WILD BOAR WARS #3 – Tag 2 STAGEWAR, ELMSFIRE, POISÖNED SPEED, GOD DETHRONED

Das Bett (Open Air), Frankfurt, 29.08.2021

Poisöned SpeedHier geht es weiter mit unserer Berichterstattung zum zweiten Tag des Wild Boar Wars Festival III auf dem Gelände neben dem Frankfurter Club „Das Bett“ mit unseren Eindrücken zu den Bands STAGEWAR , ELMSFIRE, POISÖNED SPEED (Foto links) und GOD DETHRONED.

Der Sonntag bei den Wild Boar Wars startete ebenfalls um 15 Uhr und somit erneut zu früh für uns – um diese Zeit schlafen anständige Menschen noch. Aus diesem Grund verpassten wir leider die Frankfurter Formation AL GOREGRIND, kamen aber genau rechtzeitig zur Show von STAGEWAR, die ebenfalls alte Bekannte der Taunus-Metal-Festival-Gemeinde sind und aus dem hessischen Neu-Anspach stammen. Das Quartett gibt es seit 2003 und bisher wurden drei Alben veröffentlicht, das aktuelle Werk „Danger To Ourselves“ ist just erschienen.

StagewarDie Band hat sich Oldschool-Thrash der Marke TESTAMENT/EXODUS auf die Fahnen geschrieben und sorgt bei Live-Auftritten mit ihrem Sound stets für Party-Stimmung. Für den Gig im Frankfurter Gallusviertel

Stagewar

hatten die Jungs aus dem Hochtaunuskreis eine gewagte Setlist zusammengestellt, enthielt diese doch gleich sechs Songs des neuen und zu diesem Zeitpunkt noch nicht erhältlichen Langspielers, die folglich dem Publikum gänzlich unbekannt waren. Das Ganze war also quasi eine Live-Generalprobe des neuen Materials und funktionierte prächtig. Die Stimmung vor der Bühne war grandios und die frischen Stücke kamen bestens Stagewaran. Außerdem gab es noch eine Handvoll Tracks vom Vorgängeralbum „Killing Fast“ von 2016 und immerhin einen Song vom Debüt „Living on Trash“ (2011). Unter dem Strich war’s ein starker Auftritt von STAGEWAR. Wer sich ein Bild vom aktuellen Schaffen des Vierers machen möchte, dem sei unter anderem der Videoclip zum Song „R.U.N.“ hier empfohlen – Freunde der „Muppets“ kommen dabei ebenfalls auf ihre Kosten…

StagewarNach dem Gig von STAGEWAR freuten sich zunächst alle Besucher, dass das Wetter trotz ganztägig angekündigten Regens zu halten schien. Eine schlechte Nachricht gab es dennoch: Nachdem ein Polizeiwagen vor dem Eingang vorgefahren war, drohte nämlich der Abbruch des Festivals. Anwohner hatten sich über den Lärm beschwert und da die Genehmigung der Stadt wohl einen Formfehler aufwies, mussten die Metal-Fans nun um das Event bangen. Die Clubbetreiber reagierten Elmsfireumgehend und versuchten – es war Sonntagnachmittag – jemanden von der Stadt zu erreichen, um über die Unklarheit im offiziellen Schreiben Auskunft zu erlangen. Nach einer langen Stunde bangen Wartens folgte letztlich die frohe Kunde, dass das Konzert fortgesetzt werden konnte – das Publikum jubelte.

Elmsfire

Leidtragende der unfreiwillig langen Umbaupause war die Düsseldorfer Formation ELMSFIRE, die ihr Set auf lediglich sechs Songs und eine Spielzeit von etwa einer halben Stunde reduzieren musste, um dem Zeitplan wieder gerecht zu werden – um 21 Uhr musste bereits Schicht im Schacht sein und zwei Gruppen sollten noch folgen. ELMSFIRE treiben bereits seit 20 Jahren ihr Unwesen und haben, wie ein Blick in die ElmsfireEncyclopedia Metallum verrät, in dieser Zeit sechs Sänger und sieben Bassisten verschlissen. Dies erinnert an die Kultband SPINAL TAP, der allerdings immer die Drummer abhanden kamen.

Musikalisch zelebrieren ELMSFIRE epischen Power Metal à la BLIND GUARDIAN oder – wie einer meiner Tischnachbarn konstatierte – „Phantasialand Metal“. Auch wenn das musikalisch eher nicht mein Fall war, so Elmsfiregab es rein handwerklich nichts an dem Quintett auszusetzen: Die Musiker bewegten sich auf einem hohen Niveau, die Kompositionen waren sowohl stimmungsvoll als auch abwechslungsreich und passten recht gut zur lyrischen Thematik, die zwischen Animes („Harlock“), Sagen, Mythen und Legenden angesiedelt ist. Ich war dennoch nicht wirklich böse, dass ELMSFIRE nur ein verkürztes Set spielten.

