Birmingham, September 2026
Am 5. Juli 2025 fand in Birmingham, im Stadion des renommierten Premier League-Vereins Aston Villa, das letzte Konzert der legendären britischen Heavy Metal-Band BLACK SABBATH statt. Der Ort wurde nicht ohne Grund gewählt, denn das Quartett hat sich in Englands zweitgrößter Metropole gegründet und ihr Frontmann Ozzy Osbourne lebte als Kind nur einen Steinwurf vom Stadion der „Villans“ entfernt. Aus Anlass des Abschiedskonzertes (und bereits davor) huldigte die Stadt ihren Söhnen auf unterschiedliche Art und Weise und an diversen Orten der Millionenstadt. Wir begaben uns vor Ort auf Spurensuche und präsentieren nachfolgend zehn Sehenswürdigkeiten, die jeden BLACK SABBATH-Fan begeistern dürften.
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1. Ozzy the Bull
Die erste Attraktion der Tour erwartet den Besucher direkt nach seiner Ankunft im Herzen von Birmingham. Wer vom Flughafen mit der Bahn zur New-Street- bzw. Grand-Central-Station fährt, der wird in der dortigen Bahnhofshalle von Ozzy, dem Bullen, begrüßt. Die zehn Meter hohe Metallskulptur im Steam-Punk-Design wurde 2022 von dem renommierten britischen Künsterkollektiv Artem
geschaffen und diente ursprünglich als extravagantes Highlight der British Commonwealth Games, die alle vier Jahre ausgetragen werden und in jenem Jahr in Birmingham gastierten. Im Anschluss wurde der Bulle zwei Monate auf dem Centenary Square der Stadt ausgestellt und sollte danach wieder demontiert werden. Doch Birminghams Bewohner hatten ihn zu jener Zeit bereits in ihr Herz geschlossen und so wurde entschieden, dass der Bulle in der Bahnhofshalle Grand Central ein ständiges Zuhause erhalten soll. Kurz vor seiner Enthüllung am neuen Ort startete Network Rail, das britische Äquivalent der Deutschen Bahn, eine Umfrage, welchen Namen der Bulle erhalten solle: 70 Prozent der Stimmen entfielen dabei auf den Namen Ozzy. Und so heißt der Bulle seit dem 22. Juni 2023 offiziell Ozzy. Die Tatsache, dass ein Bulle als eines der Wahrzeichen von Birmingham fungiert, geht übrigens auf
Gepflogenheiten aus dem 16. Jahrhundert zurück, bei denen auf dem lokalen Markt Stierkämpfe veranstaltet wurden, bevor die Bullen dem Schlachtbeil zum Opfer fielen. Tatsächlich bewegt sich der Bulle auch: Jeweils 15 Minuten nach jeder vollen Stunden (im Rahmen der Ladenöffnungszeiten) beginnen seinen Augen zu leuchten, er schwenkt den Kopf hin und her und brüllt. Als wir vor Ort waren, war die Funktion leider – wie so vieles in England – defekt.
2. Black Sabbath Wall
Verlässt man die Grand Central Station in Richtung Navigation Street, stößt man dort auf eine etwa 35 Meter lange Flügelmauer, die Logo, Porträts und Gruppenbilder von BLACK SABBATH zeigt. Die Wandbilder wurden vom örtlichen Künstler Mr Murals geschaffen und die Porträts von Ozzy Osbourne,
Gitarrist Tony Iommi, Bassist Geezer Butler und Drummer Bill Ward wurden von den Bandmitgliedern kurz vor dem finalen Gig im Villa-Stadion persönlich signiert. Die Wand stellt ein wunderschönes Entree in die Geburtsstadt des Heavy Metals dar.
