QUEENSRŸCHE & RIVERS OF NIHIL

Batschkapp, Frankfurt, 17.06.2026

QueensrÿcheAls Intro vor dem Konzert einen Song von BLACK SABBATH zu verwenden ist nie eine schlechte Idee. Einen, der von Ronnie James Dio gesungen wurde, erst recht nicht. Wenn an diesem Abend in der Frankfurter Batschkapp „The Mob Rules“ vom Band läuft, wird damit allerdings in mehrfacher Weise auf die Geschichte von QUEENSRŸCHE aus Bellevue bei Seattle, Washington, angespielt: Zum einen war es Dio, der das Quintett im Rahmen seiner zweiten Tour nach seiner Tätigkeit als Sänger von BLACK SABBATH mitnahm und der Formation nach Veröffentlichung erst einer, aber phänomenalen selbstbetitelten EP sowie einem brandneuen Debütalbum einen enormen Aufmerksamkeitspush zukommen ließ – zum anderen fungierten QUEENSRŸCHE in ihrer Anfangszeit als THE MOB.

QueensrÿcheEin gesundes Selbstbewusstsein legt die Truppe, deren verbliebene Gründungs-mitglieder Eddie Jackson (Bass) und Michael F. Wilton (Gitarre) bereits 65 bzw. 64 Jahre alt sind, also an den Tag – ein Selbstbewusstsein, soviel sei vorweg genommen, dass sich die Truppe nach wie vor leisten kann. Doch dazu später mehr, denn eigentlich galt mein Hauptinteresse bei dem Konzertabend der Vorband: RIVERS OF NIHIL aus Reading, Pennsylvania.

Ähnlich wie BLOOD INCANTATION (Bericht von deren Batschkapp-Gig hier) sind RIVERS OF NIHIL eine Band, die ich recht spät auf meinen Schirm bekam. In erster Linie liegt das daran, dass mein Interesse an neuen Death Metal-Acts nach jahrelangem DEATH- und MORBID ANGEL-Worshipping zugunsten von Rivers of NihilBlack- und Thrash-Metal gen Null tendierte. Dass ich irgendwann doch auf sie aufmerksam wurde, liegt eher an meinem Faible für andere Musikrichtungen, die im Sound besagter US-Bands eine Rolle spielen: Im Fall von BLOOD INCANTATION ist das die sogenannte „kosmische Musik“; bei RIVERS OF NIHIL sind das die progressiven Songstrukturen (die sie für das Vorprogramm von QUEENSRŸCHE locker qualifizieren, auch wenn einige das anders sehen mögen). Und (für mich) vor allem: Das mitunter sehr jazzige Saxophon. Als glühender Verehrer von John Coltrane sowie anderen Instrumentalisten im Jazz und frühkindlich geprägt durch den Rock’n’Roll eines Duane Eddy, in dessen Formation das Horn ebenso prominent eingesetzt wurde wie seine Gitarre, ist Rivers of Nihilder Klang eines gut gespielten Saxophons für mich immer eine besondere Einladung zum Zuhören. Im Metal beeindrucken vor allem die Ukrainer WHITE WARD sowie die Norweger TRELLDOM mit stimmigen Sax-Einlagen. RIVERS OF NIHIL tun es ihnen gleich. Und bieten mit dem headbangenden Hornisten Patrick Corona eine optische Besonderheit an.

Gleichwohl: Corona gilt als Special Guest wie Live-Unterstützer, den Kern der Band stellen der Bassist und seit 2022 auch Leadsänger Adam Biggs, der Gitarrist, Keyboarder und Programmierer Brody Uttley (beide Gründungsmitglieder) sowie seit 2017 der Schlagzeuger Jared Klein und seit 2023 Andy Thomas (Git.). Auf den Alben tummeln sich allerdings noch viele weitere Instrumente wie Banjo oder Cello Rivers of Nihilvon Gastmusizierenden – ein Soundteppich, der das Korsett einer 08/15-Death Metal-Band locker zum Explodieren bringt. Darüber hinaus gibt sich Adam Biggs nicht mit einem Bass mit vier Saiten zufrieden, sondern bedient einen mit sechs. Bei soviel musikalischer Präzision ist klar, dass für Posen nicht viel Luft bleibt.

