DAS HUHN, SHITSHOW, THE DEAD END KIDS

Au-Sommerfest, Frankfurt, 6.06.2026

The Dead End KidsWie (fast) jedes Jahr machten sich einige Autoren und Fotografen dieses Blogs in den Frankfurter Stadtteil Rödelheim auf, um das traditionelle Sommerfest der AU zu erleben und anschließend darüber zu berichten: Auf dem Programm standen diesmal die sechs Bands DAS HUHN aus Frankfurt, SHITSHOW aus Hamburg, THE DEAD END KIDS (Foto rechts) aus Dresden und Leipzig, PIG SWEAT aus Bern in der Schweiz (und damit die einzige Formation aus dem Ausland), THE MELMACS aus Dresden und als Headliner EA80 aus Mönchengladbach. Auffallend war, dass das Billing diesmal (zumindest am Mikrofon) von Frauen dominiert wurde: Nicht weniger als vier Acts und damit zwei Drittel der Bands gingen mit einer quirligen Sängerin auf die Bühne des schönen Freiluft-Areals. Auch das Wetter des unter dem Motto „43 Jahre AU besetzt“ stehenden Festivals sollte passen: Nur kleinere Regenschauer waren vorhergesagt.

Wie immer pünktlich um 17 Uhr startete die Live-Musik und wer wollte, konnte sich schon ab 15 Uhr auf dem Gelände bewegen und die zwei Getränkestände (Antialkoholisches an der „Furcht-Bar“ und Alkoholisches am langen Tresen an der Querseite des Platzes) einweihen. Die Ehre, die Veranstaltung musikalisch Das Huhnzu eröffnen, wurde dem Quartett DAS HUHN (firmierte früher als HUHN AM STRAND) zuteil.

Das Huhn

Dieses hat in seiner Heimatstadt Frankfurt mit unter anderem dem Ono2, Dreikönigskeller und Cafe KOZ sowie im Rhein/Main-Gebiet (z. B. Oetinger Villa, Knabenschule, Hafen 2) und zum Teil weit darüber hinaus schon diverse angesagte Konzertstätten bespielt. Es trat gestern auf der Open Air-Bühne in der Besetzung mit Flora Beton (Gesang), Z. „Die Maschine“ Immerpflanze (Synthesizer) und Yugo Jürgens (Drum Machine) an, der etatmäßige Gitarrist Marc-Uwe Boxenknecht wurde bei dem Auftritt durch einen befreundeten Musiker ersetzt.

Das HuhnZu Beginn des Auftritts begrüßte Sängerin Flora das Publikum mit der Information, dass die Gruppe ihren allerersten Gig in der AU gespielt habe und dass man deshalb doppelt froh sei, zum Sommerfest eingeladen worden zu sein. Nun ist ja der erste Slot nicht unbedingt der Dankbarste, sondern eher Fluch und Segen zugleich: Denn einerseits sind noch nicht allzu viele Besucher vor dem Podest, Leute begrüßen sich, Freunde finden sich zu Gruppen zusammen und das alles lenkt sicherlich von der Musik ab. Andererseits ist die Position Eins des Line-ups auch nicht schlecht für eine noch Das Huhnrelativ junge Band, erstmal eine überschaubare Menge an Gästen vor sich zu haben und nicht, wie die Bands gegen Ende, in mehr als 2000 (Hühner)Augen zu blicken.

So war die beste (und meist auch einzige) Tanzende die Sängerin selbst. Was schade war, denn DAS HUHN spielt einen sehr tanzbaren, vom Syntheziser und der Drum Machine getragenen Beat, bei dem man eigentlich mit muss. Ich würde das Gehörte als eine Mischung aus Wave, NDW und Pop-Punk bezeichnen. Wer aufpasste, konnte Reminiszenzen an NEW ORDER, TRIO und IDEAL wahrnehmen. Die Texte beschränken sich auf das Nötigste, aber manchmal ist ja weniger mehr. Und die mutmaßlichen Vorbilder haben uns ja auch nicht immer mit ausschweifender Lyrik verwöhnt.

