Shows 2011

Unsere Favoriten des Jahres 2011 in zeitlicher Reihenfolge

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PHENOMENAUTS im Orange Peel, 24.01.2011

Wir wussten nicht genau, was uns erwarten würde, als wir uns an diesem eiskalten Abend ins Orange Peel aufmachten, um die PHENOMENAUTS aus Kalifornien zu sehen. Doch die Ankündigung war attraktiv und machte uns neugierig. Spacepunk? Nie gehört. Doch das sollte sich schnell ändern…

Die Band war kurzfristig ins Programm genommen worden und so erstaunte es wenig, dass kaum jemand Wind von dem Konzert bekommen hatte. An der Kasse durfte Eintritt nach Wunsch entrichtet werden, ähnlich dem Klingelbeutel in der Kirche. Schade natürlich für den Veranstalter, denn schließlich verloren sich nur ein Dutzend Zuhörer in die unteren Räumlichkeiten des Clubs. Aber dafür hatte die Band mehr Platz für ihre raumgreifenden Aktivitäten, was sich später noch als sehr vorteilhaft erweisen sollte.

Irgendwann erklommen die fünf Jungs aus der Bay Area um San Francisco und Oakland die Bühne, stilecht mit Astronauten-Uniformen, PHENOMENAUTS-Aufnähern an den Ärmeln sowie Helmen, Brillen und sonstigen Utensilien ausgestattet. Und danach ging die Truppe um Commander Angel Nova (Gesang/Gitarre), Leftenant AR-7 (dito) und Major Jimmy Boom (Schlagzeug) mit ihrem Mix aus Punk, Wave, Surf und Rock’n Roll vom ersten Song an ab wie eine Rakete (was hier ja besonders gut passt).

Die Hütte voller Nebel, der Dezibelmesser auf Anschlag, blinkende Lichter am Outfit, Stroboskop im Dauereinsatz. Zwischendurch wurde ein großer aufblasbarer Erdball durch die kaum vorhandene Kulisse gekickt. Die Musiker kletterten auf den Boxen herum, rutschten auf den Knien vor uns und spielten dabei Gitarrensoli. Eine Riesengaudi.

Am Keyboard stand mit FM Static übrigens ein alter Bekannter: Er gehörte zum Line-up der ebenfalls grandiosen, inzwischen leider aufgelösten EPOXIES, die 2006 und 2007 in der Au zu Gast waren.

Höhepunkt der Show war zweifellos der Augenblick, als das Klorollen-MG ausgepackt wurde: Mit dieser merkwürdig anmutenden Gerätschaft Marke Eigenbau schoss FM Static Salven des sich sauber abrollenden, kostbaren Guts auf seine Kollegen und natürlich sah der Club innerhalb kürzester Zeit wie ein Schlachtfeld aus. Den Zuschauern indes war ein breites Grinsen ins Gesicht gemeißelt. So viel Action auf, vor und neben der Bühne gibt’s wahrlich nicht alle Tage. These guys REALLY rock!!

Der Aufforderung der Band, gemeinsam nach der Show draußen am Tourbus noch einige Bier zu trinken, kamen wir selbstverständlich sehr gern nach: In kleiner Runde standen wir bei Minusgraden noch eine gute Stunde in der Kaiserstraße und halfen der sympathischen Truppe, das Gewicht des Gefährts für den Anflug zum nächsten Auftritt zu verringern (spart ja auch Benzin…).

Infos zu den seit 2000 existierenden PHENOMENAUTS gibt’s unter http://www.silversprocket.net/progress/, unter http://www.phenomenauts.com/ entsteht wohl gerade eine neue Website. Außerdem gibt es im Netz natürlich jede Menge Clips.

Auf dem Heimweg beschlich mich dann der Gedanke, dass wir eines der spaßigsten und skurrilsten Konzerte des Jahres schon jetzt gesehen haben. Was soll denn da noch kommen? Egal: 2011, wir sind bereit!

Text: Stefan, Fotos: Kai

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TIKI KINGS auf der Yellowstage, 21.02.2011

Eine ganze Woche lang veranstalten die Hazelwood-Studios in ihren Räumlichkeiten in der Rödelheimer Westerbachstraße das Musikfestival „Hazelwoodstock“. Am Start sind zwei Dutzend Bands und täglich wechselnde DJs. Es wäre natürlich schön gewesen, das ganze als Konzertmarathon zu erleben, allerdings aus verschiedenen Gründen für uns nicht zu machen. Wir entschieden uns daher für den Eröffnungsabend, um die Frankfurter Surf-Combo TIKI KINGS anzusehen, über deren skurrile Show uns im Vorfeld schoneiniges Lob zugetragen worden war.

Und in der Tat staunte und schmunzelte das zahlreich anwesende Publikum nicht schlecht, als sich die mit riesigen Masken ausgestatteten Musiker den Weg durch die Menge in Richtung Bühne bahnten. Dazu gesellte sich eine hübsche junge

Dame mit (Plastik-) Blumenkette, einem Baströckchen und Federmaske, die fortan gekonnt das Keyboard bediente. Durchs „Programm“ führte ein zuweilen gehetzt wirkender „Professor“ mit Tropenhut und Dschungelklamotten, der die Zuhörer im Verlauf des Konzerts in die fremde und unheimliche Welt des Tiki-Volkes einführte und zum lauten Rufen von Beschwörungsformeln wie „Ono!“ animierte.

Höhepunkt des Auftritts war zum einen das Opferungsritual, bei dem eine aus der Gästeschar auserwählte  „Jungfrau“ von den Südsee-Göttern hinter einem schwarzen Tuch einen Kopf kürzer gemacht und das Haupt einer Spielzeugpuppe

später als Trophäe dargeboten wurde. Außerdem suchte ein Vulkanausbruch das Tiki-Land heim. Dazu stand ein aus viel Pappmaché modellierter Mini-Vulkan im hinteren Teil der Bühne, der durch Lichteffekte „Feuer spuckte“. Die leuchtenden „Augen“ in den großen Masken sahen auch schrecklich furchteinflößend aus ;-), wenn die Bühne entsprechend abgedunkelt war (dazu unten mehr).

Der Surfsound (empfehlenswert u.a. „Lava Surf“ und „Aku Aku“) , die liebevoll präparierten Masken und Kostüme, die Deko bis hin zum Voodoo-Schrumpfkopf

auf dem Keyboard und die originelle Show – das Gesamtpaket bei den TIKI KINGS stimmt. Keine Minute langweilig, häufig richtig lustig und amüsant. Nach der Show ging der Mann mit dem Tropenhut durch die Reihen und verkaufte in Ermangelung eines offiziellen Albums einige selbstgebrannte CD’s der Truppe mit je fünf Stücken für ´nen Fünfer. Sympathisch!

Insgesamt eine prima Veranstaltung mit viel guter Musik und mit – wo, wenn nicht dort? – hervorragendem Sound. Auch in den kommenden Tagen wird sicher noch manch tolle Band aufspielen. Das einzige, was mich ein bisschen störte,

war das Licht. Denn es war für meinen Geschmack über weite Strecken zu hell vor und auf der Bühne. Grund dafür mag gewesen sein, dass der Auftritt (wie wohl auch alle anderen des Festivals) für eine DVD mitgeschnitten wurde. Ich mag halt lieber im Dunkeln munkeln. Die DVD soll übrigens im Herbst 2011 erscheinen, also habt bei Interesse ein Auge darauf.

Unter http://www.myspace.com/tikikings oder http://www.reverbnation.com/thetikikings sind einige Lieder der T.K. zu hören.

Text: Stefan, Fotos: Kai

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Nachtrag: Folgenden, knapp zwei Monate später von Kurausu21 im Ponyhof aufgenommenen Clip habe ich im Netz gefunden. Schaut’s euch an, der Auftritt war ganz ähnlich wie der auf der Yellowstage.

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REZUREX im Kulturpalast Wiesbaden, 14.05.2011

Mit REZUREX kam ich das erste Mal vor fünf Jahren in Berührung, als sie im Rahmen der Hell Nights Tour 2006 im Frankfurter Nachtleben als Headliner nach BLITZKID, THE OTHER und BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE überzeugten und den Club in ein Tollhaus verwandelten. Unvergessen die Szene, als sich Frontmann Daniel deLeon bei einem Flaschenwurf aus dem Publikum wegducken musste und zu befürchten war, dass es nun ernsthaften Ärger geben würde. Der Sänger brüllte allerdings nur „Frankfurt Rules!“ ins Mikrofon und weiter ging’s…

Damals hatte das Quartett aus Los Angeles lediglich ihr Debütalbum „Beyond the Grave“ im Gepäck. Inzwischen sind noch „Psycho Radio“ (2008) und das aktuelle Werk „Dance of the Dead“ erschienen, mit dem sich die Band diesmal im Wiesbadener Kulturpalast einfand – eine nette Location übrigens, ich war das erste Mal dort und sehr von den Räumlichkeiten angetan.

