Nachtleben, Frankfurt, 24.03.2025
„Monday’s a bitch“ singen THE GODFATHERS um Frontmann Peter Coyne (links) in ihrem Lied „You Gotta Wait“ – und just an einem Montagabend gastierte die britische Rockgruppe im Frankfurter Club Nachtleben, um im Rahmen ihrer Tour zum 40-jährigen Bandbestehen mit den Fans zu feiern. Nun ist das ja allgemein mit Konzerten am ersten Werktag der Woche so eine Sache: Gern geht man da nicht aus dem Haus, ist noch angeschlagen vom frühen Aufstehen nach dem Ausschlafen am Wochenende. Wer kennt das nicht. Aber die Künstler können sich ja auch nicht immer montags einen Off-Day nehmen. Und so muss alle sieben Tage eine Stadt in den sauren Apfel beißen. Diesmal waren wir die Gekniffenen. War also viel menschenleerer Raum vor der Bühne zu befürchten? Anfangs sah es so aus, als würde der 40. Bandgeburtstag tatsächlich im arg familiären Rahmen begangen werden.

Doch weit gefehlt. Die meisten Konzertgänger ließen sich lediglich ein wenig länger Zeit, bevor sie die Tür zum Kellerclub aufstießen. Die GODFATHERS haben – auch im Rhein/Main-Gebiet – eine größere Fanbase. Das Publikum: Mehrheitlich angegraute Herren Ü50, manche gar Ü60, weibliche Fans waren
absolute Mangelware. Klingt langweilig. War es nicht! Denn wer so lange in der – in Frankfurt überschaubaren – Szene unterwegs ist, der kennt in der Regel eine Menge Leute und so war es auch gestern: Neben dem Konzert war dies ein Treffen von (alten) Bekannten – ein Zuzwinkern hier, eine herzliche Umarmung dort und ein munterer Plausch da. Einige hatten ihre alten GODFATHERS-Shirts aus dem Kleiderschrank geholt und übergestreift (schön, wenn die noch passten), um ihren Veteranenstatus nachzuweisen. Erzählungen über die vergangenen Auftritte der Briten in Frankfurt und Umgebung machten die Runde. Jemand erzählte, die Formation schon zehnmal gesehen zu haben. Ob aufgerundet oder nicht, das klang rekordverdächtig.
Ende der Achtziger Jahre füllte die Combo um Sänger und Gründungsmitglied Peter Coyne die 2015 abgerissene Batschkapp in Eschersheim, die fasste immerhin 400 Besucher. Ihre Musik war bis weit in die Neunziger eine Art Blaupause für Alternative Rock mit gelegentlichen Punk-Einsprengseln. Nach einem Split am Ende des alten Jahrtausends gab es eine bis 2008 andauernde Pause. Danach war es ein wenig ruhiger um die Truppe, bespielt wurden statt großer Hallen vornehmlich kleinere Clubs. In der Mainmetropole sollen die GODFATHERS sogar einmal im klitzekleinen Sachsenhausener DKK aufgetreten sein, so hörte ich. Verifizieren kann ich das nicht. Auch das „The Cave“ in der Innenstadt stand schon (2019) auf dem Tourplan. Fakt ist außerdem, dass wir
die Band schon einmal, und das ist schon wieder zehn Jahre her, für diesen Blog im Club „Das Bett“ besucht haben (siehe den Bericht hier). Es war also höchste Zeit, die 1985 in London gegründete Formation erneut zu sehen.
Die Gelegenheit war günstig, absolviert das Quintett doch zurzeit seine „40th Anniversary Tour“ auf dem alten Kontinent mit Shows u. a. in Belgien, Schweden, Deutschland, Österreich, Kroatien und Frankreich. Und man durfte – wie bei Jubiläumstouren üblich – darauf hoffen, allen Lieblingsliedern aus dem bisherigen Schaffen live beiwohnen zu können. Diese stammen vor allem aus der Frühzeit der Band. Referenzwerke sind für mich noch immer die beiden Scheiben „Birth, School, Work, Death“ von 1988 und das im Folgejahr
veröffentlichte Werk „More Songs About Love & Hate“ mit den Porträts von Liz Taylor und Richard Burton auf dem Cover (eines der schönsten Artworks aller Zeiten, wie ich finde). Aber auch der noch aktuelle, inzwischen dreizehnte (!) Langspieler „Alpha Beta Gamma Delta“ (2022) hat einige Knaller-Songs, auf die ich später noch eingehe.
Überrascht wurde ich – wie vermutlich viele andere Gäste – dass es entgegen der ursprünglichen Ankündigungen eine Vorgruppe gab. Wie mir zugetragen wurde, hatten sich die GODFATHERS erst spät entschlossen, noch einen lokalen Support mit ins Programm zu nehmen. So erklommen die Frankfurter Punkrocker THE SWIPES, die ich sowohl für ihre Musik, als auch für ihr soziales und politisches Engagement überaus schätze,
pünktlich um 21 Uhr das Podest. Sie spielten eine Dreiviertelstunde einige Songs von ihrem just 2024 veröffentlichten Dreher namens „Something in the Way Must Be Destroyed“ sowie ein paar ältere Stücke. Über die SWIPES haben wir in diesem Blog zuletzt im September 2015 berichtet (hier), sodass wir auch da bei Gelegenheit mal nachbessern müssen; an dieser Stelle würde das aber den Rahmen sprengen. Glücklicherweise ist die umtriebige Combo in unseren Breiten des Öfteren zu sehen.
