößern)

Konzerte

Der Start ins Konzertjahr 2017 war furios. Schon in der zweiten Januarwoche machte SNFU wieder in der Frankfurter Au Station. Frontmann Mr. Chi Pig lieferte, wie immer wenn er Herr seiner Kräfte und Sinne ist, mit seinen Mannen eine tolle Show – und nahm sich dabei, wer will es ihm verdenken, auch mal als SNFUTeufelchen kostümiert eine kleine Auszeit mit Binding-Pulle.

SNFU in der Au, 13. Januar

Highlight des Februars war der US-Amerikaner Shawn James, diesmal nicht mit seiner Band THE SHAPESHIFTERS, sondern solo im Frankfurter Ponyhof. Nur mit seinen Klampfen im Gepäck bescherte der Mann aus Chicago dem Publikum einen Abend mit meist düsteren Rock-, Blues- und Folk-Songs, hin und wieder unterbrochen von kleinen Geschichten und Anekdoten. Eindringlich, nachhallend und für den Fall, dass er wie angekündigt 2018 wieder allein in Deutschland zu sehen sein wird, eine absolute Empfehlung. Ebenfalls im Februar: Die guten alten VIBRATORS (an gleicher Stelle), deren Gigs man auch nach all den Jahren immer The Imperial Mustardwieder beiwohnen kann. Sie können‘s halt einfach, auch den Leuten, die sie

The Imperial Mustard in „Das Bett“, 24. Februar

schon x-fach gesehen haben, Freude zu bereiten. Mich eingeschlossen. Am Monatsende fand dann ein für die Frankfurter Musikszene wichtiges Event statt: Das „Slagoffice“, eine Agentur für ebenso verdiente wie aufstrebende Künstler der Mainmetropole, feierte seine Gründung im Club „Das Bett“. Nicht weniger als acht Acts waren präsent, am besten gefielen mir MALY MACHT MUSIK, Wolf Schubert-K. und THE IMPERIAL MUSTARD.

Fred & Toody of Dead MoonDer März begann mit dem Auftritt von Fred & Toody Cole, 2/3 der legendären

Fred & Toody im Zoom, 3. März

Formation DEAD MOON, später bei THE PIERCED ARROWS aktiv. Rau, krachig und knarzig wars im Frankfurter Zoom, wie stets, wenn das (im Juni) 50 Jahre verheiratete Paar seine Stimmen und Gitarren malträtierte. Der Abend lebte ein wenig von der Nostalgie, der Erinnerung an vergangene Tage und frühere Gigs, und es war zu ahnen, dass man die beiden zum letzten Mal sehen würde. Am 9. November 2017 starb Fred Cole im Alter von 69 Jahren, er bleibt bei Fans in aller Welt unvergessen. Noch einige weitere Shows sind im März zu erwähnen. Der deutsch-finnische Liedermacher Mäkkelä Sam Densmorelohnte die Anreise zum Offenbacher Waggon, mit dem

Sam Densmore im Hafen 2, 12. März

amerikanischen Singer/Songwriter Sam Densmore eröffnete ich ein paar Tage später die Open Air-Saison im Hafen 2, ebenfalls in Offenbach. Am 17., dem St. Patricks Day, verwandelte die Frankfurter Irish Folk-Band BLUE BLISTERING BARNACLES die Kneipe Feinstaub in einen biergeschwängerten Irish Pub. Tags darauf traten THE WEAKLINGS aus dem schwedischen Malmö in der Sub Rosa Bar auf. Es war ein klasse Abend – The Bustersaber auch für lange Zeit der letzte Live-Gig in dem Etablissement im Frankfurter Nordend – wegen

The Busters in „Das Bett“, 25. März

Beschwerden der Anwohnerschaft und Stress mit dem Ordnungsamt mussten weitere dort geplante Konzerte verlegt werden. Den Monat beschloss musikalisch die Ska-Band THE BUSTERS, ein vielköpfiges Ensemble aus Wiesloch, das mit seinen zwei Sängern noch jedem Tanzmuffel den Rhythmus in die Beine gebimst hat. So auch im gut besuchten Frankfurter Club „Das Bett“. Feucht. Fröhlich. Rude!

