Ponyhof, 21.12.2011
Irgendwie stehe ich ja auf diese Typen. Setzen sich völlig unaufgeregt mit ihrer Klampfe auf einen Barhocker, neben sich ein Kaltgetränk, schlagen die Beine übereinander, fangen an zu spielen und unterhalten den kompletten Saal. Ganz alleine. Sie wissen, kein anderes Instrument deckt ihre Fehler zu, wenn sie sich mal verspielen. Aber das tun sie in der Regel nicht, denn sie sind einfach unglaublich souverän. Ihre Texte können sie aus dem FF und zwischen den Liedern gibt es Zeit für nette Geschichten und einen Klönschnack mit dem Publikum,
dem sie nach dem Auftritt an der Bar gemütlich Rede und Antwort stehen. Ich spreche von der Gilde der Singer & Songwriter, von denen mich unter anderem solch illustre Solisten wie T.V. Smith, Attila the Stockbroker, Jonathan Richman und Lee Hazlewood (R.I.P.) nachhaltig beeindruckt haben.
Neu in diesem Kreis ist Matt Voodoo, den einige als aktuellen Gitarristen bei MAD SIN kennen dürften. Früher hat er außerdem bei BAMBOULA gespielt, einer anderen ziemlich abgefahrenen Psychobilly-Truppe. Der Hüne (geschätzte Länge: 1,95 Meter) stammt aus Los Angeles und lebt seit drei Jahren in Berlin. Auf seiner ersten, „Raw & Unleashed“ betitelten Solotour durch ein paar kleinere
deutsche Clubs kam er gestern abend auch in Sachsenhausen vorbei. Enttäuschend war die Zuschauerresonanz: Nur etwa ein Dutzend Musikfreunde fanden sich ein. Vielleicht schonten sich viele für den morgigen Auftritt von PETER & THE TESTTUBE BABIES in der Batschkapp, die wie jedes Jahr wahrscheinlich wieder rammelvoll sein wird. Oder der Vorweihnachtsstress hielt davon ab, sich für lumpige sechs Euro Eintritt ein tolles Konzert anzusehen.Der Endzwanziger spielte Punk, Psychobilly und Blues, das Set bestand aus eigenen Kompositionen wie „Love(Sick)“ oder „Born to Lie“ und einigen Cover- Songs (u. a. „Anything Anything“ von DRAMARAMA und „Sonic Reducer“ von den DEAD BOYS), die er aber auf ganz eigene Weise interpretierte. Insbesondere bei den eingestreuten Blues-Nummern wurde deutlich, dass der Kerl nicht nur genial Gitarre spielen, sondern auch richtig gut singen kann (seht die Clips an!). Im familiären Rahmen des Ponyhof-Konzerts wäre es theoretisch sogar möglich gewesen, unplugged zu spielen. Doch das mag Matt, den ich später darauf ansprach, nicht so gern – er „braucht es laut“, wie er meinte.
Nach der Show hatten wir das Vergnügen, noch zwei Stündchen mit dem netten Amerikaner und seinem Tourmanager in der Alten Liebe zu sitzen und das ein oder andere Bier zu trinken (der Wahl-Berliner bevorzugt übrigens Äppler). Er erzählte, dass eine eigene CD in Planung ist und schon bald fertig sein soll. Auch bei einigen anderen Stationen der Tour, wie etwa in Osnabrück und Freiburg, haben sich die Gäste wohl nicht gerade drängeln müssen, laut Matt war teilweise sogar weniger los als in Frankfurt. Aber er genießt die Auftritte und hat vor, neben seiner Bandtätigkeit auch in Zukunft auf Solopfaden unterwegs zu sein. Heute abend hat er zum Abschluss ein Heimspiel in Berlin und man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass die Luzie da nochmal richtig abgehen wird.
Allzuviel über den Künstler gibt es im Netz derzeit (noch) nicht. Drei prima Songs sind auf http://www.reverbnation.com/mattvoodoo zu hören. Ein längeres Interview könnt ihr unter http://www.pitxplorer.de/news-gossip/story/10235-matt-voodoo.html abrufen.
Weitere Links: http://www.myspace.com/madsin, http://www.myspace.com/bamboula, http://www.reverbnation.com/bamboula
Text: Stefan / Fotos & Clips: Kai
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