Elmsfire

Weiter ging’s mit meinem persönlichen Highlight des Festivals, der (wenn meine Nachforschungen korrekt sind und ich die Fried-Chicken-Bude, vor der die Jungs stets posieren, richtig lokalisiert habe) aus Kaiserslautern stammenden Formation POISÖNED SPEED. Ich hatte nie zuvor von dem Trio gehört und Poisöned Speedgenehmigte mir gerade eine Currywurst, als plötzlich sehr familiäre Klänge

Poisöned Speed

von der Bühne zu mir drangen – das war doch Lemmy, der da sang, oder? Nun, nicht ganz, obgleich der langhaarige Basser, der sich Tobster nennt und auch den Gesang liefert, tatsächlich ein wenig wie die verstorbene Ikone in seinen Zwanzigern aussieht. Doch nicht nur der Gesang klang wie der von Lemmy, sondern auch die Musik, wobei ob des jugendlichen Alters des Trios auch ein wenig Speed Metal herauszuhören war.

Poisöned SpeedGeboten wurde eine rasante Mixtur aus MOTÖRHEAD, MIDNIGHT und VENOM, die sogar textlich mit ähnlichen Worten jonglierte wie es einst Lemmy tat: Winner, Loser, Gambler und Speed waren nur einige der Worte, die ich heraushörte. Nun kann man natürlich sagen, dass es wenig originell ist, MOTÖRHEAD bis ins Detail zu kopieren, doch zum einen kann Tobster nun mal nichts dafür, dass er wie Lemmy klingt und zum anderen gibt es MOTÖRHEAD ja leider nicht mehr.

Poisöned SpeedPOISÖNED SPEED live zu erleben fühlte sich wie eine Huldigung an den großen Mann des Rock’n’Roll an und ich bin sicher, dass Lemmy ebenfalls seinen Spaß am Gig der Youngsters gehabt hätte. Bisher ist von dem Trio lediglich eine Demo-Compilation namens „Quick and Dirty“ in Eigenregie erschienen, die Jungs stehen tatsächlich noch bei keinem Label unter Vertrag. Ich prophezeie mal, dass wir sie in einigen Jahren auf einem großen Label sehen werden. Ihren Auftritt bei den Wild Boar Wars haben die Lauterer übrigens mitgeschnitten, um ihn unter dem Titel „Live and Greasy“ als CD zu veröffentlichen. Wer sich von den Qualitäten des Trios überzeugen möchte, dem sei als Anspieltipp der Jetzt-schon-Klassiker „Fistfights Under Neon Lights“ genannt, der bei YouTube oder Spotify gehört werden kann.

God DethronedAls letzter Act und somit Headliner des Tages standen schließlich die Niederländer GOD DETHRONED auf der Bühne – und das zu Recht. Das Quartett steht beim amerikanischen Kult-Label Metal Blade unter Vertrag,

God Dethroned

wütet bereits seit 30 Jahren und hat in dieser Zeit nicht weniger als elf Alben rausgehauen. Musikalisch wurde Blackened Death Metal geboten, dessen Riffs oftmals Assoziationen an die von SLAYER weckten. Auf der Setlist fanden sich 16 Songs, die von insgesamt neun Scheiben entliehen waren. Lediglich vom Debüt „The Christhunt“ (1992) und von „The Toxic Touch“ (2006) wurde nichts gespielt.

God DethronedDie Stücke aus den unterschiedlichen Epochen machten deutlich, welche Wandlung die Band inzwischen durchlaufen hat: Von brachialen Death Metal-Hämmern bis hin zu technisch anspruchsvollen Liedern mit melodischen Chören war alles vertreten, was das Genre ausmacht. Erwähnt sei noch, dass das Quartett einen extrem guten Sound hatte und den Anwohnern somit noch mal gehörig eingeheizt wurde. Kurz vor Ende des Gigs machte Gitarrist und Sänger Henri, das einzig verbliebene Mitglied der Ur-Formation, dann allerdings eine etwas unglückliche Ansage, als er das Publikum vor der Bühne dazu aufforderte, die Masken abzunehmen, da es „Bullshit sei und ohnehin nichts bringe“.

Über den Sinn und Zweck von Masken bei Open-Air-Veranstaltungen lässt sich sicherlich diskutieren. Fest steht aber, dass es gesetzlich vorgeschrieben war und letztlich dem Club eine Geldstrafe droht, wenn dieser die Verordnung nicht God Dethronedumsetzt. Insofern war das Ganze etwas unüberlegt und zum Glück (des Clubs) leistete der Aufforderung niemand Folge. Nach drei weiteren Songs beendeten die Niederländer schließlich ihren Gig und das durchweg mit interessanten Bands besetzte Festival fand sein Ende. Bleibt zu hoffen, dass ab dem nächsten Jahr das Taunus Metal Festival wieder stattfindet und wir uns auch auf ein weitere Ausgabe der Wild Boar Wars freuen dürfen.

