THE THE

Batschkapp, Frankfurt, 3.07.2025

The TheSelten sind sie geworden, die Bands, die mich seit Jahrzehnten begleiten, die ich immer noch mag und die sogar noch Konzerte geben. Eine von ihnen ist die britische Rockgruppe THE THE, die ich irgendwann am Ende meiner Schulzeit Mitte der Achtziger Jahre mit der 1983 erschienenen Platte „Soul Mining“ kennenlernte, die bis heute zu meinen meist abgespielten Tonträgern gehört. 2024 erschien das siebte Studioalbum namens „Ensoulment“ und im August  vergangenen Jahres startete der kreative Kopf der Truppe, Matt Johnson, eine knapp 50 Auftritte umfassende Welttournee, die die Formation bis Ende November durch Europa (darunter zwei Konzerte in Berlin und Köln), die USA, Kanada und Australien führte. Bei der Fortsetzung der Tour im Juni und Juli 2025 standen drei Shows in Deutschland auf dem Plan: in der Hamburger Elbphilharmonie, der Münchner Muffathalle und der Frankfurter Batschkapp.

Ich war gespannt, wie die Publikumsresonanz ausfallen würde, denn zum einen war der Eintrittspreis von rund 80 Euro nicht für jedermann ohne weiteres erschwinglich und zum anderen war es in den 2000er Jahren doch merklich ruhiger um die Band geworden. Das letzte Studio-Werk „NakedSelf“ liegt 25 The TheJahre zurück, in der Folge erschienen lediglich einige Soundtracks (zum Beispiel für „Moonbug“, „Hyena“ und „Muscle“), die eher den Filmliebhabern bekannt geworden sein dürften. 2021 gab die Gruppe, deren einziges permanentes Mitglied Johnson ist, aber noch ein Lebenszeichen, als ein im Juni 2018 in der Royal Abert Hall in London gegebenes Konzert auf (Dreifach-)Vinyl gepresst wurde.

Bei meiner Ankunft an der Halle war bereits zu sehen, dass das Gros der Besucher zwischen 55 und 65 Jahren alt war und dass es eventuell doch etwas enger im – eiskalt heruntergekühlten – Saal werden könnte. Viele dachten vermutlich, und das nicht ganz grundlos, dass man THE THE vielleicht zum letzten Mal live vor der Haustür würde erleben können. Die The The Auftrittsorte, je einer im Norden, in der Mitte und im Süden Deutschlands, sorgten zudem für einen großen Einzugsbereich. Pünktlich um 19 Uhr startete der Einlass, was wie immer bei dieser Altersklasse sehr entspannt und diszipliniert vor sich ging. Und Gongschlag Acht, man hätte seine Uhr danach stellen können, erloschen unter tosendem Applaus des noch fröstelnden Publikums die Deckenlichter und die Spots über der Bühne wurden eingeschaltet.

The The

Bandchef Johnson betrat als Letzter des Quintetts das Podest und nahm seinen Platz hinter dem ikonischen Ständer mit den drei verschiedenen Mikrofonen ein, die seine Stimme je nach Song oder Textpassage unterschiedlich klingen lassen. Nach dem Intro „Valhalla“ begann die Show mit einem der besten Lieder des The The„Ensoulment“-Albums, „Cognitive Dissident“, mit dem auch besagtes Werk startet. Unmittelbar danach ging es bereits Schlag auf Schlag: „Sweet Bird of Truth“ von der kommerziell erfolgreichen LP „Infected“ von 1986 (später folgten noch „Heartland“ und der Titelsong, leider nicht „Slow Train to Dawn“) sowie der polarisierende und heute fast prophetisch anmutende Track „Armaggeddon Days Are Here (Again)“ vom sehr starken Album „Mind Bomb“ (1989).

Schon zu Beginn des Auftritts bat Johnson das Publikum darum, die Handys in den Taschen zu lassen und auf das Fotografieren und Filmen zu verzichten. Man laufe sonst Gefahr, erklärte er scherzhaft, dass er die Mobiltelefone an sich nehme und später auf Ebay verkaufe. Er könne dem ganzen Handy-Getue nichts abgewinnen: „It’s a sickness!“, so Johnson. Und weil die Knips- und Film-Manie The Thebei der Generation Ü50/60 sowieso nicht sonderlich stark ausgeprägt ist und sich weitgehend an die „Anweisung“ gehalten wurde, konnte man das Konzert fast komplett ohne störende Mini-Displays vor der Nase genießen.

