THE 50 KAITENZ, SICK THOUGHTS, ELECTRIC JUGS

Knabenschule, Darmstadt, 14.05.2026

The 50 KaitenzEinige Zuschauer dürften am gestrigen Abend ein Déjà-vu erlebt haben: Zwei der drei aufspielenden Bands – der Opener ELECTRIC JUGS und der Headliner THE 50 KAITENZ – waren nämlich vor knapp zwei Jahren an gleicher Stelle Teil des Garage-Fest-Lineups, zu dem damals noch der französische Act WEIRD OMEN gehörte. Das Garage-Fest-Konzept wurde leider (bisher) nicht fortgesetzt, dafür gab’s diesmal aber etwas zu feiern: Das 25-jährige Jubiläum des Darmstädter Veranstalterteams Starwhore, das mit seinen Konzerten nun schon seit einem Vierteljahrhundert dafür sorgt, dass Bands, für die wir sonst bis nach Köln, Düsseldorf, Karlsruhe und Stuttgart fahren müssen, in Darmstadt Station machen. Dafür an dieser Stelle: Vielen Dank! Wir freuen uns auf weitere illustre Darbietungen.

The 50 Kaitenz Flyer

Wer schon die Bessunger Knabenschule besucht hat, der weiß, dass es dort mehrere Auftrittsorte für Bands gibt. Eine befindet sich im etwas verwinkelten Keller des Geländes, eine andere in der Turnhalle der Schule und eine dritte – und diese kommt nur selten und bei Open-Air-Veranstaltungen im Sommer zum Electric JugsEinsatz – im Innenhof der Schule. Am gestrigen Abend diente die Halle als Ort des Geschehens und dies war gut so, denn eine Formation wie THE 50 KAITENZ braucht eine gewisse Fläche, um ihren Zauber voll entfalten zu können – doch dazu später mehr.

Electric Jugs

Eröffnet wurde das im Rahmen der Reihe zum Starwhore-Jubiläum veranstaltete Event von der Aschaffenburger Band ELECTRIC JUGS, die vor zwei Jahren noch als minimalistisches No-Wave-Electronic-Duo auf dem Podest (bzw. davor) stand. Anno 2026 präsentieren sich die Unterfranken nun als Garage-Rock-Quintett – es war, als ob der grauen Raupe ein bunter Schmetterling entschlüpft ist.

Electric Jugs

Passend zur Transformation gestaltete sich auch der Bühnenhintergrund, auf dem auf einer Leinwand psychedelische Farbspiele zu sehen waren, die live von einem engagierten Kreativduo mittels dreier Overhead-Projektoren und diversen Schalen mit farbigen Flüssigkeiten geschaffen wurden – eine nette Idee. Das Electric JugsFarbspektakel sollte alle Auftritte des Abends begleiten.

Musikalisch hinterließen die ELECTRIC JUGS einen starken Eindruck. Geboten wurde rauer, kantiger Garage-Punk mit dominantem Psychedelic-Anteil, der vor allem durch die markanten Orgelklänge generiert wurde. Acts wie die FUZZTONES, die CHESTERFIELD KINGS und die CYNICS kamen als spontane Vergleiche in den Sinn, wobei die JUGS sich stilistisch weniger an den Swinging Sixties orientierten, sondern durchaus auch moderne und – hier und da – experimentelle Passagen lieferten. Eine kleine Überraschung bot das Neil-Young-Cover „Rockin’ in the Free World“, das für zusätzliche Abwechslung im Set sorgte. Die ELECTRIC JUGS sind ohne Zweifel eine interessante Formation, von der man sicher noch viel hören wird.

Sick ThoughtsAls nächstes waren die US-Amerikaner SICK THOUGHTS an der Reihe, ein Projekt des Multi-Instrumentalisten Drew Owen, der sich für Touren mit Live-Musikern verstärkt.

Sick Thoughts

Owen begann sein musikalisches Treiben bereits als Teenager in Baltimore, ist mittlerweile aber in New Orleans ansässig. Er blickt seit 2013 auf rund 20 Veröffentlichungen – LPs und Singles – zurück, die größtenteils im DIY-Stil entstanden sind und auf illustre Titel wie „Born to Blitzkrieg“ (2023) und „Songs About People You Hate“ (2017) hören. Dies dürfte bereits deutlich machen, dass die SICK THOUGHTS musikalisch dreckigen Asi-Punk-Rock boten, der sich mal schneller („Sick Thoughts“) und mal langsamer Sick Thoughts(„Mother, I Love Satan“) präsentierte und hin und wieder auch mal mit rauen Garage-Elementen aufwartete. Songs wie „Just Die Fast“, „Schoolgirls in Chains“ und „I Hate You“ ließen folgern, dass der Gute bei Meistern wie GG Allin, FEAR, den DEAD BOYS und ANTISEEN in die Lehre gegangen ist.

In diesem Fall passten die psychedelischen Muster im Hintergrund – so hübsch sie waren – nicht wirklich zum Sound und den Texten. Spaß gemacht hat der Auftritt auf jeden Fall, wobei es ein wenig schade war, dass Owen von seinen vielen Veröffentlichungen lediglich eine am Merchstand anbot, Shirts gab’s gar keine mehr. Ich würde mich freuen, wenn es die SICK THOUGHTS in nächster Zeit mal wieder in unsere Gefilde verschlägt.

Sick Thoughts

Gekrönt werden sollte der gestrige Abend durch den Auftritt der aus Osaka, Japan, stammenden Band THE 50 KAITENZ. Der Name – und das war eine Frage, die viele Besucher beschäftigte – bedeutet zu Deutsch „50 Umdrehungen“ (eines Plattenspielers) und soll suggerieren, dass die Jungs ihren Rock’n’Roll The 50 Kaitenzschneller als ein Plattenspieler auf 45 RPM spielen. Danny, Dory und Bogie haben sich an der Uni kennengelernt, wo sie Film (Danny), Holzdruck (Dory) und Ölmalerei (Bogie) studierten – alles Dinge, die ihnen seit der Gründung der Formation im Jahr 2005 zugute kommen sollten.

The 50 Kaitenz

Denn: Das Trio designt nicht nur seine Plattencover selbst, sondern auch seine Bühnenoutfits – und die sind immer besonders schick! Seit 2005 sind elf Longplayer und diverse Singles erschienen, die Truppe blickt also auf ein umfassendes Œuvre zurück, von dem sich 13 Songs auf der Setlist des Abends wiederfanden. Gesungen wurde überwiegend auf Japanisch, wobei sehr oft Begriffe wie „Lock’n’Loll“, „Let’s Go“ und „Yeah! Yeah!“ fielen.

The 50 Kaitenz

Musikalisch boten die Jungs ein Feuerwerk der guten Laune und vermischten dabei Punk, Surf, Hi-Energy-Rock, Garage, Rockabilly und Beat zu einem ganz eigenen, unverwechselbaren Stil. Dieser wird zum einen vom exotischen Gesang, zum anderen von der Energie, die das Trio auf die Bühne brachte, dominiert. Die Japaner explodierten förmlich, waren ständig in Bewegung, lieferten The 50 KaitenzLuftsprünge und wirkten – nicht zuletzt aufgrund ihrer Pilzkopf-Frisuren – wie Superhelden in einem durchgeknallten Anime.

Tatsächlich erinnerte die Performance ein wenig an die der mächtigen GUITAR WOLF, wobei es bei der Band aus Tokio rauer, brutaler und chaotischer zugeht. THE 50 KAITENZ sind so etwas wie die TOYDOLLS-Variante von GUITAR WOLF, es macht einfach tierisch Spaß, dem Trio beim Ausflippen zuzuschauen. Als letzte Zugabe gab’s ein Cover der RAMONES-Hymne „Blitzkrieg Bop“, bei der das Publikum schließlich komplett ausrastete („Darmstadt – you’re crazeeee!“) – danach konnte nichts mehr kommen, außer der Run auf den Merchstand. THE 50 KAITENZ sind eine ungewöhnliche Band und so etwas wie der ultimative Party-Act. Macht’s gut, Jungs und bis bald!

The 50 Kaitenz

Links: https://www.instagram.com/electricjugs/, https://electricjugs.bandcamp.com/, https://www.youtube.com/channel/electricjugs, https://www.facebook.com/sick.thoughts.rnr/https://www.instagram.com/sickthoughtss/, https://sick-thoughts.bandcamp.com/, https://www.50kaitenz.net/, https://www.facebook.com/50kaitenzhttps://www.instagram.com/50kaitenz.official/, https://soundsofsubterrania.bandcamp.com/the-50-kaitenz

Text: Marcus
Fotos: Stefan

Alle Bilder:

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