LOMBEGO SURFERS

Kreativfabrik, Wiesbaden, 12.04.2025

13 Jahre ist es her, dass wir in diesem Blog über die LOMBEGO SURFERS berichtet haben. Zu lang! Daher bestand jetzt dringender Auffrischungsbedarf. Haben sich die Jungs (rein optisch) in der Zwischenzeit verändert? Kaum. Und hat sich die Musik verändert? Zum Glück auch nicht. Die Besetzung mit Anthony „Tony“ Thomas (Gitarre und Gesang), Pascal Sandrin (Bass) und Olivier Joliat (Schlagzeug) ist seit vielen Jahren stabil. Zwölf Studio-Alben hat die Band aus Boston und Basel, die sich ganz dem Garage-Rock und Surf verschrieben hat, seit dem Debüt „At the Gates of Graceland“ 1990 rausgehauen. Zuletzt erschien 2023 eine Live-Doppel-LP namens „Still Living on Thin Ice“ aus Anlass des 70. Geburtstags des Frontmanns. Die im Eigenvertrieb produzierte Platte trägt folgerichtig die Nummer „Tony70“. Live kann man das Trio in diesem Jahr, dem Lombego Surfers37. seines Bestehens, sogar mehrmals im Rhein/Main-Gebiet erleben. Der erste Gig fand am gestrigen Samstagabend nach dem Support der Mainzer Alternative-Blues-Rocker WHEELING VULTURES in der Kreativfabrik in Wiesbaden statt.

Viele Worte machen die LOMBEGO SURFERS nicht. Haben sie noch nie gemacht. Lediglich „We are the Lombego Surfers. And we play Rock’n Roll!“ rief Tony zu Konzertbeginn den Gästen zu, und das war es dann auch. Dabei hätte er bestimmt einige spannende Anekdoten zu erzählen: Zum Beispiel wie er als gebürtiger US-Amerikaner Ende der Siebziger in die Schweiz nach Basel kam, in der dortigen Hausbesetzerszene seinen späteren Bandkollegen Pascal kennenlernte, den Schlagzeuger Olivier in Lombego Surferseiner anderen Formation spielen sah und später in „seine“ Combo holte. Kurzum: Eine Menge Geschichten, die uns besser verstehen lassen würden, wie er und seine Mitstreiter sich im Lauf der Jahrzehnte zu Koryphäen des Garage-Rock entwickelt haben.

Dass während der Show nicht viel gesprochen wird, hat natürlich einen guten Grund: Wenig Worte zu machen heißt das Konzert in seinem Fluss nicht zu unterbrechen, Stimmung und Atmosphäre nicht zu zerstören und die – auch gestern wieder mehrheitlich tanzenden – Zuschauer am Toben zu erhalten. Das kann eine Band aber nur dann tun, wenn sie über genug Kondition verfügt, ihr schweisstreibendes Set ohne Schnappatmung über die Bühne zu bringen. Die Ansprachen dienen ja nicht zuletzt dazu, mal Luft zu holen oder an der Flasche zu nippen. Hat das Trio nicht nötig; auch von seinen körperlichen Fähigkeiten können sich viele jüngere Acts eine Scheibe abschneiden.

Die Reihenfolge der Stücke werden für jeden LOMBEGO SURFERS-Gig neu zusammengestellt, sodass auch diejenigen, die die Formation schon häufig gesehen haben (und das sind bei ihrer treuen Fanbase viele) niemals sicher sein können, was sie erwartet. Der Auftritt in der „Krea“ startete mit gleich drei Stücken („Shakedown“, „Mean What I Say“, „Like Lightning“) vom großartigen, aktuellsten Studio-Album „The High Side“ von 2022. Von diesem stammten schließlich acht, und damit ein knappes Drittel, der insgesamt 25 präsentierten Songs.