God Dethroned

Links: https://www.facebook.com/stagewar, https://stagewar.bandcamp.com, https://www.elmsfire.info/666/, https://www.facebook.com/Elmsfire/, https://www.facebook.com/poisonedspeed/https://poisonedspeed.bandcamp.com/, https://www.facebook.com/goddethronedofficial, https://goddethroned.bandcamp.com/

Text: Marcus
Fotos: Eric, https://www.flickr.com/photos/vanreem

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2 Comments

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2 Responses to WILD BOAR WARS #3 – Tag 2 STAGEWAR, ELMSFIRE, POISÖNED SPEED, GOD DETHRONED

  1. Guido Babel

    Gude Marcus,

    ich erlaube mir einige Bemerkungen zu Deinem zweiteiligen Review vom WILD BOAR WARS 3:

    Henri von GOD DETHRONED hat mitnichten behauptet, dass die Masken Bullshit seien und nichts bringen! Er hat sinngemäß auf Englisch gesagt: „Warum habt Ihr eigentlich alle Masken auf? Das hier ist doch ein Open-Air-Festival und kein Indoor-Konzert! Der Einlass erfolgt nach dem Motto „Geimpft, genesen, getestet“ und die Polizei ist auch nicht anwesend! So take off your fuckin‘ masks!“ Es gab Leute, die dieser Ansage auch Folge geleistet haben!

    Im Vorfeld konnte der Taunus Metal e.V. für 280 Besucher pro Tag Tickets verkaufen – Einzeltickets pro Tag und Zwei-Tages-Tickets zusammengerechnet. Trotzdem erschienen leider nicht alle, die im Vorverkauf Tickets erworben hatten! Es standen noch bis kurz vor dem Festivalwochenende mehr als 100 Zwei-Tages-Tickets über die Homepage des Taunus Metal e.V. zum Verkauf, da die Hessische Landesregierung die Coranamaßnahmen in der Zwischenzeit gelockert hatte und man das Ticketkontingent somit noch weiter aufstocken konnte. Ausverkauft war das WILD BOAR WARS 3 zu keinem Zeitpunkt!

    Warum schreibst Du am Anfang Deines Reviews, dass bei der Ankündigung des zweitätigen WILD BOAR WARS 3 die Freude groß war, Du selbst es aber weder am Samstag, noch am Sonntag pünktlich um 15:00 Uhr zur jeweils ersten Band geschafft hast! Ist das Interesselosigkeit, Faulheit, Arroganz oder von allem etwas? Wenn man laut Eurer Homepage von Konzerten am Mainstrom abseits des Mainstreams berichtet, dann sollte man als Rezensent doch den Anspruch auf Vollständigkeit haben, erst recht in diesen doch noch immer hinsichtlich der Anzahl sehr armen und trostlosen Festival- und Konzertzeiten aufgrund der Pandemie – erst recht, wenn am zweiten Festivaltag neben Dir auch Eric aus Eurem Team anwesend war.

    Mit metallischen Grüßen

    Guido Babel

    • Marcus

      Hallo Guido,

      zunächst einmal Danke für Deinen Kommentar. Wir freuen uns immer, wenn es Reaktionen gibt, leider kommt es viel zu selten vor – weiter so!

      Zu den von Dir angesprochenen Punkten möchte ich Folgendes sagen:

      Bei der Aufforderung des GOD-DETHRONED-Sängers, die Masken abzunehmen, warst Du offenbar besser platziert als ich. Obgleich ich relativ weit vorne stand, habe ich niemanden um mich herum wahrgenommen, der seine Maske abnahm. Im Bericht ging es mir in erster Linie darum, deutlich zu machen, dass sein Aufruf gegenüber dem Veranstalter nicht gerade glücklich war.

      Thema ausverkauft oder nicht: Wenn einige Tage vor dem Konzert keine Tickets mehr erhältlich sind und einige meiner Kumpels deshalb das Konzert hinter dem Zaun erleben müssen, dann ist es für mich ausverkauft. Eine Abendkasse gab es schließlich auch nicht.

      Die Aussage, dass die Freude groß war, habe ich meinem Umfeld in der Sachsenhäuser Kneipenszene entnommen. Dort gab es viele Leute, die sich aufs Festival freuten – inklusive mir. Nun ist es leider so, dass wir diesen Blog nicht hauptberuflich betreiben. Tatsächlich sind alle Autoren und Fotografen berufstätig und müssen sich somit ihre Zeit einteilen. Ich selbst musste vor und nach dem Festival an beiden Tagen arbeiten, sodass ich froh war, überhaupt über so viele Bands berichten zu können. Bei unserem Blog sollte man nicht vergessen, dass wir das Ganze aus Spaß an der Freude betreiben und nicht mit dem Anspruch, Hofberichterstatter einer bestimmten Szene zu sein. Wir tun, was wir können, manchmal fällt es üppiger aus, manchmal weniger üppig. Zur Erinnerung: Auch beim Taunus Metal Festival berichten wir nicht über alle 20 Bands, sondern nur über jene, die uns am besten gefallen haben oder die wir in der Lage waren zu sehen. Wer darüber hinaus mehr wissen möchte, der findet sicherlich in einschlägigen Metal-Magazinen und -Foren weitere Eindrücke.

      In diesem Sinne, rock on und bis bald mal wieder,

      Marcus

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