GOD IS AN ASTRONAUT

Das Bett, Frankfurt, 24.03.2026

God Is An AstronautEs gibt Texte, die zu schreiben mir manchmal sehr schwer fällt. Aus unterschiedlichen Gründen. Bei diesem hier geht es nicht darum, Missfallen gegenüber dem Erlebten an diesem Konzertabend im Frankfurter Club „Das Bett“ zu formulieren – was ich generell ungern tue, wenn es nicht wirklich relevant ist. Ganz im Gegenteil. Das Konzert der irischen Formation GOD IS AN ASTRONAUT, bestehend seit 2002 mit dem personellen Kern Torsten Kinsella (Gitarre, Gesang, manchmal Keyboard) sowie seinem Zwillingsbruder Niels Kinsella (Bass, manchmal Gitarre, Visuals) faszinierte mehr noch als der Genuss der Platten, die ich mir in den letzten Monaten anhörte. Das waren noch nicht alle – die Diskografie der Band besteht bisher aus zwölf Studioalben plus diversen, teilweise in Eigenregie veröffentlichten Live-Platten und EPs.

Aufmerksam wurde ich auf sie durch mein Fanboytum Jo Quail betreffend – die englische Cellistin (über die wir ein paar Mal in diesem Blog berichtet haben) teilte die Bühne sowie das Studio bereits mit den Iren. Wegen ihres Mitwirkens erstand ich vor einiger Zeit den Mitschnitt vom Dunkfest 2023 und hatte damit God Is An Astronautdie nun aufspielende Band erst mehr als 20 Jahre nach ihrer Gründung auf dem Schirm. Besser spät als nie.

Dass Jo Quail als Mitwirkende im Programm des Veranstaltungsortes „Das Bett“ verlinkt war, ließ mich innerlich ausrasten – in Frankfurt gastierte sie schließlich noch nie. Ein Blick auf ihre Homepage verriet allerdings, dass sie an diesem Tag in Belgien ein Headlinerset spielt. Naja, Schwamm drüber. Der (mehr oder weniger) instrumentale Rock von GOD IS AN ASTRONAUT kommt auch ohne ihr Mitwirken aus, wie man vor Ort feststellen konnte. Auch ohne weitere Gäste. Selbst ohne Lloyd Hanney, der 23 Jahre bei GIAA hinter den Kesseln saß und nun durch einen anderen Drummer ersetzt wurde. Dieser fungiert anscheinend nicht als offizielles Bandmitglied, God Is An Astronautweil er auf den offiziellen Seiten nirgendwo namentlich erwähnt wird. Was sehr schade ist, wirkte er mit seiner Spielfreude und seinem Enthusiasmus doch mehr als happy, diesen Sound mitgestalten zu können. Möglicherweise hat Torsten Kinsella ihn bei einer seiner beiden Ansprachen an das Publikum vorgestellt – falls dem so ist, war das während meines Toilettengangs und ich habe es deshalb nicht mitbekommen.

God Is An Astronaut

Ohne dass mir in den vergangenen Wochen irgendwelche Plakatierungen zu diesem Konzert aufgefallen wären, war es meiner Wahrnehmung nach ziemlich gut besucht, allerdings mit genug Luft zwischen dem Publikum um auch mal die Seite wechseln zu können. Wobei der Blick von ganz hinten der beste war, um God Is An Astronautdie stimmungsvollen Lichtmalereien zu genießen während vorn die Technik-Nerds beim Studieren der Pedalen sowie der Grifftechniken mehr auf ihre Kosten kamen.

Gegen 19.45 Uhr begann eine stetig wachsende Soundwand vom Band auf den Eintritt des Trios vorzubereiten, die kurz vor 20 Uhr so dermaßen anschwoll, dass ich den Verzicht auf meine Ohrstöpsel zu beklagen begann. Um Punkt Acht erschienen unter dem Beifall der Anwesenden Niels Kinsella sowie der neue Schlagzeuger, während Torsten Kinsella noch ein wenig am Eingang verharrte um als Letzter, von Jubel flankiert, seinen Platz einzunehmen, dabei kurz freundlich in die ersten Reihen nickend.

God Is An AstronautMit „Falling Leaves“ vom noch aktuellen Album „Embers“ (2024) begann die Vorstellung, rot illuminiert mit immer mal wieder durchfräsenden, hellblauen Strahlen. Ein Song, den die Kinsella-Brüder für ihren unlängst verstorbenen Vater schrieben, der die Formation auf unterschiedliche Weisen stets unterstützte. „Epitaph“ vom gleichnamigen Album (2018) folgte, auch hier stand ein tragischer Todesfall in der Familie Pate, Näheres dazu hier. Laut Setlist.fm variierten GIAA ihr Programm während der Tour nicht, überall kam man wohl in den gleichen Genuss, der seinen Schwerpunkt auf „Embers“ hatte (fünf Stücke) sowie einen weiteren auf „All Is Violent, All Is Bright“ (2005, neu und live eingespielt 2021, vier Stücke).

God Is An AstronautMeiner Auffassung nach hatte die Darbietung erheblich mehr Härte, als ich sie meist auf den Platten wahrgenommen hatte: Ihr cineastischer, ausufernder Rock erinnert mich trotz der Gitarren-Dominanz von der Stimmung her sehr an die Elektroniker TANGERINE DREAM, live klangen sie mehr wie ALCEST minus dem Metal. Wozu auch Torstens Gesang beitrug, der von vielen nicht als solcher identifiziert wird, sondern eher als eine elektronische Sounduntermalung.

Wie auch immer: Der 95-minütige Auftritt, der mit „From Dust To The Beyond“ vom Debüt „The End Of The Beginning“ (2002) endete, war ein still bewegender und unendlich faszinierender. Der nahbare Torsten unterhielt sich während des Abbaus noch mit einigen Fans, während der Rest den Merchstand annähernd God Is An Astronautleer kaufte. Eigentlich hätte ein „Danke sehr für diesen großartigen Abend“ ja gereicht als Konzertkritik, alles andere erscheint mir selber wie reine Zeilenschinderei. Bleibt die Empfehlung, GOD IS AN ASTRONAUT niemals wieder zu verpassen, wenn sie irgendwo in erreichbarer Nähe aufspielen. Selbst ohne die wunderbare Jo Quail.

Links: https://www.facebook.com/godiaa/https://www.instagram.com/giaa_band/https://www.youtube.com/c/giaa_bandhttps://god-is-an-astronaut.bandcamp.com/https://www.last.fm/de/music/God+Is+an+Astronaut

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