THE COGNITIVELY THERES & THE DATSUNS

Das Bett, Frankfurt, 3.07.2026

The Cognitively TheresTransparenzinfo: Diese Konzertreview wäre wohl nicht entstanden, wenn der Verfasser der folgenden Zeilen nicht eine biblisch alte gemeinsame Geschichte mit dem Schlagzeuger der Vorband THE COGNITIVELY THERES hätte. Eine Geschichte mit ein paar fetten Lücken, zugegeben. Aber trotzdem: Nach sechs Jahren gemeinsamer Schulzeit inklusive Freundschaft trafen wir uns nach einer ersten größeren Pause in unserer Gemeinsamkeit mit ähnlichen Leidenschaften nach einigen Jahren wieder: Er, Gunnar Kalb, hinter der Schießbude einer Heavyrock-Band, die unter anderem die auch von mir innig geliebten großen Drei DEEP PURPLE, LED ZEPPELIN und BLACK SABBATH worshippte und ich, völlig unmusikalisch aber mit einer Kamera vor der Bühne, um soviel wie möglich auf Filmmaterial zu konservieren. Interessierte finden einiges davon in diesem Blog unter „Fotoperlen von Einst“, vor allem in Teil 2.

Heute stehen wir beide mehr oder weniger kurz vor der Rente und haben uns seit ziemlich exakt zehn Jahren nicht mehr gesehen. Per Messenger waren wir immer mal wieder in Kontakt – Gunnar ließ mich immer wissen, wenn er mit einem seiner zahllosen Projekte in der Nachbarschaft weilte. Hinbekommen, ihn The Cognitively Theresmal wieder zu sehen nach seiner Zeit bei den MEGALOMANIAX, habe ich es nie. Gründe dafür? Keine Ahnung. Einer ist wohl, dass ich am Wochenende nicht sehr gern unterwegs bin und Musiker, die nicht von ihrer Leidenschaft leben können, dann nun mal am häufigsten auftreten. Müssen ja meistens montags wieder ran. Meine seit Jahren etablierte Abscheu vor dem Rauchen spielt sicher auch eine Rolle – Gunnar zockte oft in Läden, wo dieses Laster noch erlaubt ist oder war.

Und nun kam quasi ein Hilferuf von ihm: THE COGNITIVELY THERES, eine seiner aktuellen Betätigungsfelder, zu denen neben ihm noch Tom Wilson (Gesang, Gitarre) und Andy Dudek (Gitarre, beide außerdem bei SPEEDCAKE) sowie Ralf Unterstab (THE SWIPES, MOTÖRBLOCK) am Bass gehören, durften für THE DATSUNS aus Neuseeland eröffnen. Doch ein paar The Cognitively TheresWochen vor dem Gig schien es durchaus möglich, dass die Sause ausfallen würde, so mies lief der Vorverkauf. Sommerferien halt. Gunnar bat mich, Werbung zu machen und vielleicht sogar selber zu erscheinen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass die DATSUNS bisher an mir komplett vorbei gegangen sind, was unentschuldbar ist. Warum, dazu später mehr.

Ich war gedanklich schon auf meinen Stuttgart-Besuch am Wochenende eingestellt (Nick Cave spielte ein paar Tage später da) und hatte ferienbedingt beim Brotjob viel zu tun, und überhaupt, diese Hitze… Dann ging ich die Korbsammlung durch, die ich Gunnar in den letzten Jahren vermacht hatte. Was solls, eine Karte wurde gekauft – wenn das Konzert ausfiele, bekäme ich die Kohle ja wieder.

The Cognitively Theres

Nach ein paar Gesprächen zwischen Menschen aus der Band und dem Club war auch klar, dass ich fotografieren durfte – als zahlender Mensch wäre ich sonst in der blöden Situation gewesen, meine Kamera nicht mitnehmen zu können. Als angemeldeter Fotograf hätte ich jedoch nicht zu zahlen brauchen. Als Nicht-The Cognitively TheresZahlender wäre das Konzert allerdings ausgefallen, falls ich allein mal so wichtig gewesen wäre, hier einen Unterschied zu machen. Ganz schön kompliziert.

Durch das Rühren der Werbetrommel waren dann letztlich genug Menschen im Raum, um das Konzert angenehm gefüllt (90 bis 100 Tickets wurden am Ende verkauft) stattfinden zu lassen. Viele Bekannte der Vorgruppe; einige, die den Eintritt gewonnen hatten sowie Menschen mit Sachkenntnis und Geschmack, zum Beispiel von der Turbojugend. Wenn die anwesend sind, dann kann die Band was. Also, die Hauptband, in diesem Fall. Die hing Pizza kauend bereits vor „Das Bett“ ab, als ich zu früh für den Einlass, aber zu spät für ein gepflegtes Bier am nicht weit entfernten Kulturkiosk Gusti anradelte.