REZUREX vermischen Psychobilly, Horrorpunk und den Rock’n Roll der Sechziger zu einem bestens tanzbaren Cocktail, auch im gut gefüllten Konzerträumchen des Kulturpalastes verwandelte sich der Platz vor der Bühne nach wenigen Minuten in einen Moshpit.

Meine Favoriten sind nach wie vor die Stücke des ersten, rockabilly-lastigeren Albums wie „Don’t Mess With Me“, „Zombie Girl“ oder „Devil Woman from Outer Space“. Fast sämtliche Nummern der Platte wurden während des 19 Songs umfassenden Auftritts gespielt. Aber auch jüngere Lieder wie „Bride of Frankenstein“, „Rockin’ in your Coffin“ oder „Black Sunday“ gefielen.

DeLeon (Gesang/Gitarre) trat wie gewohnt mit prägnant geschminktem Gesicht – die linke Hälfte als Totenkopf (sein Markenzeichen) – sowie seiner grellen Irokesenmähne (diesmal in grün) auf. Auch an den obligatorischen Showelementen und der Bühnendeko fehlte es nicht: Ob nun deLeon mit dem „bluttriefenden“ Kopf einer Schaufensterpuppe posierte oder wild mit leuchtender Spielzeugpistole hantierte, es war immer was los. Den Marshall-Verstärker zierten zwei Totenköpfe.

Die Bandseite http://www.rezurexband.com/ ist nicht gerade als Hort der Information zu bezeichnen, die Startseite verlinkt bisher lediglich auf diverse Mailorder-Websites für die Fans des Genres. Ich hoffe, dort tut sich bald etwas mehr. Bei den einschlägigen Videoportalen gibt es allerdings dutzende tolle Clips von den Horrorpunkern.

Meine Erwartungen hat das Konzert erfüllt, auch wenn die Athmosphäre nicht mit der von der Hell Nights Tour vergleichbar war. Es waren wesentlich mehr Fans vor Ort und die Stimmung schaukelte sich von Band zu Band immer weiter hoch; das konnte dieser Abend verständlicherweise nicht leisten.

Einziger Wermutstropfen war die Anreise und vor allem die nächtliche Rückreise nach Frankfurt mit öffentlichen Verkehrsmitteln – wie immer eine Katastrophe: Bummelzüge im Stundentakt und ab Mitternacht fährt dann zwischen unserer wichtigen Landeshauptstadt und der Mainmetropole bis zum frühen Morgen gar nichts mehr. Aber bevor ich mich hier in Rage schreibe, denke ich lieber wieder zurück an den gelungenen Auftritt…

Text: Stefan, Fotos: Kai

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PIERCED ARROWS im Ponyhof, 19.05.2011

Im Rahmen ihrer diesjährigen Europa-Tour mit acht Konzerten in Deutschland machten die PIERCED ARROWS auch wieder in Frankfurt Station, zuletzt waren sie hier meines Wissens 2009 im Bett zu Gast. Das inzwischen in Portland ansässige Trio, bestehend aus dem Ex-DEAD MOON-Paar Fred Cole und Kathleen „Toody“ Cole sowie Kelly Halliburton präsentierte im Ponyhof Songs ihrer beiden Longplayer „Descending Shadows“ vom vergangenen Jahr sowie dem Debütalbum „Straight to the Heart“ von 2008.

Musikalisch hat sich dabei im Vergleich zu den legendären, 2006 aufgelösten DEAD MOON nicht allzu viel geändert: LoFi-Rock- und Garagesound mit Einflüssen des Punk, des Country und des schrammeligen Blues. Ich glaube, nirgendwo auf der Welt gibt es sonst noch ein Pärchen, das den Rock’n Roll seit Jahrzehnten so im Herzen trägt und (aus-)lebt wie die Coles. Vorgetragen voller Inbrunst und authentisch bis ins Mark. Gitarrist Fred’s raue, kratzende Stimme und Toody’s Bassspiel sind unverwechselbar. Auch Schlagzeuger Halliburton, dem die schwere Aufgabe zuteil wurde, in die Fußstapfen von Andrew Loomis zu treten, macht eine gute Figur und fügt sich nahtlos ins Bandgefüge ein.

Und wohl nicht nur ich ziehe den Hut, dass Fred, der im August 63 Jahre alt wird und bereits seit 1964 (!) in diversen Bands aktiv ist, sich nach dem Aus von D.M. nicht aufs Altenteil zurückgezogen hat, sondern mit seiner Frau munter weiter die Bühnen schummriger Clubs bespielt. Wie schon gesagt: Für die beiden ist der Rock’n Roll eben Lebenselexier und Jungbrunnen zugleich.

Natürlich werden an einem solchen Abend auch Erinnerungen an DEAD MOON wach: Etwa wenn zu Beginn der Show die in einer Flasche steckende Kerze angezündet wurde und jeder Konzertbesucher wusste, dass der Auftritt vorbei sein würde, sobald die Kerze ihr Leben ausgehaucht hat.

Oder wenn Andrew sein Bier oder sonstige Getränke auf seine Trommel goss, um im nächsten Moment mit beiden Drumsticks dermaßen darauf zu schlagen, dass sich die Spritzer über die Fans in den ersten zehn Reihen verteilten. Oder wenn die Band die ihnen zugedachten Whiskeyflaschen einfach mal ans Publikum abtraten und diese dann munter im Zuschauerraum herumgereicht wurden, bis das letzte Tröpfchen in eine durstige Kehle geflossen war. Oder wenn… – aber halt. Stopp. Das alles gibt es jetzt eben nicht mehr. Wir müssen und werden uns daran gewöhnen.

Das Ehepaar Cole erzählte uns nach dem Auftritt, dass Andrew immer noch massive gesundheitliche Probleme hat und wir hoffen natürlich alle, dass er wieder die Kurve kriegt.

Unter dem Strich blieb ein prima Konzertabend, auch wenn die PIERCED ARROWS den alten DEAD MOON vielleicht nicht ganz das Wasser reichen können. Die Songs sind zwar gut, den Kultstatus von Nummern wie „Dead Moon Night“ oder „54/40 of Fight“ erreichen sie aber nicht. Und so war es kein Wunder, dass Stimmung und Athmosphäre am besten waren, als letzterer Song im Rahmen der Zugabe gespielt wurde. Dennoch: Wir lieben die Coles und bleiben auch den P.A. treu.

Zu empfehlen ist die Website http://www.piercedarrows.com/, mit vielen schönen Bildern und einer ausgezeichneten Dokumentation der Touren, Informationen zur Vorgängerband sind wie gehabt unter http://www.deadmoonusa.com/ zu finden.

Text: Stefan, Fotos: Kai

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BALZAC im Nachtleben, 9.06.2011

Die japanischen Horror-Punker BALZAC kamen im Juni lediglich für vier Shows nach Deutschland und waren daraufhin in die Batschkapp gebucht worden. „Viel zu groß für die Band, die ja nun doch nicht sooo bekannt ist“ dachte ich, nachdem ich die Ankündigung gesehen hatte. Und so war es dann schließlich auch: Das Konzert wurde ins Nachtleben verlegt und selbst dort fanden sich nur rund 30 Gäste ein.

Der Großteil des Publikums bestand aus seeehr jungen Mädels, die sich schon einige Zeit vor Beginn der Show direkt vor der Bühne platzierten, um so nah wie möglich an dem Quartett aus Osaka zu sein (was haben die bloß, was ich nicht habe?).Keine Spur also diesmal von dem bei den Bands berühmt-berüchtigten „Frankfurter Kreis“, dem zwei Meter breiten, leeren Halbkreis zwischen Bühnenrand und Zuhörern, den es in unserer Stadt häufiger zu sehen gibt. In den „hinteren“ Reihen – heute nur drei, vier Meter vom Spektakel entfernt – wo ich das Konzert verfolgte, herrschte dagegen gähnende Leere.

Das einzig verbliebene Gründungsmitglied der bereits seit 1992 existierenden Gruppe, Teenie-Schwarm Hirosuke Nishiyama(Gesang), und seine drei Mitstreiter Atsushi Nakagawa (Gitarre), Akio Imai (Bass) und Takayuki Manabe (Schlagzeug) stellten die Songs aus ihrem neuen Album „Judgement Day“ vor, das in ihrer Heimat im vergangenen Jahr und in Deutschland erst vor kurzem veröffentlicht worden war.

Etwa 80 Minuten Horror-Punk-Gewitter in brachialer Spielart und ebensolcher Lautstärke folgte; die Jungs in ihren Skelett-Kostümen ließen sich von dem halbleeren Club nicht demotivieren und lieferten eine professionelle Show ab. Es schien ihnen nicht zuletzt wegen der zahlreichen jugendlichen Verehrerinnen in Totenkopf-Shirts, knappen Lederröcken und zerrissenen Netzstrumpfhosen (wir zeigen keine Bilder, sonst rückt uns noch das Jugendamt auf die Pelle) richtig Spaß zu machen. Und wer will ihnen das verdenken?

Musste sich die Band zu Beginn des Sets noch entschuldigen, dass die Vorgruppe abgesagt hatte und der Bus mit der Merch-Ware irgendwo im Verkehr steckengeblieben war, gab es nach dem Ende des Auftritts eine Entschädigung für alle: Verkauft wurden nach dem Eintreffen des rollenden Warenlagers neben dem üblichen Schnickschnack auch Japan-Importe von CD’s und coloured (Doppel-)LP’s, an die man hierzulande wohl kaum so einfach drankommt, und das alles zu dermaßen günstigen Preisen, dass ich anfangs dachte, ich hätte mich verhört. Dementsprechend umlagert war der Stand dann auch.

Fazit: Für zuhause ist mir die Musik von BALZAC schon eine Spur zu heftig; keine Ahnung, in welcher Stimmung ich sein müsste, um mir sowas reinzupfeifen. Die Show war aber klasse und live würde ich mir die Gruppe jederzeit wieder ansehen. Einen kleinen Eindruck davon kann vielleicht der an diesem Abend von misfits374 aufgenommene Clip geben.

Weitere Infos: Die Website http://www.balzac-europe.com/ ist seltsamerweise ganz in japanisch gehalten (hallo – Europa?), zu empfehlen sind http://www.balzac308.com/web/index.php oder http://www.nippon-rocks.com/bands/balzac/.

Text: Stefan, Fotos: Kai

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THIN LIZZY im Colos-Saal Aschaffenburg, 15.07.2011

Thin Lizzy liebe ich. Thin Lizzy sind die Band um Scott Gorham und vor allem Phil Lynott. Phil Lynott ist seit 1986 tot. Ich habe Thin Lizzy bisher einmal live gesehen, auf ihrer Abschiedstour 1983 auf dem „Monsters of Rock“ in Kaiserslautern. War ein ziemlich geniales Festival, wenn ich mich recht erinnere… Motörhead mit „Robbo“ waren als zweite Band dran, weil sie damals jeder wegen „Robbo“ hasste (ich nicht, ehrlich ;-)); und eben dieser Brian Robertson, vormals bei Thin Lizzy, musste aus irgendwelchen Gründen bei diesen einspringen, sonst wäre der Abschieds-Gigin die Buxe gegangen. Whitesnake waren Headliner, verdient, weil noch bluesig & mit Jon Lord unterwegs; Blue Öyster Cult waren dabei – Kult.

Thin Lizzy hatte ich erst kurz vorher entdeckt; und dann war schon wieder Schicht im Schacht. Ich mochte die metallischen Alben „Chinatown“ & „Thunder and Lightning“; den Rest habe ich erst weit später schätzen gelernt. 1986 starb

Lynott. Für mich waren Thin Lizzy danach Geschichte. Ich meine, hallo; ’ne Band spielt weiter ohne ihren Sänger, Bassisten, Hauptsongschreiber? Sakrileg! War ich bei den „Doors“ mit dem Cult-Sänger anstelle von Jim Morrison? Nein! War ich bei Thin Lizzy
mit Ricky Warwick als Sänger? Ja. Warum?

Warwick ist einfach eine coole Sau und ein begnadeter Rocker. Seine in den 90-ern existente Band The Almighty verehre ich zutiefst; ich habe viele schlechte Bands wie z. B. Ratt ertragen müssen, weil The Almighty im Vorprogramm spielten; einige ganz gute (Alice Cooper), sehr gute (Megadeth) oder ich erlebte sie mit beschissenem Sound auf dem „Super Rock“ 1992. Solo ist Warwick auch unterwegs; seine Songs erinnern dann manchmal an Springsteen. Einmal durfte ich ihn per Telefon interviewen; und er war extrem nett (ich mag nette Menschen). Seine aktuelle Lieblingsband ist The Gaslight Anthem. Au weia: Wie ich diesen Kerl verehre, ist nicht mehr feierlich!

Als Thin Lizzy die letzten Jahre mit John Sykes als Gitarrist/Sänger unterwegs waren, schimpfte ich über die angebliche „Leichenfledderei“ und moserte über die Menschen, die diese Konzerte aufsuchen. Jetzt, „dank“ Ricky Warwick, bestach ich einen Freund, der die Fahrerin vermittelte, mit der Eintrittskarte um dabei gewesen zu sein.

Und: Es hat sich gelohnt. Ich meine: Immerhin waren 3 OLM (Original Lizzy Members) am Start: Scott Gorham (g.), Darren Wharton (keys, voc.) und Brian Downey (dr.). Dazu Ricky am Mikro (der stimmlagentechnisch nicht weit weg war von Phil); der aktuelle Guns’n’Roses-Gitarrist Richard Fortus (als Ersatz für den mit Def Leppard gerade tourenden Vivian Campbell) sowie Marco Mendoza am Bass. Das ist nicht nur theoretisch nicht übel, sondern live ein verdammtes Fest! Die Jungs vermittelten überhaupt nicht den Eindruck, der Kohle wegen Kompromisse einzugehen; sondern rockten sich amtlich durch die Lizzy–Geschichte (bei der mein Lieblingsalbum „Thunder & Lightning“ leider außen vor blieb, weil in den letzten Jahren von John Sykes platt gedudelt).

Egal. Super Abend. Nur die Vorband enttäuschte (mich) etwas. Ich hätte lieber die auf der Frühjahrstour spielenden Supersuckers erlebt. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau…

Links:
http://www.thinlizzy.org/http://www.thinlizzyband.com/,
http://www.thinlizzyonline.com/http://www.thin-lizzy.info/

Text & Fotos: Micha

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CURLEE WURLEE im Ponyhof, 30.07.2011

Auf die französisch-deutsch-englische Band CURLEE WURLEE wurde ich durch ihr zweites Album „Oui oui …“ von 2006 aufmerksam, ihre erste LP namens „She’s a Pest“ erschien allerdings schon vor mehr als zehn Jahren. Dem Fünf-Jahres-Rhythmus folgend, wurde nun im Ponyhof die Veröffentlichung des dritten Langspielers „Curlee Wurlee Likes Milk (and Doesn’t Make a Fuzz About It)“ im Rahmen einer Record Release Party begangen. Dazu kamen Sängerin, Organistin und CW-Gründerin Cécile Musy alias Organellaund ihre drei männlichen Mitstreiter – wie auf dem neuen Plattencover zu sehen – mit einem blau-weißen Streifenlook auf die Bühne. (Den kannte ich bisher nur als Markenzeichen von Jonathan Richman, er steht dem Quartett aber auch nicht schlechter.)

Die Band bezeichnet ihre Musik selbst als „ Frenglish Hammond Beat Fuzz Sensation“, und das trifft es eigentlich ganz gut. Dazu noch eine Prise Surf, ein bisschen Punk und viel Garage- und Sixties-Flair. Die Lieder der aktuellen Scheibe werden größtenteils auf Französisch, aber auch auf Englisch („My Brain is Empty“, „Everything Everything“), auf Deutsch („Lass es sein“) und sogar auf Spanisch („Todo me da igual“) gesungen.

Da das Publikum zu dem groovigen Sound anfangs etwas hüftsteif herumstand, lobte Cécile für die drei besten Tänzer/innen jeweils ein T-Shirt aus, um die Party in Schwung zu bringen. Ob dies der Anreiz war, ob die Musik ab dem zweiten Drittel der Show einfach besser in die Beine (oder der Alkohol ins Blut) ging, vermag ich nicht zu beantworten. Jedenfalls nahmen mit zunehmender Konzertdauer sowohl Band als auch Zuhörer (einige davon im Original Sixties Retro-Outfit) deutlich an Fahrt auf. Zwischen den Stücken erzählte die Frontfrau in deutscher Sprache mit französischem Akzent die ein oder andere Anekdote aus dem Bandalltag oder zu den einzelnen Songs. Très charmant.

Zum Ende des Auftritts wurde die Truppe völlig zu Recht gefeiert und ihr einige Zugaben abverlangt. Das hatte richtig Spaß gemacht! Und dass unser Fotograf dann noch völlig unverhofft als einer der Gewinner aus dem „Tanzwettbewerb“ hervorging und eines der Shirts abgreifen konnte, war das i-Tüpfelchen auf einem gelungenen Abend.

Am Merchstand erzählte mir die Band später, dass die Mitglieder inzwischen in London, Paris und in NRW leben und meist nur für die Dauer der Touren zusammenkommen; sämtliche Kommunikation inklusive des musikalischen Ideenaustauschs wird über das Internet erledigt. Moderne Zeiten eben, technische Hilfsmittel wollen genutzt werden…

Die gut gemachte und sehr informative Website www.curleewurlee.com wartet mit einer prima Dokumentation vergangener Touren, schönen Fotos, ausführlicher Diskografie und einigen netten Animationen auf. Weitere Hörproben gibt es außerdem unter http://www.myspace.com/curleewurlees und http://www.reverbnation.com/curleewurlee. Cécile präsentiert zudem noch einige Demos unter http://www.myspace.com/organella.

Die chilenisch-deutsche Kombination THE STUD im Spätprogramm ab 1:00 Uhr verpasste ich leider; es trieb mich ins New Backstage, um den Showdown der STZS-Party #8 mitzuerleben. Next time, guys!

Text: Stefan, Fotos: Kai

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FREEZE im Elfer Music Club, 1.09.2011

Die US-amerikanische Hardcore-Formation FREEZE ist mir bei ihren vergangenen Europa-Touren irgendwie immer durch die Lappen gegangen. Ihren bisher letzten Frankfurt-Auftritt im Juli 2009 in der Au hatte ich verpasst, weil am gleichen Abend DEMENTED ARE GO im Schlachthof (WI) gespielt hatten und man sich ja bekanntlicherweise nicht klonen kann. Die diesjährige Show im Elfer hätte eigentlich in Linz (Österreich) stattfinden sollen, wurde aber dann nach Eschersheim verlegt. Manchmal hat man ja Glück. Diesmal gab es auch keineKonkurrenzveranstaltung und ich freute mich, endlich die Band zu sehen, die ich bisher nur von den Scheiben „Rabid Reaction“ und „Guilty Face“ aus den 80-er Jahren kannte.

Die 1978 gegründete Truppe aus Massachusetts kann getrost als einer der Urväter des Hardcore bezeichnet werden. Frontmann Clif Hanger (eigentlich Clifton Croce) ist noch immer dabei, er geht inzwischen auf die Fünfzig zu. Im mittelprächtig gefüllten Elfer-Keller bewiesen er und seine Mitstreiter D.B. (Gitarre), Arvin Mani (Bass), Gizz Lazlo (Schlagzeug) und Dave Diamond (Gitarre), dass es auch im fortgeschrittenen Alter möglich ist, eine authentische HC-Show zu spielen. Die Songs: kurz und prägnant, aggressiv und mit ordentlich Dampf auf dem Kessel. Die Texte: gesellschaftskritisch und politisch. Der Sound: nicht zuletzt aufgrund dreier Gitarren brachial und mitreißend.

 So sprang der Funke schnell auf die Zuhörer über; einige zeigten vor der Bühne, dass man sich auch an einem lausigen Donnerstagabend in Frankfurt schnell bewegen kann. Zu einigen Stücken kam Clif von den Brettern herunter und sang mitten im Publikum. Ich mag das zwar, diese „persönliche“ Ansprache, Punk und HC hautnah sozusagen. Sehr wohl war mir bei dem stechenden Blick allerdings nicht. Er hat schon so einiges mitgemacht, der Clif: Knastaufenthalte wegen Diebstählen, jahrelange Drogensucht mit Crystal Meth und Heroin, Medikamentenabhängigkeit, Gewalt, Depressionen, etc. Dies alles schien sich in seinem starren, leeren Gesichtsausdruck zu manifestieren. Ich fand das irgendwie spooky.

Inzwischen hat FREEZE, trotz dutzender Besetzungswechsel, mehr als 30 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel und blickt auf mehr als 20 Veröffentlichungen zurück. Ermüdungserscheinungen scheint es nicht zu geben. Nach dem Ende der Europatour am 11.9. will die Band in den Staaten vereinzelte Konzerte geben und außerdem ins Studio gehen. Im Juli und August 2012 kommt sie bisherigen Planungen zufolge wieder nach Europa, und vielleicht steht Frankfurt dann ja erneut auf dem Tourplan.

Seit Mitte Juli ist die offizielle, neue Website http://thefreezepunk.com/ im Netz. Sie ist recht informativ, allerdings rate ich von der Übersetzungsfunktion ab. Da sind Sätze zu lesen wie: „Bis dahin können Sie aufholen The Freeze durch ihre Facebook-Seite, die schon immer hat in letzter Zeit stark befahrenen durch die neue Energie der Band gefunden hat.

Die Domain www.thefreeze.us verlinkt zu http://www.myspace.com/rabidreaction. Dort gibt es Songs zu hören. Clif präsentiert sich auf http://www.myspace.com/thefreeze. Interessant ist auch ein Interview mit ihm von 2009 im Plastic Bomb Fanzine (http://plasticbomb.eu/cms/index.php/artikelkolumnen/
interviews/366-the-freeze-on-tour
).

Text: Stefan, Fotos: Kai

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SLIM JIM PHANTOM im Nachtleben, 20.10.2011

Ich mag Musik. Viele verschiedene Arten von, aber das meiste ist auf Rock’n’Roll-Basis. Und davon ist wohl das meiste im Metal-Bereich anzusiedeln. Metal-technisch war heute ganz klar: Pflichttermin sind Amon Amarth (mit As I Lay Dying und Septic Flesh) in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle. Ich bin zwar nicht deren größter Fan unter der Sonne, habe aber auch meinen Spaß an dem einen oder anderen Album, also warum nicht. Die Aussicht auf ein paar Bier mit meinen Metal-Freunden hat ja auch was. Im Nachtleben war gleichzeitig Slim Jim Phantom angesagt. Den habe ich da vor einiger Zeit schon mal gesehen; und ich einnere mich an einen hübschen Oldie-Abend mit tonnenweise STRAY CATS-Klassikern, bei denen der Herr ja mal gespielt hat. Das war sehr nett und unterhaltsam, aber eben kein Pflichttermin. Brian Setzer bringt dasselbe ja auch öfter zu Gehör; und da stimmt dann auch wenigstens die Stimmlage.

Mein Rock’n’Roll-Übergott ist Lemmy. Der ist mit Slim Jim Phantom befreundet und hat kürzlich mit ihm und einem Danny B. ein Album als „Headcat“ eingetütet, das zweite übrigens, auf dem die Herren sich ganz ihrer Liebe zu Songs von Eddie Cochran, Gene Vincent und anderen verstorbenen Großmeistern hingeben. Das klingt im Vergleich zu den Originalen zwar nicht immer soooo geil, ist aber etwas besonderes. Noch besonderer ist das live außerhalb der USA, weswegen das einzige in D-land stattfindene HEADCAT-Konzert in Berlin am 18.10. schon ein besonderer Pflichttermin wäre, wenn nicht die Arbeit vorgehen würde, das Budget wie immer längst ausgereizt ist und mit Wolves In The Throne Room am 19.10. in Wiesbaden nicht auch ein heiß erwarteter Oberkult im Rhein/Main–Gebiet gastierte, aber das ist ein anderes Thema.

Gedanklich schon auf Amon Amarth eingestellt und an der virtuellen Vorverkaufsstelle sitzend, fahren meine Gedanken auf einmal Karussell. Wieso fiel mir das nicht vorher auf? Wie konnte ich nur so blind sein? Wenn Head Cat in Berlin weilen, zwei Tage später die D-Tour von Slim Jim Phantom anfängt und am 21.10., also wieder einen Tag später, Motörhead im gar nicht soooo weit entfernten Zürich gastieren (naja, für ständig Reisende, zumindest); ist es dann nicht offensichtlich? Ist das nicht die Gelegenheit?

