BEWARE THE DANGERS OF A GHOST SCORPION!

Dreikönigskeller, Frankfurt, 26.10.2014 – Interview

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion! – Deutsche Fassung –
– Original English version here

Wir waren beim Konzert der ungewöhnlichen Surf-Rock-Formation BEWARE THE DANGERS OF A GHOST SCORPION!, die auf ihrer aktuell laufenden Tour auch im Frankfurter Dreikönigskeller vorbeischaute. Und weil uns das, was wir da sahen und hörten, gut gefiel, haben wir die vier Jungs aus Texas im Anschluss an ihre Show um ein Interview gebeten. Die deutsche Übersetzung des Gesprächs könnt Ihr – mit vielen Bildern und zwei Videoclips des Auftritts – im Folgenden lesen. Wer das Interview in der englischen Originalfassung lesen möchte, der klicke hier.

Ihr seid in unseren Breiten nicht unbedingt bekannt. Könnt Ihr mal bitte für uns Eure musikalische Vita aufrollen, wo, wann und wie habt Ihr Euch kennengelernt und hattet Ihr bis dahin schon Erfahrungen in anderen Bands gesammelt?

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Die meisten von uns sind in der Nähe von Dallas in Texas aufgewachsen. 2003 wurde eine erste Formation von GHOST SCORPION gegründet, als wir noch zur High School gingen. Nach unserem Schulabschluss haben wir die Band auf Eis gelegt und uns alle auf andere Projekte konzentriert. Letztendlich sind wir alle nach Boston gegangen und haben dort in verschiedenen Bands gespielt. Im März 2010 beschlossen wir, ein paar mehr Surfsongs zu schreiben und einige der alten Lieder aus den High-School-Zeiten neu zu beleben. Das fing für uns alles als Nebenprojekt an, wurde aber schon bald unser Hauptinteresse, nachdem wir gemerkt hatten, wie viel Spaß es machen kann, sich bescheuert zu verkleiden und wilde Surfrock-Lieder zu spielen.

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Ich finde es recht ungewöhnlich, dass junge Leute wie Ihr Surfmusik machen. Die meisten Bands, die aus den USA zu uns herüberkommen, spielen Punkrock oder Hardcore. Was fasziniert Euch an der Musikrichtung Surf?

Tja, es gibt ein paar Gründe dafür, dass wir uns für unsere Musik den Surfstil ausgesucht haben. Einer der Hauptgründe wäre schon mal, dass die Gitarristen damit die Freiheit haben, die ganze Zeit Solos zu spielen. Wir waren alle schon vorher Sänger in Bands, und für uns ist bei GHOST SCORPION wahrscheinlich das Befreiendste, dass wir KEINE MIKROFONCHECKS machen müssen! Wir müssen uns nie darum Sorgen machen, ob der Laden, in dem wir spielen, eine ordentliche PA-Anlage hat – wenn wir drei kleine Röhrenverstärker anschließen und aufdrehen können, sind wir für die Party bereit. Und was auch toll ist, ist, dass wir uns nicht irgendein sinnloses Gelabere zwischen den Songs ausdenken müssen. Wie jemand einst sagte: „Less squawking, more rocking.“

Welche Künstler haben Euch bei der Arbeit für BTDOAGS inspiriert und was für Musik lauscht Ihr zuhause auf dem Sofa?

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion! Natürlich hatten frühe Surf- und Instrumental-Gruppen wie THE VENTURES, Dick Dale und THE ATLANTICS einen echt großen Einfluss auf uns, genauso wie auf jede andere Band, die mit Fug und Recht behaupten will, dass sie Surfrock spielt. Als Teenager in Texas wurde unser Gitarrenstil auch von Auftritten von REVEREND HORTON HEAT oder LOS STRAITJACKETS beeinflusst, genauso wie von Platten der Horror-Surf- Pioniere THE GHASTLY ONES aus Kalifornien und SATAN’S PILGRIMS aus Oregon. Was die Musik betrifft, die wir bei uns zu Hause hören, haben wir echt Glück, momentan in Boston zu sein. Die anderen örtlichen Bands, mit denen wir zusammen spielen, haben alle in den letzten Jahren geniale Platten rausgebracht. Boston-Bands wie THE FAGETTES, CREATUROS, NICE GUYS, SPIRIT KID, DOUG TUTTLE und so viele andere haben sich bei uns allen auf den Plattentellern zu Hause wiedergefunden.

Wie seid Ihr auf den skurrilen Bandnamen und Euer Outfit mit der Vermummung und den Skorpion-T-Shirts als Markenzeichen gekommen? Symbolisiert der Skorpion irgendetwas Bestimmtes für Euch?

