ALL THEM WITCHES & THE GHOST WOLVES

Das Bett, Frankfurt, 12.10.2017

All Them WitchesMit ALL THEM WITCHES aus Nashville, Tennessee schlug gestern eine Formation im Frankfurter Club Das Bett auf, die innerhalb kürzester Zeit einen enormen Output hinlegte und sich durch exzessives Touren in gewissen Kreisen eine hervorragende Reputation erspielte. Gegründet erst 2012, erschienen seitdem bereits vier Studio- und zwei Live-Alben – darüber hinaus diverse Singles. Jede Platte klingt ein wenig anders als ihr Vorgänger, jeder Song live anders als am Abend zuvor. Gitarre, Bass, Schlagzeug sowie ein Keyboard mit jeder Menge Pedalen dran – der Bassist Charles Michael Parks jr. (genannt Parks) singt dazu.


Der live zum großen Teil improvisierte Sound ist gut genug, ALL THEM WITCHES als Tagesheadliner auf dem renommierten Stoned From The Underground zu verpflichten – ein erlesenes Kifferrock-Festival, auf dem All Them Witchesaußerdem Bands wie ACID KING, DOOL, KARMA TO BURN oder KADAVAR auftreten. Ihr Debüt erschien auf dem Elektrohasch-Label des Münchner COLOUR HAZE-Gitarristen Stefan Koglek. Ebenso wie diese geben sie ihrem, unter anderem von BLACK SABBATH inspirierten Gitarrenrock live Raum für Improvisation und sind dabei einer Jazz-Formation nicht unähnlich.

Trotzdem sah das Publikum, welches den Laden zumindest nah an die Kapazitätsgrenze brachte, zum großen Teil anders aus als zum Beispiel bei den Sky High-Festivals, die in der Vergangenheit auch öfter in Das Bett stattfanden. Jünger. Böse Zungen sagen: Hipper. Keine Erwähnung der All Them WitchesBand in den Metal-Magazinen, für die die anderen Stoned-Teilnehmer durchaus Thema sind – dafür aber Features in der Prog-Gazette Eclipsed und in der Indie-Bibel Visions. Weshalb? Sollten die Soundbauteile zwischen Krautrock, GRATEFUL DEAD und Jazz etwa den Fans von BLACK SABBATH oder den frühen DEEP PURPLE zu wenig gradlinig sein? Auf dem Stoned-Festival gehörten sie laut einem Frankfurter Besucher zu den Tagessiegern, der Besuch in Das Bett war von daher Pflicht. Vorher wurde jedoch noch ein anderes Fass aufgemacht, als das mit ALL THEM WITCHES befreundete und aus Texas stammende Duo THE GHOST WOLVES die Bühne enterte.

Musikalisch eine ganz andere Baustelle – TGW sind im positiven Sinne völlig hysterisch und in erster Linie Beat, Boogie und Punkrock. Sängerin/Gitarristin Carley Wolf und Schlagzeuger/ Sänger Jonny Wolf waren mir bisher völlig unbekannt, einen Tag vor ihrem Auftritt riskierte ich jedoch ein Ohr und ließ es schnell wieder bleiben: Carleys Gesang ist schon sehr speziell und sprach mich erst mal gar nicht an. Live entfachte das Paar jedoch von Sekunde Eins an eine Energie, der ich mich nicht entziehen konnte und einen großen Teil der Gäste, die ja eigentlich introvertiertere Musik The Ghost Wolveshören wollten, in ihren Bann zog.

Der eine oder andere Besucher schien sogar hauptsächlich ihretwegen gekommen zu sein. Es hatte sich gelohnt: 30 Minuten extremer Rock’n’Roll-Sport, hohes Tempo, erstklassiger Garagenrock und eine Hysterie, die schwindlig machte. Oder, weniger positiv formuliert: „Die Tussi singt total bescheiden, springt dabei im Minirock rum und auf einmal finden es alle süß“, so mein Bekannter vom Stoned-Festival. Auch nicht falsch. War es aber eben. Also süß. Und selbst wenn die Stimme bisweilen nervte: Gegen das Gitarrenspiel und das Rock’n’Roll-Gepose konnte man auch als Muffel nicht anstänkern. Das treibende The Ghost WolvesSchlagzeugspiel Jonnys war darüber hinaus vom Feinsten. Kurios allerdings, dass der Name des Duos nicht auf dem Drumset stand, welches Jonny nutzte, sondern auf dem anderen.

