THE MIDNIGHT GHOST TRAIN

Orange Peel, Frankfurt, 26.01.2018

The Midnight Ghost TrainTHE MIDNIGHT GHOST TRAIN? Der Name kam mir bekannt vor. Dachte ich. Als ich jedoch einen Clip der Band („BC Trucker“) auf YouTube sichtete, war klar, dass mir mein Gedächtnis einen Streich gespielt hatte, denn das Trio aus Topeka in Kansas hatte ich tatsächlich weder zuvor gehört noch live gesehen. Vielmehr hatte der Name der Combo bei mir sowohl Assoziationen an die Clive-Barker-Story und den gleichnamigen Film „The Midnight Meat Train“ als auch an die australischen Psychobillys ZOMBIE GHOST TRAIN geweckt – ich hatte einfach zu viele Züge im Kopf. Dennoch, der Videoclip hatte mich überzeugt. Und das, obwohl ich eigentlich kein Freund des Stoner-Metals bin und die Musikrichtung stets als den kleinen, verweichlichten Bruder des Doom erachte. Es waren die herrlich kaputte Stimme des Sängers und The Midnight Ghost TrainGitarristen Steve Moss, der treibende Gitarrensound und die nette „Texas Chainsaw“- Atmosphäre des Videos, die mich letztlich ins Orange Peel lockten. Der Club in der Frankfurter Kaiserstraße war ein ungewöhnlicher Ort für ein Metal-Konzert, gastieren dort in der Regel eher Country-, Rockabilly- und Garage-Acts. Und in der Tat sollte sich die Wahl der Location als problematisch erweisen, doch dazu später mehr.

THE MIDNIGHT GHOST TRAIN wurde 2008 von Steve Moss in Buffalo, New York, gegründet und siedelte ein Jahr später nach Kansas um. Dort entstanden bisher vier Studioalben, eine EP sowie eine Live-Scheibe. Musikalisch ist die The Midnight Ghost TrainBand dem Stoner-Metal zuzuordnen, wobei auch Southern-Rock- und Blues-Elemente im Sound enthalten sind, als Vergleich seien frühe Werke von KYUSS genannt. Eine Vorgruppe gab‘s gestern nicht, sodass es pünktlich um halb zehn mit den Jungs aus Kansas losging. Dabei fiel zunächst auf, dass das Trio mal wieder einen neuen Basser an Bord hatte. Mike Boyne, der zwischen 2013 und 2017 Teil The Midnight Ghost Trainvon MIDNIGHT GHOST TRAIN war und auch im oben genannten Clip zu sehen ist, wurde durch Tyler Harper, den inzwischen vierten Bassisten, ersetzt, der musikalisch ähnlich gut, optisch aber wesentlich zurückhaltender agierte. Der visuelle Gegenpol zu Madman Moss, der wie Ted Nugent in seinen besten Jahren über die Bühne tobt, ist somit verlorengegangen.

Und noch ehe der mitternächtliche Geisterzug so richtig ins Rollen kam, musste er aufgrund technischer Probleme auch schon einen Stopp einlegen. Das Pedalboard von Moss hatte offensichtlich nach dem ersten Lied seinen Geist aufgegeben, wodurch eine etwa zehnminütige Pause entstand, die von der The Midnight Ghost TrainRhythm Section zu einem kleinen Intermezzo genutzt wurde. Irgendwie war an diesem Abend der Wurm drin, denn als die Band wieder loslegte und einige Songs am Stück spielte, machte sich einmal mehr ein altbekanntes Manko des Orange Peel bemerkbar: Aufgrund der niedrigen Deckenhöhe des relativ kleinen Raumes war der Sound leider nicht der allerbeste. Daran hätte man sicherlich etwas drehen können, doch der  Platz The Midnight Ghost Trainhinter dem Mischpult war verwaist – vermutlich hatte der Soundmann, falls es denn einen gegeben hatte, sich vom Bandnamen inspirieren lassen und sich in einen Geist verwandelt.

Der Gig war daher eine sehr durchwachsene Angelegenheit. Moss ließ zwar seine Qualitäten als Frontmann erahnen und mühte sich redlich, der miese Klang machte jedoch alle Bemühungen zunichte. Zudem wirkte der GHOST TRAIN The Midnight Ghost Trainoptisch, als ob die rechte Antriebsseite einen Defekt hätte. Denn während Moss ständig in Bewegung war und alles gab, um den Zug am Laufen zu halten, erschien sein Bassist gegenüber eher wie ein Stillleben, das man durch einen Pappaufsteller hätte ersetzen können. Der Unterschied zum vorherigen Line-up wirkte umso drastischer, wenn man sich im Vorfeld einige Live-Clips der vergangenen fünf Jahre angeschaut hatte.

The Midnight Ghost TrainMein Resümee des Konzerts fällt daher zwiespältig aus. Aufgrund der genannten Widrigkeiten war‘s für mich definitiv kein guter Gig, dennoch waren die Qualitäten der Formation erkennbar. An einem anderen Ort – vielleicht im Dreikönigskeller – hätten THE MIDNIGHT GHOST TRAIN sicherlich einen besseren Eindruck hinterlassen. Fazit: Gute Band am falschen Ort, und für den ehemaligen Bassisten Mike Boyne hat man – zumindest was die Live-Action betrifft – noch keinen adäquaten Ersatz gefunden. KYUSS-Jünger sollten das Trio aus Kansas dennoch auf jeden Fall anchecken. 


 Links: http://www.themidnightghosttrain.com/, https://www.facebook.com/themidnightghosttrain, https://myspace.com/themidnightghosttrain, http://www.reverbnation.com/themidnightghosttrain, http://themidnightghosttrain.bandcamp.com/, http://www.lastfm.de/music/The+Midnight+Ghost+Train

Text: Marcus / Fotos: Micha

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