Nachtleben, Frankfurt, 3.06.2025
„Die Achtziger waren schon geil!“ ist das Motto des YouTube-Kanals Glotzbuster, der Filme, Serien und TV-Shows aus ebenjener Epoche in den Fokus rückt. Diese Maxime kann auch ich voll und ganz unterschreiben, wobei es mir besonders die Musik der 1980er Jahre angetan hat. Punk, Wave, Gothic, Post-Punk, NDW und vor allem Hardrock und Heavy Metal erlebten damals ihre Hochphase. Besonders in den letzten beiden Genres war ich zu jener Zeit bis zum Ende der Dekade zu Hause, wobei ich hauptsächlich den US-Metal favorisierte. Acts wie MANOWAR, OMEN, JAG PANZER, MANILLA ROAD, TYRANT, WARLORD, JUGGERNAUT und CIRITH UNGOL brachten damals die Diamantnadel meines Plattenspielers zum Glühen. Ende der Achtziger war die Bewegung nahezu tot und wurde vom seelenlosen, überproduzierten Nu-
Metal abgelöst, womit sich das Kapitel Metal für mich erledigt hatte.
Doch Trends kehren zurück und so geschah es, dass sich im neuen Jahrtausend Gruppen gründeten, die sich auf den traditionellen, schnörkellosen und hymnischen Metal-Sound der Achtziger besannen, was die Sache für mich wieder interessant machte. Mit SAVAGE MASTER und SANHEDRIN gastierten am gestrigen Abend gleich zwei derzeit besonders angesagte Vertreter des Genres in Frankfurt am Main, die einerseits viel gemein haben, aber andererseits doch ganz unterschiedlich wahrgenommen wurden. Umso erstaunlicher war es, dass der Gig nur rund hundert Zuschauer in die Location an der Konstablerwache locken konnte.

Als Opener fungierte die aus Brooklyn, New York City, stammende Formation SANHEDRIN, die seit 2015 existiert und bis dato auf vier Alben zurückblickt. Das jüngste, „Heat Lightning“, erschien in diesem Jahr auf dem Kultlabel Metal Blade, was schon mal als Ritterschlag verstanden werden kann. Das Trio besteht
aus gestandenen Musikern der New Yorker Metal-Szene, darunter Gitarrist Jeremy Sosville, der zwischen 2012 und 2024 auch bei BLACK ANVIL (wir berichteten hier) die Axt schwang, und Sängerin und Bassistin Erica Stoltz, die auch mal Teil der Kultband HAMMERS OF MISFORTUNE war.
Die Amerikaner sind ein Power-Trio, das eine Melange aus Hardrock und Metal darbietet und mit exzellenten Liedern aufwartet, die von der herausragenden Stimme von Erica dominiert werden. SANHEDRIN erinnern bei softeren Nummern an SHOCKING BLUE oder HEART und bei härteren Tracks an CHASTAIN, HELLION oder BLACK LACE. Und tatsächlich muss man dem Trio zugestehen, dass es Songs schreibt, die von ihrer Klasse und Atmosphäre durchaus an Acts wie DIO und QUEENSRYCHE heranreichen.
Live zeigte sich das Trio äußert routiniert. Präsentiert wurden elf Stücke, von denen das Gros vom aktuellen Album stammte, aber auch von den anderen drei Scheiben fanden sich einige Lieder in der Setlist wieder. Die Mixtur war äußerst
abwechslungsreich, Mid-Tempo, Up-Tempo und Rockballaden wurden so kombiniert, dass sie einen kurzweiligen Auftritt garantierten. Besondere Show-Elemente gab es bei SANHEDRIN nicht – die Songs sprachen für sich und schließlich sollte ja später noch der Headliner SAVAGE MASTER folgen, der einige Schauwerte zu bieten hat.
Unter dem Strich war’s ein imposanter Auftritt der New Yorker, der jeden Fan der weiter oben genannten Formationen begeistert haben dürfte. Als Anspieltipp und Einstieg in das Universum von SANHEDRIN sei der Song „Scythian Women“ vom „Lights On“-Album aus dem Jahr 2022 genannt, der perfekt die musikalische Magie der Band verdeutlicht.