Mir fiel es wie Schuppen vor die Augen, es musste so sein: Wenn Lemmy einen Überraschungsbesuch auf der Slim Jim Phantom-Tour macht, dann hier bei mir in FFM, 20 Minuten Fußweg von meinem Bett. Ich orderte flugs nur 3 statt 4 Amon Amarth-Tickets und eines für Slim Jim Phantom (ist auch günstiger, beruhigte ich mich), und ließ das Ganze noch mal sacken. Vielleicht war das ja auch blödsinnig, aber die geheimen Clubgigs der Hosen und Ärzte habe ich auch meistens rechtzeitig rausbekommen, wenn die hier stattfanden – also hatte ich auf der Erfolgsseite durchaus etwas vorzuweisen.

Dass mir mein Metalfreund V daraufhin erst ein schriftliches und später noch ein mündliches Armutszeugnis vom Feinsten ausstellte, musste ich in Kauf nehmen. Dass mein Punkfreund S mit meiner Vermutung Werbung macht und noch den einen oder anderen Lemmy-Fan ins Nachtleben lockte, nicht. Das setzte mich unter Druck, Mist, meine Reputation wird schwinden, so es je eine gab. Aber dann hätte ich wenigstens einen entspannten Stray Cats-Abend, der nach dem gestrigen Black Metal-Geschwurbel sicher erholsamer für mein Ohr wäre als metgeschwängertes Vikingergegröhle in Neu-Isenburg (was durchaus sonst reizvoll gewesen wäre, versteht mich nicht falsch).

Ganz so wars dann nicht. Slim Jim trat im, hm, spärlich gefüllten Nachtleben im Trio auf, wobei zwei Drittel der Kombo aus Mitgliedern der POLECATS bestand. Der erste Song ließ die Lemmy–Erwartungen erst höher schnellen, als „Please don’t touch“ von Headgirl (Motörhead meets Girlschool, hach, waren das Zeiten) gegeben wurde, aber dann dachte ich schon, hm, wieso singt der das nicht selber?

Während ein ziemlich geiler und in keinster Weise Stray Cats-dominierter Set kredenzt wurde (in den sich auch div. Polecats–Nummern schlichen neben mehrmals Eddie Cochran, ein bisschen Stray Cats und Zeug, das ich nicht kannte; kam sehr gut) nahm S’s Kollege K, von ihm durch meine Mail zum Besuch genötigt (schluck) hinter der offenen, nach Rauch, aber nicht nach Whiskey stinkenden Tür zum Backstage-Räumchen einen Hut war. Einen Cowboyhut gar. Doch dieses Requisit muss jemand anderem gehört haben, denn der Meister blieb fern. Schade. Vielleicht sind Musiker Menschen wie mir ja doch ähnlich und erfreut, einfach mal einen Tag frei zu habe, ohne irgend welche Bühnen zu entern um zu malochen. Spricht ja auch für sie, irgendwie. Muss ich mich mit trösten. Wenn schon die Reputation verhagelt ist…

Weitere Links:

http://www.slimjimphantom.com/,
http://www.stray-cats.de/seiten/biographien/slimjimp.htm,
http://www.reverbnation.com/headcat

Text: Micha, Fotos: Kai

Clip: aufgenommen am Folgeabend im Café Central in Weinheim von tascha1501

Mehr Bilder:

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WILD EVEL & THE TRASHBONES im Ponyhof, 22.10.2011

Wieder einmal ein besonderes Schmankerl hielt der Ponyhof im Rahmen einer Moonshake Party in der Late Show ab 01.00 Uhr bereit: WILD EVEL & THE TRASHBONES aus Österreich waren geladen. Und eines war der Abend, bzw. die späte Nacht, mit Sicherheit: Wild! Mit ihrem Garage-Beat-Fuzz-Punk-Rock sorgten die vier Jungs und das Mädel am Bass beim Publikum – bei ohnehin gefühlten vierzig Grad im proppenvollen Schuppen – für gesteigerte Hitzewallungen. Songtitel wie „I Wanna Be Your Caveman“, „It’s a Monster“ oder „Hot Rod Zombie“zeigen schon, in welche Richtung das Ganze ging und garantierten Partystimmung galore.

Ich kannte die Truppe vorher nicht und muss sagen, ich habe mich schon lange nicht mehr so gut amüsiert: Wild Evel schnappte sich zur Mitte des Sets das bestimmt nicht ganz leichte Keyboard, stemmte es bis über seinen Kopf, um es anschließend hochkant auf der Bühne zu platzieren und damit weiterzuspielen. Zwischen den Songs ließ er launige Sprüche vom Stapel („Wollt ihr mit uns feiern?“, „Wollt ihr euch besaufen?“) und die Zuhörer kamen den Aufforderungen nur zu gerne nach.

Einzig und allein Evel’s Versuch, die in den ersten Reihen tanzenden Damen zum Ausziehen ihrer Shirts zu animieren (nachdem er sich seines schon entledigt hatte), schlug fehl. Aber zum gemeinsamen Tanz kamen einige trotzdem bereitwillig auf die Bühne. Auch der Rest der Band war unterdessen nicht untätig: Der Gitarrist kletterte auf die Bassdrum und der Schlagzeuger, stilecht gekleidet mit Fellweste und Knochenkette, malträtierte seine Trommeln in bester Neandertalermanier. Als die Truppe nach einigen Zugaben um kurz vor drei Uhr morgens schließlich doch endlich Schluss machen durfte, sah die Bühne aus wie ein Schlachtfeld. Ganz großes Kino!

Gerne hätte ich am Merchstand noch einen Tonträger der Truppe aus „Fuzzville-Graz“ erstanden, doch sämtliches Audiomaterial war bereits am Vorabend ausverkauft worden. Das wundert mich nicht, wenn die Show auch nur annähernd so gut war. Ohnehin sind bisher wohl nur zwei Singles erschienen: Die Titel „Let’s Go Right Now“ und „It’s a Monster“ 2010 auf Hey Girl! Records (500-er Auflage) und eine Split-7“ (Titel: „Where You Gonna Go?“) mit den INCREDIBLE STAGGERS, bei denen Wild Evel sonst den Frontmann gibt, auf Screaming Apple.

Die Website der Band http://www.trashbones.com/ befindet sich zurzeit im Aufbau, sei aber hiermit zur Beobachtung empfohlen.

In der ersten Show des Abends waren mit den SATELLITERS aus Darmstadt wieder einmal alte Bekannte am Start. Ich habe sie erstmals 2000 in der Au gesehen und zwischendurch immer mal wieder, seit 1994 haben sie mehr als ein Dutzend Singles und Alben mit ihrem charakteristischen 60s-Garage-Fuzz-Sound veröffentlicht. Sie blieben auch diesmal ihrem (guten) Ruf nichts schuldig und sorgten dafür, dass auch diejenigen, die sich nicht die Nacht um die Ohren schlagen wollten, ein tolles Konzert miterlebten.

Am Silvesterabend treten die SATELLITERS und WILD EVEL & THE TRASHBONES übrigens wieder gemeinsam auf, diesmal in der Bessunger Knabenschule in Darmstadt. Mein Ausgehtipp – denn besser kann man das neue Jahr eigentlich nicht beginnen…

Weitere Links:
http://www.myspace.com/wildevelandthetrashbones,
http://www.satelliters.de/index_2.htm,
http://www.myspace.com/thesatelliters

Text & Fotos: Stefan

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GITANE DEMONE in Das Bett, 28.10.2011

Wieder einmal galt es, einer lebenden Legende des Unterground zu huldigen: Gitane Demone, in den Achtziger Jahren mit der Kultband CHRISTIAN DEATH aktiv und später auf Solopfaden im Punk- und Gothic-Beritt unterwegs, machte im Frankfurter Bett Station. Zunächst überraschend: Mit langen schwarzen Haaren betrat G.D., die ich von früheren Auftritten und von Fotos ausschließlich strohblond in Erinnerung hatte, die Bühne. Gemeinsam mit ihrer Tochter Zara Kand (Schlagzeug) sowie Jean-Paul-Garnier (Bass) und Ryan Hertz (Gitarre) bot sie anschließend ein knappzweistündiges Programm aus allen Phasen ihres Schaffens. Zu dem ein anderen Song gab die Amerikanerin dem – leider sehr spärlich erschienenen – Publikum eine kurze Einleitung zur Entstehungsgeschichte. Zudem erzählte sie, dass ein neues Album zwar in der Pipeline sei, aber nicht rechtzeitig zur Tour fertiggestellt werden konnte.