The Blues Against YouthDer April startete mit der One-Man-Band THE BLUES AGAINST YOUTH, mit der wir später noch ein feines Interview machen konnten. Netter Kerl, der gebürtige Römer, und sein selbst ernanntes „Country Rock Primitive One Man Experiment“ kann man nur als gelungen bezeichnen. Außerdem im April: Der phänomenale Gig von … Oh, Moment, das kommt ja erst im Countdown der Besten…

The Blues Against Youth im Dreikönigskeller, 7. April

Im Mai sollte ich drei Auftritte herausheben: Erstens den von Zander Schloss & Pascal Briggs in der Frankfurter Kneipe Alte Liebe. Zuerst agierte Briggs solo, dann stieß Schloss dazu, der später auch noch alleine spielte. Ich vermute, den meisten Besuchern in der picke-packe vollen Institution in Sachsenhausen dürfte, nicht zuletzt aufgrund seiner Reputation (Mitglied der CIRCLE JERKS, Zander Schloss & Pascal Briggs, Foto: Caren KockZusammenarbeit mit Joe Strummer, Sean Wheeler und etlichen mehr sowie Filmmusiker, Schauspieler, etc.) Schloss besser gefallen haben. Bei mir war es allerdings andersherum:

Zander Schloss & Pascal Briggs in der Alten Liebe, 9. Mai

Ich mochte die frischeren, progressiveren Tracks von Briggs. Sei‘s drum, für alle war an diesem Abend etwas dabei. Zweitens die Show der kanadischen CREEPSHOW, die mit ihrer umtriebigen Frontfrau Kendalyn Legaspi das Frankfurter Nachtleben mal wieder gehörig aufmischten. Und drittens den Gig der bei uns heimischen PUERTO HURRACO SISTERS (für alle, die sie noch nicht kennen: das sind sieben Herren), die im Dreikönigskeller ein Set von Ska/Reggae/Jazz hinlegten, das seinesgleichen suchte. Warum hab ich das eigentlich nicht in den Top Ten? Da stimmt doch was nicht. Wie dem auch sei, Bericht für 2018 ist in Planung…

F*cking AngryJuni heißt auch immer: Au-Sommerfest. Will ich mich dieses Jahr gar nicht lange aufhalten mit. Das „Familientreffen“ der Szene war wie immer prima. Von den sechs Bands, die anfangs

F*cking Angry beim Au-Sommerfest, 3. Juni

bei schönstem Sonnenschein und später im prasselnden Regen auftraten, gefiel mir gleich die erste, F*CKING ANGRY aus Bonn, am besten. Das gabs auch noch nie. Ein paar Tage später galt es sich in den Zug zu setzen, um im Kesselhaus des Schlachthofs in Wiesbaden die Kanadier BLOOD CEREMONY zu sehen. Doch halt, was war das denn? Als deren Support spielte der mir bis dato unbekannte Act ADMIRAL SIR CLOUDESLEY SHOVELL, der in meinen Augen seinem Headliner mal fein die Butter vom Brot nahm. Da die beiden Briten mit Australierin am Schlagzeug kurz darauf im Frankfurter Dreikönigskeller gastieren sollten, gabs nur eins: Nochmal hin. Dead Elvis and His One Man GraveDoch zu diesem Gig (und zu einem weiteren im Juni) dann unten mehr…

Dead Elvis im Dreikönigskeller, 5. Juli

Juli heißt auch immer: Parkfest in Rödelheim (irgendwie wiederholt sich ja doch ständig alles). Allerdings war meine Anwesenheit 2017 dort nur kurz, da alle Bands schon gesehen und leider ab meiner Ankunftszeit völlig verregnet. Die Show von DEAD ELVIS im Dreikönigskeller war wie immer freaky, krankte aber daran, dass der Holländer ständig seine Gitarre reparieren musste und nach ungewohnt kurzer Spielzeit leicht entnervt die Segel strich. Es sei ihm verziehen, man weiß, es geht besser und wird nächstes Mal auch wieder The Urban Voodoo Machineso sein. Zwei Tage danach kam mit THE URBAN VOODOO MACHINE eine

Urban Voodoo Machine im Hafen 2, 7. Juli

geniale Truppe aus London. Leider wurde das Konzert im Hafen 2 wegen des vorher stattfindenden Freiluftkinos auf Mitternacht (!) angesetzt. Das ging gar nicht, die Folge war ein fast leerer Saal. Die Band legte sich gewohnt professionell ins Zeug, Stimmung wollte unter den wenigen Gästen trotzdem nicht recht aufkommen. Schade. Im Mai 2018 wird die Truppe zur handelsüblichen Startzeit in „Das Bett“ zu Gast sein, und das sollte Loreley-Konzertarenaman sich nicht entgehen lassen. Dann kam der Tag, mein

Freilichtbühne auf der Loreley, 9. Juli

Geburtstags-Geschenk einzulösen, ZZ TOP auf der Loreley-Freilichtbühne zu erleben. Wer schon einmal dort war, weiß um das besondere Flair der Konzertstätte am Rhein. STATUS QUO markierte den Anheizer, zogen mir Schuh und Socken aus, aber nicht weil es so warm war, sondern weil so unglaublich hausbacken und Retro bis über die Schmerzgrenze. ZZ TopZZ TOP kamen weitaus besser, die wichtigsten Stücke waren im

ZZ Top auf der Loreley, 9. Juli

Set, das wir bei beginnendem Unwetter fluchtartig verließen. Die anschließende Heimfahrt bei Gewitter, Hagel und Starkregen die Serpentinenstraßen entlang war noch schlimmer als STATUS QUO. Aber Konzert-Events auf der Loreley sind und bleiben etwas Besonderes. Neben einem Gig, über den ich später noch berichten möchte, gebührt auch zwei Bands Velo de Ozamit Exoten-Bonus noch eine Erwähnung:

Velo de Oza im Feinstaub, 26. Juli

Vom sogenannten „Carranga-Rock“ von VELO DE OZA aus Kolumbien hatte ich mir im Feinstaub mehr versprochen. Dafür hatten die Jungs mit Ponchos und Hüten aber ein originelles Outfit. Das traf auch auf LA FANFARRIA DEL CAPITAN im Frankfurter Yachtklub zu. Die Argentinier lieferten aber dazu noch eine kurzweilige und mitreissende Show, die mächtig Spaß machte. 1:0 für die Gauchos.La Fanfarria del Capitan

La Fanfarria del Capitan im Yachtklub, 29. Juli

Im August sah ich aufgrund von Urlaubszeit nur wenig Konzerte. WHITE FANG im Yachtklub war für mich ein Ausfall, Shawn James (diesmal mit THE SHAPESHIFTERS) konnte im Ponyhof nicht an die Klasse seines Solo-Auftritts anknüpfen. Am Ende des Monats fand neben einer Show, von der noch die Rede sein wird, auch das traditionelle Museumsuferfest statt, das ich nur am Sonntag besuchte. Es Saturn Xhielt unter anderem mit den

Saturn X beim MUF, 27. August

Hardcore-Metallern MEIN KOPF IST EIN BRUTALER ORT (auf der Feinstaub-Bühne) eine ordentliche Gehirnwäsche und den Alternative-Rockern SATURN X (auf der Tiefengrund- Bühne) die skurrilsten Band-Uniformen in Form von orangenen Weltraumanzügen bereit.

PanikraumDer September wartete unter anderem mit einem schönen Doppelpack im Offenbacher Waggon auf. Es spielte DER REST aus Hamburg, die mir an gleicher Stelle schon im vergangenen Jahr gefallen hatten. Als Support trat PANIKRAUM auf, eine

Panikraum im Waggon, 9. September

Combo mit Mitgliedern von EA80 und DIE STRAFE. Guter Düsterpunk. Einen weiteren Höhepunkt stellte der Auftritt von WILD EVEL & THE TRASHBONES im Frankfurter Yachtklub dar. Die neue Scheibe der Österreicher war zwar zum Zeitpunkt des Gigs noch nicht erschienen (inzwischen schon), die Songs wurden aber natürlich gespielt. Und die konnten sich, genau wie die auf dem Debüt-Wild Evel & the TrashbonesAlbum, hören lassen. Die Jungs aus Graz, insbesondere

Wild Evel & the Trashbones im Yachtklub, 30. September

Frontmann Wild Evel, waren in bestechender Form und liessen im Gegensatz zum eher biederen Gig 2012 im Orange Peel diesmal nichts anbrennen. Klasse.

Demented Are GoDer für mich ergiebigste Konzertmonat war der Oktober. Nicht weniger als drei Shows werden später noch im Countdown der besten Zehn auftauchen. Und das war noch nicht alles: Nicht vergessen sollte man DEMENTED ARE GO, die in einem feinen Package mit

Demented Are Go in „Das Bett“, 7. Oktober

THE BRAINS und THE SHRIEKS im Frankfurter Club „Das Bett“ zu sehen waren. Immer wieder spaßig, wenn DAG-Sänger Sparky Philips gut drauf ist und Bock hat. Das war der Fall, und somit konnte die Fangemeinde sich mal wieder nicht nur am Aussehen des Bandbosses und seiner Kollegen weiden, sondern auch an einem prima Psychobilly-Gig. Die BRAINS sah ich zum ersten Mal und werde ich weiterempfehlen. Außerdem Lombego Surfersnoch im Oktober: Die LOMBEGO SURFERS, die den ehrwürdigen Dreikönigskeller

Lombego Surfers im DKK, 6. Oktober

wie gewohnt ordentlich rockten. Das Trio aus Basel lohnt den Besuch immer, Garage Rock at its best. Und GRAVEYARD, die im Gibson für mehr als 30 Euro pro Ticket auftraten und mich langweilten. Bewegten sich kaum, klampften vor sich hin und ließen nicht erkennen, was der Mehrwert sein soll, sie live zu sehen. Kann ich mir auch die Platten anhören.

Und wo wir schonmal bei den Flops sind: Das mieseste Konzert des Jahres fand Anfang November im Frankfurter Nachtleben statt. Das Duo HANZEL UND GRETYL aus New York fabrizierte eine dermaßen tumbe Mischung aus Industrial, Metal und Was-auch-immer, angereichert mit Sounds Ming City Rockersvom Band, dass es ein Ärgernis war. RAZZIA im Original-Line-Up der frühen Jahre war im Exzess

Ming City Rockers im Schlosskeller, 11. November

zumindest phasenweise interessant, die Klopper von einst zünden noch immer. Schließlich sollte ich noch ein paar Worte verlieren über die MING CITY ROCKERS, eine blutjunge britische Combo, die den Schlosskeller in Darmstadt beschallte und trotz nur geringem Zuschaueraufkommen ganz schön fetzte. Kommen angeblich 2018 ins Frankfurter Feinstaub. Vormerken.

The CourettesIch nähere mich dem Jahresende. Die nun zu erwähnenden Konzerte sind gerade mal ein paar Tage her.

The Courettes im Feinstaub, 9. Dezember

Über zwei wird in der gleich folgenden Liste noch zu lesen sein. Zudem gab sich das brasilianisch-dänische Garage-Rock-Trash-Beat-Duo THE COURETTES schon zum zweiten Mal dieses Jahr ein Stelldichein in Frankfurt. Nach dem Auftritt im Mai im Yachtklub folgte nun eine Show im brechend vollen Feinstaub. Lustig war’s. Und laut! Schaue ich mir gern auch 2018 wieder an.