3. The Crown
Ebenfalls in unmittelbare Nähe der Grand Central Station (Ecke Station Street und Hill Street) befindet sich das ehemalige Pub „The Crown“, in dem die Band, die damals noch unter dem Namen EARTH firmierte, 1968 ihren allerersten Gig spielte. Das Gebäude wurde 1881 errichtet und steht, sehr zur Freude vieler Fans, seit 2024 unter Denkmalschutz. Bereits seit 2014 wird es nicht mehr als Pub und Veranstaltungsort genutzt, sodass es nun als Pilgerstätte für BLACK SABBATH-Fans dient. Zu diesem Zweck hat Jim Simpson, der erste Manager des Quartetts, dem Besitzer der Immobilie diverse frühe Bandfotos aus den
Jahren 1968 bis 1970 zur Verfügung gestellt, die nun die Fassade des schönen Gebäudes zieren. Konzerte fanden in der oberen Etage statt, in der ein Club namens Henry’s Blueshouse ansässig war. Neben BLACK SABBATH gastierten dort auch Acts wie JUDAS PRIEST, THE WHO, THIN LIZZY, SUPERTRAMP, MARC BOLAN sowie diverse Bandprojekte von Robert Plant, bevor dieser LED ZEPPELIN gründete. An der Fassade ist zudem eine Tafel angebracht, die das Pub als den „Geburtsort des Heavy Metal“ ausweist. Nach dem Tod von Ozzy Osbourne passierte sein Trauerzug am 30. Juli 2025 das Pub.
4. Iron:Man
„Iron Man“ ist ein Song des zweiten BLACK-SABBATH-Albums „Paranoid“ aus dem Jahr 1970. Die zunächst namenlose Skulptur, die 1993 vom Londoner Künstler Antony Gormley geschaffen wurde, steht in keinem direkten Bezug zur Band, wurde von den Bewohnern der Stadt aber schnell „Iron Man“ getauft und
erhielt schließlich offiziell und mit Genehmigung des Künstlers den Namen, wenn auch mit der Schreibweise Iron:Man. Dieser huldigt mit der Statue den traditionellen Handwerkskünsten von Birmingham und der „Black Country“-Region, der zur Zeit der industriellen Revolution eine besondere Bedeutung zukam. Ob Gormley dabei auch den Song von BLACK SABBATH im Hinterkopf hatte, ist nicht überliefert, in den Köpfen und Herzen der Fans besteht daran jedoch kein Zweifel. Zu finden ist der Iron:Man in nordwestlicher Richtung von der Grand-Central-Station auf dem Victoria Square, zu Fuß erreicht man ihn in etwa fünf Minuten. Auf dem Platz ist neben dem Rathaus auch das Birmingham Museum zu finden, das die nächste Station unserer Tour markiert …
5. Birmingham Museum
Zur Zeit unseres Besuches hatten wir das Glück, dass im Birmingham Museum die Ozzy Osbourne-Ausstellung „Working Class Hero“ zu sehen war. Diese erstreckte sich auf einen recht überschaubaren Flügel des Museums und wurde ihrem Titel nur teilweise gerecht. Wir vermuteten hinter dem Titel eine Reise
durch Ozzys Kindheit, Jugend und Teenager-Zeit, die mit vielen Bildern untermalt werden würde, doch dem war nicht so. Ozzys Kindheit wurde kurz auf einer Texttafel thematisiert und mit zwei Bildern illustriert. Der Rest der Ausstellung bestand aus Auszeichnungen und Preisen, die dem Sänger während seiner langen Karriere zuteil wurden, darunter sein Stern auf dem Birmingham Walk of Stars, seine Trophäe für die Aufnahme in die Rock’n Roll-Hall of Fame 2024, seine GQ-Auszeichnung der Men of the Year 2020 und seine Ehrenbürger-Urkunde der Stadt Birmingham. Darüber hinaus gab es diverse Goldene Schallplatten sowie Bilder und Videos vom letzten Konzert im Villa-Stadion. Das eigentliche Prunkstück der Sammlung war der Thron, auf dem Ozzy während des finalen Konzerts Platz nahm, da er nicht mehr in der
Lage war zu stehen. Und das war tatsächlich schön, diesen in einer Glasvitrine zu bestaunen. Nett war zudem ein kleiner Merchandise-Stand im Museum, der neben Büchern, Shirts und Fledermäusen auch limitierte Drucke und Postkarten zur Ausstellung anbot. Unterm Strich war das Ganze nur bedingt sehenswert, kostete aber keinen Eintritt und war somit ein nettes Gimmick für Ozzy-Fans.
