DANKO JONES & AUDREY HORNE

Batschkapp, Frankfurt, 17.03.2017

Danko JonesVergebt mir. Ich hatte Zweifel. Trotz eigentlich besseren Wissens schlich sich nach getaner Arbeitswoche die Faulheit in mein Bewusstsein und flüsterte mir Ungutes ein: Dass das neue Album des kanadischen Trios DANKO JONES um Sänger, Gitarrist und coole Socke Danko Jones ja wirklich nicht soo die Macht ist. Nicht schlecht, aber ey: Wer braucht eine neue Platte von denen, wenn er schon vier oder fünf hat? Und dann mit solchen Songs? Allesamt nett anzuhören, wie immer mit mehr oder weniger lustigen Texten, wenn man noch gerne MAD liest oder anderweitig 13 ist. Geschenkt. Eineinhalb Mal konnte ich das Teil mit dem Namen „Wild Cat“ hören, dann musste ich ausmachen, mir was Anderes suchen. Obwohl, wie gesagt, nicht schlecht. Aber immer wieder „dasselbe“ Album aufnehmen (eine grobe Vereinfachung, aber in der Tendenz), das können auch nur wenige. Also so, dass „immer dasselbe“ spannend und geil bleibt. Die RAMONES schafften das sehr lange. AC/DC eine ganze Zeit. STATUS QUO ebenfalls, aber nur bis in die Achtziger. Und MOTÖRHEAD. Immer. Alle MOTÖRHEAD-Alben im Schrank zu haben macht Spaß – sie zu hören, aber auch.

Danko JonesNachdem ich mich später nach fast vier Stunden Konzertabend zu einer Zeit aus der Frankfurter Batschkapp schälte, zu der die Freitagsfeierei bei den meisten gerade erst anfängt, war ich geläutert und bereute zutiefst. Wie konnte ich, nachdem ich DANKO JONES bisher sechs Mal gesehen hatte, auch nur im Entferntesten in Erwägung ziehen, zu Hause lieber „Law & Order“ zu schauen als diese übertriebenste Rampensau zu erleben, ach was: Ihr zu huldigen. Denn sie hat es verdient.

Audrey HornePünktlich um 19 Uhr betraten jedoch erstmal die Norweger AUDREY HORNE die Bretter. Das Quintett aus Bergen erntete bei seiner Vorstellung einen fetten „Black Metal“-Ruf (siehe Videoclip weiter unten), bevor ein neuer Song dargebracht wurde, der in seiner Cheesyness nicht weiter hätte entfernt sein können von der Musikrichtung, die von Norwegen aus durch die Welt zog. Und Audrey Hornedoch: Mit Arve Isdal stand ein Gitarrist auf der Bühne, der ebenso bei den Pagan-Prog-Black Metal-Göttern ENSLAVED spielt. Gitarrist zwei, Thomas Tofthagen, war bei SAHG tätig – und zusammen mit Bassist Espen Lien und Isdal auch eine Weile als Band von Paul Di Anno. Die Spielfreude, die die Herren an den Tag legten und das muntere Gepose mit grinsenden Backen ist un-Black Metal as Audrey Hornefuck und machte höllischen Spaß beim Zusehen. Dabei sind AUDREY HORNE, gegründet 2002, beileibe keine kleine Newcomer-Band und standen auch schon mit GRAND MAGUS auf der Batschkapp-Bühne.

Audrey Horne

Die stark eingeschränkte Spielzeit (gerade mal 40 Minuten waren es) ließ nur wenige Songs zu, hauptsächlich gab es Material der letzten beiden Studioalben, die mir und den meisten anderen Anwesenden nicht bekannt waren. Einige konnten jedoch kräftig mitsingen, selig grinsen mussten sowieso alle. Dass Sänger und tätowiertes Gesamtkunstwerk Torkjell ‚Toschie‘ Rød so oft direkten Publikumskontakt suchte und die Gitarristen ihr Konzert sogar im Audrey HornePit beschlossen mag auch ein Grund dafür gewesen sein, warum AUDREY HORNE komplett überzeugte. „Saugeil“ hieß es hinter mir. Schon. Songs wie den Neuen mag ich von der Formation, die am Anfang ihrer Karriere durchaus zu Recht wohlwollend mit FAITH NO MORE verglichen wurde, jedoch nicht unbedingt hören. Zu Hause schon mal gar nicht.

