HULDER & GODSKILL

Schlachthof, Wiesbaden, 11.06.2026

HulderEndlich mal wieder Black Metal im Wiesbadener Kesselhaus. In diesem Fall relativ klassischer, also ohne Post-, Avantgarde- oder ähnliche (durchaus reizvolle) Vorzeichen. Einfach die düstere Axt, inklusive Gegenlicht und Rauchschwaden, die das Ganze zum „Ritual“ erklären und nicht zur schnöden „Liveshow“. Lieb’s einfach. Das Tolle daran, wenn so etwas im Schlachthof oder in der benachbarten Kreativfabrik stattfindet: Die nihilistische Düsternis ist politisch stinkerfrei. Treten zum Beispiel im ähnlich weit von Frankfurt entfernten Mannheim Bands mit Panda-Paint im Gesicht und meterlangen Stacheln am Arm auf, während die Bude geflutet wird mit Weihrauch oder ähnlich esoterisch aufgeladenem Rauchwerk, sollte man als Un-oder Halbkundiger ein bisschen Recherchezeit einplanen bei der Menge an sogenannten Grauzonenbands, die dort spielen dürfen.

Das Veranstaltungs-Areal am Wiesbadener Hauptbahnhof bleibt diesbezüglich stabil – BURZUM-Shirts bleiben draußen; MGŁA 2016 als Support von BEHEMOTH führten zur Absage des Konzertes in Wiesbaden, worauf Menschen mit weniger Berührungsängsten gegenüber Rechts gezwungen wurden, in die Kölner Essigfabrik auszuweichen. Die US-Band HULDER, die gestern für ein am Ende gut gefülltes Kesselhaus sorgte, tourte bereits 2024 Godskilldurch Europa und Deutschland – ins Rhein/Main-Gebiet verschlägt es sie (meines Wissens) zum ersten Mal.

Ganz anders der Support GODSKILL aus Heilbronn, der bereits 2025 in Frankfurt im Ponyhof gastierte. GODSKILL durchliefen mit ihren bisher fünf Veröffentlichungen seit Gründung 2011 (zwei EPs, drei LPs) eine interessante Metamorphose: vom Death Metal, der ab der zweiten LP bereits dezent angeschwärzt war, bis zum Black Metal der aktuellen Veröffentlichung „Unterm scharlachroten Mond“. Standen oder saßen die Urmitglieder Urs (Bass), Berni (Drums) und Timo aka Seelenmesse (Gitarre, Gesang) also auf früheren Live-Fotos noch bodenständig ungeschminkt auf den Bühnen, wird inzwischen das ganz große BM-Kino präsentiert – musikalisch ebenso wie optisch.

Godskill

Die Neuzugänge Kalt (Gesang, seit 2024) sowie Pest (Gitarre, seit 2026 – beide spielten vorher bei den Death-Doomern WOODS OF GRIEF) fügen sich da perfekt ein, vor allem Sänger Kalt überlässt nichts dem Zufall: Zu Beginn der Show „segnet“ er erstmal seine Bandkollegen sowie das Publikum. Er heißt die GodskillAnwesenden „zu unserer Schwarzen Messe willkommen“ und kündigt an: „Die nächsten drei Stücke sind von unserer aktuellen Offenbarung“.

Trotz der drapierten illuminierten Schädel, die eher an eine Geisterbahn denken lassen als Friedhofsatmosphäre aufkommen zu lassen, mutiert hier nichts zu „Fiesbaden“. Kalt huldigt bei seiner Performance unentwegt Kräften, die augenscheinlich eher oben als unten zu finden sind; schwenkt dabei Weihrauch durch den eigentlich rauchfreien Saal und illustriert zum Ende hin noch etwas mit einer Grubenlampe. Das ist alles weder gruselig noch Ehrfurcht gebietend, aber egal: Die letzte EP sowie die LP „III – Nazarene Sickness“, welche den Großteil des in 40 Minuten gespielten Materials darstellen, ist über alle Zweifel erhaben. Und ehrlich: Mir sind inzwischen Performer, die sich nach dem Gig auf Augenhöhe mit den Fans unterhalten, lieber als musikalische Innovatoren, die z. B. das Publikum in Tierblut baden. Kann man gerne anders sehen. Ich hab GODSKILL jedenfalls gefeiert, gerne wieder.

Dass HULDER nochmal ein anderes musikalisches Kaliber sind, zeigt sich im Besonderen an dem auf dieser Tour vorgestellten Tonträger „Verbolgen“, der allerdings erst am 7. August 2026 bei Season Of Mist erscheint (ich konnte das Album bereits hören). Drei Stücke stellte die als Marliese Beeuwsaert/Marliese Osborne in Belgien geborene Hulder davon den Wiesbadenern zur Diskussion, Hulderden Großteil ihres Sets dominierten Werke des Vorgängeralbums „Verses In Oath“ (2024), auch klasse.

Nach ihren musikalischen Anfängen als Sängerin und Gitarristin bei BLEEDER etablierte die inzwischen in Portland, Oregon, lebende Hulder die gleichnamige Band anfänglich als Solo-Projekt, bei dem sie alles bis 2025 selber aufnahm und live mit Mietmusikern durch die Lande zog. Das hat sich seit dem letzten Jahr geändert: Der Bassist und Background-Vokalist Necreon aka Sam Osborne (Neffe von Buzz Osborne/MELVINS) ist offizielles Bandmitglied und Ehemann. Weitere Unterstützung live wie auf Platte kommt von Kraftpaket und Schlagzeuger Vapula sowie vom Gitarristen und Multiinstrumentalisten Keld.

Hulder

Nach einer Umbaupause, die fast ebenso lang war wie der Auftritt von GODSKILL vorher, starten HULDER mit dem 2025 veröffentlichten Non-Album-Track „A Beacon From Darkened Skies“ – Ranken um ihr Mikrofon und die dynamisch anwachsende Raserei in Verwandtschaft zum Cascadian Black Metal (HULDERs erste Aufnahmen standen noch knietief in der Tradition Huldernorwegischer Genregrößen) verdeutlichen den spirituellen Charakter der Musik weit mehr, als dies den Openern GODSKILL gelang.

Hulder steigert ihre Performance im Verlauf der Show fast ins Trancehafte, kontrastiert von ihrem Gatten zu ihrer Linken, der den Blick ins immer mehr tobende Publikum schweifen lässt und mit Posen oder Gesten mit diesem auch interagiert. Am Ende der knapp 50-minütigen Show war Hulders Erschöpfung nach herausragender Intensität in Gesang wie Spiel spürbar – Necreon wirkte wie eine auffangende Erdung, als er sie zur Seitenbühne begleitete. Ich war zwar etwas weniger beeindruckt als von Gastspielen von ULTHA, WOLVENNEST oder WITCH CLUB SATAN an dieser oder anderen Stellen, aber: Das war alles sehr erlesen und machte mir einen Riesenspaß. Ich bin sicher, dass künftig von HULDER noch einiges kommen wird.

Hulder

Links: https://www.godskill.de/, https://www.instagram.com/godskill_official/, https://www.youtube.com/channel/godskill, https://godskill.bandcamp.com/music, https://www.last.fm/de/music/Godskill, https://hulder-official.com/, https://www.instagram.com/hulder_official/, https://www.youtube.com/channel/hulder, https://hulder.bandcamp.com/music, https://www.last.fm/de/music/Hulder

Text & Fotos: Micha

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