Ponyhof, 24.05.2012
Die NEW YORK WANNABES aus Darmstadt, als Support für die französischen Psychobillys ASTRO ZOMBIES (Foto links) verpflichtet, waren mir vor dem Gig ehrlich gesagt kein Begriff, obwohl Sänger und Gitarrist Lucky Wilbert schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Bands aktiv ist. Die andere Hälfte des Duos besteht aus Sue Hofmann am Schlagzeug. Da die beiden trashigen Blues-Punk spielen, liegen Vergleiche mit den WHITE STRIPES zwar nah, sind mir aber zu platt. Wenn überhaupt erinnern sie mich eher an die FLAT DUO JETS, aber eigentlich machen die Wannabes ihr eigenes Ding.
Zu Beginn gaben sie an, uns „eine halbe Stunde lang auf die Nerven gehen“ zu wollen. Doch dieses Versprechen brachen sie, denn der Auftritt wurde länger und war nicht im Geringsten nervend. Der Gig war trotz des anfangs noch sehr leeren Ponyhofs (viele standen an diesem lauen Sommerabend erstmal draußen) intensiv und laut, ging unter die Haut und kam gut an. Sue behämmerte die Drums mit der Hartnäckigkeit einer „Tatort“- Kommissarin (sie sieht auch irgendwie aus wie eine), und Luckys rauher Gesangsstil ähnelte fast dem eines weltentrückten, besessenen Predigers.
Im Verlauf des Gigs ging er immer öfter dazu über, ohne Mikrofon zu singen und stattdessen einfach in den Raum zu brüllen. Dazu kamen eine schön laute Gitarre und Songstrukturen mit teilweise überraschenden Breaks, die zur Intensität noch beitrugen. Die Reaktion des Publikums war entsprechend positiv. Auch dem Schlagzeuger des Hauptacts, Gaybeul, der sich die Show anguckte, gefiel was er da sah und hörte. Wahrscheinlich, weil es sich hier um einfache und ehrliche Mucke handelt, die mit viel Leidenschaft dargeboten wurde.
Nach kurzer Umbaupause waren die ASTRO ZOMBIES an der Reihe. Während andere Psychobilly-Bands gern ihr Image als
finstere Fieslinge kultivieren und damit recht erfolgreich sind – zu nennen sind hier unter anderem die METEORS, DEMENTED ARE GO oder die BRAINS – würde ich die Franzosen eher als die Spaßmacher und damit vielleicht sogar schwarzen Schafe des Genres bezeichnen. Auch gestern im leidlich gefüllten Ponyhof – es erschienen etwa 30-40 Zuhörer und damit wenigstens deutlich mehr als vor Jahresfrist im Elfer – waren die Jungs um Frontmann Bobby wieder die gesamte Spielzeit damit beschäftigt, um sich herum Frohsinn zu verbreiten.
Zweifellos ist es zwar auch jedes Mal wieder ein Vergnügen, in testosterongeschwängerter Atmosphäre die Herren Fenech oder „Sparky“ Philips bei ihrem Rollenspiel zu betrachten, aber die ASTRO ZOMBIES sind in diesem Punkt anders – nämlich sie selbst. Sich selber nicht ganz so ernst zu nehmen, Grimassen zu schneiden, Witze zu reißen, sich gegenseitig die Zungen rauszustrecken und die ein oder andere extraordinäre Pose einzunehmen gehört beim Trio aus dem Burgund zum guten Ton – die Musik bleibt bei all der guten Laune erfreulicherweise nicht auf der Strecke.
Nachdem mich das 2009-er Album „Convince or Confuse“ nicht gerade aus den Latschen kippen ließ, ist der Nachfolger „From Strenght to Strenght“ vom vergangenen Jahr wieder richtig gut geworden. Mit dessen ersten beiden Stücken, „Kill Them All“ und „Backstage Bitch“ startete auch die Show, weitere Highlights
des Auftritts waren u. a. das ska-lastige „Bertha Lou“ (siehe den Clip weiter unten) sowie „Terrifying Astro Zombies“ von der schon älteren Scheibe „Mutilate Torture Kill“, das CHER/SINATRA- Cover „Bang Bang“ und das großartige „Magnetic Man“ als zweiter Zugabe. Zwanzig Stücke umfasste die Setlist insgesamt, großartig Tanz-Action im Publikum gab es zwar von Ausnahmen abgesehen nicht (es war auch ganz schön warm im Club und die Mehrzahl der Anwesenden Ü30), aber die Stimmung war dennoch ausgezeichnet.Im Lineup der Band hatten wir eigentlich Mark Carew (u. a. LONG TALL TEXANS, HOTKNIVES) am Kontrabass erwartet, der den jüngsten AZ-Tonträger mit eingespielt hat und beim Gig im Elfer noch die Rolle des Merchmans inne hatte. Doch er schien anderweitige Verpflichtungen zu haben, jedenfalls griff die Gruppe wieder auf die Besetzung des vergangenen Jahres zurück, die sich ja bestens bewährt hat. Nach der Show gab sich der harte Kern von Biertrinkern und Fans für einen Plausch mit den Musikern beider Bands am Merchstand ein Stelldichein, bis von Seiten des Veranstalters zu später Stunde darauf gedrungen wurde, andere Lokalitäten aufzusuchen. Denn auch der Wirt hat ja bekanntlich sein Bett. Doch wir kommen wieder – die ASTRO ZOMBIES hoffentlich ebenso.
Die offizielle Internetpräsenz der ASTRO ZOMBIES ist nach wie vor unter http://www.theastrozombies.com/ zu finden, auf http://www.myspace.com/zeastrozombies und http://www.reverbnation.com/astropsycho sind bis auf „Johnny Casanova“ (Country-Psychobilly mit Banjo!) derzeit leider noch keine Stücke des aktuellen Albums zu hören. Die NEW YORK WANNABES präsentieren einige ihrer Songs unter http://www.myspace.com/newyorkwannabes und http://www.reverbnation.com/newyorkwannabes.
Text (NYW): Jan / Text (AZ), Fotos & Clip: Stefan
Die schönen Schwarz/Weiß-Fotos in der Galerie wurden uns von Konzertbesucher Smirnov zugesandt. Besten Dank!
Mehr Bilder:
Noch mehr Fotos gibt es in unserem Bericht vom März 2011. Klicke hier.