Ähnlich geht es mir bisher mit den Stücken von „Wild Cat“. Dessen Vorläufer „Fire Music“ feiere ich noch komplett ab – ein Album, weit mehr Punkrock als der Classic Rock des neuen. Mit „Do You Wanna Rock“ von „Fire Music“ fingen DANKO JONES jeden Abend auf dieser Tour an, also diesmal wohl auch – sicher Danko Jonesbin ich mir aber nicht mehr, es könnte auch der Opener des aktuellen Albums, „I Gotta Rock“ gewesen sein. Danach holte das hyperaktive Trio einen Knaller nach dem anderen

Danko Jones

aus dem Köcher: „Play the Blues“, „Sugar Chocolate“ und als fünftes „First Date“, dann „Code of the Road“. Bammbammbamm. Fett! Danko selber (seine Ansagen sind immer genauso geil wie seine Songs) wurde nicht müde zu betonen, dass das wohl eindeutig tolle Lieder seien, und die Crowd fände das ja wohl auch, schließlich hätten alle Anwesenden etwas gemeinsam, nämlich einen exzellenten Musikgeschmack. 10 von 10 Punkten würde er diesen Songs geben, ach was, 20 von 10.

Danko JonesAls ich Danko das erste Mal (als Support von MOTÖRHEAD) sah, referierte er sehr gekonnt über das „Pussy lecken“: „You know: A blowjob you give to your girlfriend“. Danko Jones ist der einzige „Classic-Rocker“ der einem eher wertkonservativen Publikum inhaltliche Innovationen näherbringt, fast unbemerkt. Noch ein Beispiel dafür? Wenn die letzte Nummer gespielt wird, verbeugen sich die Musiker vor den einflussreichen Danko JonesToten der Musikwelt. Neben den üblichen Verdächtigen wie Phil Lynott, Joe Strummer oder Bon Scott sind das auch Personen wie der inzwischen ja von allen (zu Recht!) geliebte Johnny Cash, David Bowie oder, jetzt kommt‘s: Ikonen des klassischen Soul und R&B wie Barry White oder Whitney Houston. Ein Rocker, der Whitney Houston preist? Vom Feinsten, in meiner Welt.

Danko JonesWie auch der gesamte Abend, der wahrscheinlich ohne die schon um 22 Uhr beginnende Batschkapp-Disco auch nicht viel länger gedauert hätte. 90 Minuten klassischer, exzessiver, punkiger Rock’n’Roll von einem der besten Performer seiner Zunft und seinem langjährigen, kongenialen Partner am Bass, JC Calabrese. Der neue Drummer Rich Knox machte ebenso einen fantastischen Eindruck. Außerdem gab es etwas, das ich letzte Woche bei Alejandro Escovedo vermisst habe und wohl Donald Trump geschuldet ist: Ein Cover von THE CLASH („I’m so Bored With the U.S.A.“). Beste Freitagabend-„Pre Show“ (Jones), die man sich vorstellen kann und geniale Basis zum Weiterfeiern. Falls man nicht, wie ich, die Arbeitswoche noch ein bisschen vor dem Fernseher verarbeiten mochte.

Links: http://www.audreyhornemusic.com/, https://www.facebook.com/AudreyHorneOfficial, https://www.reverbnation.com/audreyhornemusic, https://www.last.fm/de/music/Audrey+Horne, http://www.dankojones.com/, https://www.facebook.com/dankojones, https://soundcloud.com/dankojones/, https://www.last.fm/music/Danko+Jones

Text, Fotos & Clip (AH): Micha
Clip (DJ): am Konzertabend aufgenommen von PostalDude 555

Alle Bilder:

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