Großes Sommer-Gewinnspiel 2020 – Erzähle Dein Konzerterlebnis!

Frankfurt, 20. Mai 2020

Sommer-Gewinnspiel 2020Okay, offiziell beginnt der Sommer erst im Juni. Da das Gewinnspiel aber bis weit in den Sommer hinein laufen wird, mag der Titel trotzdem zutreffend sein. In den vergangenen Wochen haben wir Euch 54 Konzertkarten gezeigt und dazu unsere Erlebnisse auf den jeweiligen Events geschildert. Es hat uns soviel Spaß gemacht in alten Schuhkartons, Fotoalben oder Schubladen nach den Tickets zu stöbern und uns dabei wieder an die Shows zu erinnern, dass wir die Idee zum Sommer-Gewinnspiel 2020 bekamen:

Erzähle Dein Konzerterlebnis!

Das Ganze funktioniert so: Fotografiere eine Deiner Konzertkarten mit Handy oder Kamera (die Bildqualität ist nicht wichtig und hat keine Auswirkungen auf die Gewinnchance) und schreibe ein paar Zeilen, welche Erinnerungen Du mit dem Event verbindest. Das können schöne Erlebnisse sein oder auch schlechte, je nachdem was erzählenswert ist. Wann und wo die Show stattfand ist egal.

Maile das Foto und den Text mit dem Betreff „Sommer-Gewinnspiel 2020“ an rockstage.riot.rheinmain(at)gmail.com . Wir veröffentlichen Deine Geschichte direkt hier drunter. Bitte gib an, wie Dein Name genannt werden soll (Vor- und Zuname, nur Vorname, Initialen, etc.). Deine Mailadresse wird nicht angezeigt. Nach Abschluss der Aktion erfragen wir im Gewinnfall Deine Anschrift für den Versand der Preise. Diese verschicken wir nur innerhalb Deutschlands.

Einsendeschluss ist der 30. Juni 2020. Danach verlosen wir zehn CDs und Comics unter allen Teilnehmer*innen. Viel Spaß beim Mitmachen!

Sommer-Gewinnspiel 2020

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Zusendung vom 30. Mai 2020 von Stefan O.

Genesis, Saarbrücken, März 1975

Ich wurde am 11.10.1974 15 Jahre alt und kam etwa um sieben Uhr abends nach Hause. Ein Taxifahrer hatte mich an einer Bushaltelinie schlafend erkannt und mich zu meiner wartenden Familie gebracht, ich war jenseits von strack, als ich endlich zuhause im Flur lag, meine Verwandtschaft sass im Esszimmer und erwartetet mich. Der Notarzt stellte lapidar fest, es sei alles draussen und so muss es im Haus auch gerochen haben. Mein Opa kam später kurz an mein Bett, legte mir einen Zwanzigmarkschein hin und meine Tante gab zehn dazu. Am nächsten morgen fuhr ich mit meiner Monatskarte in die Stadt und kaufte mir für 29 Mark eine Doppel-Elpi. Es war meine erste Schallplatte und es war die Lamb lies down on Broadway von Genesis. Die Geschichte von Rael, der aus Manhattan hinaus in eine sexuell-schwüle-psychedelische Welt voller Gefahren

Genesis 1975

und dystopischer Untergangswesen verschleppt wurde, nachdem er auf dem Broadway die Lämmer bemerkt hatte, begeisterte meinen immer stärker werdenden Sexual- und Kunsttrieb. Am 30.3. des folgenden Jahres, ein Ostersonntag (!), spielte Genesis eines seiner letzten Konzerte mit Peter Gabriel in der Saarlandhalle in Saarbrücken. Er war mein Held, er war Rael, er war real, er tobte über die Bühne als Slipperman, Lamia, Carpet Crawler und tanzte in den Klippen, um seinen Bruder zu retten. Es war, nach einem Familienausflug zu den Les Humphries-Singers 1972, mein erstes großes Konzert. Ich weiss noch heute, wie es gerochen hatte, habe an einem Joint gezogen (war es wirklich einer?) und verliess die Halle noch während der Zugabe, der Musical Box, um den letzten Zug des Abends zu bekommen. Ich hatte meine schweisskalten Hände immer noch im Parka und die unglaublich mächtige Musik in meinem Körper. Meine Stimme war weg und mir wurde klar, dass ich jedes Lied mitgesungen hatte. Danach war alles anders. Ich war gewachsen. Ich wurde Mensch.

