MAIDEN UNITED & WUCAN

Burgwiesenhalle, Oberursel, 10.10.2015
Das Bett, Frankfurt, 10.10.2015

Maiden UnitedDas erste „Music From The Beast Festival“ lockte 2014 IRON MAIDEN- Fans aus dem gesamten Bundesgebiet nach Oberursel, um Formationen unterschiedlicher Stilrichtungen zu erleben, die alle irgendetwas mit IRON MAIDEN zu tun haben. Ob jazzig/ folkige, neue Arrangements ihrer Klassiker wie von Thomas Zwijsen, von MAIDEN UNITED um Sänger Damien Wilson (rechts) oder Auftritte von Ex-Mitgliedern wie Blaze Bayley und Paul Di’Anno – die Party zelebrierte bis weit nach Mitternacht die Klänge einer der beliebtesten Metalbands dieses Planeten, ohne dass sie dazu erscheinen musste. Solch ein Event zu wiederholen ist nicht so einfach, ohne das Konzept zu erweitern. Die leidenschaftlichen Veranstalter, die zum Beispiel auch Künstler wie FISH in das selten hochkarätig bespielte Friedberg holen (16.11.), hatten es diesbezüglich wohl nicht leicht. Schnell waren aber die ebenso begeisterten Künstler Blaze Bayley und MAIDEN UNITED wieder am Start – Grund genug für mich, ein Ticket zu erstehen.


Als ich später das vollständige Line-Up zu lesen bekam, wurden meine Erwartungen etwas gedämpft – nicht, dass ich alle Bands schon vorher gekannt hätte (und Neuem gegenüber sollte man ja immer aufgeschlossen sein), aber es Maiden Unitedließ vermuten, dass die musikalische Ausrichtung der drei zusätzlichen Combos nicht unbedingt meinem Gusto entsprach. Nicht so schlimm, das Event ist ja trotzdem toll. Gutes Bier, viele Gleichgesinnte – klingt nach einem guten Samstagabend. Dann sorgte die Ankündigung eines Extrem-Metalfestes in Mainz (u. a. mit WOUND) bei mir für leichten Frust – da kannte ich zwar auch viele Acts nicht, diese Maiden Unitedmetallische Subszene spricht mich aber weitaus mehr an. Als dann schließlich der Frankfurter Club „Das Bett“ ein weiteres Psychedelic- Event ankündigte, vor allem mit den Dresdner Aufsteigern von WUCAN (die ich auf dem letzten „Hammer Of Doom“ leider verpasst hatte), wurde der Frust recht massiv. Wo ist die Klonmaschine, wenn man sie dringend braucht? Egal. Ab nach Oberursel.

Maiden UnitedZweieinhalb Minuten nach Öffnung der Türen begann ebendort die erste Formation, die meine Befürchtungen bestätigte. Nicht meine Baustelle. Also forschte ich nach bekannten Nasen, fand immerhin eine, später eine zweite. Beide, so wie ich, voller Vorfreude auf MAIDEN UNITED. Das dauerte aber noch – zum Konzept des MFTB gehört es nämlich auch, dass alle Bands (bis auf den Opener) volle Sets spielen. Na dann.

Die erste, die das tat, hieß WICKED SENSATION. Eine deutsche Gruppe mit internationaler Besetzung, der niederländische Sänger Robert Soeterboeck mit gewissem Power Metal-Renommee gesegnet durch seine Mitwirkung bei Wicked SensationBands/Projekten wie AYREON oder STAR ONE. Wie gesagt, nicht meine Baustelle. Aber eine respektable Erscheinung mit einer Stimme, die man David Coverdale anno 2015 wünschen würde.

An den musikalischen Fähigkeiten der Akteure gab es, wie auch bei den anderen Künstlern des Abends, nichts zu rütteln. Die Songs, die ein Spektrum zwischen Wicked SensationPower Metal und amerikanischen Charts der Achtziger abdeckten, gingen in meiner Welt aber selten über ein „verzichtbar“ hinaus. Wobei WICKED SENSATION manchmal nicht nur stimmlich an WHITESNAKE erinnerten, die vor 30 Jahren mal eine meiner absoluten Lieblingsbands waren. Auf die gesamte Strecke war mir das persönlich aber zu wenig und ich fühlte mich am falschen Ort.

