Centralstation Darmstadt, 20.09.2012
CALEXICO. So richtig hatte ich die nie auf dem Schirm, wohl auch, weil ich „Americana“ im weitesten Sinne noch nicht soo lange höre, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Von GIANT SAND kenne ich ein wenig, denen die beiden CALEXICO-Masterminds Joey Burns (Gesang & Gitarre) und John Convertino (Drums & Percussion) bis Mitte/Ende der Neunziger Jahre angehörten. Von CALEXICO kam mir bisher nur das Album „Garden Ruin“ zu Ohr, wohl nicht ihr typischstes Werk. Dieses gefiel mir jedoch so gut, dass ich die Band danach schon immer mal sehen wollte. Aufzählen oder gar mitsingen könnte ich die Songs aber nicht.
Als sich die US-Amerikaner in diesem Herbst gleich für zwei Shows im Rhein/ Main–Gebiet ankündigten (eben am 20.9. in der Centralstation sowie am 18.11. im Wiesbadener Schlachthof) war es für mich völlig klar, nach Darmstadt zu
fahren. Erstens, weil ich sie danach bei totaler Begeisterung nochmal sehen kann. Zweitens wegen Laura Gibson (Foto links) im Vorprogramm. Die spielt nämlich in der Landeshauptstadt nicht und ist schon allein den Besuch wert. Das weiß ich seit Dezember 2009, als ich sie in der Brotfabrik in Frankfurt-Hausen sah.Damals: Begleitet als Vorgruppe und Backing Band von MUSEE MECANIQUE. Sehr getragen und ernsthaft, das Ganze. Die Sängerin aus Oregon wirkte
eingeschüchtert wie ein Schulmädchen beim ersten Auftritt; vielleicht, weil die Besucheranzahl sich noch ganz schön in Grenzen hielt. Jetzt: Gibson kommt mit kompletter Band (Trompete oder Gitarre, Schlagzeug, Steel Gitarre oder Bass). Sie wirkt locker, souverän, aufgeräumt – obwohl die Halle schon ziemlich gefüllt ist und viele der Anwesenden (obwohl ihr Name auf der Eintrittskarte stand) nicht mit ihr gerechnet hatten. (Ein Besucher: „Sind das Calexico?“ Ich: „Nein. Das ist Laura Gibson.“ Besucher: „Und wann spielen Calexico?“ Ich: „Danach.“). Sie sprach viel mit dem Publikum, stellte ihre Leute vor und bedankte sich für den stetig ansteigenden Applaus.„La Grande“, Titelsong des aktuellen Albums, eröffnete und tut das aufgrund seiner besonderen und mitreißenden Rhythmik sowohl auf Platte wie auch live perfekt. Das
Gros ihrer Stücke ist schon sehr ruhig, was sie den Fans von CALEXICO aber in ihrer halben Stunde Spielzeit nicht unbedingt zumuten wollte und wohl deswegen mit „Spirited“ auch den, nun ja, „aufregendsten“ Song vom 2009er Album „Beasts Of Seasons“ kredenzte. Bei „All The Pretty Horses“ holte sie noch Joey Burns zum Duett auf die Bühne (Foto oben); und man darf annehmen, dass dessen überschwängliche Sympathie-Bekundungen letztlich den Namen Laura Gibson auch allen seinen Anhängern auf die Festplatte brannte.
Nachdem der CALEXICO-Bassist Volker Zander auch noch mal unterstützen durfte, war nach 30 Minuten erst mal Schluss und ein Umbau begann, der genauso lang dauerte wie das eben erlebte Konzert. In dieser halben Stunde füllte sich der Raum beträchtlich. Es wurde vorne immer mehr geschoben und gedrückt, die Theken waren schwerer erreichbar und viele rückten gar nicht mehr vom Eingangsbereich ab.
Als CALEXICO dann endlich gegen 21.30 Uhr begannen, enterten erst Burns und Convertino die Bühne und rannten bei den frenetisch abfeiernden Fans (deren Alter lag geschätzt zwischen 20 und 60) offene Türen ein. Als dann alle an Bord waren wurde gespielt. Mal mehr mit Gitarre, mal mehr mit den Trompeten… Mal mehr englisch, mal mehr spanisch… Irgendwann merkte ich, dass ich hier ein leichtes Problem hatte. Nämlich, dass ich auf der einen Seite alle auf und vor der Bühne sehr sympathisch und das Dargebotene äußerst nett fand.
Ich bemerkte, dass alle Riesenspaß hatten und sich gut amüsierten, während ich auf ekzessivere Tempiwechsel, Trompetenpunk und ein wenig Gitarrengewichse hoffte, nur so zur Abwechslung. Ich schaute immer öfter zur Uhr und entschied, spätestens um halb zwölf den Zug nach Frankfurt zu nehmen, egal, ob die Band dann noch spielt oder nicht. Denn wie meint meine Kollegin immer: „ ‚Nett’ ist der kleine Bruder von ‚Scheiße’!“
Soweit würde ich nie und nimmer gehen. Ich habe mir wohl nur einfach etwas anderes vorgestellt, weil ich Burns und Convertino immer, durch ihre zahllosen Kollaborationen mit allen möglichen Künstlern, als „Grenzgänger“
begriffen und gehofft habe, dass sich das auch auf so ein Konzert niederschlägt. Ich habe das aber leider nicht so wahrgenommen. Ich fühlte mich zunehmend an den „Buena Vista Social Club“ erinnert und wollte nur noch heim, daran änderte auch Laura Gibson’s Gegenbesuch bei CALEXICO gegen 23 Uhr im dritten Song der ersten Zugabe nichts mehr. Ich schlenderte zur Bahn. Nach Wiesbaden fahre ich dann wohl nicht im November.Links: http://www.casadecalexico.com/, http://www.myspace.com/casadecalexico, http://www.lauragibsonmusic.com/, http://www.myspace.com/lauragibson
Text & Fotos: Micha
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