Weiter im Programm: Als nächste Höhepunkte würde ich das extrem tanzbare „The Beat(en) Generation“ (ebenfalls „Mind Bomb“) sowie die darauf folgenden, eher introvertierten Stücke „Love Is Stronger Than Death“ (von „Dusk“, 1993) und „Where Do We Go When We Die?“ (vom aktuellen Dreher) identifizieren. Viel zu sehen gab es indes nicht, und das war vielleicht auch nicht zu erwarten: Fünf Herren bewegten sich in dunkler Kleidung auf einer recht dunklen Bühne. Sänger Johnson ging mal nach rechts, mal nach links rüber, alle anderen hielten ihre Positionen strikt ein.

The The

Ich hatte auf ein paar visuelle Eyecatcher gehofft, vielleicht auf einer großen Leinwand wie im April diesen Jahres bei TANGERINE DREAM (Bericht dazu hier), doch die gab es nicht. Schade, denn die Texte von THE THE geben ja durchaus einiges her, ließen sich hervorragend mittels optischer Eindrücke intensivieren. Vielleicht sollte nichts von der Musik ablenken (was ich als einzige The TheErklärung gelten lassen kann, denn die technischen Voraussetzungen für Beamer-Einspielungen sind in der Halle selbstverständlich vorhanden). Matt Johnson präsentierte sich kommunikativer und nahbarer, als ich ihn bei dem THE THE-Gig im Jahr 2000 in der „alten“ Batschkapp in Erinnerung hatte. Hin und wieder nahm er sich Zeit für ein paar erklärende Worte, warum und wann ein bestimmtes Lied entstanden war. Er sagte auch, es sei ihm bewusst, dass die „NakedSelf“-Tournee vor 25 Jahren in Frankfurt zuende ging und dass dies bei der „Ensoulment“-Tour nun wieder der The TheFall sei. Irgendwie schloss sich da für ihn ein Kreis; und für mich ebenfalls.

Wieder zurück zur Show: Die beste Phase folgte vor dem Ende des „regulären“ Sets: Lieblingslieder und Gänsehautmomente hintereinander weg mit „Slow Emotion Replay“ („Dusk“), „This is the Day“ und „The Sinking Feeling“ von bereits erwähnter Überflieger-Platte „Soul Mining“, dem Hit „Dogs of Lust“, „I’ve been Waiting For Tomorrow“ sowie dem Klassiker „Infected“. Mehr kann man sich als THE THE-Fan weder wünschen noch erwarten. Außerdem stellte Johnson („It’s time to introduce my wonderful band!“) seine Mitstreiter Barrie Cadogan an der Gitarre, James Ellen am Bass, DC Collard an Keyboard und Mundharmonika und Earl Harvin am Schlagzeug vor. Es ist die gleiche Besetzung, die das Album „Ensoulment“ eingespielt hat.

The The

Zu einer Zugabe ließ sich die Formation, die nur kurz hinter der Bühne verschwand, nicht lange bitten. Drei Songs würde es noch geben, so Johnson, und das Publikum könne per Zuruf bestimmen, welche. Natürlich setzte großes Geschrei ein und es fiel schwer, im Durcheinander der Stimmen überhaupt etwas zu verstehen. Die Band entschied sich schließlich für „Lonely Planet“, The The„Uncertain Smile“ (mit feinem Key-Solo) und zum Abschluss das überlange „Giant“. Ob dies die Zuschauerwünsche waren oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis, ist aber eigentlich auch egal. Wer mit der Auswahl der insgesamt 21 Lieder – einem fantastischen „Best of“ des bisherigen Schaffens von THE THE – nicht zufrieden war, dem ist wirklich nicht zu helfen.

Nach eindreiviertel Stunden Konzert trat die Menschenmenge aus der doch sehr gut gefüllten Batschkapp den Weg nach draußen an, um an einem schönen Juliabend an den Tischen des „Sommergartens“ bei einem Bier oder Apfelwein das gerade Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen. Mir bleibt zu hoffen, dass es nicht erneut 25 Jahre dauert, bis die Band wieder in Frankfurt Station macht. Denn dann wäre ich 83 und Matt Johnson 89 Jahre alt.

Links: https://www.thethe.com/, https://www.facebook.com/officialthethe, https://www.instagram.com/officialthe_the/, https://thethe.bandcamp.com/, https://www.youtube.com/c/TheTheOfficial, https://www.last.fm/music/The+The

Text & Fotos (4): Stefan
Fotos (16): Kai

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