UFOMAMMUT & USNEA

Schlachthof, Wiesbaden, 5.10.2017

UfomammutKennt ihr es, wenn ihr seit längerem einem Band live sehen wollt, aber jedes Jahr auf ein Neues etwas dazwischen kommt? So geschehen in meinem Fall bei UFOMAMMUT aus dem Piemont, Italien. Die Combo schaut seit geraumer Zeit einmal im Jahr im Rhein/Main-Gebiet vorbei und immer, wenn der Zeitpunkt des Konzertes nahte, scheiterte der Besuch an den unterschiedlichsten Gegebenheiten. Also: Am 5. Oktober endlich ein Bier geschnappt und auf geht’s in die Bahn nach Wiesbaden. Um 19.30 Uhr ist Einlass. Pünktlich dort angekommen, haben sich noch nicht allzu viele Leute ins Kesselhaus des Schlachthofs verirrt, was sich im Lauf des Abends aber ändern sollte. Der Saal wird später mit etwa 100 Leuten recht gut besucht sein.

Also ist noch Zeit das umfangreiche Merchandise-Angebot in Augenschein zu nehmen. UFOMAMMUT haben nahezu ihren gesamten Backkatalog mitgebracht und zu den obligatorischen Band-Shirts gibt es ebenso passende wie stilvolle psychedelische Kunstdrucke in der Preisklasse von zehn bis 70 Euro zu erwerben. Bei den Drucken handelt sich um Kreationen des Malleus Rock Art Lab, welches von zwei der drei Mitglieder von UFOMAMMUT gegründet wurde (Gitarrist Pola & Bassist/Sänger Urlo – der dritte heißt Lu) . Neben den eigenen Erzeugnissen hat das Künstlerkollektiv auch schon Auftragsarbeiten für MONSTER MAGNET, THE MELVINS oder Robert Plant erstellt. Für was man später die hart verdienten Euronen auf den Kopf  haut, dürfte also eine schwierige Entscheidung werden.

UsneaWährend sich der überwiegende Teil der Gäste auf das Merch-Angebot konzentriert, steht einer der Gitarristen des Openers USNEA, Justin Cory, am Stand, nippt an seinem Bier und hält ein ausgelassenes Schwätzchen mit dem einen oder anderen Interessierten. USNEA aus Portland, Oregon gründete sich 2011 und veröffentlichte vor kurzem ihr drittes Album, „Portals Into Futility“. Seit 2014 werden die Alben über Relapse vertrieben.Usnea

Mit ihrer Mischung aus Sludge und Doom und dem zweistimmigem Gesang sind sie der perfekte Support für UFOMAMMUT. Im Rahmen des leicht verspätet beginnenden, 45 Minuten dauernden Auftritts zeigt sich, dass die Band zu überzeugen weiß. Der Sound drückt – Bassist Joel Banishing und Gitarrist Cory, die gleichzeitig beide die Vocals beisteuern, ergänzen sich ausgezeichnet. Während der Gitarrist mit martialischen Gekreische Akzente setzt, growlt der Bassist tief aus dem Bauch heraus. Im Entferntesten erinnert Letzteres an Stephen O’Malley’s und Greg Anderson’s großartiges Projekt THORR’S HAMMER (nur echt mit zwei Rs).

UsneaVor dem Eindruck der dunklen atmosphärischen Show erscheint der Band-Name USNEA, bei dem es sich eigentlich um eine Baumflechte handelt, als überaus passend. Die schleppenden Songs mit Überlänge ranken sich langsam vorwärts und umschlingen die Zuhörer. Insgesamt eine runde Sache und heißer Tipp für kommende Konzertbesuche.
 

Nach einer kurzen Pause folgt UFOMAMMUT. Die Italiener haben sich innerhalb ihres 18-jährigen Bestehens eine solide Fan-Basis erspielt. Ihre letzten Alben erschienen neben dem hauseigenen Label Supernatural Cat auch über UfomammutScott Kelly’s Neurot Recordings, was einem Ritterschlag gleichkommt.

Über die Jahre hat sich der Soundmix aus Stoner-, Doom-, Post- und Wasauchimmer-Rock weiter in eine psychedelische Richtung verdichtet, was live besonders gut zum Tragen kommt. Vor einer passenden Visualisierung als Bühnenhintergrund wird das aktuelle Album „8“ von vorne bis hinten durchgespielt, was zu Lasten der weniger psychedelischen Klangfarben geht, die ältere UFOMAMMUT-Werke bisweilen auszeichneten. Die repetitiven Anteile schaffen es jedoch, das Publikum in ihren Bann zu ziehen und verleihen der Show gleichzeitig eine unheimliche UfomammutIntensität.

Auch der noch so desinteressierteste Besucher dürfte sich angesichts dieser Darbietung dabei erwischt haben, dass sich der eigene Kopf im Rhythmus der Musik bewegt. Die Anwesenden im Kesselhaus schienen (fast) alle begeistert zu sein, was UFOMAMMUT noch zu einer ausgiebigen Zugabe hinreißen ließ („God“ von „Snailking“, 2004). Angesichts der eingangs erwähnten versäumten Shows könnte ich mir jedenfalls nachträglich in den Allerwertesten beißen und wäre nicht verwundert, wenn mich jemand zum Schämen für den Rest des Tages in die Ecke schickt.

Links: https://usneadoom.wordpress.com/, https://www.facebook.com/usneadoom, https://usneadoom.bandcamp.com/, https://www.last.fm/de/music/Usnea, http://www.ufomammut.com/, https://www.facebook.com/ufomammutband/, https://myspace.com/ufomammut, https://www.reverbnation.com/ufomammut, https://ufomammut.bandcamp.com/, https://www.last.fm/de/music/Ufomammut

Text: Michael Rohde / Fotos & Clips: Micha

Alle Bilder:

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