Das Bett, Frankfurt, 23.04.2014
Kevin Seconds ist den meisten als Sänger der US-Combo 7 SECONDS ein Begriff, die bereits seit 1980 mehrere Generationen von Hardcore- und Punk-Freunden aufmischt. Dass der gute Mann auch schon seit 25 Jahren Solo-Auftritte absolviert und sich dabei ganz anderen Musikstilen wie Folk, Country, Americana und Indie-Rock verschrieben hat, wird hierzulande eher beiläufig, wenn überhaupt, wahrgenommen. Auch ist er in den vergangenen Jahren nicht über den großen Teich gereist, um sich im Duett mit seiner Gitarre zu präsentieren, sondern hat sich nur in den Vereinigten Staaten einen Wolf getourt. Mit dem jüngst erschienenen Album „Off Stockton“ im Gepäck setzte er sich aber nun doch mal in den Flieger und startete seine Europa-Rundreise gestern bei uns in Frankfurt.
Eine gute Gelegenheit also, K.S. als Singer/Songwriter zu erleben, wenn auch nicht unter besonders günstigen Vorzeichen: Mitten in den Osterferien und an einem Abend, an dem mal wieder König Fußball alles überstrahlte (Champions League-Halbfinale mit deutscher Beteiligung), waren von vornherein nicht viele Besucher zu erwarten. Dass es dann genau so kam, überraschte mich genauso wenig wie es mich störte: Die „familiären“ Konzerte mit Wohnzimmeratmosphäre sind doch häufig die besten. Auch der Club „Das Bett“ trug der Situation spontan Rechnung und positionierte die Barhocker und die Sessel, die sonst am Rand stehen, in unmittelbarer Nähe der Bühne. So konnten fast alle Gäste den Gig oberbequem im Sitzen verfolgen.
Gegen halb zehn stieg Mr. Seconds schließlich auf das Podest, mit knielangen Shorts, T-Shirt und Jeansweste, auf der unter anderem ein Patch seiner Band 7 SECONDS prangte. Um Kinn und Wangen wucherte ein Vollbart und den Kopf bedeckte eine schwarze Wollmütze, die den gesamten Abend über sein stetiger
Begleiter blieb. Ihn umgibt nicht diese unnahbare Aura wie einige seiner Kollegen etwa vom Schlage eines Henry Rollins, er wirkt mit seinen weichen statt kantigen Gesichtszügen eher gemütlich und etwas fülliger um die Hüften geworden ist er auch. Kurzum: Er sieht weniger aus wie eine lebende Hardcore-Legende, sondern vielmehr wie einer, der vorhin mit dem Plastikbeutel neben Dir aus dem Aldi geschlappt ist, und vielleicht macht ihn gerade das über alle Maßen sympathisch.
Seine Songs, deren Inhalt er jeweils vorher kurz erläuterte, handeln vom täglichen Mit- oder Gegeneinander, von Beziehungsproblemen und ein Lied über seine Heimatstadt Sacramento war auch dabei. Zwischen den Stücken erzählte er, warum man mit 53 (so alt ist er inzwischen) keinen Moshpit mehr starten sollte und hielt die ein oder andere Anekdote aus dem Leben eines alternden Punkrockers bereit, die vom Publikum interessiert aufgesogen wurde. Zwischendurch durften die Gäste auch mal wählen, ob nun ein langsames oder ein schnelles Stück folgen sollte und er bedankte sich nach jedem Song überschwänglich. Wenn es uns Spaß mache, mache es ihm auch Spaß, so der Alleinunterhalter, der neben seiner Gitarre auch noch auf der Mundharmonika spielte. Ich zweifelte keinen Moment, dass er es ernst meinte.
Nach etwa 20 Liedern in einer guten Stunde Spielzeit war der Auftritt dann auch schon vorüber. Eine Zugabe gab es noch, für eine zweite insistierte das Besucher-Grüppchen scheinbar nicht entschieden genug. Ich hätte zwar gern noch mehr gehört, aber es war auch in Ordnung so, mir ist ein
kurzweiliges kurzes Konzert allemal lieber als ein langes mit Längen. Außerdem muss der Mann ja auch noch mit seinem Jetlag klarkommen, was man ihm wohl zubilligen sollte. Im anschließenden Gespräch bestätigte Seconds meinen Eindruck als äußerst umgänglicher, netter Zeitgenosse. Unter anderem teilte er mit, dass er beabsichtigt, im Juli wieder mit 7 SECONDS nach Deutschland zu kommen. Auch Frankfurt soll dann angeblich auf dem Tourplan stehen. An die letzte, ausverkaufte Show bei uns, im August 2012 in der Au, erinnerte er sich übrigens noch gut („It was so hot, and I couldn’t breathe… – but it was fun!“).
Am Merchtisch konnten neben Shirts und Tonträgern (leider nur auf CD, für das Fehlen von Vinyl hatte er sich schon während des Gigs entschuldigt und Besserung gelobt) auch kleine Kunstwerke von Seconds erworben werden: Limitierte Drucke seiner Tier- und Menschenzeichnungen, die er auf Wunsch an
Ort und Stelle signierte. Ich legte mir das neue Album „Off Stockton“ zu und konstatiere, nachdem ich es mir zuhause angehört habe: Ja, es gefällt, ist aber mit knapp 23 Minuten für elf Songs doch etwas arg kurz(weilig) ausgefallen. Was soll’s, als Erinnerung an einen netten Abend taugt es allemal. Auch Kevin Seconds war scheinbar von seinem Tourauftakt im „Bett“ durchaus angetan. Schon kurze Zeit nach der Show ließ er über Twitter verlauten: „Frankfurt last night was a blast. Great bunch of music fans and the sound was killer. Not a bad start…“. Recht hat er.
Links: http://kevinseconds.com/, https://myspace.com/kseconds, http://www.last.fm/music/Kevin+Seconds, http://www.reverbnation.com/kevinseconds, http://kevinseconds.bandcamp.com/
Text & Fotos (4): Stefan / Fotos (6) & Clips: Kai
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