BATMOBILE

Das Bett, Frankfurt, 29.11.2019

BatmobileSchon vor einigen Monaten hatte ich bei einem anderen Konzert im Frankfurter Club „Das Bett“ das Ankündigungsplakat für einen der weltbesten Interpreten des Psychobillys gesehen: BATMOBILE. Umso länger währte die Vorfreude, das niederländische Trio um den Sänger und Gitarristen Jeroen Haamers (rechts) endlich mal live erleben zu können. Die Combo hat meines Wissens eine halbe Ewigkeit nicht mehr in Frankfurt und Umgebung gespielt und ich kann mich auch nicht erinnern, einen Gig der Jungs verpasst zu haben.

Ein wenig Licht ins Dunkel bei der Frage nach der letzten Show in unserer Region brachte Jeroen Haamers erst nach dem Auftritt. Nachdem er tief in seinem Gedächtnis gekramt hatte, erzählte er, dass dies in den späten Achtziger Jahren gewesen sein muss, und hatte gleich eine kleine Anekdote dazu parat: BatmobileDamals, so Haamers, seien wegen Hochwassers einige Brücken gesperrt gewesen und außerdem ließ sich der Tour-Van nicht anlassen. Die Band habe Glück gehabt, dass die Mitglieder des gebuchten Support-Acts den Wagen anschoben, sodass BATMOBILE weiterfahren konnten. Unmittelbar nachdem sie eine der Brücken passiert hatten wurde die Überfahrt für weitere Fahrzeuge untersagt, sodass die weiter hinten fahrende Vorgruppe auf der anderen Seite der Stadt feststeckte. So kann’s gehen. Falls einer von Euch Psychobilly-Veteranen da draußen wissen sollte, wann genau BATMOBILE seinerzeit Rhein/Main rockten, lasst es uns und alle anderen Fans über die Kommentarfunktion unter diesem Konzertbericht wissen.

Während also in den Achtzigern der Special Guest im wahrsten Sinne auf der Strecke blieb, waren am gestrigen Abend im etwa zu zwei Dritteln gefüllten Saal im Gallusviertel sogar drei Bands am Start: Den Anfang machte PSYCHOTROPIX, ein sympathischer Dreier aus Wiesbaden, der seine Sache gut machte und um den wir uns im kommenden Jahr mal in Wort und Bild kümmern werden. Es folgten KING MOROI, über die wir in diesem Blog schon des Öfteren berichtet haben (unter anderem hier und hier), sodass wir uns im Folgenden ganz auf den Headliner des Konzertabends konzentrieren wollen: BATMOBILE.

BatmobileDie Formation besteht bereits seit 1983, also seit 36 Jahren (!) in unveränderter Zusammensetzung aus den Brüdern Jeroen und Eric Haamers an den Saiteninstrumenten sowie Johnny Zuidhof an der Schießbude. 1983, das war die Zeit, als die frischen und wilden Klänge des jungen Psychobillys von der britischen Insel auf das Festland rüberschwappten und junge Musiker begeisterten. Wie besagtes Brabanter Trio eben, das dementsprechend von Rock’n’Roll-Covern auf eigene Songs im neuen Stil umstieg. Wobei BATMOBILE direkt seinen eigenen Sound und Stil kreierte, der 1985 dann auch erstmals auf Vinyl festgehalten wurde. Das Debüt-Album mit seinen sieben Songs darf man heute durchaus als Klassiker bezeichnen, ebenso wie den kurz danach auf dem BatmobileSampler „Psycho Attack over Europe“ erschienenen Track „Slapping Suspenders“.

Ein Jahr später, im Mai 1986, schrieben die Jungs Psychobilly-Geschichte, indem sie als erste Band vom europäischen Festland im legendären KLUB FOOT, dem Londoner Tempel der Psycho-Szene, auftraten. Seitdem sind sie einer der großen Namen des Genres, und ihr ikonischer Aufnäher ziert zahllose Jacken und Westen psychotisch-rockender Zeitgenossen. Dabei könnte man gelegentlich den Eindruck gewinnen, dass die Bandmitglieder sich zwar in der Szene wohlfühlen, sich selbst aber nicht als Psychos sehen. Das betrifft einerseits den Musikgeschmack der drei (Stichwort Elvis), andererseits ihre Distanz zum Image des Psychobillys Batmobileals „hart“ oder „verrückt“. Schon 1989 gaben sie auf einem Festival in Antwerpen zu Protokoll, dass sie ihr Stück „Scum of the Neighbourhood“ eigentlich daneben finden (es wurde dennoch gestern zum Besten gegeben), zudem betonte Jeroen Haamers in Anspielung auf den Titel „(I Want Them When They Are) Dead“, dass er im wahren Leben gar keinen Geschlechtsverkehr mit Leichen habe. Wer hätte das gedacht… Also, alles nicht ganz so ernst gemeint.