Das Huhn

Einige Lieder kann man auf Bandcamp (Link unten) anhören, vier der sechs dort hochgeladenen Stücke wurden bei dem Auftritt gespielt, dazu kamen noch fünf weitere (neuere?) Songs. Achtung Verwechslungsgefahr: Bei Spotify kann unter „Das Huhn“ nur ein monotones, technoides Machwerk namens „Eiertanz“ Das Huhnvon 2011 gefunden werden (ich rate ab). Höhepunkte der flippigen DAS HUHN-Show waren für mich zum einen das heftig treibende „Melatonin“, das ich als repräsentativ für das bisherige Schaffen der Band bezeichnen würde und das folgerichtig gleich als Starter eingesetzt wurde.

Außerdem das Lied mit dem Titel „Kotgesicht“ (hier wirds punkig): Gemeint ist der ehemalige FDP-Chef Christian Lindner, der 2022 in Bezug auf das 9-Euro-Ticket über eine „deutsche Gratismentalität“ sprach. Vorschlag zur Überarbeitung: Da nach Herrn Lindner kein Hahn mehr kräht, könnte der Text mit anderem politischen Hintergrund und anderer Person upgedatet werden. Mir fällt da Friedrich Merz und der Protest-Slogan „Leck Eier“ ein. Und wer legt die Eier? Na klar, das Huhn!

Das Huhn

Als zweite Band des Festivals standen die Hamburger SHITSHOW auf dem Plan, die mir im Vorfeld kein Begriff waren. Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass die Norddeutschen sich 2021 gegründet haben und nach zwei Singles just ihren ersten Longplayer namens „Struggles“ rausgebracht haben – bisher Shitshowallerdings lediglich digital, denn das Plattenlabel Break the Silence wurde von einem Presswerk abgezockt und hat nun massive Probleme, sein Weiterbestehen zu gewährleisten. Wer helfen möchte: Auf Gofundme läuft hier derzeit eine Spendenkampagne, die Betreiber freuen sich aber sicherlich auch über Bestellungen.

Doch zurück zu SHITSHOW, bei denen sich im letzten halben Jahr personaltechnisch einiges getan hat. Durch die Ergänzung eines zweiten Gitarristen ist die Formation vom Quartett zum Quintett mutiert, zudem hat die eigentliche Bassistin Marta ihren Bass für einige Monate an den Nagel gehängt und wird seither (temporär) ersetzt. Ihren Stil beschreiben die Hamburger als Powerpunk und das trifft es Shitshowrecht gut. Die Songs waren kurz (Zitat der Band: „Das Leben ist zu kurz für lange Songs.“), rau und wild und lieferten eine rasante Melange aus furioser Punk-Attitüde und dreckigem Garage-Sound.

Shitshow

Visueller Blickfang war dabei stets Frontfrau Julia, die zunächst trotz warmer Temperaturen mit Mütze und Jacke auf der Bühne agierte, im Laufe des Sets aber förmlich explodierte: Sie fegte wie ein Kugelblitz über das Podest, bangte, landete, die Beine wild in der Luft strampelnd, auf dem Rücken und kehrte schließlich wie das weibliche Pendant des HB-Männchens wieder in die Mitte der Bühne zurück. Diese Energie übertrug sich auch auf das Publikum und brachte zumindest einige der Besucher zum Toben.

ShitshowMich erinnerte die Performance stark an die von Shouterin Olga von der Band SVETLANAS, die auch schon im Club der AU zu Gast war. Der bist dato sehr gute Gig erfuhr noch eine Steigerung, als SHITSHOW den DEAD MOON-Klassiker „54/40 or Fight“ zum Besten gaben und damit ihren Helden huldigten. Kurze Zeit später fand der Auftritt sein Ende und ließ eine zufriedene Meute vor der Bühne zurück. Bleibt zu hoffen, dass die Nordlichter am Ball bleiben und uns bald wieder beehren.

Shitshow

THE DEAD END KIDS aus Sachsen (nicht zu verwechseln mit den britischen Namensvettern aus den Siebzigern und der gleichnamigen US-amerikanischen Band aus den Neunzigern) sollten ursprünglich bereits im Vorjahr beim Sommerfest der AU an den Start gegangen sein, mussten damals jedoch The Dead End Kidsabsagen. Nun konnte der Auftritt endlich nachgeholt werden.

