SPLIT DOGS & PROFESSIONAL TEENAGERS

Dreikönigskeller, Frankfurt, 27.03.2025

Split DogsKnapp ein Jahr ist es her, seit wir das letzte Mal aus dem Dreikönigskeller berichtet haben. Schande über uns, ist doch die kultige Location aktuell der place to be. Seit September 2024 unter neuer Führung, brummt der Club und liefert Konzerte und DJ-Events a gogo. Dies ist gut und wichtig für die hiesige Musikszene und erspart den Fans oft den leidigen Weg nach Weinheim, Karlsruhe oder Düsseldorf, wo wesentlich mehr Punkbands Station machen als bei uns in Mainhattan. Am gestrigen Tag lieferte der DKK gleich zwei Highlights – zum einen den lokalen Opener PROFESSIONAL TEENAGERS, zum anderen den aus Bristol stammenden Act SPLIT DOGS. Der Einlass erfolgte ab 20 Uhr und zu dieser Zeit war der Keller bereits gut gefüllt. Wenig später prangte ein Zettel mit den Worten „Ausverkauft – Sold Out“ an der Tür. Besucher, die zu spät kamen, mussten wieder den Heimweg antreten.

Professional TeenagersDer Ansturm an Zuschauern dürfte nicht zuletzt an den Lokalmatadoren gelegen haben, die ihren ersten offiziellen Gig bestritten. Zuvor waren die PROFESSIONAL TEENAGERS nur bei einer Party im vergangenen Jahr in der Au aufgetreten, wo nicht jeder die Gelegenheit hatte, die junge Formation zu sehen. „Jung“ bezieht sich dabei wohlgemerkt auf das Gründungsjahr 2023, denn die Mitglieder sind Musiker im besten Alter, alle Veteranen der Frankfurter Punk- und Rock’n’Roll-Szene und dürften in Summe die 200 Jahre locker überschreiten.

Professional Teenagers

Bekannt aus Bands wie THE VOODOO GODZ, CROWDPLEASER, BORNHEIM BOMBS, MONKEY SUITE und HOLLA DIE WALDFEE – um nur einige zu nennen – konzentriert sich das Quartett darauf, den Punk-Rock-Träumen seiner Jugend nachzujagen. Die Ambition, mit der Band Karriere zu machen, dürfte im Professional TeenagersHintergrund stehen – bei dem illustren Vierer geht es vielmehr darum, Spaß zu haben. Und den hatten Biebl (Gesang), Gerd (Gitarre), Eaglebauer (Bass) und Achim (Drums) sichtlich. Sound und Songs sind an jene Bands und Einflüsse angelehnt, von denen die Jungs in ihrer Jugend geprägt wurden. Geboten wurde eine Melange aus Hi-Energy-Rock, 77-Punk und Joan-Jett-Hard-Rock, die das ebenfalls nicht mehr ganz junge Publikum auf eine Zeitreise in die Sexy-Seventies einlud. Im Professional TeenagersVergleich zum Gig in der Au wirkten die Frankfurter wesentlich routinierter und je länger der Auftritt dauerte, desto lockerer wurden die TEENAGER.

Neben eigenen Songs gab es auch einige Cover, darunter – passend zum Bandnamen – das Stück „Gimme Gimme Gimme Gimme Your Love“ von THE TEENS, einer deutschen Teenie-Rock-Gruppe aus den 1970er Jahren, „Don’t Come Crying To Me“ von den Detroiter Punk-Pionieren CINECYDE und „Kisses“ von den MARIONETTES. Beendet wurde die Show mit „Sonic Reducer“ von den mächtigen DEAD BOYS, der ohne Zweifel zu den besten Punk-Tracks aller Zeiten zählt. Unterm Strich war’s ein kurzweiliger Auftritt, der großen Spaß machte, aber einige Fragen offen ließ: Warum hatte sich Biebl ein Hemd von Professional TeenagersLiberace ausgeliehen? Warum trug Eaglebauer eine Brille – Sid Vicious hatte bei seinen Auftritten doch nie eine getragen und warum gab es weder Pyro-Effekte noch Tänzerinnen auf der Bühne? Doch all dies konnte der Party-Stimmung, die im Keller herrschte, keinen Abbruch tun. Zudem dürfen sich die PROFESSIONAL TEENAGERS rühmen, gleich bei ihrem ersten Gig den Laden ausverkauft zu haben und blicken somit goldenen Zeiten entgegen – sofern nicht Rheuma, Arthrose oder ein neues Hüftgelenk die Pläne durchkreuzen.