BatmobileInzwischen haben BATMOBILE mehr als zehn Langspieler veröffentlicht. Der letzte namens „Brand New Blisters“ kam 2017 heraus. Aber die Niederländer verlassen auch mal die eng gesteckten Grenzen des Genres, experimentierten unter dem Namen BIG BAT zwischenzeitlich mit dem Big-Band-Sound und kooperieren mit ihren Landsleuten von der Schweinerock-Combo PETER PAN SPEEDROCK auf Konzerten und Tonträgern.

BatmobileAußerdem touren sie mittlerweile wieder fleißig, zum Glück diesmal auch mit Stopp in Frankfurt. Und das, was Eric Haamers mit seinem Kontrabass im Zebra-Look mit darauf montiertem Totenschädel, sein dauerlaufender Bruder Jeroen an Mikro und Gitarre (mit kurzer Einlage am Upright Bass) sowie Johnny Zuidhof an seinem, ebenfalls mit Totenschädeln dekorierten Schlagzeug während ihrer Show abfackelten, ließ niemanden kalt: Bei soviel Action auf der Bühne dauerte es nicht lange, ehe auch die meisten Gäste im Publikum ihrem Bewegungsdrang auf der Stelle tanzend Ausdruck verliehen oder sich – wie eine Gruppe von rund 20 Psychobilly-Jüngern – in einem kleinen, aber sich nichts schenkenden Moshpit balgten.

Insgesamt 22 Stücke hatte das Trio ausgewählt, darunter aus (fast) jeder der veröffentlichten Scheiben mindestens einen Track. Vom oben erwähnten Klassiker, dem selbstbetitelten Debüt-Album, schafften es mit „Scum of the Neighbourhood“, „Transsylvanian Express“ und „Frenzy“ drei Songs in das Set, das noch aktuelle Werk war mit „Batmomaniacs“, „Apeface“, „Rock & Roll and Alcohol“, „From the Get Go“ und „Big Bob“ gleich mit fünf Stücken vertreten. A propos aktuelles Werk: Die LP „Brand New Blisters“ hätte ich auch gerne am Merchtisch erstanden – doch wer es nach der Show vorzog, erstmal Batmobiledraußen im Kippenqualm unter Freunden den Gig Revue passieren zu lassen, der schaute in die Röhre: Die (scheinbar nur wenigen) vorhandenen Exemplare waren ratzfatz ausverkauft. Der einzige Wermutstropfen eines Abends, der nicht nur die meisten Besucher, sondern auch die Band mehr als zufrieden nach Hause oder in die Aftershow-Party entließ.

Gefragt nach seiner Meinung zum Auftritt in Frankfurt sagte Jeroen Haamers Folgendes: „Die Konzerte in Deutschland haben super Spaß gemacht. Ich fand beide Bands, die in Frankfurt mit uns gespielt haben, richtig gut. Es waren zwar recht viele Leute da, die uns seit über 30 Jahren unterstützen, aber ich bin auch Batmobilebegeistert, dass ziemlich junge Leute gekommen sind, um uns zu sehen. Das gibt  Selbstvertrauen für die Zukunft, denn wir haben vor, den Kram noch weitere 36 Jahre zu machen.“ Das werden alle Anhänger der niederländischen Psychobilly-Legende gerne hören, mich eingeschlossen. Für mich war die Show am gestrigen Freitagabend nicht weniger als eines der mitreißendsten und unterhaltsamsten Konzerte des zu Ende gehenden Jahres.

Setlist: Dynamite – Ice Rock – Batmomaniacs – Police at the Door – Scum of the Neighbourhood – Apeface – Dead – Mad at You – Killers Crew – Rock & Roll and Alcohol – Kiss Me Now – Calamity Man – Slapping Suspenders – Rolling Dynamite – From the Get Go – Sex-Rays – Bambooland/Ballroom Blitz – Big Bob – Transsylvanian Express – Frenzy – Ace of Spades

Links: https://batmobileforever.com/, https://de-de.facebook.com/batmobileofficial/, https://www.last.fm/music/Batmobile

Text, Fotos & Clip: Stefan / Text: Jan

Alle Bilder:

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