TEENAGE BOTTLEROCKET

Elfer Music Club, Frankfurt, 3.08.2015

Teenage BottlerocketEigentlich hasse ich Pop-Punk. Egal ob GREEN DAY, OFFSPRING, NOFX, LAGWAGON oder PENNYWISE, die weichgespülte Punk-Variante geht mir gehörig auf den Senkel. Tatsächlich halte ich die Bezeichnung „Pop-Punk“ für ein Oxymoron, denn – zumindest in meiner Welt – muss Punk rau, rebellisch, textlich provokant und musikalisch wie ein Schlag in die Fresse sein. Die Begriffe Punk und Pop passen daher ebenso wenig zusammen wie die Worte Frieden und Panzer und dennoch gibt es beide Bezeichnungen. Schuld daran sind Formationen wie die DESCENDENTS, BAD RELIGION oder NOFX, die vermutlich die ersten waren, die die Kommerzialisierung des Punks voran trieben, um ein breiteres Publikum zu erreichen. Und die Mission ist durchaus gelungen, denn Schlager-Punk-Bands erfreuen sich großer Beliebtheit, Teenage Bottlerocketwenn auch in erster Linie bei Rock-am-Ring-Fans, die gerne mal alles hören, zu dem man gut Party feiern kann.

Anno 2015 besteht das Genre aus Hunderten von Acts, darunter auch eine Handvoll, mit denen ich mich durchaus anfreunden kann, vor allem deshalb, weil Formationen wie SLOPPY SECONDS, die QUEERS oder die NOBODYS ihre melodiösen Songs mit derben und provokanten Lyrics würzen. Dies ist bei den aus Laramie, Wyoming stammenden TEENAGE BOTTEROCKET nicht ganz so, aber immerhin präsentiert man sich im Vergleich zur Konkurrenz härter und schneller und weckt hier und da sogar Erinnerungen an die großen RAMONES.

Teenage Bottlerocket

Nachdem die Amerikaner in den letzten fünf Jahren bereits zweimal in Wiesbaden Station machten, bot sich nun auch für Frankfurter Konzertgänger die Gelegenheit, die Jungs vor der Haustür zu sehen. Wie üblich im Elfer ging’s mal wieder am späten Nachmittag, nämlich kurz nach 19 Uhr, los, sodass ich die Frankfurter PROFILE ME komplett verpasste und von der australischen Combo THE DECLINE lediglich noch die letzten beiden Songs mitbekam. Dies war allerdings nicht weiter schlimm, denn die beiden Stücke, die ich hörte, hatten bereits gereicht, um zu wissen, dass ich mit den Australiern nicht warm werden würde.

Teenage BottlerocketEtwa gegen 21 Uhr betrat schließlich der Headliner die Bühne, der sich im Gegensatz zur kunterbunt gekleideten Truppe THE DECLINE optisch in seriösem Schwarz präsentierte. TEENAGE BOTTLEROCKET wurden im Jahr 2001 von den Zwillingsbrüdern Ray (zunächst Bass/Gesang) und Brandon Carlisle (Schlagzeug) ins Leben gerufen. 2004 stieß mit Kody Templeman (Gitarre) der Kopf der LILLINGTONS zur Band, 2006 komplettierte schließlich Basser Teenage BottlerocketMiguel Chen die Formation und ermöglichte es Ray, seinen Bass gegen eine Gitarre zu tauschen. Bisher sind sechs Alben der Jungs erschienen, die übrigens alle über ein identisches Cover-Motiv, die sogenannten „ Skull and Crossrockets“ verfügen und sich lediglich durch die Farben unterscheiden.

Musikalisch umfasste der Set einen Streifzug durch die Langspieler Zwei bis Sechs, wobei die meisten Songs vom zweiten Werk „Total“ und vom aktuellen Output „Tales From Wyoming“ stammten. Highlights waren Tracks wie „Bigger Than Kiss“ und „Headbanger“, zu denen es auch sehenswerte Musikvideos gibt, aber auch Cover wie METALLICAs „Whiplash“ oder das in Deutsch gesungene „Ich bin Ausländer und spreche nicht gut Deutsch“. Das überwiegend junge Publikum im gut Teenage Bottlerocketgefüllten Elfer zeigte sich begeistert. Vor der Bühne wütete ein tobender Mob, während sich auf dem Podest die aufgrund der tropischen Temperaturen komplett durchgeschwitzte Band verausgabte und sich in immer neuen Rock’n’Roll-Posen präsentierte. Das Quartett hatte sichtlich Spaß daran, den Laden zu rocken und tat dies schließlich durch Rays Spruch „There’s only one problem with Germany – it’s too far away!“ kund.

Teenage BottlerocketGegen kurz nach Zehn war die Messe im Elfer dann auch schon wieder gelesen. Ich hatte eine verdammt druckvolle Performance gesehen, die mit ihrem 1-2-3-4-Punk-Rock sogar fast ein wenig an die fantastischen Gigs der RAMONES erinnerte. Kurzum, TEENAGE BOTTLEROCKET sind live eine Macht und seien daher jedem empfohlen, der melodiösem Punk-Rock nicht abgeneigt ist.


Einen Vorteil hatte es übrigens, dass die Shows bereits so früh gestartet waren. Auf diese Weise konnte ich nämlich noch einen zweiten Konzertabend im Dreikönigskeller wahrnehmen, der um 23 Uhr begann.


Links: http://teenagebottlerocket.com/, https://www.facebook.com/teenagebottlerocketofficial, https://myspace.com/teenagebottlerocket, https://teenagebottlerocket.bandcamp.com/, http://www.lastfm.de/music/Teenage+Bottlerocket

Text & Fotos: Marcus
Clip: am Konzertabend aufgenommen von Peter Screwjet

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