Nach einer kurzen Umbaupause ging’s schließlich weiter mit den Briten SPLIT DOGS. „Here to Destroy“ heißt deren erst kürzlich erschienenes zweites Album – und der Name der Scheibe ist Programm. Das aus Bristol stammende Quartett macht Dampfhammer-Punk’n’Roll und sorgt aktuell überall in Europa mit seinen energetischen Shows für Furore. Tatsächlich könnte man den Vierer Split Dogsauch als musikalisches Pendant zu den derzeit durch die Decke gehenden Australiern AMYL AND THE SNIFFERS betrachten, wobei die noch ein wenig kauziger und provokanter daherkommen und eine Platte mehr vorzuweisen haben. Die Wut, Wucht und Aggression, in welcher die Briten ihre Songs verpacken, stehen dabei der ihrer australischen Gesinnungsgenossen in nichts nach. Insofern war es für Freunde des dreckigen In-Your-Face-Punk-Rocks eine Partynacht, die jedem der Anwesenden noch Split Dogslang in Erinnerung bleiben dürfte – auf der nächsten Tour dürften die SPLIT DOGS vermutlich bereits in größeren Locations gastieren.

Im Fokus des Live-Auftritts stand Frontfrau Harry Atkins, die gemeinsam mit dem Gitarristen Mil Martinez die Formation 2022 ins Leben rief. Pate für den Namen SPLIT DOGS standen dabei Exponate halbierter Hunde, die im Horrorklassiker „Return of the Living Dead“ zum Leben erwachen. Komplettiert wird die Band durch die Bassistin Suez Boyle, ihres Zeichens langjährige Aktivistin der Queer-Punk-Szene ihrer Stadt, die bereits mit 16 Jahren mit THE WALKING ABORTIONS beim ersten Rebellion Festival auf der Bühne stand, und Drummer Chris Hugall, einem alten Freund von Martinez und ehemaligen Mitglied der Ska-Punks MOUTHWASH.

Split Dogs

Dass die nicht mehr ganz jungen Musiker auch heute noch wie eine Horde angepisster Teenager über die Bühne toben, mag daran liegen, dass sich außer Harry jeder ihrer Mitstreiter vor der Gründung der SPLIT DOGS zehn oder mehr Jahre vom aktiven Musikmachen zurückgezogen hatte und daher lange kein Split DogsVentil hatte, um der angestauten Wut Luft zu machen. Die Spielfreude, mit der das Quartett agierte, war beeindruckend und die Gesichtskirmes von Frontfrau Harry trug ihren Teil zum dargebotenen Rock’n’Roll-Meltdown bei. Gespielt wurden nahezu alle Songs der beiden bisherigen Longplayer, von denen kaum einer die Drei-Minuten-Marke überschritt, was den Gig umso kurzweiliger machte. Und auch wenn das Publikum mit dem Œuvre der SPLIT DOGS nicht gänzlich vertraut Split Dogsgewesen sein dürfte, was das Mitgrölen der Songs erschwerte, so reihten sich doch u. a. mit „Monster Truck“, „Meg“ und „And What?“ ein Kracher an den nächsten und ließ das Publikum nach etwa einer Stunde erschöpft, aber glücklich, zurück. Fazit: Mit den SPLIT DOGS präsentierte sich ein junge, wilde Kapelle, von der man in den nächsten Jahren sicher noch viel hören wird. Danke an den Dreikönigskeller und sein Team, die den Auftritt möglich gemacht haben.

Links: https://www.facebook.com/people/Professional-Teenagers/, https://www.splitdogs.co.uk/, https://www.facebook.com/splitdogsofficial/https://www.instagram.com/splitdogs/, https://www.youtube.com/@splitdogsuk, https://splitdogs.bandcamp.com/, https://www.last.fm/music/Split+Dogs

Text: Marcus
Fotos: Boris, http://www.borisschoeppner.de/

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