Nach kurzer Umbaupause wurde es dann Zeit für die GODFATHERS. Die Show startete mit „This is War“, dem vermutlich besten Song der LP „Unreal World“ (1991). Ein brillanter Opener. „We Are The Godfathers!“ tönte es aus den Boxen, gefolgt von der Aufforderung des Frontmanns: „Make some noise!“. Dazu hielt
Mister Coyne das Mikrofon mal mit, mal ohne Ständer über die ersten Reihen des inzwischen gut gefüllten Clubs. Er bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen am Montagabend und stimmte anschließend mit „She Gives Me Love“ vom „Love & Hate“-Album das zweite Stück an. Von dieser schönen Veröffentlichung folgten später noch „How Low is Low?“ und „This is Your Life“, zwei melodische und sehr repräsentative GODFATHERS-Songs.
Die Band besteht zum Zeitpunkt ihres 40-jährigen Jubiläums neben Sänger Peter Coyne aus den beiden Gitarristen Richie Simpson und Paul Humphreys sowie Jon Priestley am Bass und Billy Duncanson hinter dem Schlagzeug. Sie alle sollten in den folgenden gut eineinhalb Stunden mit rund zwei Dutzend Liedern für einen kurzweiligen Abend sorgen. Dass dies gelang, ist vor allem dem großartigen Songmaterial zu verdanken, dass die GODFATHERS innerhalb von vier Dekaden angehäuft haben. Ein Großteil des gestrigen Sets speiste sich aus den Liedern des ersten und zweiten sowie des bisher letzten Albums. Vom Debüt-Werk „Birth, School, Work, Death“, das ich durchaus als Rock-Klassiker einordnen würde, wurden mindestens sieben Tracks gespielt.
Darunter befand sich einer meiner Favoriten, „Cause I Said So“, sowie prägnante Stücke wie „If I Only Had Time“, „Tell Me Why“ und „Love is Dead“. Nicht zu vergessen der Titelsong, größter Hit der Band, der zum Fäuste recken und mitsingen animierte. Neben den oben genannten Liedern des Zweitlings „More Songs About Love & Hate“ war das aktuelle Werk oft vertreten, u. a. mit dem starken „Lay That Money Down“, dem mit toller Hookline versehenen „I Despair“ sowie „OCD“ und „I’m Not Your Slave“.
Insbesondere Gitarrist Simpson, bei dem mir die Krawatte mit Leoparden-Muster (trägt er oft, scheint eine Art Glücksbringer zu sein) ins Auge fiel, und Bassist Priestley, der schon bei den Punk-Legenden THE DAMNED die vier Saiten zupfte, waren sich für keine Pose und gut gelaunte Grimasse zu schade.
Kurz vor Ende des Auftritts kam dann noch ein Cover, das ich von den englischen Alternative Rockern nicht erwartet hätte: „(You Gotta) Fight For Your Right (To Party!)“ von den US-amerikanischen Hip-Hoppern BEASTIE BOYS. Das wurde vom Publikum gern genommen – hoher Identifikationsfaktor und eine schöne Möglichkeit, in den (mit britischem Akzent irgendwie liebenswürdig vorgetragenen) Refrain einzustimmen. Denn Party mögen wir schließlich alle.
Nach der Live-Show konnten am Merchtisch noch allerhand Tonträger und T-Shirts erstanden werden. Für das aktuelle Doppel-Album „Alpha Beta Gamma Delta“ wurden allerdings 40 Euro fällig. Knackig, aber heutzutage leider der gängige Preis für zwei Vinyl-Scheiben. Immerhin bestand für alle, die sowohl genug Geld als auch ein wenig Geduld mitbrachten, die Möglichkeit, sich das
Teil signieren zu lassen; die Bandmitglieder standen außerdem für Fotos mit den treuen Fans zur Verfügung. Mich sprach das Shirt mit dem ikonischen Cover-Motiv der „Birth, School, Work, Death“-Platte am meisten an. Es ist (wie der Song) ein Geniestreich und absolut unvergänglich.
War diese Veranstaltung nun ein Altherrenabend? Auf keinen Fall. Die Band präsentierte sich – ebenso wie viele Tanzende im Publikum – frisch und motiviert wie eh und je. Wer möchte, kann sich bei YouTube hier in guter Bild- und Tonqualität einen Zusammenschnitt des Auftritts anschauen. Es ist kein „Full Concert“, wie dort angegeben und die Songs sind in anderer Reihenfolge aneinandergereiht, aber sehenswert. Verschleißerscheinungen sind bei den GODFATHERS nicht erkennbar, und ich hoffe, noch einige weitere ihrer Shows erleben zu dürfen. Auch gerne wieder an einem Montagabend.
Links: https://www.thegodfathersofficial.com/, https://www.facebook.com/TheGodfathersFamily/, https://www.instagram.com/the_godfathers_official/, https://thegodfathers.bandcamp.com/, https://www.last.fm/music/The+Godfathers
Text & Fotos: Stefan
Alle Bilder:







