Das Bett, Frankfurt, 27.07.2016
Kurz vor seiner Sommerpause hielt der Frankfurter Club „Das Bett“ noch einen besonderen Leckerbissen für alle Freunde des Punk- und Surfrocks bereit: Die TURBO A.C.’s um Sänger Kevin Cole (rechts) aus New York City gaben sich die Ehre. Unter dem Motto „20 Years in Damnation Overdrive“ touren die US-Amerikaner derzeit querbeet durch Deutschland, absolvieren dabei sowohl Club- als auch Festivalauftritte und lassen auch die Anrainerstaaten Belgien, Frankreich, Tschechien und Österreich nicht unberücksichtigt. Begonnen hat die Europa-Rundreise bereits am 8. Juli in Fürth, enden wird sie 13 Auftritte später am 30. Juli 2016 im Rahmen des Welt-Turbojugend-Tage- Festivals in Hamburg.

„Damnation Overdrive“ – so lautete der Titel des ersten Longplayers der Band, veröffentlicht 1996 auf Blackout! Records. Zum 20-jährigen Jubiläum des Erscheinens jener Scheibe brachte das deutsche Label Concrete Jungle im
Juni eine opulent ausgestattete Reissue heraus, die von der aktuellen Tour des Quintetts flankiert wird. Quintett? Waren das nicht immer nur vier Musiker bei den TURBO A.C.’s? Im Grunde schon, doch wurde das für eine Punkrock-Combo erstaunlich beständige Line-Up mit Frontmann Kevin Cole, Gitarrist Jer Duckworth, Bassist Tim Lozada (links) und Schlagzeuger Mike-e Montreal nun um den zweiten Gitarristen Mikey Millionaire ergänzt.
Das zahlte sich wohl nicht nur beim gestrigen Live-Auftritt in „Das Bett“ aus. Denn Millionaire als „Aktivposten“ einer ohnehin sehr agilen Formation zu bezeichnen, erscheint mir eher noch untertrieben. Der Mann mit
der Akustik- Gitarre spielte sein Instrument unter anderem knieend, auf dem Rücken liegend, erklomm einen der stählernen Pfosten an der Seite der Bühne, und vieles mehr. Auch Cole und Duckworth wollten da nicht zurückstehen und nahmen das ein oder andere Bad im Publikum, das schätzungsweise aus rund 200 Personen bestand und dem Konzert damit einen würdigen Rahmen verlieh.
All jene, die gemutmaßt hatten, es würden in Anlehnung an das Tour-Motto lediglich Stücke aus dem Album „Damnation Overdrive“ präsentiert, wurden schnell eines Besseren belehrt: Tatsächlich wurde zwar mit dem Song „Live to Win“ von der erwähnten Scheibe begonnen, es fanden sich aber letztlich mit „Eat My Dust“, „Be Fast“ und „I Don’t Care“ (als letzte Zugabe) nur drei weitere Tracks davon auf der Setlist.
Der weitere Fokus des aus insgesamt 25 Liedern bestehenden Auftritts lag auf den Werken „Automatic“ von 2002 und „Avenue X“ (2005), die je fünf feine Songs beisteuerten. Dazu noch ein paar weitere Perlen aus dem inzwischen aus sieben LPs bestehenden Backkatalog der New Yorker, und fertig war ein schönes „Best of“ aus nunmehr 22 Jahren Bandgeschichte.
Für mich war’s eine Show ganz nach meinem Gusto: Schweißtreibend auf und vor der Bühne dargeboten von Musikern, die der Gästeschar deutlich mehr als nur einen Pflichtteil an Action boten und dabei bis an ihre Grenzen gingen. Ich hatte das Gefühl, dass auch die Band den Auftritt genoss, und zum Schluss klatschte nicht nur Cole mit den Fans in den vorderen Reihen ab. Nach kurzer Regenerationspause standen alle Mitglieder der TURBO A.C.’s am Merchtisch für Autogramme, Fotos und Schwätzchen bereit, auch nicht selbstverständlich. Die neue „Damnation
Overdrive – 20th Anniversary Edition“ ist übrigens für Fans der Combo wie für Vinyl-Nerds gleichermaßen zu empfehlen: Klappalbum, farbiges Vinyl, Download-Code, riesiges Poster, Liedtexte auf der Innenhülle, usw. Mehr geht nicht.
