MAD SIN

Das Bett, Frankfurt, 24.01.2015

Mad Sin„Wir waren lange nicht hier!!!“ tönte es noch vor dem ersten Song von der Bühne, und der, der das sagte, hatte Recht. Köfte de Ville (rechts), seines Zeichens Sänger der Psychobillys MAD SIN aus Berlin, haben wir samt seinen Spießgesellen seit Jahren nicht mehr in Frankfurt gehabt, und dabei war auch eine gehörige Portion Pech im Spiel: Im Januar 2011 musste die Combo ihren für das Nachtleben geplanten Gig wegen eines Hörsturzes von Schlagzeuger Andy Laaf absagen. Anschließend stand die Mainmetropole dann meines Wissens bis Ende November 2014 nicht mehr auf dem Tourplan und auch dieser, für den Club „Das Bett“ angesetzte Auftritt musste aufgrund von gesundheitlichen Problemen, diesmal von Köfte selbst (er hatte wohl Rücken), ausfallen.

Mad SinGestern nun wurde die Show nachgeholt und von der ersten Minute an war spürbar: Die Jungs hatten richtig Bock. Schon der zweite Satz lautete „Wollt Ihr rockeeeen???“. Was allerdings scheinbar einen so gehetzten Eindruck machte, dass sich der Mann am Mikro den nicht zu überhörenden Ruf „Atme!“ aus den Reihen der zahlreich erschienenen Fangemeinde einfing. Köfte nahms locker, spielte den Ball zurück und nahm den guten Ratschlag im Verlauf des Abends immer mal wieder als Running Gag auf. Vielleicht auch, um sich selbst daran zu erinnern, hier und da einen Gang runterzuschalten. Denn der schwergewichtige Frontmann brauchte die ein oder andere Pause, saß dann mit einem Handtuch Mad Sinum den Hals am hinteren Bühnenrand, während andere, vornehmlich Bassist Valle, kurzzeitig den Gesang übernahmen.

Die seltenen Auszeiten von Köfte taten der Show keinen Abbruch, der volltätowierte Koloss ist ein dermaßen präsenter, aktiver Entertainer und – ich schreibe das, obwohl das möglicherweise schon 387 Rezensenten vor mir taten (oder hätten tun sollen) – die Blaupause einer Rampensau schlechthin. Ob zu Songs wie “Communication Breakdown”, “Point of No Return” und “Brand New Cadillac” über das Podest tobend oder für Momente auf den Knien verharrend, ob ins Mikrofon schreiend oder in die Mad Sinbereitliegende Flüstertüte (deren Alarmsirene prima mit den am linken und rechten Rand aufgestellten rotierenden Rotlichtern korrespondierte), es gab immer etwas zu sehen. Ein paar Sprünge, die die Oberflächenspannung der Bühnenbretter auf eine harte Probe gestellt haben dürften, rundeten seine Performance ab.

Mad SinEbenfalls nett anzusehen waren die Einlagen von Valle an seinem wunderbar illuminierten Kontrabass und dem Gitarristen Ramon Sitoci, die sich entweder an Köftes Stelle in der Mitte am vordersten Rand der Bühne dem Publikum präsentierten oder direkt gegenüberstehend antrieben. Ramon hat ja den Platz von Matt Voodoo eingenommen, der 2012 von der Band gechasst wurde und über dessen folgende musikalische Aktivitäten wir in diesem Blog schon mehrfach berichtet haben (hier und hier). Komplettiert wurde die Truppe von Gitarrist Stein, neben Köfte einziges verbliebenes Originalmitglied der 1987 (!) gegründeten Combo, und Andy am Schlagzeug.

Mad SinZum Schluss ließen MAD SIN in Gestalt ihres Bassisten noch im wahrsten Sinne die Funken sprühen: Nachdem schon eine Weile vorher die Spots im Saal ausgeschaltet worden waren, kletterte Valle mit seinem Instrument in den Zuschauerraum hinab, platzierte sich inmitten der Hörerschar und fackelte aus dem Bass heraus ein schönes Feuerwerk ab. Ich weiß nicht, ob dies bei Shows der Truppe Usus ist, für mich und viele andere jedenfalls war es eine gelungene Überraschung.

Mad SinAls weniger funktionstüchtig erwiesen sich die Konfettikanonen, die Köfte ins Publikum abfeuern wollte: Von dreien zündete gerade mal eine, um die Papierschnipsel auf die Gäste herabregnen zu lassen. Aber der irgendwo zwischen Verwunderung, Verzweiflung und Genervtheit angesiedelte Gesichtsausdruck, den der Sänger darbot, als die Gadgets sich als Rohrkrepierer erwiesen, hätte jede Sabotage Mad Singerechtfertigt. Lustig. Er warf die bunten Röhren schließlich in den Moshpit, wo die Dinger dennoch dankbare Abnehmer fanden.

Ach ja: Ein paar Probleme gab es auch. Es gibt doch immer wieder einige, die sich bei solchen Events nicht im Griff haben. Diesmal fiel neben einem Kerl mit offensichtlicher Testosteron-Überdosis sogar eine Dame aus der Rolle; Schlägereien konnten durch beherztes Eingreifen samt etwas situativen Fingerspitzengefühl entschärft beziehungsweise verhindert werden. Leute, es ist doch nur ein Konzert, und die Band will doch nur spielen… Und das tut sie hoffentlich schon bald wieder im Rhein/Main-Gebiet, denn so lange wie vor dem gestrigen Auftritt möchte ich nicht warten, bis Köfte & Co. wieder hier Halt machen.

Mad SinIm Vorprogramm machten die aus heimischen Gefilden stammenden KING MOROI eine gute Figur. Das Trio, das wir inzwischen schon häufiger als Anheizer im Genre Psychobilly und Artverwandtem gesehen haben, wird für meine Begriffe immer besser. Wer das überprüfen möchte oder neugierig geworden ist, kann das schon bald tun: Am 27. Februar sind sie wieder als Support in „Das Bett“ gebucht, diesmal für die METEORS.

Links: http://www.madsin.de/, https://myspace.com/madsin, http://www.reverbnation.com/wwerw, http://www.lastfm.de/music/Mad+Sin, http://www.kingmoroi.de/, https://www.facebook.com/KingMoroi, http://www.reverbnation.com/kingmoroi

Text: Stefan / Fotos & Clip: Kai

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