Burgwiesenhalle, Oberursel, 8.04.2017
Am zweiten Tag trudelten wir gegen 16 Uhr im Oberurseler Stadtteil Bommersheim ein und hatten zu dieser Zeit leider bereits STORMHUNTER, TRAITOR und GUILTY AS CHARGED verpasst, kamen aber rechtzeitig zum Auftritt der Metalheads BLACKSLASH aus Donaueschingen. Die Truppe gibt es seit exakt zehn Jahren, in denen zwei Longplayer und eine EP erschienen sind. Als die Bandmitglieder die Bühne betraten, musste ich zunächst überlegen, ob die Outfits der Jungs ein Gag oder tatsächlich ernst gemeint waren. Zumindest beim Sänger, dem Bassisten und dem Gitarristen mit der Flying-V sah das Ganze aus, als hätten sie auf dem Dachboden alte Klamotten ihrer Eltern aus den Achtziger Jahren entdeckt und würden nun ein Hard-Rock-Cosplay veranstalten. Doch wie heißt es so schön:
„Never judge a book by it‘s cover!“ Denn tatsächlich ist das, was die
Blackslash
Süddeutschen auf dem Podest abfeiern, für Metalheads, die auf frühen Teutonenstahl der Marke HELLOWEEN, RAGE und Konsorten stehen, ein Tipp. Zudem müssen sich die Jungs weder musikalisch noch kompositorisch vor den großen Vorbildern verstecken. Sänger Clemens ließ bei
mir gar Assoziationen an die frühen QUEENSRYCHE aufkommen. Ein Klasse-Gig, bei dem ich mir nur eine Sonnenbrille gewünscht hätte, um nicht von den bonbonfarben Kostümen der Band geblendet zu werden.
Als nächstes wurde es finster, denn die seit 2016 neu reformierten Sauerländer DARK MILLENNIUM enterten die Bühne und ballerten dem Publikum eine Mischung aus progressivem Death und Doom Metal entgegen, die die 80s-Party-
Stimmung, die wenige Minuten zuvor von BLACKSLASH geschaffen wurde,
Dark Millennium
jäh in den Hades schickte. Tatsächlich leerte sich die Halle auffallend schnell, sodass beim Gig von DARK MILLENNIUM so wenig Besucher wie bei keinem anderen der nachfolgenden Acts anwesend waren. An der Qualität des Quintetts konnte das allerdings nicht gelegen haben, denn das Dargebotene war
technisch hochwertig und verdammt düster, aber vielleicht war es draußen einfach noch zu hell oder der Kontrast zur vorherigen Show zu krass. Allen Menschen, die an übertriebener Glückseligkeit und einem Dauergrins-Syndrom leiden, sei DARK MILLENNIUM wärmstens ans Herz gelegt, denn deren finsterer Sound dürfte selbst dem größten Sunnyboy Depressionen bescheren.

Weiter ging‘s mit IRON KOBRA aus Gelsenkirchen, die seit 2008 aktiv sind und bereits auf einige Veröffentlichungen zurückblicken. Und wie bereits bei BLACKSLASH war ich auch bei den Ruhrpott-Metallern etwas irritiert, ob
Live-Darbietung, Image und Songtexte ernst gemeint sind oder ob es sich um eine Spaßcombo handelt, die einfach jedes noch so affige Metal-Klischee in einen Song oder ein Plattencover verwandelt hat. So folgte
Iron Kobra
Liedern wie „Metal Rebel“ und „Heavy Metal Generation“ beispielsweise auch ein deutscher Track namens „Wut im Bauch“. Ich fand den Auftritt irgendwie seltsam, konnte über die ständigen Gags des Sängers (oder waren das gar keine?) nicht lachen und war zudem von seinem doch sehr deutlichen deutschen Akzent genervt. Doch dies ist mein persönlicher Eindruck,
dem inzwischen wieder reichlich vertretenen Publikum gefiel das Ganze offensichtlich gut, die Party-Stimmung war zurück und zum Abschluss wurde mit „Metal Daze“ noch ein Klassiker der mächtigen MANOWAR zum Besten gegeben, bei dem deutlich wurde, dass MANOWAR-Shouter Eric Adams doch ein verdammt geiler Sänger ist.