Top Ten

So, und für alle, die diesen langen Text bis hierhin durchgehalten haben, folgt nun meine subjektive Hitparade der zehn besten Shows des Jahres 2017:

10. T.V. SMITH im Ponyhof, 4. Oktober

Manch einer unkte von wegen „schon wieder T.V. Smith“ und ob man da nochmals hin müsste. Der inzwischen 61-jährige Brite kommt in der Tat jedes Jahr mindestens einmal in der Region vorbei und genauso häufig muss man ihn, finde ich, T.V. Smithdann sehen. Smith ist einfach ein begnadeter Entertainer und ein toller Singer/ Songwriter, der zu jeder Tour neben den Klassikern auch neues Material mitbringt. Und dass er in der Zugabe Wunschlieder spielte und mit „The Day We Caught the Big Fish“ auch meinen erfüllte, war nur das i-Tüpfelchen auf einen sehr feinen Konzertabend im Frankfurter Ponyhof. Platz 10.

9. GODDAMN GALLOWS im Dreikönigskeller, 22.Oktober

Goddamn GallowsWer die vermutlich meisttätowierten Männer der Vereinigten Staaten sehen möchte, der ist bei einer Show der GODDAMN GALLOWS richtig. Ich denke nicht, dass man den Jungs im Dunkeln begegnen möchte, vor einer schummrig beleuchteten Bühne wie im Frankfurter Dreikönigskeller dagegen schon. Denn die Combo um Mikey Classic (rechts, Gesang/Gitarre) und Fishgutzzz (unten, Kontrabass) macht auch richtig gute Musik, die sie Goddamn Gallowsselbst “twanged-out punk rock gutterbilly” nennt. Und dass die Kerle zwar gefährlich aussehen, aber dennoch total witzig und nett sind, bewiesen sie nach der Show, als sie für ein kurzes Fotoshooting zur Verfügung standen. Ein ebenso schräger wie denkwürdiger Hillbilly-Country-Punk-Abend, der schon mit dem Support-Act THE END MEN, einem Rock-Duo aus Brooklyn, hervorragend begann. Doppeldaumen hoch für Platz 9.

8. P.R.O.B.L.E.M.S. im Dreikönigskeller, 28. Oktober

Ich mag Bands, die nicht lange rumzackern und schon vom ersten Takt an richtig Alarm machen. Eins der besten Beispiele dafür sind ohne Zweifel die P.R.O.B.L.E.M.S. aus Portland (Oregon). Fünf altgediente Punkrocker, die nur mit P.R.O.B.L.E.M.S.voll durchgetretenem Gaspedal spielen, bis spätestens zum Schlussakkord auch der letzte Pogo-Tänzer japsend nach Luft ringt. Schon 2016 (damals im Exzess) mein Konzert des Jahres, auch 2017 mit dem neuen Sänger Jonny P. Jewels (oben) im ausverkauften Frankfurter Dreikönigskeller in den Top Ten, nämlich auf Platz 8.

7. ADMIRAL SIR CLOUDESLEY SHOVELL im Dreikönigskeller, 11. Juni

Sich eine Band binnen Wochenfrist zweimal anzusehen, ist wohl eher ungewöhnlich. Aufmerksam geworden war ich auf das Trio ADMIRAL SIR CLOUDESLEY SHOVELL als Support-Act für BLOOD CEREMONY im Kesselhaus des Wiesbadener Schlachthofs. Als ich nach dem Gig Tonträger Admiral Sir Cloudesley Shovellerstand, äußerte ich gegenüber der Schlagzeugerin Serra Petale den Wunsch, die Combo möge mal nach Frankfurt kommen. Und manchmal gehen Wünsche ja kurzfristig in Erfüllung: Statt eines Day Off gab ASCS fünf Tage später ein Gastspiel im Dreikönigskeller. Als Headliner packte die Rock-Combo aus der englischen Küstenstadt Hastings nochmal satt einen obendrauf, und während mir die erstandene Platte nicht so recht gefallen will, war das live ein absoluter Hammer. Rang 7.

