Elfer Music Club, 16.01.2013
Ich will ehrlich sein. Hätte ich nicht über den Newsletter des Elfers zwei Karten für den Gig am gestrigen Abend gewonnen, hätte ich mir den Auftritt der VIBRATORS wohl geschenkt. Zum einen, weil ich die Band in den letzten drei Dekaden schon gut zehnmal gesehen habe, zum anderen weil ich mit Kuschel-Punk der Marke VIBRATORS, LURKERS und BUZZCOCKS nicht allzu viel anfangen kann. Aber, und dies gilt es anzuerkennen, die Briten gehören gemeinsam mit THE DAMNED und den SEX PISTOLS zu den UK-Bands der ersten Stunde, haben sich nie aufgelöst und ziehen noch immer ihr Ding durch, wenn auch nicht mehr in Original-Besetzung.
Seit Gitarrist und Sänger Knox 2011 seinen Ausstieg aus der Band bekannt gab, um sich – mit damals 66 Jahren – auf seine Solo-Karriere zu konzentrieren, ist nur noch Drummer Eddie Edwards vom ursprünglichen Lineup übrig. Den Posten des Frontmanns hat seither der aus Finnland stammende Basser Pete Honkamaki übernommen, der vor zehn Jahren seine Band NO DIRECTION verließ, um sich den VIBRATORS anzuschließen. Komplettiert wurde das Lineup an diesem Januarabend durch die englische Gitarren-Legende Darrell Bath, der bereits für die UK SUBS, die DOGS D’AMOUR, IAN HUNTER und NIKKI SUDDEN die Axt geschwungen hat.
Doch bevor das Trio aus London die Bühne betrat, gab es erstmal FREIBIER, wohl gemerkt nicht in flüssiger, sondern in musikalischer Form. Wie die lokale Schülerband dazu gekommen ist, als Opener der VIBRATORS aufzutreten, entzieht sich meiner Kenntnis. Fest steht jedenfalls, dass mir ein echtes Freibier lieber gewesen wäre. Der Sound der Teenager bewegte sich zwischen einer bekannten, gehirnasketischen Proll-Combo aus Frankfurt und konventionellem Deutsch-Rock mit vermeintlich witzigen Texten. Sorry Jungs, aber das war gar nichts. Nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht Punk, nicht witzig. Aber es ist ja schließlich noch kein Johnny Thunders vom Himmel gefallen und die Kids sind noch jung und entwicklungsfähig.
Wie ein guter Gig aussehen kann, demonstrierten im Anschluss die VIBRATORS eindrucksvoll. Im Vergleich zum letzten Auftritt vor fast exakt einem Jahr an gleicher Stelle (siehe unseren Bericht hier) präsentierte sich die Band frischer, tighter und rotziger. Einen großen Anteil daran hatte der neue (alte) Gitarrist Darrell, der die Band in den Neunzigern bereits kurzzeitig verstärkte und den angestaubten Songs einen frischen, druckvollen Sound verlieh. Sänger Pete hat die Rolle des Frontmanns inzwischen verinnerlicht und ist nicht nur mehr Randfigur, sondern gleichwertiger Ersatz für den ausgeschiedenen Knox, der ohnehin eher mehr dem Glam- denn dem Punk-Rock zugeneigt war. Die rauen, Lemmy-ähnlichen Vocals von Pete ließen die seichteren Songs zu echten Monstern mutieren.
Geboten wurde ein Querschnitt durch die gesamte Schaffensphase der Band, wobei der Schwerpunkt natürlich auf den ersten beiden Scheiben lag, von denen gut ein Dutzend Tracks gespielt wurden. Höhepunkte des Sets waren einmal mehr „Pure Mania“, „Troops of Tomorrow“ und „Disco in Mosco“. Zeit zum Bier holen gab’s bei „Baby Baby“, der zwar der größte „Hit“ der Combo sein mag, auf meiner Liste der verhassten Punksongs neben „Here Comes the Summer“ (THE UNDERTONES) und „Ever Fallen in Love“ (BUZZCOCKS) aber ganz weit oben rangiert. Ebenfalls überflüssig empfand ich die Cover-Version des Wanda Jackson-Klassikers „Funnel of Love“ – kein schlechter Song, aber wenn man ihn gefühlte 200 Mal bei diversen Rockabilly- und Psychobilly-Konzerten ertragen musste, kann man ihn einfach nicht mehr hören.
Das war’s dann aber auch schon mit der negativen Kritik, ansonsten haben mich die Londoner auf ganzer Linie überzeugt. Auch wenn mir die Band auf ihren Tonträgern etwas zu langweilig ist, so sind sie dank der neuen Frontröhre live doch (wieder) ein echter Tipp. Das dürften auch die Zuschauer so empfunden haben, die zahlreicher erschienen als noch im Jahr zuvor, obgleich ich bei einigen Besuchern den Eindruck hatte, dass sie einzig wegen des Bandnamens (hihi, Vibratoren, wie witzig…) und ohne Kenntnis der Gruppe vor Ort waren. Apropos Bandname: Am Merchtisch gab’s auch diesmal wieder Mini- Vibratoren in kleinen Sarg-Schachteln mit dem Signet der Truppe, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Der Roadie hinter dem Stand staunte auf jeden Fall nicht schlecht, als gleich mehrere hünenhafte Altpunks einen Vibrator verlangten.
Links: http://www.thevibrators.com/, http://www.myspace.com/thevibrators, http://www.myspace.com/bierfrei
Text: Marcus / Fotos & Clip: Kai
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