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Zusendung vom 14. Juni 2020 von Hacke Peter

Die Toten Hosen, Frankfurt, Juni 1987

MEIN TEUERSTES KONZERT EVER!

In den Achtzigern waren die Auftritte der Toten Hosen noch Punk – feuchtfröhliche Veranstaltungen mit haufenweise Vorbands für relativ kleines Geld. Intro an diesem Abend war das eher ruhige Gary Glitter-Cover Die Toten Hosen 1987„Rock’n’Roll“. Die Menge nutzte die Gelegenheit zum Aufwärmen, um dann mit den ersten Takten von „Liebesspieler“ unisono loszupogen! Es dauerte keine 15 Sekunden bis mir jemand die Brille von der Nase schlug. Shit happens – ich Depp hätte sie ja auch mit’m Sportband sichern oder an der Garderobe abgeben können. Die Brille habe ich jedenfalls nicht mehr gefunden und blind wie ich damals schon war, musste ich mir eine neue kaufen, die ein Vielfaches vom Ticketpreis kostete.

20 Jahre gingen ins Land, ich war mittlerweile zweifacher Vater und eines Tages fragten meine Kidz was „Pogo“ wäre. Da Bilder ja bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, legte ich die „Bis zum bitteren Ende“-LP (ein Live-Mitschnitt des 87er-Hosen-Konzertes) auf und pogte zu „Liebesspieler“ durch das Wohnzimmer. Kaum zu glauben, aber exakt wie beim Konzert dauerte es wiederum keine 15 Sekunden, die Brille flog von der Nase und zerbrach irreparabel in zwei Teile. So kam es, dass ein 15-DM-Konzert zu meinem teuersten Konzert ever wurde.

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Zusendung vom 14. Juni 2020 von J. R.

Screeching Weasel, Chicago, Juli 2019

Es ist sinnlos, teuer und voll der Aufwand – lass das also auf jeden Fall durchziehen!

Im Juli 2019 flog ich nach Chicago, um die Pop-Punkband Screeching Weasel (SW) live zu sehen. Ich wollte sie immer mal in ihrer Heimatstadt sehen, weil Ami-Bands auf einer „Hometown-Show“ zu erleben, das kam mir immer als was „Besonderes“ vor, das ich vorher auch bei der Reunion von Yuppicide 2010 in New York machte. SW spielten seit ihrer Gründung ab Mitte der 80er nur zwei Mal in Europa und beide Male konnte ich nicht. Das Konzert sollte im HOUSE OF BLUES mit den Queers stattfinden, cool, also Ticket gekauft (40 Dollar), Hotel und Flug gebucht, ab nach „Windy City.“ Das Konzert war mitten in der Hochsaison, d.h. teurere Flug- und Hotelpreise, aber a) ich war noch nie dort, b) hatte die Zeit und c) sollte es auch das einzige Konzert der Band für 2019 sein, wann, wenn nicht jetzt?!

Man darf an solche „Fly-In-Gigs“ nicht zu große Erwartungen haben, denn diese können nie eingelöst werden. Wie toll muss ein Konzert werden, damit sich das „lohnt“, da hinzu fliegen?! Man darf das so nicht verrechnen, das geht einfach nicht (Yuppicide 2010 war auch nicht gut, aber toller New York-Trip), denn auch hier stellte sich heraus, dass, wie in good old Frankfurt, das ganze „drumherum“ beinahe lustiger als der Gig selber war. Und so steht man dann in diesem etwa 2000 Leute fassenden Konzertraum auf der ersten Etage, schlürft sein zehntes unfassbar teures Budweiser (ich glaube 10 Dollar pro 0,33 l, drinnen nur Kännchen!), plaudert mit einigen Amis, wartet auf SW und denkt sich „Mein Gott, ’nice‘ und so, aber war es das wirklich wert? Hoffentlich sind die überhaupt noch gut?“ Und SW waren – muss man objektiv einfach so sagen – großartigst und die Queers beinahe noch besser, war ne tolle Stimmung und ich kann mir bei aller Liebe nicht vorstellen, dass SW in Frankfurt überhaupt beispielsweise ins „Nachtleben“ mehr als 100 Leute ziehen würden.

Screeching Weasel 2019

Bestimmte Songs kann ich gar nicht hervorheben, fast alles, was ich liebe, wurde gespielt, und es war einfach doch wieder der „Flash“, da zu sein und wirklich diesen sinnlosen Plan gemacht zu haben. Das hatte auch damit zu tun, dass ein Punk-Szene-Bekannter von mir plötzlich auftauchte und mich BRIAN VERMIN vorstellte, der ganz alte SW-Trommler aus den 80ern. Das war geil, ich dachte, der wäre tot. Was er erfreulicherweise nicht war, er sagte selber, dass er das auch gut findet! Und er schenkte mir ein SW-Plektrum (was ich Wochen nach dem Trip in meiner Hemdtasche nach 3x waschen fand, ähem ja).