6. HENHOUSE PROWLERS im Dreikönigskeller, 18.August

Aufgrund der Unkenntnis der Band auf gut Glück losgezogen und … gewonnen. Mit Bluegrass kann man ja eigentlich nie viel falsch machen, doch was die HENHOUSE PROWLERS, eine vierköpfige Formation aus Chicago, auf die kleine Bühne des Dreikönigskellers stellten, war phänomenal. Die Jungs pickten Henhouse Prowlers Tourflyerihre Saiten in einem affenartigen Tempo, verpassten dabei keinen einzigen Einsatz und: Alle vier können auch noch hervorragend singen (es gibt ja genug Bands, in denen nicht mal der Sänger singen kann). Kein Wunder, dass die Truppe schon mehrfach einen amerikaweit ausgeschriebenen Wettbewerb in ihrem Genre gewonnen hat. Und wenn ich bedenke, dass die Herren mit einer weiteren Combo, von der im Ranking noch weiter vorne die Rede sein wird, befreundet sind und mit denen in den USA auch touren, möchte man sich gleich Flug- und Konzerttickets kaufen. Ich beliess es – vorerst – dabei, den gesamten Backkatalog der Band aufzukaufen…

5. BLAGGERS ITA & STAGE BOTTLES im Exzess, 2. Dezember

Am ersten Dezember-Samstag lud das Frankfurter Exzess zu einer Benefiz-Veranstaltung „für den Erhalt linker Freiräume“, mit von der Partie waren die Hip-Hopper „Mutti Love Inferno“, die britische Punk-Band BLAGGERS ITA und Blaggers ITAdie Frankfurter Oi-Institution STAGE BOTTLES. Insbesondere die englische Combo, angetreten mit sehr agilem neuen Frontmann (rechts) hinterließ im prall gefüllten großen Saal einen erstklassigen Eindruck, dem die Local Heroes aber in nichts nachstanden. Ein intensiver Konzertabend für den guten Zweck, Massen-Pogo, Bierduschen und Mitgröl-Refrains inklusive. Beste Stimmung bei toller Atmosphäre und dem ein oder anderen Gänsehaut-Moment. Mein Platz 5.

4. THE FLYING EYES im Dreikönigskeller, 10. Dezember

THE FLYING EYES bespielen in der Regel wesentlich größere Clubs und Hallen als den Frankfurter Dreikönigskeller. Einer sonntäglichen Lücke im Tourplan war es zu verdanken, die Jungs aus Baltimore (Maryland) in einem so kleinen Venue The Flying Eyesund für schmales Geld erleben zu können. Zwar besuchten mit etwa 40 Personen nicht allzu viele Fans den DKK, doch die Psychedelic-Rocker boten ein komplettes Set mit allen Stücken des neuen, famosen Albums „Burning of the Season“ und noch ein paar alten dazu. In solch familiärer Atmosphäre kam das noch ne Nummer besser als an jeder anderen Stelle. Sehr schade, dass sich das Quartett nach der Tour auflöst. Rang 4.

3. SWINGIN‘ UTTERS in der Au, 21. April

Die SWINGIN‘ UTTERS hat man – so man punkrock-affin ist und ein paar Jahre auf dem Buckel hat – ja normalerweise schon mehrfach gesehen. Ich fand die Kalifornier jedes Mal gut – doch irgendwie habe ich das Gefühl, die Jungs um Swingin' UttersShouter Johnny „Peebucks“ Bonnel werden immer besser, und das, obwohl es die Combo schon fast 30 Jahre gibt. Der diesjährige Auftritt holte mich jedenfalls vom ersten Stück an ab, die Song-Auswahl war perfekt und das Publikum in der Frankfurter Au dankte es der Truppe mit nimmermüder Action im Moshpit. Für mich das beste Au-Konzert des Jahres und insgesamt Platz 3.

