SWALLOW THE SUN, ANTIMATTER, THE FORESHADOWING

Steinbruch-Theater Mühltal, 29.10.2013

40 Kilometer sind es exakt von meiner Haustür zum Steinbruch-Theater in Mühltal bei Darmstadt. 40 Kilometer, die für mich als Nicht-Autobesitzer mit eher suboptimaler ÖPNV-Verbindung eine kaum zu überwindende Hürde darstellen. Deshalb habe ich dort schon eine Unmenge von Bands verpasst, die mich interessieren oder die sogar zu meinen Lieblingsacts zählen. Zehrt der „‚bruch“, wie er von seinen Liebhabern meist zärtlich benannt wird, auch noch von seiner Vergangenheit als Classic Rock-Tempel (mit Shows von Legenden wie URIAH HEEP, Mitch Ryder, Alvin Lee oder der CLIMAX BLUES BAND), so wird sein Live-Profil heute durch undergroundigen Metal unterschiedlichster Ausrichtung definiert – sei es Death Metal von NILE oder VADER, Black Metal von AGRYPNIE oder DER WEG EINER FREIHEIT, Hardcore von BIOHAZARD oder 47 MILLION DOLLARS sowie alles Mögliche an Artverwandtem wie Gothic Metal, Postblack- , Thrash oder was es sonst noch so an Geschnetzeltem gibt.

Foto oben: ANTIMATTER
Foto links: SWALLOW THE SUN

Lokale Nachwuchsbands finden im „‚bruch“ ebenso ein Forum wie fette Kapellen vom Schlage SEPULTURA oder EISREGEN, die das Gemäuer fast zum Platzen bringen. Dazu das hippieesque Düsterflair mit Odenwälder Bieren und Pizza und die Lieblingskneipe ist perfekt. Steht nur falsch, aus meiner Sicht.

Zum Glück kenne ich Menschen, die ANTIMATTER genauso gerne hören wie ich und ein Auto haben. Allerdings waren die nur der Special Guest von SWALLOW THE SUN, was ja aber auch nicht weiter störte.

Ziemlich pünktlich um 20 Uhr vor mehr als überschaubarer Menge ging es los mit den Italienern THE FORESHADOWING. Das 2005 gegründete Sextett passte gut zu den folgenden Bands und zelebrierte einen düsteren

Rocksound, der zwar gitarrenlastig war, aber trotz der Posen des Bassisten wenig mit packendem Rock oder gar Metal zu tun hatte. Sphärische Gitarrenläufe; Texte, die ich zwar nicht verstand, deren Eminenz der Mimik des Sängers Marco Benevento aber anzusehen war (und die er zweifelsfrei ansprechend intonierte) und das dezente Keyboard ließen als Einfluss 80er-Gothrock á la THE MISSION erahnen, ohne deren Eingängigkeit zu erreichen (was sicherlich auch nicht beabsichtigt war).

Die Band bemühte sich im Wortsinn – d. h. sie mühte sich schier einen ab, vermied dabei sowohl Blickkontakt zum Publikum als auch untereinander und riss ihr Set vor

dem respektvoll einen Meter zur Bühne Abstand haltenden Hörern runter. Klar war das nichts zum Pogen, aber die Anstrengung war vor allem einem der Gitarristen anzumerken und spätestens dann zu sehen, als er nach getaner Pflicht mit einem „Phew“ den Schweiß von der Stirn strich. „Endlich geschafft!“, so mein Eindruck. War aber nicht übel – nicht, dass wir uns hier falsch verstehen.

Der anschließende Grund meines Kommens, ANTIMATTER, glänzte auch nicht unbedingt durch gute Laune und übergroße Philanthropie. Mick Moss herrscht alleine über die 1997 von ihm und dem von ANATHEMA kommenden Duncan

Patterson gegründete Formation, die letzterer 2004 bereits wieder verließ. Trotzdem kommen er, ANATHEMA-Mitbegründer Danny Cavanagh und Moss immer mal wieder zusammen, um zu musizieren. Alle anderen Bandmitglieder werden regelmäßig ausgemustert – zum Beispiel die das aktuelle ANTIMATTER-Album miteinspielende Vic Anselmo, die unter ihrem Namen auch sehr ansprechende Alben veröffentlicht, war auf dieser Tour schon wieder nicht mehr dabei.

Moss und seine Begleiter (von denen ich echt nicht weiß, ob sie auf der aktuellen Platte dabei waren oder nicht – auf dem einzigen Foto im Booklet erkennt man, man ahnt es, nur Moss) stellten den Fokus ihrer Darbietung auf das großartige, aktuelle ANTIMATTER-Opus „Fear of a Unique Identity“ und machten damit auch nichts falsch. Trotzdem war die Stimmung auf der Bühne nicht nur pflichterfüllend wie bei den Italienern vorher, sondern fast schon abweisend. Man kann das auf die düsteren Inhalte dieser Bands schieben, aber ANTIMATTER’s Brüder im Geiste, ANATHEMA, wurden von mir auch schon das eine oder andere Mal besucht; und da herrschte bei aller Melancholie Spielfreude und gute Stimmung vor.

War trotzdem schön, alleine schon, weil die Songs überzeugten. In der Pause zwischen ANTIMATTER und dem Headliner versuchte Moss ein bisschen Merch zu verkaufen

– ich nahm ihm zwei Scheiben ab und bekam sie sogar signiert, allerdings komplett ohne Blickkontakt. Er freute sich über mein Lob zum aktuellen Album und stellte fest, dass diese die erste ANTIMATTER-Platte ist, mit der er richtig zufrieden ist. Angesprochen auf das Fehlen von Anselmo tat er kund, dass seine Musiker alle austauschbar seien und nur er wichtig sei bei ANTIMATTER. Klingt komisch, aber wenn es nun mal so ist? Wenigstens ist er ehrlich.

SWALLOW THE SUN schließlich, die Headliner aus Finnland, betouren momentan das zehnjährige Jubiläum ihres Debüts „The Morning Never Came“, das ich nicht kenne. Ich habe die Skandinavier zweimal in der Frankfurter

Batschkapp gesehen, einmal als Opener für PARADISE LOST und einmal als zweite von fünf Bands vor einem Jahr auf dem „Into Darkness Festival“. Beide Male gefielen sie mir, machten aber keinen nachhaltigen Eindruck. Die eine oder andere CD lief schon auf meinem Player; und obwohl ich vom Gesamtsound der Combo durchaus angetan bin, frästen sich bis auf zwei bis drei Songs keine so fest in mein Gehirn ein, dass ich sie sofort erkennen oder mitgrowlen könnte. Etwas pathetisch und auf Dauer etwas langatmig wirkten sie auf mich – und ein Freund machte mir nicht gerade Hoffnungen, als er seine Einschätzung formulierte, dass STS live „nie so gut sind wie auf Platte“. Hm. Zeit zu gehen also?

Zum Glück nicht. Im Gegensatz zu den beiden Bands vorher knieten sich STS richtig rein, produzierten bei aller Dynamik und Melancholie ordentlich Druck

und machten erstmals am Abend bewusst, dass man sich ja auf einem Metal-Konzert befand. Der einzige Song, den ich wegen besagter Fräsung erkannt habe, war „The Giant“ am Ende der Zugabe, meisterlich. Wie auch der Auftritt zuvor (und damit, in meinen Ohren, viel geiler als auf Platte). STS haben mich als Fan an diesem Abend dazu gewonnen, ANTIMATTER zumindest nicht verloren. Dass die Herren nach fast zwei Stunden Konzert noch soziale Kontakte zu ihren Fans pflegten, macht sie noch sympathischer und kann von last.fm-Kollege Chieps bestätigt werden, dem wir auch die Setlist zu verdanken haben:

SWALLOW THE SUN – Setlist (ohne Gewähr): Through Her Silvery Body – Deadly Nightshade – Out of This Gloomy Light – Swallow (Horror Part I) – Silence of the Womb – Hold This Woe – Under the Waves – The Morning Never Came // Labyrinth of London – Night Will Forgive Us – The Giant

Links: http://www.swallowthesun.net/, https://myspace.com/swallowthesundoom, http://www.reverbnation.com/swallowthesun, http://www.lastfm.de/music/Swallow+the+Sun, http://antimatter.free.fr/uk/, https://myspace.com/antimatterband, http://www.reverbnation.com/antimatter, http://www.lastfm.de/music/Antimatter, http://www.theforeshadowing.com/, https://myspace.com/theforeshadowing, http://www.reverbnation.com/theforeshadowing, http://www.lastfm.de/music/The+Foreshadowing

Text & Fotos: Micha

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