The Cognitively TheresKeine fünf Minuten später kam Gunnar für eine Zigarette aus dem Club. Freudiges Wiedersehens-Gemurmel folgte, ein paar Hände wurden geschüttelt und ich lernte Thomas Neubauer kennen, der die DATSUNS nach 17 Jahren mal wieder nach Rhein/Main holte (zuletzt: 2009 im Café Central in Weinheim und 2008 im Nachtleben in Frankfurt) und für den es eine Herzensangelegenheit war, diesen Abend verantworten zu dürfen. Für das Booking in „Das Bett“ sind sonst andere Menschen zuständig, wie Thomas betonte. Das letzte Mal konnte man die DATSUNS übrigens im Jahr 2022 in Deutschland erleben, damals vor KADAVAR und den HELLACOPTERS. Was für eine Kombination, ich bin neidisch.

The Cognitively TheresDiesmal gab es allerdings Punkrock statt Schweinerock im Vorprogramm, dargeboten von Szene-Urgesteinen, deren Schaffen mir persönlich weit weniger bekannt war als meinen Rockstage-Kollegen. Das Konzept hinter den THE COGNITIVELY THERES ist, je nach Sichtweise, originell bis obskur: Benannt nach einer Selbstanalyse Donald Trumps, nachdem er sich fünf Begriffe sogar in der richtigen Reihenfolge merken konnte (mehr hier in der Frankfurter Rundschau) zockt das Quartett auf ihren digital veröffentlichten EPs (zu hören hier) Songs, die exakt nach diesen fünf Begriffen benannt sind sowie weitere Stücke, die sich konsequent unfreundlich dem jetzigen US-Präsidenten gegenüber geben. Das war’s dann wohl mit zukünftigen Einreisen. Egal: Wenn das in Deutschland so weitergeht haben wir hier bald ähnliche Verhältnisse wie in den Staaten. The Cognitively TheresVielleicht wird das lyrische Konzept ja deswegen noch ein wenig in Merz- oder Dobrindt-Bashing erweitert. Anlass dafür gibt es ja täglich zur Genüge.

Bleibt man auf dem eskapistischen Fun-Level, um den es bei diesem Konzertabend ja in erster Linie ging, muss man den COGNITIVELY THERES attestieren, dass sie es den anschließend spielenden DATSUNS nicht gerade leicht machten: Vier Rampensäue, die Vollgas gaben mit einem Frontmann, der nach Entledigung seines Instrumentes („so wie das ursprünglich ja mal geplant war“ – Zitat Tom Wilson) erst mal so richtig auf die Kacke haute – fast in meine Kamera kroch, Leute abklatschte und massig Kilometer auf der Bühne machte. Richtig fette 40 Minuten waren das, auch die Turbojugend war zufrieden.

Nochmal: Völlig unverständlich wie unverzeihlich, dass die DATSUNS bisher an mir vorübergingen. Das Quartett aus Neuseeland, gegründet 1998, fängt mit ihrem High Speed Rock’n’Roll nämlich genau eine meiner Vorlieben zwischen AC/DC und den RAMONES ein (wobei letztere eher beim hyperschnell gespielten Live-Sound eine Rolle spielen als auf Platte) und addiert dazu eine feine Prise Psychedelic.

The DatsunsDie seit vielen Jahren in London ansässige Band, bestehend aus Dolf de Borst (Gesang & Bass), Phil Buscke (Gitarre), Phil Somervell (Gitarre & Keyboard) und Adam Lindmark (ebenso DEAD LORD, Schlagzeug), die knapp fünf Jahre bis 2021 pausierte, spielte in Frankfurt vor dem obligatorischen Gegenlicht in 70 Minuten 18 Songs von acht Veröffentlichungen (davon bisher Ungehörtes von einem demnächst erscheinenden neuen Tonträger) – ich kannte gar nichts davon, aber zum Glück gibt es ja setlist.fm (mehr hier). Seitdem habe ich versucht mir alle Platten durchs Gehör zu jagen; größtenteils bin ich nach wie vor entzückt. Live kam das vollendet genial – so wie diesen DATSUNS-Abend habe ich mir neulich den mit GLUECIFER gewünscht (siehe den Bericht hier). Danke für’s Anwerben, @Gunnar Kalb. Guter Abend, tolle Bands. Gerne wieder.

The Datsuns

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Links: https://www.facebook.com/TheCognitivelyTheres/https://www.instagram.com/thecognitivelytheres/https://thecognitivelytheres.bandcamp.com/https://www.youtube.com/thecognitivelytheres, https://www.thedatsuns.com/https://www.facebook.com/thedatsuns/https://www.instagram.com/thedatsuns/https://www.youtube.com/TheDatsunsNZ

Text & Fotos: Micha

Alle Bilder:

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