Der erste Teil des Konzerts gefiel mir ausnehmend gut, G.D. präsentierte sich auf der Bühne äußerst agil, wälzte sich sogar auf dem Boden, bewegte sich gewohnt lasziv und provokant und ihre Stimme klang so prägnant wie eh und je. Die begleitenden Musiker – hervorragend. Der zweite (zum Glück kürzere) Teil des Konzerts fiel etwas ab: Hertz verließ die Bühne und G.D. spielte fortan die Gitarre, später verließ Zara noch ihr Schlagwerk und übernahm das Mikrofon. Ich fand das gewöhnungsbedürftig, die meisten anderen Zuhörer störte es scheinbar nicht, dass Zara stimmlich doch nicht ganz an ihre Mutter heranreicht. Ihr Können am Schlagzeug hat mich allerdings beeindruckt, zumal die inzwischen 24-Jährige auch einen nicht geringen Teil ihrer Zeit für ihre Kunst aufwendet (siehe www.zarakand.com).

Unter dem Strich blieb ein hervorragendes Konzert und die Erkenntnis, dass G.D. auch nach vielen Jahren nichts von ihrer Aura und ihrem Charisma eingebüßt hat. Ein Händchen für Melodien und Texte hatte sie eh schon immer. Ich bin gespannt auf das neue Album.

Im Vorprogramm: STEALING THE BRIDE aus Mainz. Das Quartett mit drei reiferen Herren und einer recht jungen Dame ist ebenfalls im Genre athmosphärischer Gothic-Rock unterwegs. In leicht veränderter Besetzung nahm die Band bereits 2005 erstmals am „Emergenza Contest“ im Nachtleben teil und war in den folgenden Jahren ein steter Gast auf den Bühnen Frankfurts (u. a. Batschkapp, Die Halle, Elfer, Cave) und des gesamten Rhein/Main-Gebiets. 2009 erschien das Album „Roommates“.

Frontfrau Sarah ziert erst ab Juni 2011 das Line-Up von STB. Nach dem Konzert erzählte mir jemand, dass es erst der zweite Auftritt von ihr mit der Band gewesen sei. Keine Ahnung, ob das stimmt, allerdings war ihr eine gewisse Nervosität zu Beginn der Show anzumerken. Diese legte sich allerdings bald und der Vierer aus der Landeshauptstadt überzeugte durchaus. Die Stimme von Sarah ist hell und glasklar und passt ausgezeichnet zu der Musik. Den übrigen STB-Mitgliedern Uli (Gitarre), Alex (Bass) und Robert (Schlagzeug) konnte man ihre Routine vom ersten Takt an anhören, exzellente Musiker, die – wen wundert’s – schon in zahlreichen Bands mitgewirkt haben. Ein prima Opener für den Abend.

Weitere Links:
http://rozznet.com/users/gitane/,
http://christiandeath.com/,
http://www.stealingthebride.de/,
http://www.myspace.com/stealingthebride/ 

Text: Stefan, Fotos: Kai

 

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MEKONS im Sinkkasten Arts Club, 2.11.2011

Nach längerer Zeit lockte mich mal wieder ein interessantes Konzert in den Sinkkasten Arts Club (SAC): Die MEKONS, die Ende der 70-er in England als Punkband ihre ersten Platten veröffentlichten, inzwischen aber vom Folk und Country inspirierten Rock der amerikanischen Schule spielen, gaben sich die Ehre. Von den Gründungsmitgliedern, allesamt Kunststudenten (!), stand mit Jon Langford noch einer auf der Frankfurter Bühne, aber auch die anderen Musiker sind schon mindestens seit 20 Jahren, die meisten bereits seit Mitte der Achtziger dabei.

Im SAC spielten die MEKONS zu siebt. Schade bloß, dass kaum mehr als 40 Zuhörer den Weg in den Sinkkasten gefunden hatten. Diese schienen allerdings mit dem ebenso umfang- wie abwechslungsreichen Werk der Briten, die inzwischen mehr als 20 Alben herausgebracht haben, recht vertraut zu sein. Die Athmosphäre passte von Anfang an, Interaktion zwischen Band und Publikum fand zwischen den Songs in Form von kleinen Geschichten und Anekdoten statt. Überhaupt erwiesen sich die MEKONS als äußerst sympathische Truppe, ihre musikalischen Qualitäten sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Einige Mitglieder blicken auf beeindruckende Karrieren im Musikbusiness zurück: Gitarrist Robert „Lu“ Edmonds spielte schon mit THE DAMNED, PIL, BILLY BRAGG, LAURIE ANDERSON und den WATERBOYS, um nur einige seiner Bands und Gastauftritte zu nennen. Schlagzeuger Steve Goulding war u. a. für GARLAND JEFFREYS, ELVIS COSTELLO, DAVE EDMUNDS und THE CURE tätig sowie mit LENE LOVICH, GANG OF FOUR und THOMPSON TWINS auf Tour. Sängerin Sally Timms arbeitete mit PETE SHELLEY (Buzzcocks) und MARC ALMOND (Soft Cell). Selbstredend veröffentlichen fast alle der MEKONS-Musiker in unregelmäßigen Abständen auch Soloalben.

Außerdem sind einige Bandmitglieder, die inzwischen zumeist in die USA übergesiedelt sind, als Maler, Zeichner, Multimedia-Künstler oder Autoren aktiv. Gitarrist und Sänger Jon Langford hat seine Werke schon in Chicago, New York, Portland, New Orleans oder in der American Pop Culture Art Gallery in Nashville ausgestellt. Wer sich für seine Kunst (u. a. Bilder von Johnny Cash, John Peel, Ramones, Clash) interessiert , surfe zu http://jonlangford.de/oder gebe die Begriffe „ jon langford bilder“ in die Google-Suche ein. Multiinstrumentalist Rico Bell (eigentlich: Eric Bellis) hat neben seinen Gemälden über Land und Leute in Kalifornien und im Mittleren Westen auch für die Rock’n Roll Hall of Fame gearbeitet. Seine Bilder, u. a. mit den SEX PISTOLS, BLACK SABBATH und BLONDIE, gibt es auf http://www.mekons.de/rico.htm zu sehen.

Momentan entsteht eine Filmdoku über die MEKONS. Unter dem Titel „Revenge of the Mekons“ setzt der amerikanische Regisseur Joe Angio das Leben und die musikalischen wie künstlerischen Aktivitäten der Band in Szene. Nähere Informationen dazu unter http://www.mekonsmovie.com/
Revenge_of_the_Mekons/HOME.html
.

Übrigens: Wie es mit dem Sinkkasten weitergeht, ist scheinbar immer noch unklar. Genaues weiß zurzeit wohl nur der Insolvenzverwalter. Wir hoffen jedenfalls, dass uns diese Frankfurter Institution erhalten bleibt.

Weitere Links:
http://www.mekons.de/mekonhom.htmhttp://www.mekons.de/lu.htm,
http://www.mekons.de/sallyfr.htmhttp://www.mekons.de/Welcome.html,
http://www.ericbellis.com/index.htm

Text & Fotos: Stefan

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MESSER CHUPS im Elfer Music Club, 10.11.2011

Nach WILD EVEL schon das zweite Konzert innerhalb kurzer Zeit, bei dem „Mumien, Monster, Mutationen“ eine prägnante Rolle spielen. Die MESSER CHUPS um den Bandleader und Gitarristen Oleg Gitarkin aus St. Petersburg gastierten im Elfer. Mitgebracht hatte er wie immer den heimlichen Star der Truppe, Zombie Girl am Bass, und außerdem einen Drummer (als ich die Gruppe anno 2007 im DKK gesehen habe, kam das Schlagzeug vom Band und das war diesmal natürlich viel besser).

Die „Addams Family der russischen Elektronic-Szene“, wie das Trio in der Ankündigung des Elfers genannt wurde, stellte ihr jüngst erschienenes Album „Surf Riders from  the Swamp Lagoon“ vor. Es ist bereits der zehnte Tonträger seit 1999, die Best Of-Compilations nicht eingerechnet. Und während der Show liefen im Hintergrund – ein Muss bei den MESSER CHUPS – über den Beamer schwarz-weiße Filmausschnitte aus Horror-, Science-Fiction- und Trashfilmen der 30-er bis 70-er Jahre.

So flimmerten bei Titeln wie „Authentic Blood Sucking Melody“, „Back to Bermuda Triangle“ oder „The Mysterians“ die Untoten, Außerirdischen und Werwölfe en masse über die Leinwand, und dazu die (natürlich meist halbnackten) attraktiven jungen Frauen, die gerade von den Kreaturen angeknabbert werden. Die meisten Filmschnipsel waren, zumindest für mich, kaum zuzuordnen – außer wenn mal Bela Lugosi als Dracula, Lon Chaney als Wolf Man oder das Ungeheuer aus „Der Schrecken vom Amazonas“ (Creature from the Black Lagoon) erschien. Aber das ist ja auch zweitrangig – die Filme anzusehen (es waren im übrigen andere Szenen als 2007) macht immer großen Spaß.