Nach einer kurzen Umbaupause wurde es dunkel im Saal. Ein stimmungsvolles Intro ertönte und vier mit Sackmasken vermummte Hünen betraten, gefolgt von Frontfrau Stacey Savage, die Bühne – die Zeit von SAVAGE MASTER war gekommen! Die aus Louisville in Kentucky stammende Truppe
blickt auf eine eher ungewöhnliche Entstehungsgeschichte zurück, bei der die Punkrock-Band THE HOOKERS (siehe unsere Review hier) mit der Metal-Sirene Stacey Savage eine unheilige Allianz einging. Diese begab sich im Jahr 2013 und war dermaßen erfolgreich, dass die HOOKERS seither auf Eis liegen.
Wie mir der HOOKERS-Shouter und SAVAGE-MASTER-Bassist Adam Neal nach dem Gig verriet, sollen im September jedoch einige HOOKERS-Gigs in Deutschland stattfinden. Die Verschmelzung von Metal und Punk mag auf den ersten Blick ungewöhnlich anmuten, doch die HOOKERS hatten schon immer einen Hang zu okkulten Themen und diese sind nun auch Teil des Konzepts von SAVAGE MASTER. Wirft man einen Blick auf
das letzte HOOKERS-Video „The Devil’s Wedding Night“ von 2015, so wird deutlich, dass der schnelle Südstaaten-Punkrock nicht weit vom traditionellen 80s-Metal entfernt ist.
Mit SAVAGE MASTER wurden die Horror-Elemente ausgeweitet, die Band versteht sich als visuelle Hommage an die frühen europäischen Gothic-Horror-Filme der Herren Jess Franco („Das Blutgericht der gequälten Frauen“), Paul Naschy („Der Totenchor der Knochenmänner“), Amando de Ossorio (Die Nacht der reitenden Leichen“) und anderen, deren Schaffen auch unter dem Begriff Eurotrash firmiert. Für Freunde des Horrors und jener Streifen stellen SAVAGE MASTER mit ihren inzwischen fünf Longplayern ein Füllhorn aus Referenzen an alte Filme dar, die in ihren Songs zum Leben erwachen.
Dementsprechend sah auch die Live-Performance des Quintetts aus: Stacey wechselte gelegentlich ihre Outfits und hantierte – stets zum Songtitel passend – mit allerlei Utensilien. Zum Einsatz kamen unter anderem ein mit Blut gefüllter Kelch, eine Peitsche, ein Opferdolch, ein Kerzenleuchter und sogar der
Leibhaftige selbst ließ sich mal auf der Bühne blicken. Höhepunkte des Gigs waren Stücke wie „With Whips and Chains“, „Child of the Witch“, „Ripper in Black“ und „Ready to Sin“. Dank der Show-Elemente wurde es zu keiner Zeit langweilig und Staceys Stimme wirkte live noch weitaus kräftiger und brachialer als auf den Alben – ein Auftritt, der keine Wünsche offen ließ.
Summa summarum erlebten wir einen äußerst kurzweiligen Abend mit einem Double-Package, bei dem beide Acts auf ihre eigene Weise brillierten. Die Präferenz des Publikums dürfte sich daher am inhaltlichen Kontext (Mystik oder Horror-Trash) oder am Organ der jeweiligen Frontfrau (düster/mystisch oder aggressiv/fauchend) festgemacht haben. Für mich als Freund des Horrors und der Metal-Klischees hatten SAVAGE MASTER die Nase vorn.
Links: https://www.sanhedrin.nyc/, https://www.facebook.com/sanhedrinband/, https://www.instagram.com/sanhedrin_official/, https://thesanhedrin.bandcamp.com/music, https://www.last.fm/de/music/Sanhedrin, https://www.facebook.com/savagemasterofficial/, https://www.instagram.com/savagemaster_official/, https://savagemasterofficial.bandcamp.com/music, https://www.last.fm/de/music/Savage+Master
Text: Marcus / Fotos: Micha
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