6. Black Sabbath Bridge
In westlicher Richtung des Victoria Squares beginnt die Broad Street, die nicht nur den „Walk of Stars“ von Birmingham beherbergt (zu sehen sind dort in den Boden eingelassene Sterne von 48 berühmten Söhnen der Stadt, darunter alle vier BLACK SABBATH-Mitglieder), sondern auch zu einer kleinen Kanalbrücke führt. Auf dieser steht eine Bank, die die Konterfeis der vier Bandmitglieder zeigt. Die Bank wurde 2019 errichtet und damals von Toni Iommi und Geezer
Butler eingeweiht, die als erste auf ihr Platz nahmen. Die Brücke markiert zudem einen der Zugänge zu den Kanälen, die ein wunderschönes Viertel der Stadt darstellt, in dem man nicht nur romantisch flanieren, sondern auch Cafés, Restaurants und nette, kleine Lädchen besuchen kann. Mit Hilfe von einem auf der Bank angebrachten QR-Code und einer dazugehörigen App schießt übrigens eine gegenüber platziere Kamera ein Foto von den Besuchern – eine tolle Idee.
7. Black Sabbath Wandbild in Digbeth
Die nächste Station führt uns ins einstige Industriegebiet Digbeth, das mit seinen heruntergekommenen Fabrikgebäuden inzwischen vielen Graffiti-Artists und Straßenkünstlern als Spielwiese dient und ein wenig an die New Yorker Bronx in den 1980er Jahren erinnerte – inklusive des mulmigen Gefühls, sich in einer No-Go-Area zu befinden. Doch wir hatten ja eine Mission, und die galt es zu erfüllen: In der Rea Street befindet sich ein gigantisches BLACK SABBATH-
Wandgemälde, das 2019 von den Künstlern N4T4 und Wingy geschaffen wurde und erstaunlicherweise bis heute zu sehen ist – wenn auch nicht in Gänze: Ursprünglich befand sich unter den Porträts der Bandmitglieder noch ein BLACK SABBATH-Schriftzug (der obere Teil ist bei genauem Hinschauen noch zu erkennen) sowie ein nach oben blickender Totenschädel. Der untere Teil wurde leider inzwischen übersprüht und im oberen Teil beginnt die Fassade zu bröckeln, was besonders im Gesicht von Tony Iommi (Mitte oben) erkennbar ist. Sehr lang wird das Gemälde wohl nicht mehr erhalten bleiben. Wer es noch in natura erleben möchte, sollte es in Bälde tun. Darüber hinaus sind die näher an der Innenstadt gelegenen Regionen von Digbeth durchaus sehenswert. Dort haben sich in den ehemaligen Fabriken alternative Clubs, ein Streefood-Market sowie Läden angesiedelt, deren Fassaden alle im schicken Street-Art-Stil gestaltet wurden.
8. Ozzy-Streetart Bull-Ring-Tavern
Ein weiteres Graffiti entdeckten wir in der High Street in Digbeth an der Fassade des Pubs Bull-Ring-Tavern. Geschaffen wurde es von den Künstlern Nozzle und Brush und zeigt mit Ozzy Osbourne und dem Bullen zwei Wahrzeichen der
Stadt. Die Tagline „It’s a Brum Ting“ geht dabei auf „Brummagem“, den alten Namen von Birmingham zurück. Über dieses Wandbild stolperten wir zufällig und tatsächlich ist es nur eines von diversen weiteren, die Ozzy Osbourne und BLACK SABBATH huldigen. Aktuell entstehen ständig neue Wandbilder, während alte wieder übermalt werden. Viele der Bilder stellen daher nur eine Momentaufnahme dar und sind lediglich temporäre Sehenswürdigkeiten. Im Falle eines Besuches empfiehlt sich daher eine vorherige Internetrecherche, um einen möglichst aktuellen Überblick über die BLACK SABBATH-Tributes zu erlangen.
