M.I.A. & BLEAKNESS

Dreikönigskeller, Frankfurt, 21.04.2026

M.I.A.Als erklärter Fan des US-Punks der 1970er- und 80er-Jahre stellte der gestrige Abend für mich ein besonderes Fest dar, gaben sich doch im kultigen kleinen DKK die California-Punks M.I.A. die Ehre, die durchaus in einem Atemzug mit Acts wie ADOLESCENTS, D.I. oder AGENT ORANGE genannt werden können. Als Opener fungierte der französische Act BLEAKNESS, eine von unzähligen Formationen, die den aktuellen Trend des Post-Punks – die Pariser bezeichnen ihren Sound auch als Dark-Punk – bedient. Nicht, dass ich etwas gegen das Genre, das einst von Künstlern wie BAUHAUS, JOY DIVISION und KILLING JOKE begründet wurde, hätte, doch die moderne Interpretation des Stils, die oft mit rudimentären Oi- und Punk-Elementen kombiniert wird, ist mir in den meisten Fällen zu monoton und langweilig.

Dies ist auch im Falle von BLEAKNESS so – und das, obgleich Frankreich mit Acts wie RANCOEUR, CONDOR, RIXE und NUIT BLANCHES nicht nur aktuell ein Hot-Spot des Genres ist, sondern bereits in den 1980er Jahren Bands wie KOMINTERN SECT und CAMERA SILENS hervorbrachte. BLEAKNESS spielen nicht ganz in der Liga der genannten Bands, sind aber allesamt gute Musiker und legten einen sehr soliden Auftritt hin, der mich aus M.I.A.den genannten Gründen allerdings nicht wirklich begeistern konnte, wie sagt der Franzose so gern: „Not my type of Baguette“.

Etwa eine Dreiviertelstunde später war es dann soweit. M.I.A. betraten die Bühne des gut gefüllten Kellers. Das Publikum blickte auf drei nicht mehr allzu junge Männer, die allesamt in ihren 60ern sein dürften. Und das nicht ohne Grund, denn das Trio gehörte bereits 1983 zum Lineup von M.I.A.. In dieser Zeit hatte sich nach einigen Wechseln erstmals eine konstante Besetzung bestehend aus Gitarrist Nick Adams, Basser Paul Schwartz, Drummer Larry Pearson und Shouter Mike Conley gefunden. Die eigentliche Gründung der Gruppe geht sogar auf das Jahr 1980 zurück: Damals hatte sich in Las Vegas gerade die Formation THE SWELL M.I.A.aufgelöst, deren Sänger (Todd Sampson), Bassist (Mike Conley) und Schlagzeuger (Chris Moon) gemeinsam mit Nick Adams M.I.A. ins Leben riefen – der erste Gig fand am 31. Dezember des Jahres statt.

Wenig später drehte sich das Personalkarussell: Sampson stieg aus, Conley übernahm die Vocals, Schwartz kam als neuer Basser hinzu und Drummer Moon wurde durch Pearson ersetzt. Zudem siedelte die Truppe nach Orange County, Kalifornien, um. 1981 entstand das erste Demo, von dem ein Song auf dem legendären Alternative Tentacles-Sampler „Not So Quiet On The Western Front“ landete. Es folgten eine Split-EP mit LAST RIGHTS FOR GENOCIDE sowie eine Tour mit den DEAD KENNEDYS, die sich für M.I.A. als äußerst profitabel erweisen sollte, denn DK-Frontmann und Alternative Tentacles-M.I.A.Labelchef Jello Biafra bot dem Quartett im Anschluss einen Plattenvertrag an.

Dies deutet schon mal darauf hin, dass M.I.A. ebenso wie Biafra sehr politische Songs schreiben, bei denen oft die Sinnlosigkeit von Kriegen thematisiert wird, Autoritäten hinterfragt werden und das politische System kritisiert wird. Auch das Kürzel M.I.A. geht auf einen militärischen Ausdruck – „Missing in Action“ – zurück, mit dem bei Kriegseinsätzen gefallene Soldaten bezeichnet wurden. 1984 erschien M.I.A.das Debüt „Murder in a Foreign Place“, gefolgt von „Notes from the Undergound“ (1985) und „After the Fact“ (1987). Ein Jahr später löste sich die Band auf. Es sollte bis zum Jahr 2014 dauern, bis sich M.I.A, wieder zusammenfanden – in eben jener Besetzung, die seit 1983 bestand und sich auch am gestrigen Abend im DKK einfand. Lediglich Shouter Mike Conley ist nicht mehr mit von der Partie, denn er verstarb unter mysteriösen Umständen 2008 auf einen Hotelparkplatz. Die Vocals liefert seither Gitarrist Nick Adams.

M.I.A.

Doch zurück zum gestrigen Abend: Das gespielte Set stellte ein Best-of-Potpourri der 80er-Jahre-Songs von M.I.A. dar, darunter Klassiker wie „Turning in What You Hate“, „Murder in a Foreign Place“, „Small Man in a Big World“, „New Left“, „Tell Me Why“ und natürlich der wohl bekannteste Track „I Hate Hippies“. M.I.A.Zudem gab es unter anderem mit „No Man“ und „Bender“ einige Lieder von der aktuellen, in diesem Jahr veröffentlichten EP sowie eine Cover-Version des THE MAMAS & THE PAPAS-Klassikers „California Dreamin’“.

All dies machte großen Spaß und wer schon mal einen der eingangs erwähnten Acts – allen voran die ADOLESCENTS – gesehen hat, der dürfte eine Ahnung haben, wie sich der Gig musikalisch gestaltete. Die kurzen Zwei-Minuten-Songs waren mitreißend und stimmungsvoll und am Ende wurden sogar noch diverse Musikwünsche auf Zuruf erfüllt. Es bleibt zu hoffen, dass sich das Trio, sofern es die Gesundheit seiner Mitglieder zulässt, noch einmal in unsere Gefilde verirrt, um sein Vermächtnis einem größeren Publikum zu präsentieren.

M.I.A.

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Text: Marcus
Fotos: Boris, @borisschoppner

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