Lombego Surfers

Auch die Platten „Pagan Thrills“ (2007) und „Still Got The Night“ (2010) waren mit je vier und „Heading Out“ (2018) mit drei Liedern überdurchschnittlich vertreten. Nach 18 Tracks war im regulären Set mit „Mai Tai“ erstmal Schluss, es folgten als Zugabe aber weitere, darunter Highlights wie „Stop Spitting On Me“ und das superschnelle „Highball“. Die LOMBEGO SURFERS sind eine Band, die Lombego Surfersselten vom Gas geht, und dafür liebe ich sie. Sie sind authentisch wie DEAD MOON, feuern Riffs ab wie einst AC/DC und sind innerhalb der Szene absolute Sympathieträger, mit denen man nach dem Auftritt noch ein nettes Schwätzchen halten kann.

Und obwohl die Jungs nicht wie die Flummis auf der Bühne herumspringen (das haben sie auch in jüngeren Jahren nie getan), macht es stets aufs Neue Spaß, ihnen zuzuschauen: Tony strahlt, obwohl er der „Ruhigste“ des Trios ist, eine faszinierende Souveränität und ein Charisma aus, das nur wenigen Musikern eigen ist. Olivier am Schlagzeug schleudert während des Spiels seinen Kopf hundertfach von links nach rechts (und die Haare gleich mit) und Bassist Pascal bewegt sich bisweilen in einem tiefen Kriechgang über die Bühne, bei dem ich schon vom Hinsehen Rückenschmerzen bekomme.

Lombego SurfersEins der Erfolgs-geheimnisse (und ich definiere Erfolg nicht im Zusammenhang mit Platten-Verkaufszahlen oder großen, ausgebuchten Hallen) ist, dass sich die Truppe nicht nach Verträgen, Erwartungen und angesagten Trends richten muss. Die Musiker spielen das, worauf sie Lust haben – nicht zuletzt weil sie Jobs nachgehen, die sie finanziell unabhängig machen und sie ihren Lebensunterhalt nicht auf den Bühnen Europas verdienen müssen: Tony gibt Gitarrenunterricht, Pascal führt das Restaurant K113 (die Schweiz kann man sich als Durchschnittsverdiener ja Lombego Surferskaum leisten, aber sollte ich je wieder nach Basel kommen, wird es für einen Drink in dem angesagten Lokal hoffentlich noch reichen) und Multitalent Olivier ist unter anderem als freischaffender Künstler, Redakteur, Kinderbuch-Autor und Filmregisseur aktiv. Respekt und Anerkennung geht raus an alle, die neben ihren beruflichen (und familiären) Tätigkeiten noch die Zeit und Energie für auf solchem Niveau performende Bands wie in diesem Fall die LOMBEGO SURFERS aufbringen.

Lombego SurfersHatte also der schmissige Ankündigungstext im Programm der Kreativfabrik – „Die Rock’n’Roll-Strasse geht geradeaus, die wenigen Bars und Clubs kennt man auswendig, das Bier ist immer kaltgestellt und der Letzte räumt die Knochen von der Strasse.“ – zuviel versprochen? Ich denke nicht. Auch dieses Konzert des Trios (für mich das achte seit dem Jahr 2000), war wieder ein kurzweiliges, abendfüllendes Ereignis. Für alle, die den gestrigen Gig in Wiesbaden verpasst haben, hier noch ein Tipp: Am 22.10. sind die „am härtesten arbeitenden Voodoo-Rock-Freibeuter mit den eingängigsten Gitarrenriffs seit den STOOGES“ (Promotext) wieder in unserer Region zu Gast. Dann wird der ikonische rote Schlüpper mit dem LOMBEGO SURFERS-Schriftzug im Frankfurter Dreikönigskeller an die Bass Drum gehängt. Trefft mich vor der Bühne.

Lombego Surfers

Links: https://lombegosurfers.net/, https://www.facebook.com/thelombegosurfers/, https://www.instagram.com/thelombegosurfers/, https://thelombegosurfers.bandcamp.com/album/the-high-side, https://www.last.fm/music/Lombego+Surfers

Text & Fotos: Stefan

Alle Bilder:

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