9. Ozzys Geburtshaus
Die letzten beiden Stationen unserer Tour suchten wir am zweiten Tag unseres Aufenthalts in Birmingham auf. Diese sind von der Innenstadt aus bequem mit dem Bus oder einem Uber zu erreichen. Im Stadtteil Aston, genauer in der Lodge Road 14, befindet sich das Haus, in dem Ozzy Osbourne seine Kindheit und
Jugend verbachte. Er lebte dort mit seinen Eltern und seinen fünf (!) Geschwistern auf engstem Raum. Das kleine Häuschen in einem der Arbeiterviertel der Stadt macht deutlich, aus welch ärmlichen Verhältnissen der ikonische Frontmann von BLACK SABBATH stammt und lässt die nachfolgende Weltkarriere umso surrealer erscheinen. Der heutige Besitzer des Hauses bietet übrigens Übernachtungen in Ozzys Zimmer für 400 Pfund pro Nacht an – Ozzy ließ dazu verlauten, dass das gesamte Haus vermutlich nicht mehr als 300 Pfund wert sei. Auch im Nachbarhaus mit der Hausnummer 16, links von Ozzys Haus gelegen, werden Übernachtungen offeriert. Wer vor Ort ist und genau hinschaut, der erkennt auf dem dritten und vierten Ziegel unten links, direkt neben der Haustür, die Worte
„John“ und „Iron Void“, die Ozzy dort mit einem spitzen Gegenstand in den Stein geritzt hat. „John“ bezieht sich dabei auf seinen richtigen Namen John Michael Osbourne und „Iron Void“ war eine frühe Idee von Ozzy, wie er einmal seine Band nennen würde. Dies geschah lange bevor sich BLACK SABBATH gründeten. Tatsächlich wurde der Name im Jahr 1998 von einer englischen Doom-Band aufgegriffen, die ihn bis heute verwendet.
10. Aston Villa Stadion
Läuft man die Lodge Road in Richtung der aufsteigenden Hausnummern, biegt dann nach rechts in die Trinity Road ein und folgt dieser, gelangt man direkt und in nur wenigen Minuten zum Villa Park, dem Stadion des Premier-League-Clubs Aston Villa. Das Stadion wurde 1897 eröffnet und besticht durch eine imposante Ziegelfassade, welche die Architektur der angrenzenden Wohnviertel widerspiegelt. Trotz einiger Erweiterungen des Stadions blieb die ursprüngliche Architektur stets erhalten, was dem Stadion einen faszinieren Charme verleiht. Als wir vor Ort waren, wurde gerade die Nordtribüne ausgebaut, um eine
Kapazität von 50.000 Plätzen zu erreichen. Im Stadion fand am 5. Juli das finale Konzert von BLACK SABBATH statt, das zudem Gastauftritte diverser anderer Acts wie METALLICA und SLAYER umfasste. Sowohl Ozzy als auch Bassist Geezer Butler, der ebenfalls in Aston aufwuchs, waren bekennende „Villans“ und haben den Verein stets supportet. Daher finden sich in den Choreografien der Fans nicht selten auch Anspielungen an die Band und an Ozzy Osbourne wieder. Das hier gezeigte Bild war als Exponat Teil der „Working Class Hero“-Ausstellung im Birmingham Museum, wo wir es fotografierten. Das letzte Konzert verfolgten im Stadion rund 45.000 Besucher, 5,8 Millionen waren via Live-Stream dabei. Ozzy
performte fünf Solo-Songs („I Don’t Know“, „Mr. Crowley“, „Suicide Solution“, „Mama I’m Coming Home“ und „Crazy Train“) sowie vier Tracks mit BLACK SABBATH („War Pigs“, „N.I.B.“, „Iron Man“ und „Paranoid“), die in Originalbesetzung auftraten. Bei vorherigen Touren konnte keine Einigung mit Ur-Drummer Bill Ward erzielt werden, sodass dieser durch Tommy Clufetos und Brad Wilk (RAGE AGAINST THE MACHINE) ersetzt wurde. Im Villa Park war Ward aber mit von der Partie, sodass sich hier ein Kreis schloss – schöner kann man als Band nicht abtreten. Am 22. Juli 2025, nur 17 Tage nach dem Konzert, starb Ozzy in seinem Anwesen im Städtchen Jordans (etwa 50 Kilometer von London entfernt) im Alter von 76 Jahren an einem Herzinfarkt. Am 31. Juli wurde er auf dem Anwesen beigesetzt.
Text & Fotos: Marcus
Besonderer Dank an Sabrina für Tourplanung und Unterstützung.






