SEAN K. PRESTON, HYPAAKTIV+, COPY CATS, WONK UNIT, BUBONIX, THE GUILT

AU-Sommerfest, Frankfurt, 7.06.2025

The GuiltZu den Höhepunkten eines jeden Konzertjahres gehört das traditionelle Sommerfest in der Frankfurter AU. Auch dieses Mal standen mit Sean K. Preston, HYPAAKTIV+, COPY CATS, WONK UNIT, BUBONIX und dem Headliner THE GUILT (Foto links) wieder sechs Acts auf der Bühne. Nachdem es bei den vergangenen beiden Ausgaben des kleinen Festivals keine Minute geregnet hatte und die Besucher zeitweise sogar von der Sonne verwöhnt wurden, war klar: Diese Serie kann nicht ewig halten. Prompt gab es wieder Schmuddelwetter mit gelegentlichen Schauern, Nieselregen und Windboen. Wer aber gedacht hatte, dass die Wettervorhersage viele Konzertgänger vom Besuch des Festes abhalten würde, sah sich getäuscht: Es war voll wie eh und je, die Stimmung trotz mancher Regenschirm-Phase ausgelassen und außerdem sind wir ja alle nicht aus Zucker!

Der musikalische Reigen begann – wie immer püntlich um 17 Uhr – mit dem Solokünstler Sean K. Preston aus Baltimore (USA). Dass wir den Mann mit den pinkfarbenen Haarsträhnen auf dem AU-Fest erleben konnten, war dem Umstand geschuldet, dass er schon vor vielen Monaten für einen Auftritt am Sean K. Prestongleichen Abend im Club Dreikönigskeller gebucht worden war. Da sich die Szene erfahrungsgemäß aber am ersten Samstag im Juni auf der Freifläche hinter dem Haus „In der Au 14“ versammelt, fürchteten die Betreiber eine schlechte Besucherresonanz und konnten den Amerikaner erfreulicherweise auf das Festival „umbuchen“.

Sean K. Preston

Preston tourt derzeit allein mit seiner Gitarre durch Europa, er war aber auch schon mit Unterstützung als „Sean K. Preston & THE LOADED PISTOLS“ unterwegs. Der Mann aus dem US-Bundesstaat Maryland mischt Elemente des Country Blues, Gospel, Honkytonk, Rockabilly und Punk zu einem ganz eigenen Sound, der mich sogleich fesselte. Außerdem keimte mit wachsender Dauer des Gigs in mir der Wunsch, nach der Show Tonträger für den Hausgebrauch zu Sean K. Prestonerstehen. Doch als hätte er meine Gedanken gelesen, erzählte Preston etwas später, dass er eine schlechte Nachricht für uns (das Publikum) habe: Alle seine CDs seien leider vergriffen, „all gone“. Und da er auch eine Abneigung gegen Spotify hege („F**k Spotify!“) sollten wir seine Musik besser hier und jetzt genießen. Gesagt, getan – ich habe selten, vielleicht nie, einen besseren Opener für das AU-Fest gesehen. Und sollte der ursprünglich geplante Auftritt im Dreikönigskeller bei der nächsten Tour stattfinden, bin ich ganz sicher am Start.

HypaAktiv+Erfahrene AU-Fest-Besucher wissen, dass sich in jedem Jahr eine klassische

HypaAktiv+

Deutschpunk-Band im Line-up des Festivals wiederfindet. Anno 2025 waren dies die Street-Punks HYPAAKTIV+, die in der AU keine Unbekannten sind. Die Jungs aus Nürnberg und Fürth gastierten bereits im März 2024 an gleicher Stelle, allerdings im Rahmen eines Club-Konzerts, bei dem THE FORGOTTEN YOUTH als Opener fungierten und hinterließen damals einen guten Eindruck. Die Formation existiert seit 2011 und blickt aktuell auf drei HypaAktiv+Longplayer und eine EP zurück. Nun hatte das Quintett den Sprung auf die wesentlich größere Freilichtbühne geschafft und sorgte dort mit klassischem Oldschool-Deutschpunk für Partystimmung. Fans von Acts wie SLIME, TOXOPLASMA, DAILY TERROR und HASS hatten dabei ihre helle Freude.

Ungewöhnlich war, dass HYPAAKTIV+ mit zwei Sängern agierten, was nicht nur visuell, sondern auch stimmlich den oftmals eng gesteckten Rahmen des Deutschpunk-Genres sprengte. Apropos Deutschpunk – nicht alle Songs der Mittelfranken wurden in Deutsch präsentiert, es gab auch Lieder in englischer Sprache. Und für den Fall, dass einer der beiden Frontleute mal gerade Pause hatte, hatte sich der Fünfer einen Liegestuhl mit auf die Bühne gebracht, in dem man gemütlich trinken und relaxen konnte.HypaAktiv+ HYPAAKTIV+ waren zudem die einzige Band des Abends, deren Frontleute nicht nur die Bühne selbst, sondern auch den Bereich davor als Ort der Performance nutzten. Dies war gegen 18 Uhr, als HYPAAKTIV+ ihren Gig spielten, noch möglich, bei Anbruch der Dunkelheit füllte sich zusehends der Platz vor der Bühne. Die Mittelfranken waren meine Lieblingsband des Abends, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass das Line-up in diesem Jahr sehr abwechslungsreich war und für unterschiedliche Geschmäcker etwas zu bieten hatte.