Nach der Jubiläumstour kann sich die Truppe wieder darauf konzentrieren, neues Material aufzunehmen, an dem angeblich mit Hochdruck gearbeitet wird. Das letzte Album „Kill Everyone“ (über den Tourstopp dazu in
der Frankfurter Au berichteten wir hier) hat auch schon fünf Jahre auf dem Buckel. Da die Band, wie gestern wieder eindrucksvoll nachgewiesen, noch immer voll im Saft steht, darf man gespannt sein.
Setlist: Live to Win – Substance – Genuine – Hypnotized – Knifefight – Turbonaut – Mean Mistreater – Nightmare – Automatic – Eat My Dust – Be Fast – 1-800 – S.R.O. – Fistful of Fury – Emergency Room – Face of Disaster – Get Money – Primer Black – Avenue X – Go Ahead – Hit the Road – The Future / Into the Vortex – Last One Standing – I Don’t Care
Abgerundet wurde der Konzertabend durch den lokalen Support von KING MOROI. Das Trio hat im Verlauf der vergangenen drei Jahre landauf, landab mit den meisten der „Großen“ des Psycho- und Horrorbilly wie DEMENTED ARE GO, THE METEORS und BATMOBILE die Bühne geteilt, ich sah sie zuletzt im Januar 2015 im Vorprogramm von MAD SIN an gleicher Stelle (Bericht hier). In der jüngeren Vergangenheit waren die Jungs allerdings auch im Studio aktiv: Ende
2015 kam ihr Debütalbum „Hardly Better Than Nothing“ heraus, Mitte August 2016 soll die Single „Let Me Out“ folgen, auf der Frontfrau Kitty von KITTY IN A CASKET einen Gesangspart übernimmt.
Durch ihre Auftritte mit den Granden des Genres haben KING MOROI neben der schon vorhandenen Kreativität und Spielfreude noch eine Menge Souveränität gesammelt, was den Jungs auch gestern wieder deutlich anzumerken war. Hier und da eine launige Ansage, ansonsten wummerte der Double Bass von Smirnov zu Songs wie „Hiding in the Graveyard“, „Crying Dying Man“ oder „Creepcake“ routiniert im Zusammenspiel mit der Gitarre von Jerry Toothpaste und den Trommeln des Monkey Boy.
Ins Halbdunkel der Bühne getaucht und garniert mit vielen schönen Lichteffekten war es ein gelungener Gig, der dem Dreier nicht nur in den Reihen von eingefleischten Psychobillys einige neue Freunde beschert haben dürfte. Während nämlich in besagter Stilrichtung gerne mal auf dicke Hose gemacht wird und sich die Bands mit möglichst viel „Evil“-Attitüde präsentieren, schwimmen KING MOROI in dieser Hinsicht gegen den Strom. Sympathisch sind sie, die Buben,
und damit auch stilbildend geschmacks- kompatibel für all diejenigen, denen das tradierte „Bad Boy“-Image der Psychobillys schon immer zu aufgesetzt daherkam. Bitte genau so weitermachen.
Setlist: Funsize – Hiding in the Graveyard – Spytank – Spirit of the Cat – Headvice – Dr. Cogan – Meatgrinder – Bloody Rain – Crying Dying Man – LTTT – Barrymore – I’m Ready – Switchside – Marie – My Train Has Gone / Let Me Out – Creepcake
Links: http://www.turboacs.com/, https://www.facebook.com/turboacs, https://myspace.com/theturboacs, http://www.last.fm/music/The+Turbo+A.C.’s, http://www.kingmoroi.de/, https://www.facebook.com/KingMoroi/, https://www.reverbnation.com/kingmoroi, http://www.last.fm/de/music/King+Moroi
Text & Fotos: Stefan
Alle Bilder:






