THE NEPTUNE POWER FEDERATION

Dreikönigskeller, Frankfurt, 1.06.2026

The Neptune Power FederationUngewöhnlicher Name – ungewöhnliche Band. Die aus dem australischen Sydney und Umgebung stammende Formation THE NEPTUNE POWER FEDERATION (TNPF) existiert zwar bereits seit über 15 Jahren, sieben Alben und etlichen Singles, doch das illustre Quintett gilt noch immer als Geheimtipp. Warum dem so ist, darüber kann man lediglich spekulieren. Die Musik – eine Mischung aus rauen AC/DC-Riffs, verspielten LED-ZEPPELIN-Kompositionen und harmonischen Melodien der Marke HEART, dürfte jeden Hardrock- und Metal-Fan begeistern. Es muss also andere Gründe haben, warum TNPF noch nicht größere Hallen füllt. Vielleicht ist es ja der schrille Gesang von Frontfrau Screaming Loz Sutch, der Musikfreunde abschreckt – oder das inhaltliche Konzept: Sutch bezeichnet sich nämlich als „Imperial Priestess“, als Hexe, die schon seit Jahrhunderten auf der Erde verweilt, die menschlichen Abgründe erforscht und diese in ihren Texten verarbeitet.

Jeder Langspieler widmet sich einem anderen Thema; so stehen bei „Goodnight My Children“ (2024) Märchengeschichten im Fokus, bei der neuen LP „Mondo Tomorrow“ geht es um die Bedrohung durch künstliche Intelligenz. Die skurrilen Albencover und die oftmals aufwändig inszenierten Musikvideos tun ein Übriges, um den Australiern das Prädikat „kauzig“ zu The Neptune Power Federationverleihen. All dies ist gewiss nicht mainstreamtauglich, das Frankfurter Publikum zeigte sich aber im März 2024 an gleicher Stelle begeistert, als THE NEPTUNE POWER FEDERATION dort zum ersten Mal gastierte.

Damals hieß es bereits kurze Zeit nach dem Einlass „Ausverkauft!“, was mich am gestrigen Abend dazu bewegte, möglichst früh vor Ort zu erscheinen. Von einem Publikumsansturm konnte diesmal allerdings keine Rede sein, denn es war ein Montag und so fanden sich letztlich gerade mal etwa 50 Besucher im Keller ein – die meisten davon Metalheads, die wohl aus der Umgebung oder anderen Städten angereist waren, lokale Szenegesichter konnte man an einer Hand abzählen.

The Neptune Power Federation

Die NEPTUNE POWER FEDERATION ist so etwas wie eine australische Super-Group, die sich aus Mitgliedern anderer, zumindest in ihrem Heimatland bekannter Acts rekrutiert. Der bekannteste Name dürfte MORTAL SIN sein, die als erste Thrash-Band aus Down Under gelten, sich 1985 gründeten und deren The Neptune Power FederationDebüt namens „Mayhemic Destruction“ in Europa 1987 über das renommierte Vertigo-Label erschien.

TNPF-Gitarrist Search & DesTroy spielte 1997 bei den bis heute existenten Thrashern. Der zweite Gitarrist Inverted CruciFox und Drummer Mr. Styx waren zuvor beim Punk-Act NANCY VANDAL aktiv und Bassist JayTanic Ritual ist nach wie vor Frontmann der Pop-Punks FRENZAL RHOMB. Aktuell liegt bei allen Beteiligten der Fokus allerdings ganz auf TNPF. Blickfang ist natürlich Screaming Loz Sutch, deren Auftreten und Kostümierung ein wenig an Lene Lovich auf Ecstasy erinnert. Ihr Outfit ist bei jeder Show ein anderes, was vermuten lässt, dass ihr Reisegepäck ein wenig üppiger ausfällt als das ihrer Mitmusiker.

The Neptune Power FederationKonzeptionell entsprach der Auftritt dem von vor zwei Jahren, lediglich die Songauswahl war eine andere: Während die Band noch ohne ihre Frontfrau ein Intro im wabernden Nebel spielte, schritt Loz Sutch majestätisch die Treppe vom Backstageraum hinab und bahnte sich den Weg zur Bühne. Dabei „segnete“ sie einige der erschienenen Jünger im Publikum durch Handauflegen. Das prunkvolle Ballkleid und der magisch leuchtende Kopfschmuck verhinderten, dass sich die Priesterin allzu schnell fortbewegen konnte. Auf dem Podest angekommen, vollführte sie schließlich ein kurzes Ritual mit ätherischen Ölen, benetzte ihre Kehle mit einem Zauberelixier und begann nachfolgend ihre Hexenpredigt, die sie mit Mimik und Gestik eindrucksvoll untermalte.

The Neptune Power Federation

Der Fokus der Setlist lag auf dem just erschienen Album „Mondo Tomorrow“, das besonders abwechslungsreich ausgefallen ist und von 70s-Psychedelic-Rock („Rhapsody in Blue“), über Epic-Metal („The Grip of Death“) bis hin zu schnellen Punk-Rock-Hymnen („And the Bones Decay“) eine erstaunliche Bandbreite liefert. Würde man das Œuvre von COVEN, SWEET und NASHVILLE PUSSY The Neptune Power Federationdurch den Musikwolf drehen und daraus in Frankenstein-Manier eine neue Inkarnation schaffen, so käme vermutlich die NEPTUNE POWER FEDERATION heraus.

Auch die anderen Alben – ausgenommen „Lucifer’s Universe“ – wurden zumindest mit einem Song bedacht, sodass der Auftritt einen illustren Querschnitt des Schaffens der letzten 15 Jahre markierte. Als Zugabe fungierte diesmal der Metal-Klassiker „Metal Health“ von QUIET RIOT (vor zwei Jahren war es „Killed by Death“ von MOTÖRHEAD), der einen kurzweiligen Abend beschloss. Fazit: Wer auf kauzigen Hardrock steht, der mit Punk-, Glam- und Psychedelic-Elementen gewürzt und mit visuellem Spektakel dargeboten wird, dem sei THE NEPTUNE POWER FEDERATION wärmstens ans Herz gelegt.

The Neptune Power Federation

Links: https://www.facebook.com/theneptunepowerfederation/, https://www.instagram.com/theneptunepowerfederation/, https://theneptunepowerfederation.bandcamp.com/, https://www.last.fm/de/music/The+Neptune+Power+Federation

Text & Fotos: Marcus

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