Neben einigen Liedern des neuen Albums sowie vom Publikum geforderten, älteren Nummern fanden sich im Programm auch einige Coversongs, u. a. der Klassiker „Ghost Riders in the Sky“ , sowie  „Popcorn“ (einigen vielleicht noch bekannt, weil es früher zur Ziehung der Lottozahlen im TV gedudelt wurde) oder das mit viel Improvisation angereicherte James Bond-Theme.

Fazit: Einmal mehr war’s ein Konzertabend der Extraklasse. Die akustisch-optische Kombination aus Surfmusik und Trashfilmen ist kaum zu toppen (zusätzlich unterstützt durch die schrillen Schreie von Zombie Girl und dem hässlichen, hallenden Lachen von Oleg). Der Elfer-Keller war recht gut gefüllt, nicht unangenehm drängelig, aber genug Publikum für prima Stimmung. Und ganz sicher wird niemand sein Kommen bereut haben.

Auch die Merchfreunde kamen auf ihre Kosten: Neben verschiedenen CDs zum fairen Kurs gab’s auch den „Messer Chups Calendar 2012“ mit zwölf Aufnahmen von Zombierella im Trash-Horror-Artwork. Der wurde für günstige 5 Euro angeboten, im Laden und im Netz kostet das Teil mehr als das doppelte. Außerdem natürlich noch Shirts, Badges, usw. Und Autogramme und Fotos für alle, die mochten.

Weiteres über die MC gibt es auf deren Website http://www.messerchups.ru/, die ganz witzig aufgemacht ist (einfach mal auf die ganzen gezeichneten Figuren klicken…). Die Videos können allerdings über diese Seite nicht aufgerufen werden, es erscheint dann ein netter Hinweis von YouTube (siehe rechts). Ein paar schöne Clips gibt es aber unter http://www.morezvukov.nl/artist-roster/messer-chups/.

Text & Clip: Stefan, Fotos: Kai

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NEWGLAM Underground Festival im Ponyhof, 24.11.2011

Und wieder einmal rief der Ponyhof, eines der in diesem Jahr von mir am häufigsten frequentierten Venues. Diesmal traten im Rahmen des NewGlam Underground Festivals drei Bands auf – das Frankfurter Wave-Trio SINBEATS, das Elektro-Duo VAMPIRE POP STRATEGY aus Bologna und die Glam-Rocker THE ORPHANS aus Brighton.

Den Anfang machte eines der Urgesteine der hiesigen Szene, die SINBEATS. Inzwischen gibt es sie, in veränderter Besetzung, schon mehr als zwanzig Jahre. Immer noch dabei sind die Gründungsmitglieder Harry (Gesang/Gitarre) und Wolfgang (Schlagzeug, Gesang). Komplettiert wird das Trio durch den neuen Bassisten Frank. Dieser war, wie durch die Website http://www.sinbeats.net zu erfahren, im Juni diesen Jahres eingestiegen. Ich habe die Combo 1998 das erste Mal im DKK live gesehen und danach ihre Entwicklung durch Konzertbesuche in Abständen von zwei bis drei Jahren ein bisschen mitverfolgt.

Das Set zum Sachsenhäuser Heimspiel bestand aus neun Stücken. Fünf davon neu und bisher unveröffentlicht, mir gefielen „Bring Back the Light“ und „This is the Right Time“ am besten. Der Rest stammte vom letzten Album „Sinbeats“ von 2006, unter anderem als Zugabe auch mein Favorit „I Want My Analogue Life Now“. Der Tonträger „Howl!“ (1994/95) und das Debütrelease „Get High“ (1991/92) wurden bei der Songauswahl diesmal leider nicht berücksichtigt. Schade, insbesondere „No Way“ hätte ich gern mal wieder live gehört. Ansonsten alles wie gehabt: Die SINBEATS nahmen mit ihren mal melancholischen, mal rockigen Wave-Melodien das Publikum einmal mehr für sich ein und konnten sich verdientermaßen über viel Applaus freuen.

Dann spielten VAMPIRE POP STRATEGY. Kolportiert wurde, dass die beiden Musiker namens Marco und Francesco eigens für diesen einen Auftritt aus Bologna an den Main gekommen waren.

Sollte dem so gewesen sein, dann mussten einem die Twens doppelt leid tun: Zum einen der langen und kostspieligen Anreise wegen und zum anderen, weil sich für ihre Musik nicht wirklich viele der ohnehin spärlich erschienenen Gäste interessierten. Nur eine Handvoll Personen stand vor der Bühne, der Rest verfolgte das Geschehen aus sicherer Distanz oder hielt sich, mehr oder weniger in Gespräche vertieft, im hinteren Teil der Räumlichkeiten auf.

Ich kann allerdings verstehen, dass der spacig-poppige Elektro-Wave mit Reminiszenzen an die 80-er Jahre nicht allzu viele Anhänger fand. Der Rhythmus kam vom Band (bzw. dem Laptop), einer der Jungs spielte auf einem Mini-Keyboard und der andere sang dazu in kaum verständlichen Englisch, die Hände häufig in den Hosentaschen vergraben. Insgesamt fand ich den Sound zwar in Ordnung, aber Innovatives konnte ich nicht entdecken. Vor zwanzig Jahren habe ich elektronische Musik ganz gern gehört, allerdings eher in Richtung stakkatoartiger Beats wie bei Front 242 oder Project Pitchfork. Geschmeidiger Elektro-Pop à la VPS fand nicht den Weg auf den Plattenteller und daran werden auch Francesco und Marco nichts ändern.

Zum Schluss THE ORPHANS aus dem UK. Was soll ich sagen: Eine ganz andere Baustelle. Vier Glamrocker vor dem Herrn, singend, tanzend, schreiend, über die Bühne tobend. Spektakulär. Kurzweilig. Spannend. Diese Jungs zelebrierten das Genre mit einer Energie, die mitriss. Insbesondere der Bassist Boag und sein Kollege an der Schießbude wirbelten, als gäbe es kein Morgen. Da fiel auch Sänger und Gitarrist Julian (optische Ähnlichkeit mit Roger Daltrey und akustische Ähnlichkeit mit Bon Scott wären rein zufällig) nicht ab. Abgerundet wurde der Glamsound durch den Mann am Keyboard. Ich war perplex, denn soviel Power hatte ich am – schon ziemlich späten – Abend dann doch nicht mehr erwartet. Schaut euch den Clip an…

Präsentiert wurden ältere Stücke aus dem bisher einzigen Album „Muff“ von 2008 sowie neuere Songs, die laut der Website http://www.theorphans.co.uk/ bald veröffentlicht werden sollen. Übrigens: Die Band taucht im Netz (und sogar auf dem Veranstaltungsflyer) auch unter THEE ORPHANS (mit Doppel-E) auf, vermutlich der Namensdoppelung mit einer US-Band wegen. Davon nicht irritieren lassen. Aber auf der CD steht THE.

Eben jene gab’s samt Bonus-CD zum guten Schluss von der reizenden Tara am Merchstand für nen Fünfer. Die Umstehenden gaben auf Nachfrage noch einige Kneipentipps zum besten und für die Briten ging die Party dann wohl noch weiter (obwohl sie in der Nacht zuvor nach eigener Aussage nur vier Stunden geschlafen hatten). Respekt. Für mich war die Messe gelesen – denn nachher klingelt viel zu früh der Wecker…

Weitere Links:

http://www.myspace.com/newglamundergroundhttp://www.myspace.com/theorphansonline
http://www.myspace.com/vampirepopstrategyhttp://www.myspace.com/sinbeats

Text, Fotos & Clip: Stefan

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TURBO A.C.’s & IRRITONES in der Au, 27.11.2011

Das war er also, der Konzert-Jahresabschluss in der Au. Nochmal mit zwei Knallern, den Punkrockern TURBO A.C.’s aus New York City und den IRRITONES aus Marseille als Support.

Letztere sind die Nachfolgeband der leider aufgelösten HATEPINKS, die 2008 im Vorprogramm von CUTE LEPERS in der Au gespielt hatten und 2009 eigentlich für das Sommerfest gebucht waren, dann aber absagen mussten. Das Quartett hat inzwischen auch schon wieder zwei Alben und einige Split-Singles herausgebracht und war im vergangenen Jahr auf einer längeren Tour durch Europa und die USA. Der aktuelle Tonträger hört auf den Namen „Penis Romantique“.