Die folgenden CONTRADICTION aus Wuppertal gefielen mir da schon wesentlich besser, nicht zuletzt, weil ich in meinem gesetzteren Alter Seriosität zu schätzen weiß. Der Name der Band war mir zwar bereits zuvor geläufig, dass die Recken aus dem
Contradiction
Bergischen Land aber bereits sieben Longplayer eingespielt haben, war mir neu. CONTRADICTION boten eine Mischung aus Old-School-Thrash und Speed Metal, die mit herrlich dreckigen Vocals aufwartete. Und wer wie der Basser der Formation ein Shirt der PLASMATICS trägt, kann einfach keine schlechte Musik machen. Unterm Strich eine solide Vorstellung.
Als drittletzter Act des Abends gaben sich STORMWARRIOR aus Hamburg die Ehre, deren erste EP „Spikes and Leather“ 2001 erschien. Musikalisch gab‘s an
den Nordmännern nichts zu beanstanden, die rasante Mixtur aus Power und Speed Metal wurde mit großer Routine dargeboten, war aber musikalisch einmal mehr nicht mein Fall.
Stormwarrior
Mit Wikingerbooten und Kriegern auf Plattencovern konnte ich noch nie viel anfangen, und mit Texten über solche Szenarien ebenfalls nur in den wenigsten Fällen. Da bedarf es schon Ausnahmebands wie MANOWAR oder HEAVY LOAD um mich zu begeistern. Dem Publikum bereiteten STORMWARRIOR aber dennoch großen Spaß, keine Frage. Die Geschmäcker sind eben verschieden.
Als letzte Gruppe des Abends erlebte ich die Amerikaner CAGE, die musikalisch wieder mehr meins waren. Die in San Diego beheimateten Metalheads orientieren sich mit ihrem klassischen Heavy Metal doch stark am großen
Vorbild JUDAS PRIEST. Dies wird bereits durch Songtitel
Cage
wie „Hell Destroyer“, „Bloodsteel“ und „Metal Empire“ angedeutet, manifestiert sich aber noch deutlicher in Person von Shouter Sean „The Hell Destroyer“ Peck, der wohl gerne ein zweiter Rob Halford wäre, gesanglich aber nicht ganz an den Meister heranreicht. Dennoch ist Peck ein solider Metal-Shouter, der
aktuell nicht weniger als vier Formationen frontet. Neben CAGE sind dies DEATH DEALER (die Band von Ex-MANOWAR- und DICTATORS-Gitarrist Ross the Boss), DENNER/ SHERMANN (das Solo- Projekt der beiden MERCYFUL-FATE- Gitarristen) sowie die 80s-Kultband WARRIOR. Live war Peck neben dem durch Bodybuilding gestählten Gitarristen Dave „Conan“ Garcia der Blickfang auf der Bühne und untermauerte mit seinen Mannen eindrucksvoll, dass die 1992 gegründeten CAGE sein ohne Zweifel bestes Projekt sind. In den ersten Reihen wurde gebangt, was das Zeug hielt und auch sonst sorgten CAGE mit ihrem hymnenhaften Metal für große
Begeisterung. Mit der Verpflichtung von CAGE, die bereits seit Jahren ein feste Größe im Metal-Genre sind, ist den Veranstaltern durchaus ein großer Fisch ins Netz gegangen. Chapeau!
Nach dem Headliner traten noch die Koblenzer Thrasher SECUTOR auf, die kurzfristig eingesprungen waren, in deren Genuss ich aber nicht mehr kam, da ich nach CAGE die Heimreise antrat. Abschließend gilt es zu konstatieren, dass es den Organisatoren auch diesmal wieder gelang, ein illustres und abwechslungsreiches Billing zusammenzustellen, das sicher für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte. Mir persönlich gefielen dabei die Gruppen des ersten Tages besser. Ich freue mich bereits aufs nächste Jahr! Metal up your Ass!
Links: http://www.taunus-metal.de/, https://www.blackslash-band.de, https://www.facebook.com/blackslashband, https://www.darkmillennium.de, https://www.facebook.com/DarkMillenniumOfficial/, http://ironkobra.de, https://www.facebook.com/CultOfTheSnake, http://www.contradiction.de, https://www.facebook.com/contradictionmetal, http://www.stormwarrior.de, https://www.facebook.com/stormwarrior.official/, http://www.cageheavymetal.com, https://www.facebook.com/cageofficial
Text: Marcus / Fotos: Eric, https://www.flickr.com/photos/vanreem
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