Natürlich hatte ich vorher Ben Weasel auf Facebook Bescheid gesagt, dass ich ihm gerne im Rahmen des Gigs persönlich „Hallo“ sagen würde (ich interviewte ihn vor einigen Jahren). Treffpunkt war dann „Merch-Table after the show“. Ich war allerdings nach dem langen SW-Set total durch und doch froh, direkt ins Taxi hüpfen zu können. Das ist eben der „Hauptnachteil“, wenn man alleine in den USA ist, weil zu zweit feiern bei einem Gig ist kein Thema, aber alleine, in einer mir unbekannten Stadt, House of Blues direkt im Partyzentrum Saturday Night, totales Chaos auf der Straße, die Stadt nicht ungefährlich (hörte ich) und eben dann doch alles in den USA und nicht der „hometurf“ in Frankfurt-Sachsenhausen-Nordend-Bornheim zur Primetime… Well, ich mailte Ben nen Tag später, dass es toll war und es leider nicht klappte mit Treffen, alles gut. Insgesamt verbrachte ich eine gute Woche in der Stadt, die alleine aufgrund ihrer reichhaltigen Musikgeschichte (Chicago Blues, Chicago House und natürlich die Blues Brothers, Touch and Go Records, Albino Studio, aber auch ganz viele Nerd-Ziele für den gemeinen SW-Fan an sich, Stadtteile, die sie besungen haben, U-Bahnhaltestellen, die mit ihnen zusammenhängen, so was halt, was für uns blöde Fans wichtig ist) wirklich eine Reise „wert“ ist.

Ein letztes Mal noch etwas zum Thema „Wert“: Das Konzert ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her. Denke ich oft an den Abend? Eigentlich nein. Aber wenn, dann gibt es ein Bild, was ich nicht vergessen werde – und für mich überraschenderweise die Erkenntnis, dass es sich tatsächlich für diesen Moment total gelohnt hat: Wenn du am Tag des Konzerts vormittags am Lake Michigan joggen gehst, es ist strahlend blauer Himmel, du hast die ganze Zeit die Skyline der Stadt im Blick, du hörst deinen Travel-Mix von SW und freust dich aufs Biertrinken in einigen Stunden beim Konzert „deiner“ Band, verdammt, du bist jetzt wirklich hier, es hat geklappt und hörst „ihre“ Musik in „ihrer Stadt“ und bizarrerweise endlich bald live… Gibt es was Schöneres? Bestimmt! Aber das war einfach auch ein total schönes Gefühl! Der Weg ist das Ziel!

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Zusendung vom 17. Juni 2020 von Todde S.

Killing Joke, London, Juni 1991

Es war ihr letzter Auftritt der „Extremities“-Tour und mein letztes Wochenende am Ende eines Auslandjahres in luvly Cornwall: Killing Joke am 28. Juni 1991 in der Brixton Academy. Jetzt muss man natürlich wissen, dass zwischen meiner temporären Homebase am südwestlichsten Zipfel Englands und der Metropole London eine gut fünfstündige Zugfahrt liegt. Ich reiste schon einen Tag früher an, um meiner subkulturellen Diaspora zu entfliehen und mich dem pulsierenden Irrsinn von Swinging London hinzugeben. Cornwall war damals (noch vor dem Rosamunde Pilcher-Hype) nämlich noch ein verträumt verschlafener Landstrich, der außer viel Natur, idyllischen Fischerdörfern und abgeranzten Council Estates im Landesinneren nicht so viel zu bieten hatte.  Meine Dosis Wildlife holte ich mir in dieser Zeit meist in London ab, wo ich zum Glück ein paar englische Kumpels hatte, die in irgendwelchen Bedsits in den Suburbs hausten (so wie von den Members treffend besungen), wo es aber immer ein klein wenig Platz und irgendwelche Sofakissen zum Pennen gab und die musikalisch auf einer ähnlichen Wellenlänge unterwegs waren.

