Au-Sommerfest, Frankfurt, 9.06.2012
Die Fakten zum Au-Fest wurden bereits in der umfassenden Einleitung geliefert, daher gehe ich gleich in medias res und widme mich den ersten beiden Bands des diesjährigen Festivals, BLOOD PATROL und DIE SCHWARZEN SCHAFE (Foto rechts). Eine Anmerkung sei aber vorab noch gestattet, denn die Aussage, dass alle Sommerfeste bandtechnisch hervorragend besetzt sind, teile ich nur bedingt. Für mich gab es in den vergangenen Dekaden meist nur eine oder maximal zwei Bands pro Veranstaltung, die mich wirklich interessiert haben. Aber erstens lässt sich über Geschmack ja bekanntlich streiten und zweitens dürften ohnehin die meisten Gäste das Au-Fest weniger der Bands wegen besuchen, sondern einfach weil es eine Art jährliches Klassentreffen der Punk-Rock-Szene ist.
Los ging’s gegen 17:30 Uhr mit den aus Darmstadt stammenden BLOOD PATROL, die kurzfristig für SCHEISSE MINNELLI eingesprungen waren, da sich der Drummer der Frankfurter Combo beim Stagediven zwei Rippen gebrochen hatte und folglich die nächsten Wochen seine Drum-Sticks an den Nagel hängen muss. BLOOD PATROL, von SCHEISSE MINNELLI selbst als Ersatz vorgeschlagen, nutzten die Gunst der Stunde und präsentierten sich ihrem bisher größten Publikum. Die drei Recken, die allesamt schon in dutzenden Bands Erfahrung gesammelt haben, bieten mit ihrer neuesten Inkarnation wütenden Thrash-Metal alter Schule, der mit rotziger Punk-Attitüde und einem gehörigen Schuss Pech und Schwefel angereichert wurde:
Maschinengewehr-Drums, eine Gitarre wie eine Motorsäge und Vocals wie die Schreie einer brennenden Hexe. BLOOD PATROL klingen wie ein Bastard aus DISCHARGE und SLAYER zu „Show no Mercy“-Zeiten. Schade nur, dass die Jungs gleich als erste Band ran mussten, als das Areal erst zur Hälfte gefüllt war. Andererseits hat das Trio auch noch nicht allzu viele Songs am Start, so dass das Pulver schnell verschossen war. Alles in allem aber ein explosiver Opener und zugleich mein persönliches musikalisches Highlight des diesjährigen Festivals. Thrash-, Crust- und Hartwurst-Freunde sollten sich den Namen BLOOD PATROL definitiv merken.
Als nächstes folgten DIE SCHWARZEN SCHAFE, eine (Deutsch-)Punk-Band aus Düsseldorf, die bereits seit Mitte der achtziger Jahre existiert, es in dieser Zeit allerdings erst auf drei Longplayer gebracht hat, was vermutlich auch der Grund
sein dürfte, dass die Gruppe nicht allen Besuchern der Veranstaltung ein Begriff war und eine sogar dazu veranlasste, die Zeit des Auftritts durch eine spontane Cocktail-Party in einer nahe gelegenen Wohnung zu überbrücken. Ich kannte lediglich einige Sampler-Beiträge der Band, wurde aber durchaus positiv vom Gig überrascht. Die Jungs boten recht klischeefreien Deutsch- Punk, der (fast) ohne die gängigen Parolen auskam und sich musikalisch am 77-Punk orientierte, gelegentlich auch mal härtere Klänge anschlug, ohne jedoch in Richtung RAWSIDE oder SS-KALIERT abzudriften.
Mich hat das Quartett vom Stil her ein wenig an DAILY TERROR erinnert, wobei die Songs der Schafe zu keiner Zeit an die Klassiker von DT heranreichten. Dennoch lieferte die Band einen soliden und recht abwechslungsreichen Gig, variierte zwischen deutschen und englischen Songs und bot mit „Friede den Hütten – Krieg den Palästen“ und „Lange nicht genug“ gar zwei Songs mit Ohrwurmcharakter. Letzterer wurde dann auch gleich zweimal, einmal am Anfang und einmal am Ende des Gigs gespielt. DIE SCHWARZEN SCHAFE sind sicherlich nicht die beste Deutsch-Punk-Band, beileibe aber auch nicht die schlechteste, das kann ich aus langjähriger Au-Fest-Konzerterfahrung bestätigen. Den meisten Anwesenden hat die Show auf jeden Fall Spaß gemacht, denn vor der Bühne war, spätestens ab der zweiten Hälfte des Sets, ordentlich was los.
http://www.die-schwarzenschafe.de/, http://www.myspace.com/schafepunk, http://de.myspace.com/bloodpatrol
Text & Fotos (2): Marcus / Fotos (12) & Clips: Stefan
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