ADOLESCENTS & NOTHING

Au, 20.07.2012

Sommerabende in der Au sind immer nett, und das gleich aus mehreren Gründen: Man kann gemütlich im Freien hocken, trifft dort viele Bekannte und zahlt nur 1,50 für’s Bier. Und wenn dann auch noch eine gute Band im Keller ein Gastspiel gibt, steht einem perfekten Punk-Rock-Event nichts mehr im Wege. Der gestrige Abend fiel in eben jene Kategorie, denn angesagt hatten sich die US-amerikanischen Punk- Rock-Urgesteine THE ADOLESCENTS. Supportet wurden die Jungs von der Berliner Combo NOTHING (Foto rechts und unten), die sich vor einigen Jahren aus Mitgliedern diverser anderer Bands formiert hatte.

Musikalisch passte das Dargebotene ganz gut zum Headliner, die Jungs lieferten eine Mischung aus Oldschool-HC und Punkrock, stets basslastig und mit rotzigem Gesang. POISON IDEA ließen grüßen. Allerdings hatte ich auch den

Eindruck, dass man sich bisher bandintern noch nicht so richtig einigen konnte, in welche musikalische Richtung es denn nun definitiv gehen soll, die schnellen, wütenden und hardcorelastigen Tracks haben mir jedenfalls besser gefallen als die Ausflüge in rockige Gefilde. Alles in allem ein solider Opener, der gerade mit „We Embrace The Hatred“ seinen zweiten Longplayer veröffentlicht hat.

Nach einer etwas längeren Verschnaufpause an der frischen Luft ging’s schließlich mit den ADOLESCENTS weiter, die mit ihrem Debüt, dem „blauen Album“ aus dem Jahr 1981, einen der Klassiker des Punk-Rock-Genres geschaffen haben.

Mit einem solchen Song-Potential im Gepäck kann bei Live-Konzerten der Jungs eigentlich nicht viel schief gehen, zumal mit Steve Soto (Bass) und Tony Cadena (Gesang) noch zwei der Gründungsmitglieder vertreten sind. Beide haben mittlerweile 50 Lenze auf dem Buckel, etwas an Masse zugelegt, sind aber seit der Reunion der Band im Jahre 2001 stetig am Touren und haben in dieser Zeit sogar zwei neue Scheiben eingespielt. Das Lineup wurde durch Mando Del Rio (Drums), Mike McKnight (Gitarre), und einen weiteren, mir unbekannten, Gitarristen komplettiert. Frank Agnew, der offiziell zum Lineup gehört, war es jedenfalls nicht.

Los ging’s mit „No Way“ vom besagten Debüt der Band, das unmissverständlich klar machte, dass die Jungs zwar älter, aber keineswegs schlechter geworden sind. Der treibende Punk mit seinen catchy Refrains rockte und ließ binnen weniger Minuten den Schweiß von Decke des kleinen Kellerraums tropfen. Das

Set bestand überwiegend aus Songs des „blauen Albums“, hinzu kamen je drei Stücke der letzten beiden Veröffentlichungen sowie einer der aktuellen EP namens „American Dogs in Europe“, die speziell zur Tour veröffentlicht wurde.

Etwas mau fiel die Ausbeute für Fans des „Brats in Battallions“- Albums aus, hier stand lediglich „Things Start Moving“ auf der Playlist. Aber was will man machen, wenn man einfach zu viele Hits im Repertoire hat? Höhepunkte des Programms waren einmal mehr „Amoeba“ und „Creatures“, die vom begeisterten Publikum lautstark mitgegrölt wurden. Kein Wunder also, dass nach Abschluss des regulären Sets die Meute lautstark eine Zugabe forderte und auch bekam. Hier zog die Band unter anderem den DEAD BOYS-Klassiker „Sonic Reducer“ aus dem Ärmel, den ich, soweit ich mich erinnern kann, von den ADOLESCENTS bis dato noch nie live erleben durfte.

Unterm Strich ein klasse Konzert, bei dem die Combo mit „I Hate Children“ allerdings einen meiner Lieblingssongs schuldig blieb. Als ich Steve Soto nach dem Gig darauf ansprach, entgegnete er, dass er den Song mit 17 geschrieben hatte, und er ihn heute nicht mehr witzig findet – schade eigentlich. Aber so ist es halt mit in die Tage gekommenen Punkbands, die bereits seit ihren Teenager-Tagen aktiv sind. Oft sind die wütenden Hasstiraden, die sie einst als Heranwachsende (engl.: Adolescents) in aggressive Punkrock-Songs verpackten, 20 oder gar 30 Jahre später längst kein Thema mehr. Man wird eben älter und weiser – oder auch nicht. Ich konnte es verschmerzen, zumal die Jungs mit ihrem Song „Creatures“ gleich eine Abrechnung mit der gesamten Menschheit im Programm hatten.

Nachdem sich nun binnen kürzester Zeit mit den ADOLESCENTS und den AVENGERS bedeutende Westcoast-Bands in der Au eingefunden haben, hoffe ich auf eine baldige Tour von D.I., der Gruppe von Ex-ADOLESCENTS- Drummer Casey Royer, was aber aufgrund dessen dreijähriger Bewährungsstrafe eher unwahrscheinlich ist…

Links: http://www.myspace.com/theadolescents, http://www.reverbnation.com/theadolescents, http://www.nothingsalright.blogspot.de

Text: Marcus / Fotos (b/w): Matthias Weigand, www.cxc.info
Fotos (Farbe): Mario (4), Marcus (4) / Clip: Stefan

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1 Comment

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One Response to ADOLESCENTS & NOTHING

  1. Adrian

    das war wirklich ein saugeiles conzert!!! die seite ist so gut das ich jedesmal wenn ich einen artikel lese die passenden platten rausfische und sie auflegen muss!!! Echt cool