40 Minuten verzauberten RIVERS OF NIHIL die Menschen, die nicht draußen für den Headliner vorglühten, mit vier Stücken ihres aktuellen, selbstbetitelten Albums (2025 erschienen), welches nach einigen Personalwechseln einen fulminanten Neustart darstellt. Zwei von meinem Lieblingswerk „Where Owls Know My Name“ (2018) sowie eines von „The Work“ (2021) gab es obendrauf. Ich war schwer beeindruckt und hoffe auf ein Wiedersehen als Headliner.

Wie ich bei meinem letzten Besuch eines QUEENSRŸCHE-Konzerts hier schon mal beschrieb, bin ich nicht der größte Verehrer ihrer Tonkunst. Mit Ausnahme der ersten EP (deren Band-Schriftzug die Wand hinter der Bühne verschönerte, soviel Nostalgie muss sein) sowie dem Debütalbum „The Warning“ konnte ich den nachfolgenden Tonträgern immer weniger abgewinnen. Der Fan-Liebling Queensrÿche„Empire“ zum Beispiel, von dem drei Songs gegeben wurden, ödet mich kolossal an; „Rage For Order“ (vier Tracks auf der Setlist) und „Operation Mindcrime“ (sechs) haben gute Stücke, werden von mir allerdings noch nicht mal ansatzweise so geliebt wie von den meisten Anwesenden.

Zum Glück verehrt Todd La Torre, seit 2012 Sänger bei QUEENSRŸCHE und zuvor u. a. stimmgewaltig bei CRIMSON GLORY tätig, die mit Geoff Tate eingesungenen Klassiker ebenso wie das Publikum: Meinem persönlichen künstlerischen Ego würde es auf Dauer sicher nicht guttun, von bisher vier mit QUEENSRŸCHE produzierten Scheiben gerade mal einen Song performen zu dürfen („Behind The Walls“ von der LP „Digital Noise Alliance“, 2022). Der mit einem selbstbetitelten Album Queensrÿchebeschriebene Neuanfang – im Falle von „Queensryche“ (2013) ging er wohl kommerziell gesehen ziemlich in die Hose.

La Torre merkte man allerdings keinen Frust an, im Gegenteil: Vor „London“ von „Rage For Order“ sprach er beispielsweise davon, dass dieser Song ein „personal fave“ von ihm sei, der auf dieser Tour das erste Mal seit 14 Jahren wieder gespielt werde. QUEENSRŸCHE bedienten mit ihrer 90-minütigen Best-Of-Show ein Multigenerations-Publikum, von denen die meisten die Formation nicht zum ersten Mal sahen. La Torre offenbarte sich nicht nur als Vollprofi was Posen und Stimme angeht, er vermochte es außerdem das Publikum wertschätzend anzusprechen sowie dem Support RIVERS OF NIHIL nicht nur zu danken, sondern seine ganze Liebe für die US-Kollegen auszudrücken.

Queensrÿche

Das Selbstbewusstsein, das ich am Anfang des Textes erwähnt habe: Ja, das können sich QUEENSRŸCHE leisten. Vor allem können sie das allerdings dank Todd La Torre. Trotzdem musizierten die Bandmitglieder, darunter noch Gitarrist Mike Stone sowie der noch relativ frische (seit 2020) Schlagzeuger QueensrÿcheCasey Grillo, wie Uhrwerke. Die Freude am Auftritt war allerdings meiner Meinung nach nur La Torre anzumerken.

Auch, wenn meine persönlichen Highlights mit gerade mal drei Stücken (Opener „Queen Of The Reich“ von der EP, später „Take Hold Of The Flame“ sowie der Titelsong „Warning“ vom Debüt) rasch abgefrühstückt waren, war das Ganze spielerisch ein absolutes Fest, sogar wenn man viele Lieder als Studioversionen wenig bis überhaupt nicht schätzt. „Mit dieser Wucht und Energie hört sich das doch ganz anders an als auf Platte“ meinte meine Begleitung, mit der ich selten einer Meinung bin (in diesem Fall aber schon). Feiner Metalabend also, gerne wieder.

Links: https://www.riversofnihil.com/, https://www.facebook.com/riversofnihil/, https://www.instagram.com/riversofnihil, https://www.youtube.com/Riversofnihilpahttp://www.queensrycheofficial.com/https://www.facebook.com/QueensrycheOfficial/https://www.instagram.com/queensrycheofficial/https://www.youtube.com/queensrycheofficial

Text & Fotos: Micha

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