Exzess, Frankfurt, 11.04.2025
Am gestrigen Abend erwartete die Besucher des Exzess dreifaches In-Your-Face-Geballer, das besonders Freunde härterer und oldschooliger Klänge begeisterte. Mit von der Partie waren BURT aus Saarbrücken, DEVIL’S HOUR aus Frankfurt sowie der Headliner GRAVEKVLT (Foto links) aus Nantes in Frankreich. Los ging’s zu einer angenehmen Zeit: Nicht um sieben, acht oder neun, sondern erst um zehn Uhr sollte der Opener starten, denn zunächst musste abgewartet werden, bis die Theatergruppe von der Dramatischen Bühne ihre Vorstellung beendet hatte. Pünktlich zum planmäßigen Beginn fanden sich die Besucher recht zahlreich vor dem Podest ein, doch tatsächlich startete das Konzert erst eine Viertelstunde später, denn der Sänger von BURT, so wurde mir berichtet, hatte nämlich noch eine, äh, Sitzung. Vielleicht haben
die Jungs ja nicht ohne Grund ein Lied namens „Stuhlgang“ im Repertoire.
Um 22.15 Uhr war die Band schließlich komplett und die Saarländer konnten beginnen. Geboten wurde ein brachiales Inferno aus Hardcore und Power-Violence, das in Songs auf das Publikum einhagelte, die selten länger als 30 Sekunden waren – Musik ganz nach meinem Gusto. Ob Titel wie „Endstation Trottel“, „Homöopathische Kackscheiße“ und „Work-Life-Balance am Arsch“ zum Besten gegeben wurden, entzieht sich ob des unverständlichen Gebrülls des Shouters meiner Kenntnis. Auf jeden Fall finden sich die drei Stücke neben 52
weiteren auf dem Best-of-Tape, das am Merchstand angeboten wurde. Apropos Merch: BURT hatten das T-Shirt des Abends im Gepäck. Es zeigt ein Miss Marple-Porträt mit dem Untertitel „Senior Violence“ – großes Kino! Nach 15 Minuten und gefühlt 30 Tracks war der Hagelschauer dann auch schon vorüber und hatte mir eine wohlige Seelenmassage beschert. Danke dafür.
Devil’s Hour
Die zweite Formation waren die Frankfurter DEVIL’S HOUR, die mit „Apocalyptic Drunken Bastards“ just ihr Longplay-Debüt feierten. Musikalisch wurde Black’n’Roll, also VENOM- und MIDNIGHT-Worship geboten oder wie es auf der Bandcamp-Seite des Vierers heißt: Heavy Black’n’Punk. Wer die genannten Acts kennt, der dürfte wissen, dass hier eine
Melange aus frühem Black Metal – only VENOM are pure Black Metal! –, Krawall-Punk der Marke GBH und einem Schuss MOTÖRHEAD präsentiert wurde. Die Kapuzenmänner von MIDNIGHT sind aktuell die Band der Stunde in jenem Genre, doch auch DEVIL’S HOUR sind auf dem Weg in die Hölle richtig abgebogen und jagen ihnen mit „Blood, Sweat & Beers“ (einer der Songtitel) hinterher.
Die Mischung aus Early-Black-Metal und Punk sorgte in den ersten Reihen vor der Bühne schnell für Begeisterung: Das Bier floss in rauen Mengen, Haare wehten wie Flammen aus dem Hades durch die Luft und schufen auf diese Weise ein Konzert-Szenario wie es sein sollte: Kleiner Club, schummrige Beleuchtung, geile Band und gute Stimmung. Und dies,
obgleich DEVIL’S HOUR nicht in ihrer angestammten Besetzung angetreten waren. Schlagzeuger Marlon war nämlich gerade mit SCHEISSE MINNELLI in den USA unterwegs, da deren fester Trommler Dudel die Tour nicht wahrnehmen konnte. Doch adäquater Ersatz wurde gefunden, sodass der Gig im Ex planmäßig stattfinden konnte. Dass sich DEVIL’S HOUR nicht allzu ernst nehmen, beweist nicht nur der Album-Titel, sondern auch Songs wie „Beerzerker“ und „Hessian Steel“, die von den Fans der Combo, die nicht zum ersten Mal im Exzess gastierte, lautstark mitgegrölt wurden. Unter dem Strich war es ein eindrucksvoller Gig einer heimischen Formation, von der man hoffentlich noch viel hören wird.
Als letzter Act und Headliner des Konzertabends betraten schließlich die im Jahr 2021 gegründeten GRAVEKVLT das Podest. Die Franzosen hatten mich bereits beim Reinhören in ihr aktuelles Material auf Bandcamp (Link dazu unten) beeindruckt und live wurde
Gravekvlt
es dann noch mal eine Ecke besser. Vor mir standen vier langhaarige Headbanger, die allesamt Sonnenbrillen trugen und mit einem kettensägengleichen Riff und einen dumpfen „Uhhh“ ihr Set begannen. „Evil Speed Metal Punk“ nennt das Quartett seinen Stil – eigentlich war es ebenfalls Black’n’Roll – und auch hier dürften Vorbilder wie VENOM, CELTIC FROST, TANK, GBH und MOTÖRHEAD als Inspirationsquellen gedient haben.
Geboten wurde das komplette bisherige Repertoire der Band, das aus zwei Longplayern und einer Single besteht. Im Gegensatz zu DEVIL’S HOUR, die dasselbe Genre bedienen, ging es bei GRAVEKULT etwas weniger verspielt zu, soll heißen, es gab weniger klassische Metal-Soli und dafür mehr grimmige Härte im frühen CELTIC FROST-Stil. Wie bei DEVIL’S HOUR war auch hier sympathisch, dass man sich trotz finsterer Horror-Lyrics nicht bierernst nimmt – dass die Jungs beispielsweise den Gag mit den Sonnenbrillen bis zum Ende des Gigs durchziehen würden, hätte ich nicht gedacht, aber es scheinen nun mal echte „Dungeon Punks“ (ein Songtitel des aktuellen Albums „Full Moon Fever“) zu sein.
Direkt nach der Show plünderte die Besucherschar den Merchstand, an dem die letzten Exemplare der Erstauflage des Drehers von 2024 erworben werden konnten. Abschließend kann konstatiert werden, dass GRAVEKVLT momentan gemeinsam mit Combos wie MIDNIGHT, DEVIL MASTER und HELLRIPPER zur Speerspitze des Black’n’Roll-Genre zählen. Umso schöner war’s für alle Anwesenden, die Band in einem kleinen Club erleben zu können.
Links: https://www.facebook.com/666BURT666/, https://www.instagram.com/burt_powerviolence/, https://burthighspeedpunk.bandcamp.com/, https://www.facebook.com/Devilshourmetalpunk/, https://www.instagram.com/devilshour_metalpunk/, https://devilshour.bandcamp.com/, https://www.facebook.com/gravekvlt.band/, https://www.instagram.com/gravekvlt.band/, https://gravekvlt.bandcamp.com/music
Text & Fotos: Marcus
Artwork/Illustration: Vaurien (@vaurien_ttt)
Alle Bilder:







