KNOW, NIGHT DEMON, STALAG 13

Au, Frankfurt, 30.07.2017

KnowEs gibt Konzerte, auf die freut man sich wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Für mich als Hardcore-Fan war der gestrige Gig ein solcher, denn mit (DR.) KNOW (rechts) und STALAG 13 gaben sich gleich zwei Acts der legendären „Nardcore“-Szene in der Frankfurter Au die Ehre. Der Begriff „Nardcore“ geht auf die südkalifornische Region und Stadt Oxnard zurück, die jungen Hardcore- Acts in den frühen Achtzigern allerlei Auftrittsmöglichkeiten bot und gleich mehrere namhafte Bands hervorbrachte, darunter ILL REPUTE, AGRESSION, SCARED STRAIGHT und eben auch DR. KNOW und STALAG 13. Beide Formationen wurden 1980/81 gegründet und lieferten 1984 jeweils ihre Debüt-Scheiben. Zur gleichen Zeit erschien auf dem Label Mystic Records ein Sampler Knownamens „Nardcore“, der Tracks der genannten Acts und vieler weiterer enthielt.

Gut eine Dekade später war der Boom wieder vorbei, viele Truppen lösten sich auf, reformierten sich ohne Erfolg und gerieten schließlich aufgrund anderer musikalischer Trends in Vergessenheit. Umso erstaunter war ich, als ich hörte, dass (DR.) KNOW und STALAG 13 mehr als 30 Jahre nach dem Höhepunkt der Nardcore-Szene als Doppelpack auf Europa-Tour kommen würden. Ebenfalls mit von der Partie war die junge, 2011 gegründete Metal-Band NIGHT DEMON, die mit ihrem klassischen Melodic-Metal nicht unbedingt ins Lineup passte, aber immerhin aus der gleichen Region stammt.

Als Opener des Abends betraten STALAG 13 die Bühne, bei denen immerhin noch Gitarrist Blake Cruz, Bassist John Morris und Drummer Larry White vom frühen Lineup dabei sind. Der aktuelle Shouter ist John Crerar, der Stalag 13bereits bei Acts wie STOP BREATHING und THE FUCKING WRATH aktiv war und bis vor zwei Jahren noch als Schlagzeuger von NIGHT DEMON agierte – so schließt sich der Kreis.

Die Discographie von STALAG 13 bietet sich recht übersichtlich dar und besteht nur aus einem Demo und einer EP („In Control“), die beide 1984 erschienen, sowie einem Album, das 1999 unter dem Namen STÄLÄG Stalag 13veröffentlicht wurde. Von diesem fand sich aber nur ein Track auf der Setlist des gestrigen Gigs. Präsentiert wurden nahezu ausschließlich die kultigen 80s- Songs, darunter „Conditioned“, „No Excuse“, „In Control“ und „Black Stix/Silver Badge“. Musikalisch stehen STALAG 13 für eine Mischung aus California-Hardcore und Skatepunk, die neben brachialen Elementen auch melodiöse Passagen enthält.

Stalag 13Abgerundet wurde der Set durch Coversongs von AGRESSION („Intense Energy“) und MINOR THREAT („Filler“). Und die Jungs waren gut in Form, allen voran die Mitt- bis Endfünziger, die die Band in den Achtzigern ins Leben gerufen haben. Sie lieferten ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich die auf der Bühne geschaffene Energie auf das Publikum übertragen kann. An keinem anderen Ort in Frankfurt hätte das besser funktioniert als in der Au. Respekt!

Als Kontrastprogramm folgten die Metalheads von NIGHT DEMON, wobei die Reihenfolge der Acts hauptsächlich der Tatsache geschuldet war, dass sich STALAG 13 und KNOW den Drummer teilten und Larry White nicht zwei Night Demonbrachiale Sets hintereinander spielen wollte. NIGHT DEMON gibt es seit sechs Jahren, in denen zwei Alben und eine EP erschienen sind. Musikalisch widmet sich das Trio dem klassischen Metal der Achtziger Jahre, wobei sowohl frühe amerikanische Power-Metal-Acts wie RIOT, VICIOUS RUMORS und SAVATAGE als auch traditionelle Vertreter der NWOBHM wie ANGEL WITCH, GRIM REAPER und DEMON zitiert werden.

Ob NIGHT DEMON einem der genannten Acts musikalisch das Wasser reichen können sei mal dahingestellt, außer Frage steht indes, dass sich die Kalifornier äußerst professionell präsentierten. Dies fing beim Merchandise-Stand an, der Night Demongut drei Viertel der Gesamtfläche einnahm, setzte sich bei Roadies mit „NIGHT DEMON CREW“- Shirts fort und äußerte sich auch in einer recht eigenwilligen Beleuchtung auf der Bühne, für die ein bandeigener Lichtmischer sorgte. Und der schuf eine schaurig-schöne Grusel-Atmosphäre, die gleich zu Beginn deutlich machte, dass sich NIGHT DEMON inhaltlich dem Thema Horror verschrieben haben.

Basser/Sänger Jarvis, der aktuell auch zum Lineup der reformierten Metal-Legende CIRITH UNGOL gehört, und Gitarrist Armand wurden von unten in rotes Licht getaucht, was eine recht ungewöhnliche Optik generierte und das Night DemonGanze zumindest visuell imposant ausschauen ließ. Im letzten Drittel des Gigs gab es zudem eine Show-Einlage, als beim Song „The Chalice“ das Maskottchen – der Night Demon – auf der Bühne auftauchte und die ersten Publikumsreihen aus einem Kelch trinken ließ. Unterm Strich war‘s ein solider Gig, der auch bei den anwesenden Hardcore- und Punk-Fans recht gut ankam.

Als letzte Band des Abends standen schließlich KNOW auf dem Programm, die ursprünglich 1981 als DR. KNOW gegründet wurden und derzeit ähnlich wie BLACK FLAG und FLAG in zwei Inkarnationen existieren. Unter dem Namen DR. KNOW tourt dabei Gründer und Gitarrist Kyle Toucher mit neuen KnowMitstreitern durch die Lande, während KNOW aus den Ex-Mitgliedern Brandon Cruz (Vocals), Ismael Hernandez (Bass), Fred Matatquin (Gitarre) und eben Larry White bestehen, von denen immerhin Hernandez und Matatquin auf dem Debüt von 1984 zu hören sind. Tatsächlich wurden die Songs der Scheibe ursprünglich von Cruz eingesungen, der aber aufgrund interner Querelen die Gruppe 1983 verlassen musste, sodass Toucher die Vocals noch einmal selbst einsang.

KnowWie dem auch sei, das Quartett, das unter dem Namen KNOW tourt, könnte authentischer nicht sein. Cruz, der 2001 auch mal als Sänger der DEAD KENNEDYS fungierte und auf eine Schauspielkarriere in seiner Kindheit zurückblickt, ist ein Klasse-Frontmann, der mit seinen 55 Jahren noch topfit ist und mit seiner energischen Körpersprache zu begeistern wusste. In nichts nach stand ihm dabei Gitarrist Mantatquin, der für mich zu den besten Musikern des Genres zählt.

KnowDargeboten wurden nahezu ausschließlich die Songs der frühen Schaffensphase, darunter „The Intruder“, „Watch it Burn“, „Egomanic“ und natürlich „Life Returns“ und „Mr. Freeze“. Musikalische ebenbürtig mit STALAG 13 gefielen mir KNOW aufgrund von Sänger und Gitarrist noch einen Tick besser, wobei beide Formationen im Doppelpack keinerlei Wünsche offen ließen. Wie wäre es im nächsten Jahr mit AGRESSION und ILL REPUTE als Tour-Package?

Links: https://www.facebook.com/stalag13band/, https://www.nightdemon.net/, https://de-de.facebook.com/nightdemonband/, https://nightdemon.bandcamp.com/, https://www.last.fm/de/music/Night+Demon

Text: Marcus
Fotos: Boris, http://www.borisschoeppner.de/

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