HypaAktiv+

Als nächstes sollten ursprünglich die Schlagerpunks DEAD END KIDS aus Dresden und Leipzig folgen, doch die hatten kurzfristig absagen müssen, sodass die Lokalmatadore der COPY CATS einsprangen. Der Tausch kam mir durchaus gelegen, ist mir doch räudiger Rock’n’Roll stets lieber als pseudowitziger Copy CatsSchunkel-Punk. Die COPY CATS gibt es mittlerweile seit über drei Dekaden, 2026 feiern sie ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum.

Copy Cats

Damit dürfte das Quartett zu den dienstältesten Acts aus Frankfurt gehören. Konzerte der Band sind aufgrund der mitreißenden Lieder stets eine große Fete und dies war auch am gestrigen Abend nicht anders. Die Kultcombo aus Mainhattan brannte ein Feuerwerk an rasanten Kick-Ass-Songs ab, die stets vom markanten Organ von Frontfrau Silke geprägt waren und für eine feucht-fröhliche Party im Publikum sorgten. Aufgrund der abspeckten Setlist – bei Headliner-Gigs liefert das Quartett gut und gern auch eineinhalb Stunden ab – Copy Catskonzentrierte sich die Truppe ausschließlich auf eigene Stücke wie beispielsweise „Sex, School, Homework“ (gleich als Opener) und „Vampirella“, die bekannten Cover von u. a. ROSE TATTOO und den RAMONES fanden sich daher nicht in der Songliste wieder. Spaß gemacht hat’s trotzdem – und einen Nachschlag gibt es am 27. Dezember im Dreikönigskeller, wenn die COPY CATS dort ihren traditionellen Gig zum Jahresende spielen.

Au-Fest 2025

Dann wurde es Zeit für die Londoner Punkrocker WONK UNIT. Im Grunde war ich vorbereitet, denn die Gruppe polarisiert im Bekanntenkreis. Einige finden sie fürchterlich, andere schwärmen. Meines Wissens hat die bereits vor 20 Jahren gegründete Combo schon mindestens zwei Mal im AU-Keller gespielt – ich hatte Wonk Unitsie stets verpasst. Musikalisch war das dann schon in Ordnung, was lautstark an

Wonk Unit

meine Ohren drang. Was mir aber binnen kürzester Zeit übel aufstieß: Nach j-e-d-e-m Song meinte der Sänger und Bandchef Alex ‚Daddy‘ Wonk eine Geschichte loswerden zu müssen. Da ging es um seine Augenbrauen. Und um Zahnpasta. Und andere wichtige Dinge. Sicher, die Truppe gilt als „eine in Europa einzigartige Band mit eigenem Sound und eigenem Humor“ (Facebook)Wonk Unit – und ich verstehe es, wenn sie als Headliner unbegrenzt Zeit hat, das Publikum neben ihren Songs auch mit ellenlangen Erzählungen voll typisch britischen Witzes zu bespaßen. Die Koexistenz von Punkrock und Spoken Word gehört wohl zum Programm einer WONK UNIT-Show, aber hier musste ein rigider Zeitplan eingehalten werden, mehr als 50 Minuten Spielzeit waren nicht drin. Und so sah ich jede Menge kostbare Festivalzeit dahinschwinden für Anekdoten, die nicht jeder wissen wollte und sprachlich nicht jeder verstehen konnte; gefühlt wurde die Hälfte des Auftritts „verbabbelt“. Dennoch: Wenn die Gruppe dann mal ins Rollen kam, hatten die Leute im Moshpit eine Menge Spaß, auch Crowdsurfing war des Öfteren zu sehen. Mir war der Gig aufgrund der ständigen Erzählpausen zu zerfahren und auch die nächste Kellersause werde ich daher wohl versäumen.

Wonk Unit

BUBONIX, das steht für Hardcore mit Tradition. Die Gruppe aus Limburg an der Lahn ist schon seit mehr als 30 Jahren im Geschäft. Ende der Neunziger bis Mitte der 2000er Jahre war das Quintett in aller Munde, ich hatte 2004 zuletzt das Live-Vergnügen. Nach der dritten Platte „Capsaicin“ (2008) wurde es viele BubonixJahre ruhig um die Truppe – bis Ende 2022 eine Reunion mit

Bubonix

neuer Scheibe angekündigt wurde. Die kam 2023 heraus, heißt „Through the Eyes“, und wartet mit englisch und deutsch gesungenen Brechern wie „Fear of Death“ (großartiger Clip dazu hier), „Affensauna“ und „Paid Out With Hate“ auf. Ich war vor dem Auftritt gespannt, ob und wie der Zahn der Zeit an den Jungs genagt haben würde. Hatte man nun Altherren-HC zu erwarten? Natürlich nicht. Erstaunlicherweise hat die Formation nichts von ihrer Energie eingebüßt – ihre BubonixLive-Show, die Sprünge des Sängers und der Gitarristen, der aggressive Rhythmus, ich fühlte mich direkt zurück in die Vergangenheit versetzt.