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Auf die Frage nach unserem verrückten Namen gibt es viele Antworten, von denen keine wirklich Sinn ergibt. Auf jeden Fall können wir uns so schon mal sicher sein, dass keine andere Gruppe bereits unseren Namen hat! Ehrlich gesagt war das bloß irgendwie ein sinnloser Insiderwitz, den wir einfach beibehalten wollten. Was die Masken und identischen T-Shirts betrifft, haben wir uns gedacht, dass wir so mehr als eine einheitliche Rock’n’Roll-Party-Maschine rüberkommen und irgendwie das Element des Frontmann-Egos eliminieren. Den Skorpion haben wir ausgesucht, weil sein Stich tödlich ist und er insgesamt eine Bad-Ass-Attitüde rüberbringt. Mit einem lebendigen Skorpion willst du dich nicht anlegen, aber mit einem Geistskorpion erst recht nicht! Also pass auf – Beware!

Es sieht immer recht lustig aus, wenn Ihr während der Show Eure Halstücher vor dem Gesicht anheben müsst, um mal an Eurer Bierflasche zu nippen. Habt Ihr die Idee mit den Tüchern schon jemals verflucht und ist Euch nicht außerdem furchtbar heiss?

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Ja, wir haben uns am Anfang dazu entschieden, die Tücher zu tragen, und manchmal bereuen wir es schon. Aber wenn man einmal diese Verkleidung zu einem Teil seines Acts gemacht hat, muss man dabei bleiben. Sonst wäre das, wie als KISS ihr Makeup entfernt haben. Das will doch keiner sehen! Unter den Tüchern wird es manchmal heiß und unangenehm, das stimmt, aber der Hauptvorteil ist, dass sie die lächerlichen Rock’n’roll-Grimassen verbergen, die anscheinend jeder ziehen muss, wenn er ein Gitarrensolo spielt. Manchmal trägt unser Schlagzeuger sogar eine komplette Halloween-Werwolf-Maske, die bei einem vollständigen Set zu einer unglaublichen Plage werden kann. Letztendlich helfen uns die Verkleidungen einfach dabei, ungehemmt auf die Bühne zu gehen und einfach nur die Songs mit der notwendigen Energie zu spielen.

Ich nehme an, von Surfmusik allein könnt Ihr nicht überleben, geschweige denn eine Tour finanzieren. Welchen regulären Jobs geht Ihr nach? Wenn ich an Eure Tücher denke, seid Ihr vielleicht professionelle Bankräuber?

Eigentlich sind wir hauptberuflich Grabräuber, die Leichen an Medizinstudenten oder verrückte Wissenschaftler verticken. Und dann arbeiten wir auch noch ein bisschen in Restaurants und so. Unser Drummer ist auch Boss der Mystic Steamship Company, einem Aufnahmestudio in Boston. Für die Finanzierung Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!der Tour gingen definitiv die Ersparnisse eines ganzen Jahres drauf. Im Endeffekt wurde jeder Dollar, den wir 2014 als Band verdient haben, in die Finanzierung unserer Reise nach Europa und die Miete des Equipments und Wagens gesteckt. Wir haben in letzter Zeit einige Platten rausgebracht und hoffen, dass wir genug Vinyl und T-Shirts verkaufen können, um ausreichend Sprit im Tank zu haben, dass wir in die nächste Stadt kommen. Für eine Band unserer Größe hängt sämtliches Einkommen von der Merch ab, die wir verkaufen. Und selbst damit ist es oft schwierig, keinen Verlust zu machen.

Das – sehr schöne – Artwork Eurer Veröffentlichungen lässt auf eine starke Affinität zu Horrorthemen und Übernatürlichem schließen. Steht da ein Konzept dahinter oder sind das persönliche Vorlieben von Euch?

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Vielen Dank! Wir versuchen, uns beim Artwork für unsere Tonträger schon ein paar Gedanken zu machen. Ja, wir sind ein bisschen von allem Übernatürlichen besessen und versuchen Musik zu schreiben, die das widerspiegelt. Das ist wie bei dem, was Tony Iommi über BLACK SABBATH gesagt hat, die Leute mögen Horrorfilme, also warum nicht auch Horrormusik?

Heute habt Ihr vor einer Handvoll Gäste spielen müssen. Hat es Euch trotzdem Spaß gemacht oder fragt Ihr Euch an solchen Tagen, auf was Ihr Euch da bloß eingelassen habt?

