BLACKBERRY SMOKE & QUAKER CITY NIGHT HAWKS

Batschkapp, Frankfurt, 12.10.2018

Blackberry SmokeÜber die aktuelle Relevanz des amerikanischen Südstaaten-Rocks wurde hier schon an anderer Stelle spekuliert – für Albert Koch, den technoaffinen Chef des Musik Express, existiert diese faktisch nicht. Als Kochs These in diesem Blog 2013 beim Bericht über die schwächelnde Southern-Institution MOLLY HATCHET (hier) Einzug hielt, war das sogar halbwegs nachvollziehbar: Die Band war unmotiviert sowie teilweise stark kränkelnd, der ehemalige Boss Dave Hlubek quasi entmachtet und schwach. Neun Monate später war er leider nicht mehr am Leben. Damals beim Konzert im Frankfurter Club Nachtleben trug er, wie zukunftsweisend, ein T-Shirt von BLACKBERRY SMOKE.

BLACKBERRY SMOKE: Das ist anno 2018 und 18 Jahre nach ihrer Gründung die Southern-Formation für alle: Für Traditionalisten, für Fans des Jam- und Heartland-Rock, für Visions-Leser, für Country-Freunde und Metaller. Und sie sind nicht alleine, wie die famose Vorgruppe QUAKER CITY NIGHT HAWKS aus Texas bewies. Doch zu denen später mehr.

Blackberry SmokeVor der annähernd ausverkauften Frankfurter Batschkapp bildeten sich Schlangen aus Bartträgern und Langhaarigen, viele mit Shirts von früheren Touren (überdurchschnittlich repräsentiert das mit dem Rückenaufdruck „Too Rock to Country – too Country to Rock“. Passt.), einige mit denen solcher Koryphäen wie der ALLMAN BROTHERS BAND oder LYNYRD SKYNYRD. Erstaunlich wenige mit der Konförderierten-Fahne, die in der Vergangenheit auf den meisten Leibchen der Southern-Fans prangte. Das ist gut so: Selbst wenn BLACKBERRY SMOKE-Sänger, Gitarrist sowie Hauptsongschreiber Charlie Starr im Rock Hard die Verwendung dieses Symbols relativiert („Die Flagge der Blackberry SmokeKonförderierten sollte lediglich dem Stolz Ausdruck verleihen, aus dem Süden der Vereinigten Staaten zu kommen und eben nicht aus New York, Los Angeles oder Washington“) und bei den großen Bands der Siebziger und Achtziger Jahre kein Rassismus zu entdecken war, steht die Flagge nicht nur für gute Musik, sondern auch für ein fortschrittfeindliches Pseudo-Rebellentum um das Bewahren von Traditionen, bei denen der weiße Mann den Ton angibt und es allein von seinem Gutdünken abhängt, ob und wem er wann Rechte einräumt. Kein Wunder, dass sich immer wieder Rechtsradikale sowie andere „besorgte Bürger“ unter den Verwendern dieses Symbols finden. Auch an diesem Abend in der Batschkapp, nebenbei.

Blackberry SmokeDas kann man den Bands jedoch nicht vorwerfen. BLACKBERRY SMOKE veröffentlichen sogar auf dem Extrem-Metal-Label Earache und sind somit Kollegen von NAPALM DEATH. Dessen Gründer Digby Pearson hatte mit dem BLACKBERRY SMOKE-Rhythmusteam, den Brüdern Brit (dr) und Richard Turner (b), indirekt schon in den Neunzigern, zur Blütezeit des Death Metal, zu tun. Als Pearson die Blackberry Smokespäter als ENTOMBED bekannten NIHILIST signte, drängte er die Schweden zur Namensänderung, weil „eine (gleichnamige) drittklassige Thrash-Combo aus Atlanta“ (Rock Hard) „Ärger andeutete“. Die Ami-NIHILIST sind längst Geschichte und deren Fundament heute das von BLACKBERRY SMOKE, die 20 Jahre später bei Earache unterschrieben. Die spielen seit ihrer Gründung in fast unveränderter Besetzung (nur Pianist und Keyboarder Brandon Still stieß erst 2009 zur Truppe) durchschnittlich 250 Konzerte im Jahr „superentspannten Southern-Bluesrock“ (Pearson im Rock Hard) und wachsen und gedeihen unaufhörlich. Auch in Deutschland haben sie eine große Fangemeinde.

Eine solche geht dem Opener QUAKER CITY NIGHT HAWKS noch ab, der Gig in der Batschkapp war ihr erster in Deutschland überhaupt. Entspannt wirkten sie jedoch auch, sowie ein Quaker City Night Hawksganzes Stück soulfuller als der Headliner. Das Quartett aus Fort Worth, Texas, mit zwei Sängern/Gitarristen listet auf seiner Facebook-Seite als Einflüsse jede Menge mexikanisches Essen auf, dem sie auch das einzige Liebeslied am gestrigen Abend widmeten. Der Kollege von Hooked On Music hörte in deren 45 Minuten viel Stoner Rock und ein wenig Psychedelic heraus (hier), ich eher Memphis Soul und jede Menge BLACK CROWES, aber in extrem relaxter Form. Einig sind wir uns in der Klasse der Formation, die mal so gar nicht rockistisch agierte. Feine Alben gibt es von denen auch. Bitte wiederkommen.

Blackberry SmokeAls nach einer knappen halben Stunde Umbau BLACKBERRY SMOKE mit „Fire in the Hole“ vom 2015-er Album „Holding all the Roses“ starteten und mit „Nobody Gives a Damn“ vom aktuellen Dreher nachlegten war der Empfang Blackberry Smokeeuphorisch und Band sowie Publikum begannen eine Party, die in den folgenden zwei Stunden reich an Highlights war. BLACKBERRY SMOKE spielten den Blues und verbreiteten Stallluft, streiften Psychedelic und Soul und kamen stellenweise einer Jam-Band verdammt nah. Ein Höhepunkt im Set: „Sleeping Dogs“ von „The Whippoorwill“ (2012), welches in einem langen Jam zu „Come Together“ von den BEATLES und wieder zurück mutierte.

Blackberry SmokeZitiert wurden im Lauf des Abends noch Rod Stewarts „Gasoline Alley“ sowie „Amazing Grace“ mit Bezug zu Duane Allman, wenn ich das richtig verstanden habe. Und zu Bob Marley. Da war dann aber auch „Ain’t Much Left Of Me“, ehrlich gesagt. So wie in dem letzten Song beschrieben ging es wohl einigen, Grund zur Klage hatte deswegen jedoch niemand, im Gegenteil. Ganz locker easy fertig gemacht und ausgewrungen, perfekt ausgeführt. Freue mich auf das nächste Mal.

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Text & Fotos: Micha

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