Knabenschule, Darmstadt, 23.05.2014
Auf DEAD ELVIS wurde ich erstmals im Jahre 2007 aufmerksam, als ich eine Single erspähte, auf deren Cover ein vermeintlich toter Mann im Elvis-Outfit zu sehen war, der eine (Horror-)Maske des King of Rock’n’Roll trug. Am Zeh des Toten hing ein Toetag mit der Aufschrift „Deadman“. Als Vinyl-Sammler und Horror-Fan kam ich an diesem Schmuckstück natürlich nicht vorbei und verfolge seither aufmerksam jede weitere Veröffentlichung des aus den Niederlanden stammenden Künstlers, die alle auf wenige hundert, teilweise sogar nur auf gut ein Dutzend Exemplare limitiert sind. Mit Elvis hat der Grave-Rocker außer dem Namen übrigens recht wenig gemein, denn musikalisch wird hier primitiver Garage-Rawk’n’Roll geboten, der
zwar nicht sonderlich anspruchsvoll ist, aber in Kombination mit dem Image und den skurrilen Auftritten des Maskenmannes durchaus zu begeistern versteht. In der Knabenschule gastierte der Madman nach 2008, 2010 und 2012 (Bericht hier) gestern zum vierten Mal, wobei es für mich die DEAD ELVIS-Premiere war, da ich ihn bisher immer verpasst hatte.
Als Opener der Show fungierte das Trio KING MOROI (Bilder in der Slideshow unten), das 2012 gegründet wurde und seinen Stil als Vampire Psychobilly bezeichnet. Sehr finster kamen die Jungs allerdings nicht rüber. Auf der Bühne
standen drei adrett gekleidete junge Männer, die recht konventionellen Rockabilly darboten, der weder an die brachiale Wildheit von DEMENTED ARE GO noch an die finsteren Moritaten der COFFIN SHAKERS heranreichte. Musikalisch war der Auftritt solide, aber eher unspektakulär. Doch die Band ist jung, hat noch keine Veröffentlichung vorzuweisen und so besteht durchaus die
Möglichkeit, dass sich die Jungs noch entwickeln. Nach 45 Minuten machten die Frankfurter schließlich das Podest für DEAD ELVIS & HIS ONE MAN GRAVE frei.
Gut 20 Minuten später stürmte der Niederländer schließlich vom Applaus der etwa 40 Besucher begleitet die Bühne und legte gleich mit dem „Graveyard Hop“ von der aktuellen – und auf 300 Exemplare limitierten – LP „Monster Masquerade“ los. Das Ganze bot ein skurriles Bild: Da saß ein Mann in einem schlechten Imitat von Elvis’ 73er Aloha-Konzert-Outfit, der mit einer alten, schon deutlich aus der Form geratenen und ständig verrutschenden Gummi-Maske vermummt war, schrammelte wie Hasil Adkins auf Speed auf
seiner Gitarre und krakehlte wüste Rock’n’Roll-Hymnen.
Zwischen den Songs gab’s einige Anekdoten zu den Themen Drogen, Sex und Alkohol, allesamt dargeboten in kaum verständlichem Elvis-Slang. Das war schräg, schrill und recht einzigartig, nutzte sich jedoch, zumindest wenn man wie ich nüchtern war, im Laufe des Auftritts ab. Grund dafür war, dass der
Künstler während seines Spiels logischerweise keine Mimik offenbarte und dadurch, egal ob die Songs finster oder fröhlich waren, alles gleich wirkte.
Hinzu kam, dass der Akku des rockenden Untoten leer war. Wie er mir nach der Show berichtete, zehrten 28 Gigs in 32 Tagen gehörig an der Substanz, sodass es, anders als beim letzten Auftritt von vor zwei Jahren, diesmal keine Ausflüge ins Publikum oder ähnliche Aktionen gab und sich das Set auf lediglich zwölf Songs beschränkte,
darunter allerdings eine gefühlt zehnminütige Version des THE RIVINGTONS-Klassikers „Papa Oom Mom Mow“.
Mir hat das Konzert dennoch gut gefallen, nicht zuletzt, da ich ein Faible für Gimmick-Bands habe und weil DEAD ELVIS trotz schwächelnder Kondition die Bude doch ganz ordentlich gerockt hat. Daher bin ich bei der nächsten Audienz gerne wieder mit von der Partie, dann aber hoffentlich nicht als Fahrer, denn mit etwas Alkohol im Blut dürfte das Ganze noch mal so viel Spaß machen. Spannend ist außerdem die Frage, wie es mit der Maske von DEAD ELVIS weitergeht, die er vor knapp einer Dekade auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles erworben hat und die nun langsam auseinanderzufallen droht…
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Links: http://www.reverbnation.com/kingmoroi, http://www.hisonemangrave.com/, https://myspace.com/onemangrave, http://www.lastfm.de/music/Dead+Elvis+&+His+One+Man+Grave
Text & Fotos (15): Marcus / Fotos (6): Kai
Alle Bilder:
Einen weiteren Bericht zu DEAD ELVIS gibt es hier.






