HAMMERLOCK & BLOOD PATROL

Dreikönigskeller, Frankfurt, 29.04.2014

HammerlockEs kommt nicht oft vor, aber manchmal hat man auch in Frankfurt die Qual der Wahl, sich zwischen zwei parallel stattfindenden Konzerten entscheiden zu müssen. Am gestrigen Abend waren es sogar drei. Im Nachtleben gastierten die BARB WIRE DOLLS, im „Bett“ waren die New Yorker Hardcore-Punks von H2O zugegen und im Dreikönigskeller traten HAMMERLOCK auf. Die Entscheidung fiel mir allerdings nicht allzu schwer, denn die BWD hatte ich erst im vergangenen Jahr gesehen (Bericht hier) und H2O kann ich aufgrund ihres sehr melodischen Hardcores nicht allzu viel abgewinnen. HAMMERLOCK hingegen haben mich bereits 2010 in der Darmstädter Knabenschule mit ihrer Mischung aus Country, Punk, Blues und Southern Rock Hammerlockbeeindruckt. Insofern stand für mich außer Frage, wo ich den Abend verbringen würde. Trotz der beiden anderen Konzerte und dem zeitgleich stattfindenden Champions League-Halbfinale mit deutscher Beteiligung hatten sich immerhin 30 Besucher in dem Sachsenhäuser Club eingefunden, um mit der Band aus Kalifornien zu feiern. Los ging’s aber zunächst mit den Darmstädter Thrashern BLOOD PATROL (links), über die wir in diesem Blog bereits des Öfteren berichtet haben. Mittlerweile mit einem Blood PatrolLongplayer und einer Split-Single (mit SCHEISSE MINNELLI) ausgestattet, hat das Trio durch regelmäßige Live-Gigs inzwischen eine erstaunliche Routine erlangt und bescherten den Anwesenden ihre gewohnt explosive Mixtur aus Thrash-Metal, Hardcore und Crust. Ohne Zweifel gehören BLOOD PATROL zu den besten Thrash-Bands der Republik. Man darf gespannt sein, wie sich die Jungs weiterentwickeln.

HammerlockWeiter ging’s mit HAMMERLOCK, einer Formation, die man ob ihrer Optik vermutlich eher in den Südstaaten der USA ansiedeln würde, doch dem ist nicht so. Vor gut 20 Jahren in San Francisco gegründet, hat die Combo inzwischen im nicht weit entfernten Oakland ein neues Zuhause gefunden. Mit insgesamt sieben Studio-Alben, diversen Singles, Best-of-Scheiben und Sampler-Beiträgen, von denen die letzten auf dem bandeigenen Colorado Mountain HammerlockGoat- Label erschienen sind, blickt man inzwischen auf ein umfassendes Repertoire zurück, das sich gleich mehreren musikalischen Genres zuordnen lässt.

Ob White-Trash-Asi-Rock, Country-Blues, Southern-Rock oder Scum-Punk – das Trio war einst Mitglied der von ANTISEEN ins Leben gerufenen „Confederacy of Scum“ – wie man die Musik von HAMMERLOCK auch immer bezeichnet, bleibt dem Ohr des jeweiligen Hörers überlassen. HammerlockLetztlich ist es dreckiger Rock’n’Roll mit Punk-Attitüde, der sich inhaltlich keinem Szene-Diktat unterwirft und frei heraus all das anprangert, was Songwriter Travis gehörig auf den Zeiger geht. Bei Songs wie „You Can’t Stop War“, „Hate is not a Crime“ oder „38, 44“ dürfte Anhängern moderner Hipster-Punk-Acts vermutlich der Gemüsebratling wieder hochkommen, doch eben diese „Fuck You“-Attitüde alter Punk-Schule macht das Trio so sympathisch.

Getreu des Mottos „Erst schießen, dann fragen“ präsentierte die Band einen Streifzug durch alle Epochen ihres musikalischen Schaffens. Geboten wurden Songs des Erstlings „American Asshole“, Tracks des aktuellen Albums „Clipping Hammerlockthe Wings of the Hawk“, sowie ausgewählte Lieder der übrigen fünf Scheiben. Travis und Liza Kenney, das rockende Pärchen an Gitarre und Bass, standen dabei stets im Mittelpunkt, wobei Travis mit seiner markanten Reibeisen-Stimme die Vocals zu fast allen Songs lieferte. Aufgrund der guten Stimmung vor der Bühne – ein angeheiterter Fan mit Trucker-Cap geriet gar völlig außer Rand und Band – wurde der kleine Kult-Keller kurzzeitig Hammerlockzu Bob’s Country Bunker aus „Blues Brothers“, es fehlte eigentlich nur der Drahtzaun, der Bühne und Publikum trennte.

Das hat Spaß gemacht, war mitreißend und bot weitaus mehr Rock’n’Roll-Attitüde als der Gig der SUPERSUCKERS vor einiger Zeit im Zoom. Nach gut einem Dutzend Songs war’s dann aber auch leider schon wieder vorbei, die selbst organisierte Tour, bei der man des Öfteren auch mal im kleinen Bus Hammerlocknächtigen musste, forderte ihren Tribut, die Band war platt. Dennoch war’s ein stimmungsvoller Abend mit ehrlichem, dreckigen Rock’n’Roll, der HAMMERLOCK sicher einige neue Fans beschert hat.

Links: http://www.hammerlock.net/, https://myspace.com/hammerlock, http://www.reverbnation.com/hammerlock, http://www.lastfm.de/music/Hammerlock

Text: Marcus / Fotos (10) & Clip: Kai / Fotos (16): Stefan

Alle Bilder:
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