MAGIC WANDS

Das Bett, Frankfurt, 13.11.2017

Magic Wands„Gibt’s ’ne Vorband heute?“ „Nein.“ „Keine gefunden?“ „Keine, die passt.“ Tja, blöd. Ein lokaler Support hätte die Hütte eventuell ein wenig voller gemacht. So blieb es bei etwa zwanzig Gästen am gestrigen Montag im Frankfurter Club „Das Bett“. Fünf davon waren (kameratechnisch) schwer bewaffnete Asiaten, die den halben Gig über fotografierten und filmten. Mit Objektiven, die bei meiner Kamera sowas wie Penisneid auslösten. Es war nicht das einzige Obskure an diesem Abend.

Aber mal ernsthaft, wieso sollte es auch voll sein bei den MAGIC WANDS aus Nashville, bzw. Los Angeles? Kennt die irgendwer? Also, ich kannte sie nicht, als ich beim Studium des Programms von „Das Bett“ über ihren Namen stolperte. Aber Magic Wandsgerade das machte mich neugierig, speist sich der Klang der Band doch aus psychedelischen Sixties-Sounds mit enormer, waviger Eighties-Schlagseite. Dazu die verhuschten, weiblichen Vocals von Dexy Valentine sowie Tour-Erfahrungen als Support unter anderem von THE JESUS AND MARY CHAIN und THE KILLS – das kann ja alles nicht so verkehrt sein.

Doch erklärte das die Phalanx der fototechnisch schwer ausgerüsteten und bereits anwesenden Asiaten, als ich um Acht pünktlich zum Einlass im Club aufschlug? Sind die MAGIC WANDS in Fernost vielleicht eine Riesennummer? Magic WandsOder waren die Herren sowie eine Dame Teil einer Reisegruppe, die Zutritt zu schlecht besuchten Veranstaltungen mit freier Bühnensicht garantiert in Läden, in denen das Fotografieren noch nicht ganz verboten ist? Gibt ja nicht mehr viele davon in Nähe des Rhein/Main-Flughafens.

Ein weiser Bekannter von mir sprach über das Smartphone davon, dass es „Montag ist, saukalt draußen und dazu noch die November-Konzertübersättigung“ – auch das erklärte vielleicht den mangelhaften Zuspruch. In erster Linie aber vielleicht die Tatsache, dass das seit 2009 existierende Duo (mit Live-Verstärkung an Bass, Keys und Drums) kaum jemand zu kennen scheint. Internet-Infos sind relativ rar, in der von mir gelesenen Musikpresse kam die Band bisher nicht vor. Relativ schade. Magic WandsIhr bezaubernder, von Brooklyn Vegan passend als „witchy“ deklarierter Psych-Pop klingt auf dem zweiten Album „Jupiter“ schon fast zwingend, Singles wie „Lazer Bitch“ schaffen den Spagat zwischen Dancefloor und psychedelischem Rock-Club.

Vielleicht sitzt die Combo, deren dritte Scheibe im Februar 2018 erscheint, damit aber auch zu sehr zwischen den Stühlen, um bei einer Szene massiv zu punkten. Artverwandt erscheinen mir darüber hinaus die Künstler aus der kurzlebigen Witch-House-Welle vor knapp zehn Jahren, die zwischen Shoegaze, Wave, Hip Hop und Horror agierten und feine Singles unter Projektnamen wie oOoOO oder ▲▲▲ veröffentlichten – heute noch bekannte Magic WandsKinder dieser Szene sind u.a. PURITY RING (die auch schon im Frankfurter Ponyhof gastierten), THE KNIFE oder, auf meilenweit kommerziellerem Niveau, THE XX (die „Warrior“ von MAGIC WANDS remixten).

Mal was feines Anderes für meine Metal-Ohren. Ohne Vorband verzögerte sich der Beginn um knapp eine halbe Stunde, ein paar Menschen mehr erschienen in der Zwischenzeit – die meisten männlich und in einem Alter, dass es ihnen ermöglicht hätte, THE JESUS AND MARY CHAIN auf ihrer Tour in der Batschkapp zu sehen. Auch ungewöhnlich für eine Band, die es noch keine zehn Jahre gibt. Nachdem Gitarrist und Co-Sänger Chris Valentine drei Lichtkugeln am Bühnenboden installiert hatte, um meine asiatischen Mitstreiter Magic Wandsund mich fototechnisch auch adäquat zu fordern, kamen die weiteren Musikanten auf die Bretter, drei von fünf trotz Dunkelheit mit fetten Sonnenbrillen und Dexy Valentine zudem mit Mantel, Halstuch und schwerem Schuhwerk. Das sollte sich im Verlauf der folgenden knapp 70 Minuten auch nicht ändern.

Die Songs von MAGIC WANDS waren mir noch nicht so vertraut, erkannt habe ich ein paar, neuere Nummern vom kommenden Album waren auch dabei. Live klang das sehr viel rockiger als auf Platte – Chris Valentine kniete sich gitarrenheldmäßig voll in die Songs rein und machte sie damit Sky High-festivaltauglich. Darüber kam er natürlich ins Schwitzen, warf Magic WandsBoa, Jacke und schließlich sogar die Sonnenbrille ab um loszurocken, zum Ende hin Rockstar-Posen vollführend – ihm schien es mehr als schnuppe zu sein, dass der Zuspruch eher mäßig war und kredenzte sich selber einen schönen Abend.

Jeder zweite im Raum filmte oder fotografierte dabei – die Asiaten natürlich, eine weitere Person und ich sowie ein Typ, der zur Band gehörte. Dieser sprach mich während des Gigs an, ich bat ihn vor die Tür zu kommen weil ich ihn nicht verstand – und dann wollte er von mir, dass ich meine Bilder ausschließlich von der rechten Bühnenseite aus mache. Was war geschehen? Hatte ich Chris Valentine verärgert? Hatte ich unabsichtlich zu viel Licht benutzt und war eine dementsprechende Empfindlichkeit am Ende der Grund für die Sonnenbrillen?

Magic WandsNach dem Gig, am Merchstand, offenbarte sich des Rätsels Lösung. Nachdem Chris mir eine EP mit Erstversionen neuer Songs verkauft hatte gesellte sich Dexy dazu und erzählte von ihrem „guten und schlechten Profil“, so Barbra Streisand-mäßig, und dass sie es nicht schätze, Bilder von sich zu sehen, die das falsche Profil zeigen. Okay. Wussten die Asiaten Magic Wandsdavon? Wohl eher nicht. Dubioserweise verschwanden die sowieso komplett in der Mitte des Gigs, vielleicht gab es ja woanders eine Band, die noch übler beleuchtet war. Egal: Auch, wenn ich das mit dem Profil nicht nachvollziehen kann, wird dieser Wunsch hier respektiert. Andere hätten sich bei solchen Unsicherheiten das Fotografieren schließlich komplett verbeten.

Magic WandsNachdem mir noch ein Poster angeboten wurde („Danke, aber ich bin zu alt für Bandposter“) sowie ein T-Shirt („Danke, aber ich bin zu fett für Eure Bandshirts“) nahm ich dankbar einen Pin als Lohn für mein Verständnis an und machte den Weg frei für den Abbau. Alle anderen Gäste waren bereits fort, ich trank mein Bier in der Straßenbahn aus und kam früh wie selten nach einem Konzert nach Hause. Feine Musik an einem merkwürdigen Abend – aber hey, es ist Montag.

Links: https://magicwandsband.com/, https://www.facebook.com/themagicwands/, https://soundcloud.com/magic-wands, https://www.reverbnation.com/magicwands, https://www.last.fm/de/music/Magic+Wands

Text, Fotos & Clip: Micha

Alle Bilder:

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