Frontmann Thorsten Polomski hielt ein – kurzes – Plädoyer für Vielfalt und gegen Rassismus, bedankte sich bei den Organisatoren des Festes dafür, „dass wir hier spielen dürfen“ (wir haben zu danken) und stimmte einen Sprechchor für die AU an. „AU, AU, AU, AU“ – es war einer jener Gänsehautmomente, die (fast) jedes Sommerfest bereithält. Beim Song „Vollgas“ vom Debüt-Album „… From Inside“ (2002) wurde ein textsicherer AU-Besucher aus den ersten Reihen auf die Bühne geholt; dieser erledigte die Aufgabe äußerst souverän (auch im Clip ganz unten zu sehen). Für mich war der kurzweilige, schweißtreibende BUBONIX-Auftritt mit ungezähltem Stagediving (auf dem Foto unten der Sänger höchstselbst) der Hingucker dieses AU-Festes.

Au-Fest 2025

Als letzte Band des Abends und somit als Headliner des diesjährigen Festivals betrat das schwedische Girls-Duo THE GUILT, bestehend aus Emma (Vocals & Machines) und Lizzy (Gitarre & Bass), die Bühne. Die Musik der beiden wird in einschlägigen Foren mit mannigfaltigen Beschreibungen bedacht, von Electro-Cunt-Punk über Riot-Grrrl-Electroclash bis hin zu Dark-Wave-Riot-Disco-Punk The Guiltist da die Rede. All dies klingt recht spannend, die Realität war indes eher ernüchternd.

The Guilt

THE GUILT waren nämlich a) wenig originell und b) auf die Dauer und aufgrund ihrer eingeschränkten Instrumentierung recht monoton. Doch von Anfang an: THE GUILT haben sich 2016 gegründet und seitdem zwei Longplayer veröffentlicht. Kopf der Band aus Malmö ist Sängerin Emma, die seither mit jeweils einem weiteren Bandmitglied das Projekt betreibt, wobei die The GuiltPosition des Sidekicks bereits mehrmals neu besetzt wurde. Aktuell wird Emma von Gitarristin Lizzy begleitet, die optisch recht gut mit ihr harmoniert – beide treten in schwarz auf und wirken wie gruftige Inkarnationen von Cyndi Lauper, wild, durchgeknallt und stets agil wie die Duracellhasen. Das Gros der Musik kam vom Laptop, dunkle Beats, mal schneller, mal langsamer. Emmas Gesang weckte bei mir hier und da Erinnerungen an Lene Lovich, musikalisch war’s eine kommerzialisierte und tanzbare Variante von Alan Vegas SUICIDE oder auch eine Mixtur aus SCOOTER und den WHITE STRIPES. Ich hätte die Girls eher als Opener des Festivals gesehen und die BUBONIX als Headliner, aber zu später Stunde funktionierte das Ganze durchaus und wer gerne tanzt, der kam hier auf seine Kosten.

The Guilt

Unter dem Strich war es eins der abwechslungsreichsten AU-Feste, von Country Blues über Deutschpunk, Hardcore und Punkrock bis zum Elektrobums war alles vertreten; ein Rap-Act blieb uns erspart. Notiz am Rande: Im nächsten Jahr werde ich vermutlich zu nächtlicher Stunde einen Apfelweinstand vor dem Festivalgelände errichten, da wieder um 22:45 (!) Uhr der Äppler alle war…

Wer einige Szenen des AU-Sommerfestes noch einmal Revue passieren lassen möchte oder das Event gar verpasst hat, dem sei der im Netz veröffentlichte Videoclip von „Olafs World“ empfohlen:

Links: https://www.facebook.com/seankprestonmusic/, https://www.instagram.com/seankpreston_music/, https://www.hypaaktiv.de/, https://hypaaktiv.bandcamp.com/, https://www.facebook.com/copycatsfrankfurt/, https://copycatsfrankfurt.bandcamp.com/, https://wonkunit.com/, https://wonk-unit.bandcamp.com/, https://www.facebook.com/bubonix, https://www.facebook.com/bubonix, https://www.facebook.com/theguiltsweden/, https://theguiltswe.bandcamp.com/the-guilt, https://www.au-frankfurt.org

Text (Sean K. Preston, Wonk Unit, Bubonix): Stefan
Text (HypaAktiv+, Copy Cats, The Guilt): Marcus
Fotos: Kai (42), Stefan (3)

Alle Bilder:

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