ALL THEM WITCHES-Keyboarder Allan Van Cleave unterstützte TGW bei einem Stück, der vorher ruhende Wolfskopf wurde von Carley zum Ende hin gefährlich über die erste Publikumsreihe geschleudert. Riesenspaß. Mitmachen The Ghost Wolveswar hier erwünscht, im Gegensatz zum Auftritt später. Halbwegs erfolgreiche Mitsing-Animationen zuerst, einhämmern auf die vorgehaltene, einsaitige Schrottklampfe später. In einem anderen Kontext, vielleicht als Headliner im Dreikönigskeller, hätten THE GHOST WOLVES alles vernichtet. So aber blieb ein freundlicher Eindruck ob des gelungenen Kontrastprogramms.

Das sowieso schon wunderhübsche, aber schwer abzubildende Bühnenlicht wurde ab 21 Uhr noch dunkler und psychedelischer. Es ertönte BLACK SABBATH vom Band, die Jünger im Saal goutierten das schweigend und All Them Witcheskopfnickend, bis das Quartett ALL THEM WITCHES die Bühne betrat. Keine Ansagen, keine Animation und keine Show: Die Herren nahmen ihre Plätze ein und begannen. Die meisten Stücke waren von der aktuellen Scheibe „Sleeping Through The War“, doch verließen die Akteure irgendwann stets das Song-Gerüst und spielten, ähnlich wie Solisten in einer Jazz-Combo, aber nie vordergründig auftrumpfend.

Die Musiker waren dabei im Flow, wirkten selbstvergessen, dabei aber immer zueinander gewandt. Was das Publikum damit anstellte, schien Parks schnurz. Seine erste Ansprache kam nach dem zweiten oder dritten All Them WitchesStück, ein bisschen Smalltalk, weil sich das gehört, aber scheiß drauf eigentlich, lass uns weiterspielen. „Talisman“ wurde angekündigt, die Menge kreischte und freute sich. Exakt eineinhalb Stunden verzauberten ATW die Zuhörer, spielten mehr für sich als für uns und kamen gerade deswegen so extrem gut an. Jeder, der zwei Tage vorher von GRAVEYARDs zurückgelehntem Classic-Rock-Stil beeindruckt war, hätte seine Freude haben können an dieser Meisterleistung im Club Das Bett.

Am Ende, nach 90 Minuten Übersound und einem, in meiner Welt, absoluten Konzert-Highlight in diesem Jahr, checkte Parks die Lage und meinte, dass er nicht wisse, „ob die blonde Lady da gerade eine sehr gute oder sehr schlechte Zeit hat“ – jedenfalls sei der nächste Song für sie. Eine Geste, die von der Lady und ihrem All Them WitchesTypen gleich ausgenutzt wurde, um die Bühne zu erklimmen. Doch der Versuch des Stagedivens wurde von Parks deutlich, mit einer Mischung aus Umarmung und in den Schwitzkasten nehmen, beendet, als er besagten Kerl energisch zum Abtreten zwang. Doch nicht so ein Hippie, der Musiker. Stagediving hätte auch eher zur Vorband gepasst.

 

Links: http://theghostwolves.com/https://de-de.facebook.com/TheGhostWolves/https://www.reverbnation.com/theghostwolves, https://www.last.fm/de/music/The+Ghost+Wolves, http://www.allthemwitches.org/, https://www.facebook.com/allthemwitches, https://allthemwitches.bandcamp.com/, https://www.last.fm/de/music/All+Them+Witches

Text, Fotos & Clips: Micha

Alle Bilder:

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