2. PRIMABOY im Waggon, 13. Juli

Auftritte von PRIMABOY sind immer ein Erlebnis. Ich hatte das Glück, die selbsternannten „drei Blutsbrüder aus der Wetterau“ 2017 gleich zwei Mal zu sehen. Zum einen im September, als sie im Rahmen des Geburtstags-Specials für Primaboyden lokalen Rundfunksender radio x (20 Jahre! Wir gratulieren.) im Frankfurter Saasfee-Pavillon auftraten. Live übertragen, soweit die Funkwellen reichten. Schon dieser Auftritt war cool, den Vogel schoss jedoch der Gig im Offenbacher Waggon im Juli ab. Auf kleinstem Raum zog das Trio seine Show ab und jeder Wahnwitz brach sich Bahn. Frontmann Chris Bible and the Book, nach eigener Aussage genau wie seine Mitstreiter „alt und krank“, bewies das genaue Gegenteil, als er seine Posaune quälte, durch den prächtig gefüllten Waggon (samt Außenbereich) marschierte und das zu den stoischen Beats seiner Kollegen tanzende Volk aufmischte. Spektakel galore! Platz 2.

1. PERT NEAR SANDSTONE im Dreikönigskeller, 22. Juni

Manchmal geht man ja aus purer Neugierde aus dem Haus, will was erleben, eine unbekannte Band sehen, egal ob man hinterher enttäuscht ist oder nicht. So geschehen beim Besuch der Bluegrass-Formation PERT NEAR SANDSTONE aus Minneapolis (Minnesota), bestehend aus dem klassischen Line-up mit Gitarre, Bass, Banjo, Fiddle und – haltet Euch fest – einem Stepptänzer (im Foto Pert Near Sandstonerechts). Der Kerl tanzte auf einer etwa 40 mal 40 Zentimeter großen Metallplatte, das Klackern seiner Schuhe war – unverstärkt – immer noch laut genug, um in den Songs bestens hörbar zu sein. Unglaublich, so etwas habe ich noch nie erlebt. Leider kann ich dazu nur ein Handyfoto anbieten, da ausnahmsweise die Kamera zuhause gelassen. Eine sensationelle Show, die trotz mäßigen Publikumszuspruchs im Frankfurter DKK unfassbar viel Spaß machte. Für mich das beste Konzert des Jahres 2017!

WaggonDanke…

… möchte ich allen sagen, die sich in den unkommerziellen Clubs und Spielstätten wie zum Beispiel dem Exzess, der Au, dem Waggon und einigen mehr darum kümmern, dass die alternative Musikszene auch in unserer Region nach wie vor ihren Platz hat: All jenen, die Bands buchen, Konzerte organisieren, Thekendienst verrichten, sich um guten Sound kümmern, usw. Ich kann nur alle „Konsumenten“ von Live-Musik (so wie ich einer bin) ermuntern, die Angebote zu nutzen, die Shows zu besuchen, um auch dadurch die Wertschätzung für diese Arbeit auszudrücken.

… an die Clubs, die mit uns diverse Gewinnspiele veranstaltet haben (Zoom, Batschkapp) und an alle, die uns mit unseren Kameras gewähren lassen (u. a. Das Bett, Schlachthof/Kesselhaus) oder Fotopässe ausstellen.

Tanzfläche Kuz Mainz… an die Fotograf/innen, die nicht zu unserem festen Stamm, aber zu unserem Netzwerk gehören und uns immer mal wieder mit feinem Bildwerk unterstützen. 2017 waren das mehrfach: Boris Schöppner, Todde Sindel und Britta Stippich.

… Euch allen, die Ihr da draußen diesen Blog ansteuert, virtuell darin blättert, stöbert und manchmal sogar kommentiert. Es gibt Euch, die Klickzahlen (in den vergangenen Jahren stets mehr als 30.000 Aufrufe p. a., 25 Prozent davon aus dem Ausland) beweisen es.

Ich wünsche Euch frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr 2018.

Stefan / Rockstage-Riot-Team

Fotos (21): Stefan
Fotos (8): Kai
Fotos (3): Eric, https://www.flickr.com/photos/vanreem
Foto (Briggs/Schloss): Caren Kock
Foto (Blaggers): Boris, http://www.borisschoeppner.de/
Foto (Utters): Todde, https://www.flickr.com/photos/126331662@N02/

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Filed under 2017, Allgemein

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