Umbaupause, MAIDEN UNITED standen an. Wie schon im Vorjahr begrüßte TRESHOLD-Sänger Damien Wilson die Gäste in der ersten Reihe persönlich; eine nette Geste, ich fühlte mich gleich mehr zu Hause als vorher. Bei dieser Formation wurde es am Getränkestand merklich leerer, denn wer gekommen Maiden Unitedwar erschien auch vor der Bühne – und das einmal mehr zu Recht. Den Gitarristen Joey Bruers und Ruud Jolie (letzterer hauptamtlich bei WITHIN TEMPTATION) flutschte das Grinsen zu keiner Zeit aus dem Gesicht – und was Wilson gesanglich und vor allem stimmungstechnisch auf der Bühne zauberte war unvergleichlich. Obwohl alles akustisch dargeboten, warb Wilson bei „The Trooper“ mit zwinkerndem Lid für eine „Wall Of Death“, in die er sich gleich selber schmiss – dabei alle Anwesenden persönlich ansingend und verzückend (Clip dazu weiter unten). Die knapp 75 Minuten vergingen wie im Fluge. Alles richtig gemacht, von mir auch. Gute Wahl.

75 Minuten an einem Lieblingsort unterscheiden sich subjektiv aber sehr von 75 Minuten auf der Streckbank oder anderer Folter, weswegen ich beim nächsten Act fluchtartig die Halle verließ und dabei zähneknirschend auf BLAZE BAYLEY Maiden Unitedverzichtete. Sorry, aber man hat nur ein Leben, und WUCAN sollten in „Das Bett“ noch später spielen. Mit von mir selbst nicht erwarteter Energie schaffte ich es, trotz leichten Verlaufens zur S-Bahn zu gelangen, der ich an der Frankfurter Galluswarte wieder entstieg um wenig später im „Bett“ vorstellig zu werden. Dass ich damit schon mal 50 Euro Taxigeld sparte, die ich stattdessen in Damien Wilson-Scheiben investierte, machte diese Entscheidung auch einfacher.

Die eigentlich als Headliner der „Burg Herzberg Festival Party“ veranschlagten WUCAN bauten gerade ihre Bühne auf, als ich eintrudelte – Traumfänger am Theremin inklusive. Hier war ich richtig.

WUCAN schaffen es, aus der augenblicklich grassierenden Retrowelle erstklassig herauszuragen mit ihrem abgefahrenen Psychedelic-Rock, der sich gleichermaßen auf JEFFERSON AIRPLANE, FRUMPY, BLACK SABBATH und JETHRO TULL bezieht. Unter der Ägide des HEAT-Bassers Richard Behrens (der kürzlich auf Wucanderselben Bühne stand) tütete die Band mit „Sow The Wind“ ein begeisterndes Stück Musik ein, dessen Klimax das knapp 15-minütige „Wandersmann“ darstellt, welches zudem noch eine Referenz an Bands wie OUGENWEIDE darstellt– auch Abschluss der gestrigen Show (Clip dazu weiter unten). Die Multiinstrumentalistin Francis Tobolsky dominiert das Quartett dabei schon durch ihre Arbeit an Flöte, WucanGitarre, Gesang und Theremin (ein Instrument, dass ich überhaupt nicht kapiere, aber saugut klingt und wohl nicht einfach zu spielen ist), verstecken müssen sich die Herren hinter ihr aber nicht. Ein Fest für Freunde barrierefreier Rockmusik, trotz Retrobezug dabei nicht gestrig. Kunststück. Nach MAIDEN UNITED das zweite Highlight des Abends.

Alles, was jetzt noch kam, war Kür. Ich kannte die Niederländer THE MACHINE vorher nicht, war auch nicht mehr hundertprozentig aufnahmefähig, aber dieses Trio war trotz Psychedelic mit Abstand die fortschrittlichste Formation auf meiner kleinen Konzertreise. Großartige Interaktion, viel Raum für Improvisation und dabei ungewöhnliche Arten, Bass und Gitarre zu spielen, schufen ein schwarzes Soundloch, in dem fast alle Eindrücke vorher kathartisch implodierten. Uhrzeit? Unwichtig. Wie heimkommen? Uninteressant. Ist das überhaupt noch Rockmusik? The MachineScheißegal. Das war nicht von dieser Welt. Die auf dem Elektrohasch- Label von COLOUR HAZE-Gitarrist Stefan Koglek veröffentlichende Band tourt demnächst mit den von mir in Frankfurt noch vermissten SEVEN THAT SPELLS (Würzburg, 16.11.). Empfehlung an dieser Stelle. Wenn man an dem Tag nicht lieber zu FISH geht. Oder zu SLAYER. Klonmaschine, anyone?

Links: https://www.facebook.com/Wicked.Sensation.band, https://myspace.com/wickedsensationrock, http://www.last.fm/music/Wicked+Sensation, http://www.maidenunited.com/, https://myspace.com/maidenunited, http://www.lastfm.de/music/Maiden+United, http://www.themachineweb.com/, https://www.facebook.com/themachine.nl, https://myspace.com/themachineband, http://www.last.fm/de/music/The+Machine, https://www.facebook.com/wucanmusic, https://wucan.bandcamp.com/, http://www.last.fm/de/music/Wucan

Text, Fotos & Clips: Micha

Alle Bilder:

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