The Dead End Kids

„100% Glitzerpowerpunk in your face!“ verspricht die TDEK-Bandinfo. Punk mit Glitzer: Das ist doch mal was Anderes – normalerweise wird Punk ja eher gern in Richtung Schmuddelecke eingeordnet. Um auch gar keine Zweifel aufkommen zu lassen, in welcher Mission das Quartett aus Leipzig und Dresden (Bandcamp spricht von Freiberg und Dresden) unterwegs ist, begann die Show mit der Nummer „Kommando Glitzer“, Titelsong des zweiten Langspielers von 2020. Direkt im Anschluss „Abriss“, mit einer prima Hookline und klasse Mitgröhl-Refrain das meiner Ansicht nach beste Stück des jüngsten Albums namens „The Power of Now“. Dieses wurde 2025 The Dead End Kidsveröffentlicht und laut Bandcamp von Rod Gonzalez (u. a. DIE ÄRZTE, ABWÄRTS) aufgenommen. Mit insgesamt fünf Tracks (auch gut: „Lichtfresser“) war die aktuelle Platte im zwölf Lieder umfassenden Set bestens vertreten.

Gesungen wird Deutsch und Englisch, auf der Setlist des gestrigen Gigs standen allerdings nur zwei fremdsprachige Nummern. Interessant ist, dass die Band im Lauf ihrer Karriere den Anteil der englischen Songs stetig reduziert hat: Während auf der Debüt-LP „In Deiner Stadt“ von 2018 fast alle Lieder auf Englisch gesungen wurden, waren es auf Album Nummer Zwei („Kommando Glitzer“) noch gut die Hälfte, beim Dritten „Heiß und dreckig“ (2023) und beim bisher Letzten keines mehr. 

Die mit Sängerin und Schlagzeugerin sowie Gitarrist und Bassist paritätisch besetzte Gruppe hat sich in den vergangenen Jahren eine große, treue Fanbase The Dead End Kidsaufgebaut und das wurde beim gestrigen Auftritt deutlich: Selten habe ich bei einem AU-Fest bei der erst dritten Band des Tages schon so viele Menschen vor der Bühne gesehen. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass THE DEAD END KIDS für den ersten Moshpit des Festivals sorgten, der diesen Namen verdient hatte.

Zudem war das gut 45 Minuten dauernde Set sehr abwechslungsreich: Mal wurde mit dem Publikum eine „Mittelfinger-La Ola“ eingeübt (Foto unten), mal erging an alle Teetrinker das Angebot, in dem Song „Angriff der Yogi-Ritter“ mit der Band „ins Yogi-Universum zu fliegen“. Ein erfrischend abgedrehter Live-Auftritt, der besonders bei den jüngeren AU-Fest-Besuchern wie ein Meteorit einschlug.

The Dead End Kids

Wer sich die Musik von THE DEAD END KIDS zuhause auf Bandcamp anhören möchte, erlebt eine Überraschung: „Kein Bock mehr auf Bandcamp“ steht da seit dem Jahr 2024 zu lesen. Welche Gründe eine Rolle gespielt haben, diese im Vergleich zu anderen Streaming-Diensten eher unkommerzielle Plattform zu The Dead End Kidsverlassen, ist spekulativ. Bei Spotify und auf YouTube (dort sind außerdem diverse Videoclips hochgeladen) hingegen kann man alle seit 2018 eingespielten fünf Alben der Band anhören. Im Booklet zum aktuellen Werk „The Power of Now“ danken TDEK all jenen Menschen, die sie „auf dem heiligen Weg der Glitzerpower“ unterstützen. Da wollen wir natürlich nicht im Wege stehen. Seid Ihr bereit für die Eskalation? Dann geht hin und mehret das Glitzer in der (Punk)Welt!

Und damit endet der erste Teil unserer Berichterstattung zum diesjährigen Sommerfest in der AU. Wer von Euch wissen möchte, wie es mit den folgenden Bands PIG SWEAT, THE MELMACS und dem Headliner EA80 weiterging, der klicke bitte hier.

The Dead End Kids

Links: https://www.instagram.com/dashuhn_dashuhn/, https://dashuhn.bandcamp.com/album/demo, https://www.shitshow-punk.com/, https://www.facebook.com/people/Shitshow/, https://www.instagram.com/shitshowpunk/, https://shitshow-punk.bandcamp.com/, https://thedeadendkids-glitzerpower.de/, https://www.facebook.com/GlitzerpowerPunk, https://www.instagram.com/thedeadendkids_glitzerpower/, https://www.youtube.com/@TheDeadEndKidsGlitzerpower

Text (Das Huhn, Dead End Kids) & Fotos (27): Stefan
Text (Shitshow) & Fotos (7): Marcus
Fotos (4): Thorsten, @toddecore53
Fotos (2): Caren

Alle Bilder:

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