TRAGEDY

Apfelweinfest, Frankfurt, 15.08.2019

TragedyIn Frankfurt wird Apfelwein getrunken, dies dürfte hinreichend bekannt sein. Dass es auch ein Apfelweinfestival gibt, dürften zumindest die Musikfans nicht unbedingt auf dem Schirm haben. Das Event findet jährlich im August auf dem Roßmarkt an der Hauptwache statt und bietet neben anderen Programmpunkten auch Live-Auftritte von Bands. Wer dort in den vergangenen Jahren gespielt hat, entzieht sich meiner Kenntnis, diesmal wurde ich dank der sozialen Netzwerke auf TRAGEDY aufmerksam, die sich am Donnerstag ab 18 Uhr auf dem Platz die Ehre geben sollten. Der Name sorgte für kurzzeitige Verwirrung, denn es gibt auch einen gleichlautenden Hardcore-Act aus Portland, der bereits 2014 im Frankfurter Exzess gastierte. Beim Apfelweinfest sollten indes die New Yorker TRAGEDY spielen, die im Herbst 2018 Station im Nachtleben gemacht hatten.

Die Musiker selbst verstehen sich als „All Metal Tribute to the BEE GEES and beyond“ – soll heißen, dass sich ein Teil der Setlist aus bekannten BEE GEES-Songs wie „Stayin‘ Alive“, „How Deep is Your Love“, „You Should be Dancing“ Tragedyund natürlich „Tragedy“ rekrutierte, während die restlichen Tracks von anderen illustren Künstlern entliehen waren, doch dazu später mehr. Das Gros der gecoverten Werke entstammt zudem aus den sexy 70s, als Filme wie „Saturday Night Fever“ (1977) und „Grease“ (1978) die Teenies in die Kinos lockten und die Gehörgänge der Musikkonsumenten vergifteten.

TragedyPassend dazu präsentierten sich die Gitarristen Garry Bibb und Mo‘Royce in glitzernden Silberkostümen, während Sänger Disco Mountain Man ein hippiemäßiges Fransen-Outfit trug. Komplettiert wurde das Quintett durch Basser Andy Gibbous und Drummer Lord Gibbeth. Und dann war da noch der Hofnarr Lance, der auf der Band-Website als „Complete Idiot“ beschrieben wird, den Musikern gelegentlich den Schweiß abwischte, mit Konfetti-Kanone und Megafon agierte oder wie von der Tarantel gebissen von der Bühne sprang, um das Publikum zum Mitmachen zu animieren. Ob der Outfits und der Aktionen von Lance mag man bereits erahnen, dass die Combo sich dabei keineswegs ernst nimmt und das Ganze in erster Linie als geeigneter Soundtrack zum stimmungsvollen Trinken und Mitfeiern gedacht ist.

Tragedy

Im Nachtleben hatte dies vor nicht ganz einem Jahr prächtig funktioniert, auf dem komplett bestuhlten und bebiertischten Apfelweinfest schwebte allerdings den anwesenden Äppler- und Handkäs-Aficionados zunächst ein imaginäres Fragezeichen über dem Kopf. Die Szenerie erinnerte ein wenig an eine surreale TragedyFolge der TV-Show „Der Blaue Bock“, bei der plötzlich nicht Freddy Quinn oder Roberto Blanco, sondern eine Hardrock-Combo vom Planeten Discokugel die Bühne für sich beanspruchte. Das Publikum war daher – mit Ausnahme eines Tisches mit Metalheads, der direkt vor dem Podest stand – zunächst etwas reserviert, was sich aber im Laufe des Abends ändern sollte.

TRAGEDY spielten insgesamt drei Sets à 30 bis 40 Minuten, sodass der Gig sich mit den dazwischen liegenden Pausen schließlich bis etwa 21.30 Uhr streckte. Über einen Mangel an Material konnten die New Yorker dabei nicht klagen: Seit 2008 sind sechs Alben erschienen, die allesamt über die Website des Quintetts zu beziehen sind. Und wer dachte, dass BEE GEES-Songs im Metal-TragedySound bereits skurril sind, der wurde vom restlichen Repertoire der Amerikaner noch mehr überrascht: Dargeboten wurde beispielsweise eine Heavy-Version des Disco-Klassikers „Funky Town“ sowie „Aquarius/Let the Sunshine in“ aus dem „Hair“-Soundtrack, darüber hinaus gab‘s „9 to 5“ von Dolly Parton, „Sweet Caroline“ von Neil Diamond, „Fame“ von Irene Cara sowie die Musical-Nummern „Summer Nights“ und „You‘re the one that I want“ – um nur einige zu nennen.

Showtechnisch wurde die Performance vom extremen und oft übertriebenen Posing der einzelnen Musiker dominiert, das sich ganz im Stil von 80s-Hair-Metal-Acts präsentierte. Dabei standen besonders Gitarrist Mo‘Royce Tragedyund Bassist Andy Gibbous im Mittelpunkt, die keine Gelegenheit ausließen, sich in Szene zu setzen. Und je länger der Auftritt der bizarren Kapelle andauerte, desto mehr taute das Publikum auf, wozu natürlich auch der konsumierte Äppler seinen Teil beitrug. Spätestens beim WEATHER GIRLS-Song „It‘s Raining Men“, der vom SLAYER-Riff „Raining Blood“ eingeleitet wurde, wagten sich einige deutlich angeheiterte Besucher vor die Bühne, die vermutlich vor 35 Jahren zum besagten Titel in der Disco abgerockt hatten. Letzter Höhepunkt des Abends war schließlich ein Cover von ABBAs „Dancing Queen“, bei dem Lance gut ein Dutzend Damen dazu gewinnen konnte, auf dem Podest zu tanzen.

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Ich muss zugeben, dass ich beim Gig im Nachtleben vor einem Jahr die Location früher verlassen habe, da sich für mich der BEE GEES-Gag doch relativ schnell abnutzte und ich mit Songs konfrontiert wurde, die ich lieber nicht – nicht Tragedyeinmal in Metal-Versionen – live erleben wollte. Am gestrigen Nachmittag gefiel mir die Sache wesentlich besser – nicht zuletzt, weil es einen Heidenspaß machte, die Reaktionen der unbescholtenen Festgäste zu beobachten. Insofern Respekt vor demjenigen, der die Jungs von TRAGEDY für das Event gebucht hat und wer weiß, vielleicht sehen wir ja im nächsten Jahr LORDI oder GWAR beim Apfelweinfest. Prost!

Links: https://www.letsmaketragedyhappen.com/, https://www.facebook.com/letsmaketragedyhappen, https://myspace.com/letsmaketragedyhappen, https://letsmaketragedyhappen.bandcamp.com/, https://www.last.fm/de/music/Tragedy:+All+Metal+Tribute+To+The+Bee+Gees

Text & Fotos: Marcus

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