Killing Joke 1991

Nach einem ausgiebigen Tag in den Plattenläden entlang der Portobello Road und auf dem Kensington Market machten wir uns dann nach ein paar Pints im Pub schließlich auf den Weg nach Brixton, um die Vorband Swervedriver gleich schon mal verpasst zu haben. Immerhin waren wir dafür genau rechtzeitig zum infernalischen Finale von Killing Jokes „Extremities“-Tour. Gleich zu Beginn hauten die mal ihren damals aktuellen Hit „Money is not our god“ raus und stellten in Punkto Lautstärke so ziemlich alles bis dahin von mir Gesehene in den akustischen Schatten. Und das in dem altehrwürdigen Gemäuer der Academy mit ihrer an eine Theaterkulisse erinnernden Bühnenarchitektur und den mit Stuck verzierten Balkonen… Nein, dort wurde nicht Hamlet aufgeführt, sondern ein Abriss pur veranstaltet mit einem Set, das selbstverständlich Klassiker wie „Wardance“, „The Wait“, „Psyche“, „Love like Blood“ und, und, und auf der Liste hatte. Angetrieben von den tribalhaften Rhythmen von Bass und Drums gab Sänger Jaz Coleman den gestenreichen Entertainer, passte gut in den rappelvollen Konzertsaal der Brixton Academy.

Das Konzert hallte jedenfalls noch lange nach: Nicht nur, dass mir selten so die Ohren geklingelt haben, sondern Killing Joke haben damit ihre Position als eine meiner Alltime Faves untermauert. Die „Extremities, Dirt and other repressed Emotions“-Doppel-LP, damals auf AGR Unterlabel Noise International erschienen, holte ich mir kurze Zeit später wieder zurück in Hamburg bei Michelle. Der Killing Joke-Gig war ein gelungener Abschluss eines Auslandsjahres und für einen längeren Zeitraum auch mein vorerst letztes Ausflugswochenende nach London, wo mir zuvor bei einem solchen auch schon Die Toten Hosen bei ihrem allerersten Auftritt in England zusammen mit Serious Drinking im Subterania an der Ladbroke Grove untergekommen sind. Aber das ist eine andere Geschichte… leider ohne Konzertticket.

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 Zusendung vom 24. Juni 2020 von Hannes

Bizarre-Festival, Berlin, August 1991

Sommer 1991. Ich kam mit zwei Koffern am Bahnhof eines Ortes an, als habe man extra für mich eine Kulisse aus dem frühen 20. Jahrhundert erstellt: Potsdam-Babelsberg. Mein erster Job am (gedanklich zumindest) anderen Ende der Welt. Meiner unheilen bürgerlichen Rhein-Main-Idylle mitsamt Elternhaus und Freundeskreis mutig entflohen, fand ich mich in der unendlichen Weite ostdeutscher Tristesse wieder. Meine Einsamkeit wuchs mir anfangs über den Kopf. Um etwas dagegen zu unternehmen, warb ich damals bei all meinen alten Bizarre Festival 1991Freunden um Besuche in der neuen, bizarren, aufregenden Heimat. Um Freunden das Kommen noch etwas schmackhafter zu machen, suchte ich nach einem verbindenden Event, das einen Wochenend-Aufenthalt in meiner Untermieter-Unterkunft am Bahnhof Babelsberg noch ein wenig attraktiver machen könnte. Und: Der Erfolg stellte sich in zweifacher Hinsicht ein:

Eine gute Freundin, die es gerade von Frankfurt nach Bremen verschlagen hatte, sagte zu. Sie freue sich und sei gespannt auf das Neue. Als Highlight (so dachte ich es mir zumindest), hatte ich zwei Tickets für das Bizarre-Festival in der Wuhlheide ergattert. Die S-Bahnfahrt dauerte ungefähr so lang wie eine Fahrt von Offenbach ins Rheingau. Aber uns war das egal, wir genossen den Fahrtwind an diesem warmen August-Samstag und ließen die Beine aus der aufgerissenen S-Bahntür baumeln (ja, das ging damals alles im Osten!).

Das Konzert selbst plätscherte anfangs so dahin, mit Bands die ich nicht kannte und die mir auch nichts sagten. Aber irgendwann wurde es dämmrig, der Abend zog auf und dann stand er da: Iggy Pop – eine Erscheinung, pure Energie, die sich sinnlich auf uns beide übertrug. Dass die Ramones zum Schluss ein Feuerwerk an Geschwindigkeit und Spiellust abbrannten, krönte diesen wunderbaren Tag, tief im Osten Ostberlins. Auf der Rückfahrt sprachen wir wenig, uns anzuschauen, genügte.

Die Freundin trug ein schönes weißes Kleid damals. Ob sie es noch aufbewahrt hat?

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