Olivier Gasoil, der nach den HATEPINKS nun auch bei den IRRITONES den Frontmann gibt, zeigte sich wie schon früher wieder in Hochform: Er sprang wild über die Bühne oder ins Publikum, wand sich auf den Brettern, sang auf dem Rücken liegend, wickelte sich das Mikrokabel ums Gesicht, strangulierte sich mit seiner Krawatte, verpackte sich selbst mit Klebeband, usw. Die Show jedenfalls war klasse und für mich ist die Combo eher ein Live- als ein Plattenerlebnis.

Die Songs? 77-Baguette-Punk, habe ich mal gelesen. Aber im Ernst, viel hat sich im Vergleich zur Vorgängerband nicht geändert. Lockerer Punkrock mit verrückten Texten an der Banalitätsgrenze. Spaß machte auch das gekonnt gespielte Cover des Kultsongs „Computerstaat“ (Abwärts). Außerdem fiel noch auf, dass Entertainer Gasoil sein Deutsch verbessert hat. Schrieb er vor drei Jahren noch „Aschloch auch!“ auf unsere Platten, konnte er sich diesmal schon wesentlich gewählter, wenn auch nicht unbedingt feiner, ausdrücken. Weitere Infos gibt es unter http://irritones.free.fr/ und http://hatepinks.free.fr.

Die TURBO A.C.’s stellten nach kurzer Umbaupause ihr noch recht frisches Album „Kill Everyone“ vor. Es ist das siebte seit der Bandgründung 1996 und das erste nach fünf Jahren Pause. Was die Jungs in der Zwischenzeit gemacht haben, könnt ihr unter anderem im Ox #97 nachlesen.

Manche der bisherigen Platten, wie etwa die unter der Regie des DWARVES-Sängers Blag Dahlia entstandene „Automatic“ (2003) fand ich klasse, manch andere wie „Winner Take All“ (1998) blieben mir nicht im Gehör. Mit dem neuen Werk konnte ich mich sofort anfreunden. Titel wie „Into the Vortex“, „Emergency Room“, „Forget Everything“ oder „Black Lipstick“ sind nichts weiter als gnadenlose KILLER. Diese kamen auch beim Au-Publikum gut an, dennoch hatten nur wenige Lust, sich dazu am Sonntagabend vor der Bühne zu massakrieren.

Die Stimmung war trotzdem ausgezeichnet, nicht zuletzt weil Sänger Kevin Cole und seine Mitstreiter Jer Duckworth an der Gitarre und Tim Lozada am Bass sowie ein interimsmäßig eingesprungener Drummer, dessen Namen ich bei der Vorstellung leider nicht verstanden habe, noch einmal alles aus sich herausholten.

Für die Band ging eine lange Europa-Tour in Frankfurt zuende. Seit dem 27. Oktober hat sie insgesamt 32 Konzerte in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Italien, Belgien, den Niederlanden, Österreich, der Slowakei, Polen, Tschechien und Dänemark gegeben. Und sich dabei nicht einen einzigen Ruhetag gegönnt. Ein ganz schön heftiges Programm. Ich ziehe meinen Hut, dass die Truppe auch beim letzten Stopp noch so frisch wirkte, als hätte die Tour gerade begonnen.

Schaut mal auf die Website http://www.turboacs.com, ganz lustig ist dabei unter anderem die Idee mit der Turbo Ink Gallery, einer Ansammlung von TURBO AC’s-Tätowierungen bei den Fans (http://www.turboacs.com/turbo_ink.html).

Dank an dieser Stelle an die Au für das tolle Booking in diesem Jahr: Mit UK SUBS (diesmal zusammen mit VIBRATORS), DRITTE WAHL, einem hervorragend besetzten Sommerfest (unter anderem mit CUTE LEPERS, DRONGOS FOR EUROPE und DANGER!MAN), SWINGIN’ UTTERS, KIEMSA, TURBO A.C.’s sowie vielen anderen Bands habt ihr wieder ein super Händchen gehabt!

Text: Stefan, Fotos: Kai

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SHEETAH ET LES WEISSMUELLER im Ponyhof, 10.12.2011

Mit SHEETAH & LES WEISSMUELLER kam eine der Psychedelic-Fuzz-Garage-Entdeckungen der vergangenen Jahre in die Klappergasse. Das Quintett aus Lille konnte sich nach einigen Sampler-Beiträgen bereits mit seiner Debüt-LP „Hola Ye-Yeah“ (2009 erschienen auf Screaming Apple Records) eine größere Fangemeinde erspielen und hat nun das Album „Evolution Francaise“ folgen lassen. Die Nordfranzosen schienen allerdings nicht unbedingt versessen darauf, auch am Konzertabend das Werk unters Volk zu bringen. Aber dazu später mehr.

Die fünf Namensvetter des legendären Tarzan-Darstellers Johnny Weissmuller (1904-1984) – Barnabé Weissmueller (Gesang), Jéjé Weissmueller (Gitarre), Hubert Weissmueller (Orgel), Fifi Weissmueller (Bass) und der für den etatmäßigen Drummer Peter Weissmueller eingesprungene Schlagzeuger – gaben zur besten Rock ’n Roll-Zeit ab 01:30 Uhr noch mal richtig Gas. Mit ihrem Hybrid aus Pychedelic Rock mit Surf-, Beat- und Garage-Elementen, vorangetrieben von einer großartigen Schweineorgel, ließen sie das Publikum schnell in Schweiß kommen.

Frontmann Barnabé bewies Entertainer-Qualitäten, war im Verlauf der Show auf beinahe jedem Quadratmeter der Bühne zu finden und ließ sich auch einen Besuch in den zu später Stunde noch gut gefüllten Zuschauerreihen nicht nehmen. Im Hintergrund lief über den Beamer die „Extraterrestrial Psychedelic Lightshow“ (von der auf den Fotos durch das Blitzlicht natürlich leider nichts zu sehen ist), die die 60ties-Freakbeat-Athmosphäre des Auftritts bestens unterstrich. Mir gefiel die Darbietung jedenfalls gut – sie war energiegeladen, tanzbar und auf liebenswerte Weise abgedreht. Allein die Frage blieb: Wo (bzw, wer) war Cheetah, äh, Sheetah, der Affe?

Verwunderlich allerdings, dass es sowohl vor als auch nach dem Gig keinen Stand gab, an dem man die neue Platte (die übrigens auch von den einschlägigen deutschen Mailordern bisher noch nicht angeboten wird) hätte erwerben können. Ein grober Fehler, denn so, wie die Truppe im Ponyhof abgefeiert wurde, wären bestimmt etliche Exemplare über den Tresen gegangen. Ich sprach schließlich Sänger Barnabé darauf an, woraufhin er ein Mini-Köfferchen holte und mir eine Scheibe verkaufte.

Das Köfferchen wurde danach sofort wieder weggeschlossen, so dass wohl nur eine Handvoll Gäste, wenn überhaupt, eine Copy mit nach Hause nahmen. Barnabé ging dann lieber wieder auf die Tanzfläche, die von den DJs wie gewohnt gekonnt beschallt wurde. Merch nur auf Nachfrage – irgendwie ist das ja auch eine sympathische Attitüde und mir fast lieber, als wenn während der Show nach jedem zweiten Stück darauf hingewiesen wird, dass man später noch dies und jenes kaufen soll.

Viel Informatives über die Band (naturgemäß in französischer Sprache) gibt es unter www.sheetah.com zu erfahren. Die Website http://www.myspace.com/sheetahetlesweissmuller bietet Songs beider LP’s sowie einige Clips.

In der „early“ Show ab 23 Uhr spielten THE MAGNIFICENT BROTHERHOOD aus Berlin, die das Konzert auf ihrer Website  http://www.maghood.com/  mit „Freakfurt am Main“ (sic!, der Verf.) angekündigt hatten. Der Vierer, der im April schon mit den SATELLITERS im Ponyhof aufgetreten war, gab Songs aus seinem zweiten Studioalbum „Dope Idiots“ von 2010 zum Besten. Diese könnt ihr auch unter http://www.myspace.com/themagnificentbrotherhood anhören.

Ebenfalls 60ties-orientierter Garage- und Psychrock mit einer wunderbar klingenden Farfisa-Orgel, der beim Publikum hervorragend ankam. TMB sind ja in den vergangenen Jahren ein steter Gast auf Freakfurts Bühnen (unter anderem im Orange Peel, Sinkkasten, Dreikönigskeller, Das Bett) gewesen, so dass wir auf dem Zettel haben, über sie bei nächster Gelegenheit einen
längeren Bericht zu machen. Ein paar zusätzliche
Fotos findet ihr vorab in der Bildergalerie unten.

Text & Fotos: Stefan

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