Da wir vollkommen auf uns selbst gestellt und auf keinem Plattenlabel sind, ist es immer noch meistens so, dass wir unter der Woche nur für eine Handvoll von Leuten spielen. Vor allem wenn man bedenkt, dass wir noch nie in Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Deutschland waren! An Freitagen und Samstagen sind normalerweise mehr Leute da. Es hat uns echt Spaß gemacht, hier im Dreikönigskeller zu spielen. Für uns ist das der ideale Laden. Alle, die da waren, waren äußerst nett, und wir haben sogar ein paar Platten verkauft. Die Momente, an denen wir uns fragen, auf was wir uns hier bloß eingelassen haben, sind normalerweise, wenn wir rumkurven, um einen Parkplatz oder eine Absteige für die Nacht zu finden. Der Auftritt an sich ist dann das, für das sich für uns der ganze Kram lohnt. Natürlich ist es umso schöner, je mehr da sind, aber wenn unter der Woche nur acht Leute kommen, um uns zu sehen, ist das kein Problem. Für uns ist jede Show immer noch eine Party.

Wie lange habt Ihr an den Vorbereitungen für diese Tour gearbeitet und mit welchen Erwartungen seid Ihr über den Großen Teich gekommen? Wie lief die Reise bisher?

Die theoretische Planung unserer Europatour begann im November 2013, und die praktische Vorbereitung dann im Januar 2014. Wir waren uns nie sicher, was wir zu erwarten hatten, aber wir haben uns gedacht, dass es jetzt eine gute Zeit für eine Tour von diesem Umfang ist. Wenn nicht jetzt, wann dann? In den USA haben wir schon recht viel getourt, und das ist recht gut gelaufen. Aber wir wollten immer das Leben auf der Straße in Europa erleben. Bislang ist es eine sehr positive Erfahrung, abgesehen von ein paar Konzerten, die auf den letzten Drücker abgesagt wurden wegen Missverständnissen und Doppelbuchungen. Eines, das wir gelernt haben, ist, dass es auf jeden Fall teuer ist, hier bei Euch zu reisen!

Wieviele Besucher erscheinen bei Euren Shows in Eurer Heimat? Ist Surf in den USA immer noch populär oder gerade wieder im Kommen?

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Surfrock ist in Amerika nicht extrem populär, aber er ist schon eine recht große Subkultur. Das Gute an unserer Band ist, dass wir oft sehr gut in Punk- oder Garagerockshows passen, genauso wie in reine Instrumental-Veranstaltungen. Eigentlich ist es auch so, dass wir lieber mit Bands spielen, die nicht streng genommen Surf sind, weil Traditionalisten sagen würden, dass wir halt auch nicht streng genommen Surf sind. Wir sind gerne die einzige Instrumentalband, die die Mischung mit den anderen Bands bunter macht.

Was hat Euch speziell in Deutschland gefallen und was nicht? Vorsicht bei der Beantwortung dieser Frage, Jungs…

Wir LIEBEN Deutschland. Es ist so ein schönes Land und wir hatten das Glück, in der letzten Woche eine Menge der Landschaft sehen zu können. Ehrlich gesagt war es auch äußerst hilfreich für uns in Deutschland, dass man sich mit Englisch durchschlagen kann. Aber ich meine, dass wir beim nächsten Mal definitiv unser Deutsch und Französisch auffrischen sollten. Die EINE Sache, die wir beim Rumfahren in Deutschland nicht mögen, ist dass man an einer Tankstelle für die Toilettennutzung bezahlen muss! Daran muss man sich erst gewöhnen. Nach dem Motto: „Ich muss mal kacken, hat einer ’nen Euro?“

Beware the Dangers of a Ghost Scorpion!Zum Schluss nehme ich nochmal Bezug auf Eure Show vorhin: Habt Ihr es schon einmal erlebt, dass Euch ein Barkeeper gebeten hat, noch ein paar Songs mehr zu spielen?

Wir haben das Glück – vor allem, wenn wir die einzige Band an dem Abend sind – dass wir oft die Gelegenheit haben, ein Zugabenset spielen zu können. In Prag hatten wir am Ende vier volle Sets gespielt, bis fast drei Uhr morgens!

Vielen Dank für das Interview!

Am 12.11. ist die Band noch im Bremer „Heartbreak Hotel“ zu sehen, am 13.11. macht sie im Berliner „Tiefgrund“ und am 14.11. im Berliner „Wild at Heart“ Station.


Links: https://www.facebook.com/btdoags, https://myspace.com/northtexascobrasquadron, http://www.reverbnation.com/bewarethedangersofaghostscorpion, http://ghostscorpion.bandcamp.com/

Interview, Fotos & Clips: Stefan
Übersetzung: Jan

Alle Bilder:

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